Ray Donovan 2x10

Volcheck, die zehnte Episode der zweiten Staffel von Ray Donovan steht in ihrem gemächlichen Aufbau der Episode Snowflake in nicht viel nach. Dennoch kann einen die aktuelle Folge mehr als einmal packend mitreißen, was vor allem an den geschickt platzierten dramaturgischen Nadelstichen liegt.
Zwar tun sich auch einige Fragen auf, die man sich angesichts einiger Entscheidungen der Autoren stellen sollte. Am Ende gelingt es den Verantwortlichen jedoch wie so oft, eine ansprechende Punktladung zu vollziehen, die die Episode „Volcheck“ in ihrer Gesamtheit zu einer äußerst runden Angelegenheit macht und etwaige Mängel ohne große Mühen kaschieren kann.
Don't go back inside your shell
Nach der Großreinemachaktion in der letzten Episode fand sich Ray (Liev Schreiber) noch vor der Haustür von Steve Knight (Eion Bailey) ein, um dem Lifecoach wohl jetzt endlich sein wahres Innenleben zu offenbaren. Zu Beginn von „Volcheck“ scheint ein deratiges Gespräch zwischen Steve und Ray unter Einfluss von rauen Mengen Alkohol tatsächlich stattgefunden haben. Auch wenn Rays Gesichtsausdruck beim Anblick des recht eigenartigen Steve wieder mehr zweifelhaft als alles andere ist.
Ob es Steve tatsächlich gelungen ist, mit seiner Gabe anderen Menschen zuzuhören und ihnen ihre Probleme zu nehmen, Ray zu helfen, darf stark bezweifelt werden. Zumindest macht sich Ray relativ schnell wieder vom Acker, kurz nachdem er Stalker Bob (Collin Christopher) vor Steve gerettet hat und letzteren noch einmal deutlich in seine Schranken verweist, sollte er Ashley (Ambyr Childers) auch nur ein Haar krümmen.
Sollte dieser kurze Besuch bei Wunderheiler Steve etwas gebracht haben, so bekommt man es in den ersten Minuten von „Volcheck“ nicht wirklich zu spüren. Kaum sitzt Ray hinter seinem Lenkrad, fährt er auch schon seinem nächsten Problem entgegen, das mit Kate (Vinessa Shaw) im Flugzeug zurück nach Los Angeles sitzt. Diese ist nun endlich Ray und der gesamten Bagage um Cochran (Hank Azaria) und Mickey (Jon Voight) auf die Schliche gekommen und droht nun alles zu zerstören, was Ray sich aufgebaut hat.

You and me, we cool?
Und als wäre dies nicht schon genug tritt auch Cookie (Omar J. Dorsey) erneut auf den Plan, der Rays spezielle Fähigkeiten in Anspruch nimmt und ihm aufträgt, ein Videomitschnitt vom Mord an Marvin (Octavius J. Johnson) aufzutreiben. Dieses soll derzeit im Umlauf sein, was nicht nur Cookie selbst in Bredouille bringen, sondern auch Ray Kopfzerbrechen bereiten könnte, besteht doch die Möglichkeit, dass seine Tochter Bridget (Kerris Dorsey) auf dem Band zu sehen ist.
Bridget geht es den Umständen entsprechend gut, auch wenn sie sich in der Schule mit einer Mitschülerin herumschlagen muss, die sich nur aufgrund ihres neuen Bekanntheitsstatus als Freundin des erschossenen Rap-Wunderkinds Marvin an Bridge hängen will. Da hilft ein lockeres Gespräch mit ihrem Bruder Conor (Devon Bagby), was wir - ehrlich gesagt - viel zu selten zu sehen bekommen und den beiden jüngsten Donovans durchaus gut tut. In der derzeitigen Situation geht für die beiden und vor allem für Bridge so einiges drunter und drüber, da kann etwas Halt unter Geschwistern schon hilfreich sein. Insbesondere, wenn es die eigene Mutter ist, die aus Angst immer mehr am Rad dreht und dadurch auch ihren eigenen Nachwuchs verunsichert.
Would you like a makeover?
Abby (Paula Malcomson) präsentiert sich in Volcheck als eine Figur, die zum einen die Nerven vieler Zuschauer strapazieren wird, jedoch zum anderen mit Blick auf die kürzlichen Ereignisse auch nachvollziehbar handelt. Sie ist hier für die meiste Zeit der Episode komplett von der Rolle - was die einfache Frage einer Visagistin, ob Abby denn ein Makeover haben möchte, treffend ironisch macht. Nicht nur ein Umstyling könnte die besorgte und mitgenommene Familienmutter gebrauchen, ein kompletter Neustart ist es, den sie bitter nötig hat. Kein Angst mehr vor Cookie Brown, der sich in einem auch für den Zuschauer schrecklichen Albtraum ins Haus schleicht und Bridget erschießt, keine Sorgen und Probleme mehr, und auch kein Ray, der sie hintergeht und im Stich lässt.
