Revolution 1x05

Das passiert in der Revolution-Folge Soul Train:
Miles (Billy Burke) treibt die Gruppe zur Eile an. Wenn sie Danny (Graham Rogers) finden wollen, dann dürfen sie nicht allzu viel Zeit mit Maggies Begräbnis verbringen. Tatsächlich ist ihre Zeit sogar noch knapper, als sie bislang gedacht haben. Denn Captain Neville (Giancarlo Esposito) hat mit seinen Männern den kleinen Ort Noblesville erreicht, wo sie versuchen, eine alte Dampflok wieder flott zu bekommen. Wenn ihnen das gelingt, dann könnten sie Danny in Nullkommanichts nach Philadelphia transportieren, wo Monroe (David Lyons) schon dringend auf den Gefangenen wartet, um ihn als Druckmittel gegen dessen Mutter Rachel (Elizabeth Mitchell) einzusetzen.
Dem Versuch, Danny zu befreien, stehen derweil verschiedene Hindernisse im Weg: Zum einen wissen Miles und die anderen nicht, wo Danny gefangen gehalten wird. Zum anderen setzt Nora (Daniella Alonso) zunächst einmal andere Prioritäten. Gemeinsam mit dem letzten verbliebenen Mitglied des Widerstands in Noblesville bastelt sie eine Bombe, um die Dampflok in die Luft zu sprengen - ganz gleich, ob Danny an Bord des Zugs ist oder nicht...
Breaking Bad
Revolution bleibt sich mit Soul Train in jeder Hinsicht treu: Es gibt Teile der Folge, die sehr gut funktionieren. Und andere, bei denen man sich nur die Hand gegen den Kopf schlagen möchte.
Sehr gut funktionieren beispielsweise die Rückblenden, die uns diesmal einen Eindruck davon vermitteln, wie aus dem kleinen, zurückhaltenden Versicherungsangestellten Tom Neville ein Milizionär voller Gewalt und Lust an der Aggression werden konnte. Das wirkt zwar stellenweise ein bisschen wie eine Vulgärversion von Walter White in Breaking Bad, ist aber nichtsdestotrotz durchaus glaubwürdig. Ein Mann, der vor seiner Frau (vielleicht eine Spur zu hübsch für ihn, aber genau deshalb ein so guter Motivator: Kim Raver, 24) und seinem Sohn nicht als der Schwächling dastehen will, als der er sich vorkommen muss, und aus dem genau deshalb Hass und Gewalt herausbrechen.
Letztlich lernt Charlie (Tracy Spiridakos) am Ende die gleiche Lektion, die sich schon Tom und auch Miles zu Herzen genommen haben: Man kann in dieser Welt nur mit Härte überleben. Für die meisten prosozialen, menschlichen Gefühle, die uns in die Gefahr bringen, weich zu werden, bleibt hier kein Platz. Das ist eine ungemein dystopische Sichtweise, aber zumindest wird sie konsequent erzählerisch durchgehalten. Das kann, auch wenn man die Perspektive nicht teilt, durchaus als ein Pluspunkt durchgehen.
Höhepunkte
Sehr gelungen ist insbesondere die erste Hälfte der Folge: Die Eisenbahn stellt für Charlies Vorhaben, ihren Bruder zu befreien, ein ernsthaftes Hindernis dar, welches automatisch den Spannungswert der Geschichte erhöht. Dazu kommt der wiederholte Reminder, dass Monroe darauf wartet, Rachel endlich mit ihrem Sohn unter Druck setzen zu können. Die Befreiung Dannys ist damit ein dringlicheres Anliegen denn je. Es steht viel auf dem Spiel. Und Charlie und die anderen setzen viel aufs Spiel, als sie sich undercover in die Stadt begeben. Das sind zunächst mal alles sehr gute Voraussetzungen, welche die Folge hier etabliert. Mit dem ersten Gespräch zwischen Charlie und Neville und der späteren Konfrontation zwischen Neville und Miles kann die Episode zudem mit zwei echten Spannungshöhepunkten aufwarten.
Die alten Schwächen
Leider geht es mit der Folge von da an abwärts. Und zwar selbst, wenn man über Charlies ungeschickte Observation hinwegsieht. Die Flucht Nates/Jasons (J.D. Pardo), von dem relativ früh klar ist, dass er Nevilles Sohn ist, hätte ihm nicht leichter gemacht werden können. Wenigstens war es nicht die Schuld des tapsigen Aaron (Zak Orth), von dem man schon befürchten musste, dass er Jason entkommen lässt, als er den Tisch umwirft. Doch offenbar diente diese Szene nur dem Zweck, Jason einen Blick auf das Medaillon erhaschen zu lassen, von dem Monroe am Ende erfährt, dass es nötig ist, um den Strom wieder zum Fließen zu bringen.
Nora erweist sich in Soul Train als ein sehr wankelmütiger Charakter. Erst ist sie fest entschlossen, den Zug - koste es, was es wolle - in die Luft zu jagen. Dann erhascht sie einen flüchtigen Blick auf Danny - und plötzlich packt sie die Reue, sie erinnert sich an ihr Versprechen Charlie gegenüber und will alles wieder rückgängig machen, nur dass ihr Rebellenkumpel ein stechendes Argument dagegen vorbringt. Nun ist es ja okay, wenn Figuren ihre Meinung ändern. Nur sollte es vielleicht nicht ganz so sprunghaft geschehen.
Wirklich deprimierend ist das Finale: Da springen Miles und Charlie in bester Westernmanier auf den Zug auf, was natürlich keinem der Milizionäre auffällt, von denen erst ganz am Schluss wieder welche auftauchen; mussten vielleicht alle mal austreten, sind ja schließlich schon ein paar Jahre lang nicht mehr Zug gefahren. Okay, aber dann kommt's noch doller: Miles, der selbst zuvor kaum mit Neville zu Rande gekommen ist, lässt Charlie die Befreiung ihres Bruders übernehmen. JA, HAT DER MANN DEN VERSTAND VERLOREN? CHARLIE!?! Was ist das denn bitteschön für ein Plan?
Die vermutlich größten Erfolgsaussichten hätte wohl ein Angriff von zwei Seiten gehabt, bei dem man Neville schnell überwältigt hätte - und dann (was sie ja ohnehin tun mussten) vom Zug gesprungen wäre, bevor die Bombe hochgeht. Aber nein, stattdessen lässt Miles seine Nichte von Neville verdreschen - und wartet selbst erst mal seelenruhig ab, bis der Lokführer die Bombe in den Ofen gesteckt hat, bevor er ihn niederschlägt, um dann die brennende Bombe aus dem Ofen wieder herauszuholen! Oi, oi, oi. Und dabei hatte die Folge so gut angefangen...
Fazit
Licht und Schatten liegen bei Revolution dicht beieinander. Guten Ansätzen vor allem zu Beginn der Folge steht ein wieder mal sehr ernüchterndes Ende gegenüber.
Trailer zu Folge 1x06 „Sex and Drugs“
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 17. Oktober 2012(Revolution 1x05)
Schauspieler in der Episode Revolution 1x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?