Ray Donovan 4x05

Nach der herrlichen Karaokeszene in der letzten Episode überzeugt auch in dieser Woche wieder die musikalische Untermalung von Ray Donovan. Gleich in der Eröffnungsszene hört man Silvies (Paula Jai Parker) Interpretation des Zombies-Songs „Time of the Season“, während Ray (Liev Schreiber) eine Blackjack-Dealerin nach dem Casinoraub ausfragt. Sofort ist man dabei in der richtigen Stimmung für den Handlungsbogen rund um Ray und seinen Vater Mick (Jon Voight), die in dieser Episode die vier Millionen Dollar, um die Ed (J. LaRose) Mick nach dem erfolgreichen Raub des Big Green Horseshoe brachte, zurückholen wollen.
That was my piss jar!
Die Interaktionen zwischen Ray und seinem Vater fühlen sich dabei erstaunlich frisch an, obwohl Mickey ja eigentlich von Anfang an eines der größten Probleme für Ray darstellte. Doch diesmal ist es nicht ein übermäßig cholerischer Ray, der auf seinen Vater stößt, sondern ein in die Ecke gedrängter Ray, der freiwillig mit ihm zusammenarbeitet.
Das sorgt für echte Vater-Sohn Momente, und dass es diese in solcher Form bisher in allen drei Staffeln nicht gab, das ist eigentlich eine Schande. Denn die Chemie stimmt, wenn der locker-clevere Kleinstadtgauner Mick auf den professionellen Fixer Ray trifft und man merkt, wie viel intelligenter und professioneller Ray an kriminelle Operationen herantritt. Einzig die völlig unnötige und schlecht animierte Achterbahn, die vor dem Parkhaus herumfährt, in dem die beiden sitzen, stört etwas.

Nachdem Ray also einen Plan entwickelt hat, machen sich beide auf, um die vier Millionen Dollar von Ed zurückzuholen. Der aus der Stadt gelockte Mechaniker wird dabei relativ schnell durch einen Schuss in den Fuß davon überzeugt, zum Sucherfolg beizusteuern. Auch hier bemerkt man wieder, wie völlig hilflos die Kleinkriminellen gegenüber Ray wirken: Statt in einem raffinierten Versteck ist das Geld bei Eds Kumpel Pinky (Travis Hammer, dessen Spiel wieder eines der Highlights der Episode ist) gebunkert.
Der arme, unterbelichtete Pinky darf dann noch kurz einen letzten denkwürdigen Auftritt liefern, bevor er durch Micks Einfluss seinen tragischen, explosiven Abschied aus der Welt von „Ray Donovan“ feiern muss. Schade, denn Pinky war in seinen kurzen Auftritten wirklich sehr unterhaltsam.
Bis hierhin funktioniert der Handlungsbogen um Ray und Mick noch wirklich gut, doch dann wirkt alles plötzlich etwas gehetzt. Ein einarmiger Bandit, der von einem vorausfahrenden Laster fällt, stoppt die Weiterfahrt der beiden. Die Maschine heißt Red Man's Fortune, aber alternativ schlage ich den Autoren als Name auch noch Die mit dem Zaunpfahl winkt und Deus Ex Slot-Machina vor.
Aus irgendeinem Grund erlaubt dann auch noch Ray, dass Micks Freundin Silvie die beiden abholt, obwohl die natürlich schon lange von der Casino-Security überwacht wird. Es kommt, wie es kommen muss und Big Bill Primm (Ted Levine) stellt die beiden mit Hilfe der Polizei, die in der kleinen Stadt auf sein Kommando hört. Doch anstatt festgenommen zu werden, dürfen Ray und Mick wieder zurück nach Los Angeles - unter der Bedingung, sich nie wieder in Primm blicken zu lassen.

