Ray Donovan 4x04

Quo vadis, Ray Donovan? Nach den wirklich guten Auftaktepisoden weiß die Serie auch diese Woche wieder nicht so recht, wohin sie denn eigentlich diese Staffel möchte. Dabei wirkt der Ton diesmal etwas ausgeglichener als noch in der letzten Woche, doch leider passt er nicht zu den Ereignissen der Episode.
We should just fucking kill Sonia Kovitzky
Ray (Liev Schreiber) ist nach den Enthüllungen der letzten Woche in die Ecke gedrängt worden. Denn Sonia Kovitzky (Embeth Davidtz) verlangt von ihm im Austausch für die Sicherheit seiner Familie die Befreiung ihres Untergebenen Ivan Belikov (Pasha D. Lychnikoff) aus der Haft, sowie beträchtliche Geldzahlungen für die Einnahmen, die ihr durch seine Festnahme entgehen.
Kovitzky macht dabei als Big Bad immer noch keine gute Figur. Zu keiner Zeit umgibt sie auch nur der Hauch einer bedrohlichen Aura und ich hoffe sehr, dass sich das noch ändert. Denkt man etwa an Bösewichte wie Andrew Finney (Ian McShane) oder die Armenierin Minassian (Grace Zabriskie) zurück, muss man da doch eine kleine Träne verdrücken.
Weinen würde auch Lena (Katherine Moenning) gerne: Denn das Team hat im Haus des Staatsanwalts, der mit der Strafverfolgung Belikovs betraut ist, Kameras installiert und Lena hat nun die undankbare Aufgabe, dem faden Juristen bei seinem Alltag zuzusehen. Doch außer einem gelegentlichen Toilettengang mit anschließender Reinigung im Bidet und dem Schneiden der Zehennägel ereignet sich in seinem Haus leider herzlich wenig.

Eine Erpressung des Staatsanwaltes selbst scheidet für Ray also aus, weswegen er zum Haus seines verstorbenen Mentors Ezra (Elliott Gould) fährt, um an Aufnahmen zu gelangen, die den Mentor des Anwaltes (Dabney Coleman) belasten. Doch der sichtlich geschockte Mann musste zu lange mit dem Mord an seiner Frau leben und sein Geständnis, das Ray in den Händen hält, bringt ihn nicht zur Kooperation. Stattdessen macht er reinen Tisch und legt, beobachtet von Rays Kameras, selbst ein Geständnis ab. Diese Szene, in der Coleman alleingelassen und verzweifelt seine Sünden beichtet, ist sicherlich eines der Highlights der Episode und entfaltet eine emotionale Wucht, die so in der restlichen Laufzeit leider nicht mehr erreicht wird.
Denn auch wenn Ray des Öfteren sagt, dass er nicht mehr weiter weiß, fühlen tut man dies als Zuschauer vor dem Bildschirm diese Woche nicht. Dabei passieren auf dem Papier durchaus bemerkenswerte Entwicklungen: Ray muss wirklich verzweifelt sein, wenn er seinen alten Widersacher und ehemaligen FBI-Agent Cochran (Hank Azaria) um Hilfe bittet, der, von Ray entehrt, den Tag trinkend in einer Karaokebar verbringt.
We've got tonight
Der Grund, warum diese Episode dramatisch nicht funktioniert, ist die melancholische Leichtigkeit, welche die gesamte Laufzeit durchzieht. Exemplarisch steht hierfür Rays herrlicher Auftritt, zu dem Cochran ihn zu seiner eigenen Belustigung zwingt: Eine Interpretation des Bob-Seger-Songs „We've got tonight“. Der Song bringt den Ton der Episode zwar unterlegt von einer gelungenen Montage der Familie Donovan auf den Punkt, vermittelt aber eben ein für den Handlungsstrang um Ray vollkommen falsches Gefühl.
Die Melancholie passt da zum Zusammenspiel von Abby (Paula Malcomson), Lena und ihrer Exfreundin Genie (Rya Kihlstedt) deutlich besser. Denn Lena hat, um der sterbenslangweiligen Überwachungsarbeit zu entkommen, die Aufgabe bekommen, Abby von einer Krebstherapie zu überzeugen.

