Ray Donovan 4x12

Es ist so weit: Die vierte Staffel von Showtimes Ray Donovan ist bei ihrer finalen Episode angekommen. Am Ende der letzten Folge, Chinese Algebra, schien die Lage fĂŒr Ray (Liev Schreiber) und seine Familie noch recht aussichtslos: Dmitri Sokolov (Raymond J. Barry) hatte sie in eine Ecke gedrĂ€ngt und ob Hector Campos (Ismael Cruz Cordova) den Weltmeistertitel wie befohlen in der sechsten Runde in den Sand setzen wĂŒrde, schien mehr als fraglich. Selbst, ob Ray den Deal ĂŒberleben wĂŒrde, wenn alles lĂ€uft wie geplant, war nicht sicher.
Rattus Rattus prÀsentiert uns nun, wie der Fixer sich auch aus dieser Situation wieder befreien konnte - was allerdings entschieden zu glatt und zu einfach verlÀuft.

Raymond?
Dabei öffnet die Episode sehr stimmungsvoll mit einer Version von âKyrie eleisonâ. Ray sitzt in einer Kirche, die Predigt ĂŒber die neuen Vorteile einer App rattert an ihm vorbei, Abby (Paula Malcomson) liegt im Sarg und Sonia Kovitzky (Embeth Davidtz) greift mit ihrer Hand in Rays private area. NatĂŒrlich ist das alles nur ein Traum, der etwas bedeuten, irgendetwas symbolisieren soll, doch letztendlich verschwindet diese Szene leider in völliger Bedeutungslosigkeit.
Das alles ist eh nur eine kurze Verschnaufpause fĂŒr Ray, denn Frank Barnes (Michael McGrady) durchsucht mit dem FBI im Schlepptau seine BĂŒrorĂ€ume und beschlagnahmt sĂ€mtliche Akten ĂŒber all die schlimmen Dinge, die Donovan im Verlaufe seiner Karriere fĂŒr seine Kundschaft erledigt hat. Hier zieht sich gleich das erste Mal wie automatisch eine Augenbraue hoch: Sollen wir wirklich glauben, dass der bekannteste Fixer Hollywoods sĂ€mtliche seiner Schandtaten fein sĂ€uberlich zu Papier gebracht und dieses dann in seinem BĂŒro gelagert hat?
Sei's drum - nachdem Sonia ihn ans FBI ausgeliefert hat, ist Ray auf jeden Fall in den HĂ€nden der feds, die von ihm verlangen, verkabelt den russischen Gangsterboss Dmitri auszuhorchen. Welche Informationen genau sich die GesetzeshĂŒter hiervon erhoffen, bleibt unbekannt. ZunĂ€chst soll allerdings Sonia sich wieder in die FĂ€nge ihres Onkels begeben und versuchen, die Organisation von innen zu bespitzeln - dies endet fĂŒr sie allerdings unglamourös auf einer Bahre im Keller der Gerichtsmedizin.
SchlieĂlich findet auch Terry (Eddie Marsan) heraus, dass Ray Hector dazu zwingt, den Kampf zu verlieren. Nachdem sich der Ă€lteste Donovan-Bruder enttĂ€uscht unterordnet, scheint es, als wĂŒrde selbst ein Sieg bittere Konsequenzen in der Familie nach sich ziehen.

My Vintage Porn Is Worth Something
Plötzliche und unverhoffte Rettung kommt dann aus einer ungewohnten Richtung: Mickey (Jon Voight) versucht, das Bild, das Sonia Koitzky am Anfang der Staffel Bridget (Kerris Dorsey) schenkte, zu verpfĂ€nden. Dabei stöĂt der schmierige Kunstexperte, der ihm das Kunstwerk abkaufen soll, jedoch auf etwas Ungewöhnliches: Im Rahmen sind Drogen versteckt, auf diese Weise transportierten die Russen die Drogen in die Welt. Ein zweites Mal muss man sich hier wundern: Ist das FBI auf diesen recht plumpen Trick wirklich hereingefallen? Erst recht, nachdem sie von Sonias Beziehung zu den Russen wussten?
Nun ja, auf jeden Fall schöpft Ray durch diese Erkenntnis neuen Lebensmut, in einer sehr netten Ansprache wird das ganze Team auf die bevorstehende Mission eingeschworen. Denn Ray hat einen Plan, einen raffinierten, ausgeklĂŒgelten, klassischen Ray-Donovan-Plan - sollte man meinen. Doch der Zuschauer wird hier enttĂ€uscht, denn der Plan ist einfach nur die Ermordung Sokolovs. Toll. Darauf hĂ€tte er auch eher kommen können.
Die Gefahr, die von Sokolov ausging, schien doch gerade die zu sein, dass auch im Falle seines Todes immer jemand nachkommen wĂŒrde, um Ray nachzustellen. Dass diese Problematik nun völlig ĂŒbergangen wurde, enttĂ€uscht schon etwas. Denn bloĂ, weil Ray nun weiĂ, wo seine Drogen versteckt sind, Ă€ndert das nichts an der Gefahr, welche uns zuvor noch vorgegaukelt wurde. Wenn der Fixer mit keinen Racheakten rechnen muss, dann hĂ€tte er auch bereits frĂŒher mit seinen BrĂŒdern und Angestellten die Villa des Russen stĂŒrmen und alle Bewohner umbringen können. Das einzig Positive an dieser Entwicklung ist da noch die filmische Umsetzung des Ganzen: die Szene der Ermordung Sokolovs und die Montage, in der alle Donovan-Mitglieder ihren Teil des Planes umsetzen - das hat schon etwas von „Der Pate“.
Sonst allerdings endet die Episode seltsam heiter, fast, als hĂ€tte man uns ein Serienfinale prĂ€sentieren wollen. Alle sind happy, Abby lĂ€sst sich sogar zu einem „No One Can Touch Us!“ hinreiĂen. Und immer denkt man, da kommt noch was, vielleicht die Meldung ĂŒber den Tod von Bridget oder ein drive-by shooting, bei dem ein Familienmitglied ums Leben kommt, irgendetwas. Aber es scheint, als wĂ€ren alle Gefahren wirklich ĂŒberstanden.