Dieses sehr abrupte Ende der Casinoraub-Handlung ist etwas unbefriedigend. Klar, wahrscheinlich wollte Bill Prim nicht nur das Geld sondern auch noch die Versicherungssumme einstreichen, doch durch diese Wende der Ereignisse endet die Primm-Geschichte einfach zu simpel und der gesamte Handlungsstrang scheint fast überflüssig gewesen zu sein.
Als Ray und Mick aber mit leeren Händen auf der Fahrt nach LA im Van sitzen, versöhnen die Vater-Sohn-Gespräche ein wenig mit dem plötzliche Ende. So erfahren wir mehr über die schwierige Beziehung der beiden und dass Ray und Terry (Eddie Marsan) sich um ihre krebskranke Mutter und den kleinen Bunchy (Dash Mihok) kümmern mussten, während ihr Vater sich mit seiner neuen Flamme davon machte. Diese plötzliche Verbundenheit und das gemeinsame Erinnern ist es wohl auch, was Mick schließlich dazu bringt, noch einmal für Ray ins Gefängnis zu wandern. Ein emotionaler Umschwung, der berührt, aber genau so wie der Rest dieses Erzählstrangs sehr plötzlich kommt.
I never wanted you, Brandon
Die Klasse der Haupthandlung erreichen dabei die anderen Handlungsstränge nicht. Zwiegespalten hinterlässt mich die Ehekrise von Bunchy und Teresa (Alyssa Diaz): Hier sehen wir ganz neue Seiten an Bunchy, dem wohl in den vergangenen Staffeln niemand die Rolle des Vaters zugetraut hätte. Er ist weit gekommen, liebevoll kümmert er sich um seine kleine Tochter Maria, die von seiner Frau bei ihm zurückgelassen wurde.
Einerseits ist es dabei wirklich interessant, Bunchy und Teresa in einer ernsthaften Situation zu sehen, gerade weil ihre Beziehung bisher doch immer etwas seltsam war und sich nie wirklich echt anfühlte. Andererseits ist die Postnatale Depression in den letzten Jahren zu solch einem Serienklischee geworden, dass ich vor dem Bildschirm mit den Augen rollen musste. Könnte man stattdessen nicht lieber ehrliche Überforderung von Seiten Teresas sehen?

Nice To See You're Still Fucking Children.
Die große der Schwäche der Episode ist derweil Bridgets (Kerris Dorsey) Trennung von Mr. Donellen (Aaron Staton). Das liegt vor allem an den völlig unlogischen Gründen, die Bridget dafür angibt. So kam eine ehemalige Schülerin Donellens auf die beiden zu und deutete an, Bridget wäre nicht die erste Schülerin, mit der er ein Verhältnis hatte.
Das ist als Trennungsgrund natürlich einleuchtend, passt aber überhaupt nicht zu dem, was wir über den Lehrer wissen: Donellen kämpfte gerade mit den Folgen eines Autounfalls, der seine Frau tötete, als er Bridget traf. Untreue seiner Frau gegenüber wurde nie angedeutet und passt auch nicht wirklich zu seinem Charakter. Und Bridget war es, die sich ihm geradezu aufdrängte und ihn unter Drogeneinfluss sogar beinahe vergewaltigte. Sie musste lange daran arbeiten, bis er in ihr mehr als ein Mädchen sah. Wie das jetzt zu der plötzlichen Wendung passen soll, dass Donellen schon immer mit jungen Schülerinnen schlief, erschließt sich zumindest mir zu keinem Zeitpunkt. So bleibt die Trennung, die auch noch völlig off-screen erfolgte, mysteriös.
Fazit
Endlich gibt es nach der sinkenden Qualität der Episoden drei und vier wieder einen Grund zum Aufatmen. Und auch wenn noch immer völlig unklar ist, wohin die Reise diese Staffel gehen soll, lieferte „Get Even Before Leavin'“ absolut solide Unterhaltung mit vielen guten Momenten und nur wenigen Schwächen.
Verfasser: Benedikt Pichl am Montag, 25. Juli 2016Ray Donovan 4x05 Trailer
(Ray Donovan 4x05)
Schauspieler in der Episode Ray Donovan 4x05
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?