Revolution 1x06

Revolution 1x06

Um der verletzten Nora zu helfen, führt Miles die Gruppe zu dem Drogenhändler Drexel, den Miles noch aus seiner Zeit bei der Miliz kennt. Drexel ist bereit, ihnen zu helfen, verlangt dafür aber eine Gegenleistung, die Charlie erbringen soll.

Miles (Billy Burke, l.) würde Drexel (Todd Stashwick, r.) am liebsten an die Gurgel gehen. / (c) NBC
Miles (Billy Burke, l.) würde Drexel (Todd Stashwick, r.) am liebsten an die Gurgel gehen. / (c) NBC

Das passiert in der Revolution-Folge Sex and Drugs:

Nora (Daniella Alonso) ist durch den in Soul Train erlittenen Messerstich schwer verwundet worden. Sie braucht dringend medizinische Hilfe. Miles (Billy Burke) bringt sie und den Rest der Gruppe deshalb zu dem stark sadistisch veranlagten Drogenproduzenten Drexel (Todd Stashwick), wo sich Miles - fernab der Monroe-Milizen - Unterstützung verspricht. Tatsächlich hat Drexel einen Arzt zur Hand, der Nora helfen kann. Aber er erwartet dafür eine Gegenleistung.

Charlie (Tracy Spiridakos) soll für ihn den Kopf der O'Hallorans ausschalten. Dabei handelt es sich um eine Familie von ehemaligen Polizisten, welche dem Drogenboss Ärger bereiten, indem sie seine Mohnfelder abfackeln. Miles und Aaron (Zak Orth) sind sehr dagegen, dass Charlie den Auftrag annimmt. Doch sie sieht keine Alternative, wenn sie ihre Freunde retten will - und zieht deshalb los, um O'Halloran zu ermorden...

Wäre. Hätte. Könnte.

Es ist beinahe schon tragisch, wenn man daran denkt, was für eine prima Serie Revolution hätte werden können. Grausam, wie die Serienmacher sind, erinnern sie uns jede Woche aufs Neue daran - durch die Rückblenden, die uns in die Zeit unmittelbar nach dem Blackout zurückführen. Wie finden sich Menschen zurecht, die auf einmal ohne Strom klarkommen müssen? Das ist eine so spannende Frage - und ein so guter Dramastoff. Doch in Revolution werden wir mit (viel zu) kurzen Rückblenden dazu abgespeist.

Aaron ist gerade in dieser Hinsicht eine der interessantesten Figuren. Als Chef eines IT-Unternehmens hat er - wie so viele von uns - sein Leben auf Fähigkeiten gegründet, die ohne Elektrizität nichts mehr wert sind. Gerade wir hier bei SERIENJUNKIES.DE® können deshalb mit Aaron am besten mitfühlen. Wie würde es uns wohl als Online-Journalisten in einer Welt ohne Strom ergehen? Für meinen Teil gesprochen, kann ich sagen, dass ich wohl ähnliche Probleme mit den grundlegenden Dingen des Überlebens (Jagen, Feuer machen) hätte wie Aaron. Hinzukommt, dass er sich nicht in der Lage sieht, seine Frau (Maureen Sebastian) zu beschützen.

Woraus er jedoch völlig andere Konsequenzen zieht, als Tom (Giancarlo Esposito) dies in Soul Train getan hat. In der Natur gibt es zwei grundlegende Verhaltensoptionen: Flucht oder Angriff. Tom hat sich für die Gewalt entschieden. Aaron dagegen zieht sich zurück. Er fühlt, dass er für seine Frau kein adäquater Partner mehr ist - und setzt sich deshalb von ihr und der Gruppe ab. Das - in einer etwas ausführlicheren Form erzählt - wäre ein wunderbares Drama gewesen. Man hätte die Rolle des Retters-in-der-Not Sean (Michael Roark) näher beleuchten können, der nun genau die Art von Mann ist, die gefragt ist. Und dem gegenüber einer wie Aaron sich nun klein und unterlegen vorkommen muss. Das wäre ein wunderbarer Stoff gewesen. Wäre. Hätte. Könnte.

Mehr Glück als Verstand

Doch der Fokus von Revolution liegt nun mal auf der Zeit 15 Jahre danach. Was leider viel weniger spannend ist. Dafür ist Drexel, so sehr sich Todd Stashwick auch bemüht, viel zu sehr der 08/15-Psycho-Gangsterboss. Und dafür ist das ganze Szenario der qua Erpressung zu einem Verbrechen genötigten Figur viel zu oft bereits durch andere Filme und Serien verwendet worden.

Das wäre für sich genommen gar nicht mal so schlimm - und würde wahrscheinlich immer noch eine leidlich unterhaltsame Geschichte ergeben -, wenn sich die Serie nicht wieder einmal vor allem in der zweiten Hälfte der Folge so sehr vergaloppieren würde, dass es beinahe wehtut. So fällt scheinbar wirklich keiner unserer Hauptfiguren auf, dass es für Charlies Mordanschlag keine Exit Strategy gibt, bis Drexel es ihnen explizit darlegt. Okay, da mag man noch sagen: Es sind Amerikaner. Denen fällt häufiger nicht auf, dass sie keine Exit Strategy haben.

Wirklich schlimm wird es allerdings am Schluss, als Drexel im Zuge seiner Psycho-Spielchen Aaron und Nora geladene Waffen in Hand gibt (selbstverständlich nicht nur mit einer, sondern mit mehreren Patronen geladen, weil man die ja auch braucht, wenn man sich aus nächster Nähe duelliert...). „Aber nicht auf mich schießen, Kinners, ich stell mich hier so halb hinter eine gepanzerte Autotür...“ Aaron hat daraufhin gleich dreimal so viel Glück wie Verstand: Erstens, weil sein Flachmann die Kugel tatsächlich abfängt. Zweitens, weil er noch einen zweiten Schuss hat, mit dem er Drexel erledigt. Und drittens, weil dessen Leute ihn anschließend mehr oder minder schulterzuckend mit Nora abziehen lassen. „Tja, Du hast gerade unseren Boss umgelegt. Aber nehmen wir Dir das übel? Nö.

Miles verblüfft

Das ist geradezu unfreiwillig komisch. Bereitet aber immerhin eine der wenigen Szenen vor, die in Revolution mit Absicht komisch geraten sind: Als Miles nämlich erfährt, dass Aaron Drexel umgelegt hat und er mit völlig entgeistertem Blick nachfragt: „This Aaron???

Ähnlich großes Glück wie Aaron hat unterdessen auch Nate (J.D. Pardo), weil Sebastian (David Lyons) offenbar eine eher lockere Einstellung zu Untergebenen hat, die Befehle verweigern. Nicht alle TV-Bösewichte wären so großzügig.

Fazit

Ja, sicherlich, die Folge hat auch ihre guten Momente: Dass ausgerechnet Aaron jemanden tötet, während die fest zur Demonstration ihrer Härte entschlossene Charlie dazu nicht kommt, ist ein netter Twist. Trotzdem bleibt der Kummer darüber, dass die Serie weit hinter dem Potential zurückbleibt, das in ihrer Grundidee steckt.

Trailer zu Folge 1x07 „The Children's Crusade“

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 31. Oktober 2012
Episode
Staffel 1, Episode 6
(Revolution 1x06)
Deutscher Titel der Episode
Nicht für möglich geglaubt
Titel der Episode im Original
Sex and Drugs
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 29. Oktober 2012 (NBC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 5. Dezember 2014
Autor
David Rambo
Regisseur
Steve Boyum

Schauspieler in der Episode Revolution 1x06

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