It's a fucking miracle
Apropos Abby: Deren Krebserkrankung ist plötzlich geheilt, glĂŒcklich fĂ€llt sie ihrem Mann in die Arme. Doch was hat uns dieser Handlungsstrang gebracht? Abby stellte sich nie der Gefahr, die vom Krebs ausging und schloss eine Mastektomie kategorisch aus. Der Charakter entwickelte sich nicht weiter, womit der komplette Handlungsstrang quasi fĂŒr die Katz war. Es scheint, als wollte man nur einen Weg finden, Abby etwas Screentime zu verschaffen.
Ăhnlich verhĂ€lt es sich mit Bridget und Conor (Devon Bagby). Die Entgleisungen des jungen Donovan waren wenigstens hĂ€ufig fĂŒr ein paar Lacher gut, doch in der finalen Episode bekommen wir ihn nur kurz zu Gesicht. Völlig irrelevant war allerdings Bridget, die nach der unrĂŒhmlichen Off-Screen-Trennung von ihrem Lehrer Donellen (Aaron Staton) kaum noch gesehen werden konnte. Folgerichtig wurde Rays Tochter nun von den Autoren nach New York abgeschoben, wo sie von nun an studieren wird. Naja, vielleicht beschert uns das wenigstens einen Familienausflug in Staffel fünf.
All the shit that I've never done
Wirklich stark war in dieser Staffel allerdings die Geschichte von Terry. Dessen neue Liebschaft mit Officer Doherty (Tara Buck) trĂ€gt FrĂŒchte und verlĂ€uft angenehm frei von Komplikationen. Und auch sein neuer SchĂŒler Damon (Dominique Columbus) hat sich bei weitem nicht zu so einer NervensĂ€ge entwickelt, wie ich das befĂŒrchtet hatte. Hier bietet sich viel Potential fĂŒr die nächste Staffel, denn, dass Doherty nicht irgendwie in Rays kriminelle AktivitĂ€ten hereingezogen werden wird, scheint unwahrscheinlich.
I solved his fucking problem - not God!
Ein ĂŒbergreifendes Staffelthema war auch Rays Hinwendung zu göttlichem Beistand. Hier hat sich der Fixer wieder zurĂŒckentwickelt, denn Treffen seiner Selbsthilfegruppe ignoriert er und zu Father Romero (Leland Orser) hat er keinen guten Kontakt mehr. Dessen Weltfremdheit zeigt sich, als er Ray davon ĂŒberzeugen möchte, Hector den Kampf gewinnen zu lassen und mit den Konsequenzen - dem Tod von Hector, Ray und der gesamten Familie Donovan - zu âlebenâ. So sagt er am Ende auch zu dem Nun-wieder-Weltmeister: „Go home. I'll call you when I need you.“ Fixer-Ray is back.

Fazit
Mit âRattus Rattusâ endet eine durchwachsene, aber doch ordentliche vierte Staffel von âRay Donovanâ. Die Bösewichte konnten nicht wirklich ĂŒberzeugen, auch wenn es zeitweise so aussah, als hĂ€tte sich Ray bei Dmitri Sokolov verschĂ€tzt. Doch die Auflösung des Ganzen war letztlich viel zu einfach, so dass der finalen Episode der Biss fehlt. Dennoch war die Montage des groĂen âTeam Donovanâ toll anzusehen.
Ich hoffe, die Autoren wenden sich in Staffel fünf wieder etwas mehr Hollywood und den Schönen und Reichen zu, denn das kriminelle Milieu scheint mir mit dem Sieg ĂŒber einen mĂ€chtigen russischen Gangsterboss am erzĂ€hlerischen Ende angelangt zu sein.
Verfasser: Benedikt Pichl am Montag, 19. September 2016Ray Donovan 4x12 Trailer
(Ray Donovan 4x12)
Schauspieler in der Episode Ray Donovan 4x12
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