Dafür hat sie jetzt Jim (Brian Geraghty), den sie in ihrer Panik aufsucht und um einen schwerwiegenden Gefallen bittet. Da Abby kaum noch schlafen kann und ihre Angst sich erst legen wird, wenn Cookie von der Bildoberfläche verschwunden ist, fordert sie von Jim, dass sich dieser ein für alle Mal um den Gangster kümmern soll. Ihre Bitte wirkt schon etwas sehr grotesk, wobei Malcomson die schwer verängstigte Abby gut spielt. Letztenendes überrascht der bisher sehr integere Jim, als er Abby mitteilt, Cookie Brown für sie um die Ecke zu bringen. Dieser Handlungsstrang fühlt sich für mein Empfinden ein wenig schwammig an, auch wenn er an und für sich funktioniert. Ich hoffe, dass man hier noch etwas mehr rausholen kann.

The way things are done
Unterdessen plant Mickey gemeinsam mit Shorty (Steph DuVall) und der Prostituierten Cherry (Jeryl Prescott) weiter an dem großen Coup, den sie in nächster Zeit durchziehen wollen. Dabei bekommen sie gleich zweimal unerwartet Unterstützung: Zum einen wäre da Micks Bewährungshelfer Ronald (Wendell Pierce), der sein letztes Geld und die von Ray geschenkte teure Armbanduhr am Pokertisch verzockt hat und nun erst von Mickey bestochen wird, bei den harten Bewährungsauflagen ein Auge zuzudrücken, um sich wenig später dann aufgrund der lukrativen Aussicht auf reiche Beute komplett der Einbrecherbande in spe anzuschließen.
Einen ähnlichen Grund hat auch Terry (Eddie Marsan), der Frances (Brooke Smith) Angebot, mit ihrem hartverdienten Geld nach Irland zu gehen, aus Stolz ablehnt und sich ebenfalls zu Mickey und Co. gesellt, um den Safe des Cannabis-Laden zu knacken. Langsam steigt bei mir die Neugier auf dieses Unterfangen, muss doch dabei irgendetwas gewaltig schiefgehen. Die Bande um Mickey macht schon einen recht amüsanten Eindruck, wer von den fünf jedoch später von wem hängen gelassen wird, bleibt abzuwarten.
Die Pläne nehmen allmählich Form an, mit Terry stößt nun wahrlich ein sehr unerwarteter Mitstreiter zur Mickeys kleinen Gruppe. Mit dieser kleinen Erweiterung und der Verknüpfung mit Terrys Handlungsstrang und der recht unterpräsentierten Figur des Ronalds gefällt mir die Geschichten um den großen Coup gleich viel besser. Den Ausgang dieses Vorhabens werden wohl die nächsten beiden Episoden zeigen und wir als Zuschauer dürfen Wetten darauf abschließen, wer von den fünfen wohl der größte Leidtragende dieser Unternehmung sein wird.
Occupational hazard
Wie erwartet gibt sich in Volcheck auch Ed Cochran mal wieder die Ehre, der sich wiederum sogleich um eine baldige Beförderung zum Chef des FBI freuen darf. Sein Adjutant Volcheck (Kip Pardue), der der Episode aus gutem Grund seinen Namen leiht, gratuliert ihm sofort und malt sich bereits selbst eine rosige Zukunft beim amerikanischen Bundesamt für Ermittlungen aus. Cochran aber lässt Volcheck am langen Arm verhungern und wüsste nicht im Geringsten, warum dieser denn seinen Posten übernehmen, geschweige mit nach Washington kommen sollte.
Für Volcheck kommt es dann noch viel schlimmer, nachdem Ray Cochran die Aufnahmen von dessen Orgie mit seiner Frau und den Volchecks vorgespielt hat und sich so ein Druckmittel sowie eine Sicherheit für ihn und den unnachgiebige Kate geschaffen hat. Cochran lässt seine Wut darüber an Volcheck aus, den eine neue Stelle in der Pampa North Dakotas erwartet. Bei einem Abendessen zwischen Cochran, seiner Frau und einem Volcheck-Ersatzpärchen, tritt der geschasste FBI-Agent dann auf dem Plan, um seinen vorgesetzten eine Waffe ins Gesicht zu halten.
Das unrühmliche Ende von Ed Cochran? Mitnichten. Im letzten Moment richtet sich Volcheck aufgrund seiner aussichtslosen Situation selbst hin, was einen der bereits erwähnten Nadelstiche markiert, die den Zuschauer gespannt die Episode verfolgen lassen. So impulsiv Volchecks Entscheidung vielleicht auch sein mag, sein blutiger Tod hat einen durchaus schockierenden Effekt. Inwiefern jedoch Kate, Ray und alle anderen Personen um ihn herum wirklich sicher sind, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen, haben wir Cochran doch als cleveren sowie skrupellosen Gegenspieler kennengelernt.