Dafür ist Lenas Ex Genie genau die richtige Person, denn die Onkologin ist selbst eine Überlebende von Brustkrebs. Und nach einem - sehr körperlichen - Gespräch kann sie auch Abby überzeugen, sich ihrer Krankheit zu stellen. Der Handlungsbogen der Damen ist eindeutig der beste der Episode - unter anderem, weil ausnahmsweise wirklich etwas passiert.
Auch die Figurenkonstellation ist eine, die man bisher selten zu sehen bekam und die vor allem Lena deutlich mehr Tiefe verleiht als zuvor. Die Entscheidung der Autoren, uns diese Staffel mit mehreren solchen Momenten zu verwöhnen, in denen altbekannte Charaktere neu gemischt werden, ist bisher in jeder Episode aufgegangen.
Zwei weitere Storylines, die gefühlt eher aus sturer Pflichterfüllung als aus geschichtlichem Zwang heraus in dieser Woche Screentime bekommen, sind die um Marisol (Lisa Bonet) und Hector (Ismael Cruz Cordova) sowie um Terry (Eddie Marsan) und seine Boxentdeckung Damon (Dominique Columbus). Während bei Marisol und Hector außer einer schnell behobenen Überdosis einfach gar nichts passiert, geht die Damon-Story wie auf Autopilot ihren bereits vorbestimmten Gang. Schnarch.
It ain't gonna lick itself, Mickey
Daddy Donovan muss diese Woche mal wieder die komödiantischen Aspekte setzen. Denn der alte Schwerenöter nimmt das Angebot einer älteren Dame (Diane Ladd) an, ihn bis nach Los Angeles zu fahren, damit er seine Enkeltochter Maria sehen kann. Doch diese Fahrt hat ihren Preis, und so muss Mickey (Jon Voight) sie sich erst durch gewisse Gefälligkeiten erarbeiten. Ein letztendlich konsequenzloser, doch heiterer kleiner Ausflug.

Schließlich in LA angekommen, kann Mickey die kleine Maria endlich in die Arme schließen. Deren Vater, Bunchy (Dash Mihok), hat derweil beschlossen, Ray zum Paten seiner kleinen Tochter zu machen, sehr zum Erstaunen aller umstehenden Familienmitglieder und entgegen dem Willen seiner Frau Teresa (Alyssa Diaz). Diese droht sogar, wieder zu ihrer Familie zurückzukehren. Auch das ist wieder ein Handlungsstrang, der letztendlich völlig überflüssig scheint. Dafür kann Ray, eh schon Oberhaupt der leicht kriminellen Familie, sich jetzt auch wirklich als Pate bezeichnen.
In diesem Sinne entscheidet er sich dann auch dafür, Mickey beim Zurückholen der vier Millionen Dollar zu helfen, die dieser letzte Woche an seinen Partner verloren hatte. Dass Ray sich wieder in dessen Gaunereien mit hineinziehen lässt, zeigt wirklich, wie verzweifelt er sein muss. Umso bedauerlicher ist es da, dass dieses Gefühl die ganze Episode über nicht vermittelt werden kann.
Fazit
Besonders die Handlung um Ray kann diese Woche nicht überzeugen. Dafür bringen uns einige nette Charaktermomente etwas Kurzweil in einer doch etwas zu ruhigen Episode. Hoffentlich geht es nächste Woche wieder bergauf und die Staffel findet zu ihrer anfänglichen Stärke zurück.
Verfasser: Benedikt Pichl am Montag, 18. Juli 2016(Ray Donovan 4x04)
Schauspieler in der Episode Ray Donovan 4x04
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