Ray Donovan 4x11

Ray Donovan räumt auf: Nachdem in den letzten Episoden mehrere Handlungsstränge zueinander fanden, konzentriert sich Chinese Algebra ganz auf die Haupthandlung. Das sorgt dafür, dass die Episode nicht so zerstückelt wirkt wie manche der letzten Folgen, nimmt dem Zuschauer aber auch die Möglichkeit, die Sicht einiger Familienmitglieder auf die Situation mitzubekommen.
Dabei wird uns anfangs erst einmal Rays (Liev Schreiber) Plan erklärt: Er möchte zwei Millionen der Beute Micks (Jon Voight) auf den Preiskampf von Hector (Ismael Cruz Cordova) setzen. Seine Wette soll mit einer Quote von 30:1 ganze 60 Millionen Dollar für den russischen Boss Dmitri (Raymond J. Berry) bringen und die Donovans damit freikaufen.
Um sicher zu gehen, dass Hector auch wirklich verliert, erpresst Ray ihn mit dem Wissen um den Mord an seiner Schwester Marisol (Lisa Bonet), deren Leiche Ray in der letzten Episode unrühmlich im Lake Hollywood bestattete.

Dad Needs Me Here.
Abby (Paula Malcomson) trifft dabei endlich eine vernünftige Entscheidung und bittet Bunch (Dash Mihok) und Teresa (Alyssa Diaz), ihre beiden Kinder mitzunehmen. Gut zu sehen, dass die Entscheidung des Ehepaares, das Haus zu verlassen, keinen vorhersehbaren Familientreue-Konflikt vom Zaun gebrochen hat, sondern als nachvollziehbare Entscheidung akzeptiert wurde. Schon länger ist es unglaubwürdig, dass gerade Abby ihre beiden Kinder noch im Haus haben möchte, trotz der Gefahr, die von russischer Seite ausgeht.
Komische Akzente setzt hierbei mal wieder Coner (Devon Bagby), der weiterhin felsenfest davon überzeugt ist, ein wichtiges Mitglied von Team Donovan zu sein. Seinen hohlen Phrasen folgen allerdings keine Taten, sondern nur leichtes daydrinking im Donovan-Boxclub, woraufhin Daddy Donovan den Jüngling selbstverständlich mit Onkel Bunch und seiner Schwester fortschickt.
The Strange Adventures of Mickey Donovan
Show-Stealer in dieser Woche ist allerdings mal wieder Großpapa Donovan, der im Auftrag Rays die zwei Millionen in Las Vegas abliefern soll. Dabei erleben wir eine Geschichte, die an zahlreichen Punkten hätte schiefgehen oder ins Klischeehafte abdriften können, doch glücklicherweise stets die richtige Wendung nimmt.
Man denkt anfangs, die Stripperin, die Mick auf dem Flug nach Vegas begegnet, würde ihn über den Tisch ziehen wollen, doch sie stellt sich als angenehm treue Weggefährtin heraus, die ihm durchaus nützlich wird. Denn der Buchmacher Rays ist leider unrühmlich auf seinem Thron verstorben, woraufhin Mick einen Ersatzplan entwerfen muss. Und obwohl Micks Pläne selten fruchten, gelingt es ihm dieses Mal überraschenderweise, alles richtig zu machen.

Denn die Stripperin führt ihn zu Meir (Konstantin Lavysh), einem Instagram-Star, der die Wette für Mick platzieren könnte. Doch vorher muss dieser noch ein überraschendes Talent beweisen - seine Tischtennisfähigkeiten. Denn offenbar war der langjährige Gefängnisinsasse während seines Aufenthalts zwölf Jahre lang Ping-Pong-Champion. Nachdem wir zuletzt also erfahren durften, dass Mick im Knast auch dem anderen Ufer nicht abgeneigt war, bekommen wir jetzt noch eine überraschende Tatsache präsentiert.
Solche Einblicke helfen ungemein dabei, dem Charakter Mickeys in dieser Staffel ein bisher unbekanntes Maß an Tiefe zu verleihen. Diese Technik, häppchenweise die Vergangenheit der Donovans zu präsentieren, sollte unbedingt in der fünften Staffel auf alle Charaktere ausgeweitet werden. Wer weiß, vielleicht war Terry (Eddie Marsan) ja Freizeitpoet oder Ray einmal Jeopardy-Champion?
Dieser Handlungsstrang kann auf ganzer Linie überzeugen und bringt so etwas dringend benötigte Abwechslung und Humor in eine sonst recht spaßarme Episode.
I"m Not A Rat.
Es könnte eigentlich alles so schön sein: Rays Plan könnte perfekt aufgehen, doch leider hat er nicht mit dem plötzlichen Auftreten seines ehemaligen FBI-Kontaktes Frank Barnes (Michael McGrady) gerechnet. Dieser möchte Dmitri unbedingt dingefest machen und setzt Ray dabei ziemlich unter Druck. Im Gespräch mit Vater Mick erfahren wir dann, warum sein Spross jedoch nichts mit dem FBI zu tun haben möchte: „I"m not a rat.“
Etwas bereitet einem diese Aussage Kopfschütteln, denn Ray hat schon häufig mit der Polizei zusammengearbeitet und auch sonst sehr wenige moralische Prinzipien gezeigt, sodass dieser Anfall von „Gangster-Ehre“ wie aus dem Nichts kommt.

Doch das ist letztendlich nebensächlich, denn wie wir schließlich erfahren hat Barnes sowieso ein Ass im Ärmel: Er hat es geschafft, Sonia Kovitzky (Embeth Davidtz) in Gewahrsam zu nehmen - die daraufhin alles verriet, was sie wusste.
Fazit
Mit „Chinese Algebra“ nähern wir uns in schnellen Schritten dem Ende der vierten Staffel von „Ray Donovan“. Dabei weiß die Episode einmal wieder, geschickt ernstere Töne zu setzen, dabei aber gleichzeitig mit Mick immer etwas comic relief in der Folge zu verteilen. Eine gute, aber nicht großartige Episode, die die Vorfreude auf das Finale der Staffel schürt.
Trailer zur Episode „Rattus Rattus“ (4x12) der US-Serie „Ray Donovan“:
Verfasser: Benedikt Pichl am Montag, 12. September 2016Ray Donovan 4x11 Trailer
(Ray Donovan 4x11)
Schauspieler in der Episode Ray Donovan 4x11
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?