Inside I'm feeling dirty
Den Höhepunkt der Episode bildet dann ein Gespräch zwischen Kate und Ray, dass packend inszeniert ist und uns tief in den Charakter unserer Hauptfigur blicken lässt. Bereits zuvor wurden wir abermals Zeuge von Rays Impulsivität und Unbeherrschtheit, als er dem herzensguten Avi (Steven Bauer) einen Schlag ins Gesicht gab, nachdem dieser seinen Boss und Freund mit wahren Worten aufwecken und auf den Boden der Tatsachen zurückholen wollte. Nun trifft sich Ray erneut mit Kate, die scheinbar sämtliche Puzzleteile zusammengesetzt hat und nun eine genuine Gefahr für Ray und sein Leben ist. Ironischerweise sagte Kate im Gespräch mit Rays Vater Mickey zuvor noch, dass sich sein Sohn wohl vor nichts fürchten würde. Wie wir jetzt sehen, hat er es deutlich mit der Angst zu tun, könnte des gesamte Kartenhaus doch in sich zusammenfallen.

Doch er will eine Lösung für Kate finden, die nicht mit deren Tod endet. So entspinnt sich ein Gespräch, in dem Ray tatsächlich die Weisheiten Steve Knights anwendet und Kate zum ersten Mal die Wahrheit über sich, über seinen Vater und über seine dunklen Machenschaften verrät. Als Kate dann jedoch das heikle Thema des Missbrauchs an Ray und seinen Brüdern anspricht, zeigt sich eine andere Form der psychischen Störung bei Ray - zumindest im Vergleich zu seinem Bruder Bunchy. Beim rabiaten Liebesspiel mit Kate, die das Nachfragen nicht sein lassen kann, erwürgt er sie beinahe, was ihn schlussendlich in sich zusammenbrechen lässt, während Kate die Flucht ergreift. Eine unangenehme, angespannte Szene, in der Schreiber erneut seine Qualitäten zeigt und die uns als Zuschauer mit ihrer Intensität in den Bann zieht.
Am Ende von „Volcheck“ schließt sich der Kreis, steht Ray doch mitten in der Nacht wieder am Strand vor dem Haus von Steve Knight. Am Morgen hatte er noch das Angebot, eine Runde zu schwimmen abgelehnt, nun stürzt er sich zu den melodischen Klängen von Young Fathers' „I Heard“ in die Wellen. Es wirkt schon fast wie ein kathartischer Akt, der Ray irgendwie von all seinen Problemen und Ängsten befreien soll. Ein angemessener Schlusspunkt, der uns weiterhin im Dunkeln lässt, wie die spannungsgeladene Lage um Ray sich schlussendlich auflösen wird. Eventuell ist ihm jetzt ein erster Schritt in die richtige Richtung gelungen. Ein mulmiges Gefühl, was die letzten beiden Episoden der zweiten Staffel von Ray Donovan uns bringen werden, bleibt dennoch bestehen.
Fazit
Volcheck kann vor allem durch seine wohlgewählten und stilsicher inszenierten Momentaufnahmen sowie überzeugende darstellerische Leistungen punkten. Auch hier tut sich abermals Liev Schreiber hervor, aber auch die Nebendarsteller gefallen gut. Einige Handlungsstränge offenbare jedoch ein paar kleinere Makel, sodass es hier nicht ganz für eine sehr gute Wertung reicht.
Die Geschichte um Kate McPherson und ihr kurzzeitiger Aussetzer im Serienplot (ihre Rückkehr nach Boston) mag vielleicht für den Ablauf der gesamten Geschichte der zweiten Staffel Sinn ergeben. Dass die smarte Journalistin jedoch jetzt erst eins und eins zusammengezählt und sich anscheinend zum ersten Mal die Audioaufnahmen von Mickey angehört hat, ist schon ein wenig seltsam. Ähnliche kleinere Ungereimtheiten kann man auch in Abbys Plot finden, doch letztendlich ist es erstaunlich, dass der Gesamteindruck von „Volcheck“ derartig rund und zufriendstellend ist, dass man die etwas schwächeren Momente rasch wieder ausblendet. Mit zwei weiteren Episoden vor der Brust dürfen wir weiterhin gespannt sein, wie die turbulente Achterbahnfahrt der letzten Wochen für Ray zu einem Ende kommen wird.
Verfasser: Felix Böhme am Dienstag, 16. September 2014Ray Donovan 2x10 Trailer
(Ray Donovan 2x10)
Schauspieler in der Episode Ray Donovan 2x10
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