Ray Donovan 2x11

Ray Donovan 2x11

In Rodef scheint sich unser Protagonist bereits auf das schlimmstmögliche Szenario vorzubereiten, zieht sich doch die Schlinge um dessen Hals immer weiter zu. Die Spannung wird dabei immer wieder in die Höhe getrieben, was die Vorfreude auf das Staffelfinale ins Unermessliche treibt.

Finstere Zeiten für Ray Donovan (Liev Schreiber), hier in „Rodef“ / (c) Showtime
Finstere Zeiten für Ray Donovan (Liev Schreiber), hier in „Rodef“ / (c) Showtime

So richtig möchte ich mich noch gar nicht dazu hinreißen lassen, die zweite Staffel von Ray Donovan Revue passieren zu lassen. Dafür wird nächste Woche nach dem Staffelfinale noch genug Zeit verbleiben. Dennoch komme ich nur schwer umher, jetzt schon erste Vergleiche zwischen dem Ray (Liev Schreiber) aus der ersten Staffel und dem vom Ende der zweiten zu ziehen. Die Serienmacher um die scheidende Showrunnerin Ann Biedermann haben ihre Hauptfigur eine sehr interessante Entwicklung durchmachen lassen, an deren Ende der äußerlich stets lässige Fixer nicht nur vor einem großen Scherbenhaufen, sondern auch vor einer Handvoll Problemen steht, die lebensverändernde Konsequenzen nach sich ziehen könnten.

Dabei sind es jedoch nicht nur die verschiedenen Dilemmata Rays, die uns auf den baldigen großen Knall vorbereiten und für Spannung sorgen können. Auch die Nebenfiguren wissen das Momentum des bevorstehenden Finales zu nutzen, wodurch wiederum eine recht große Erwartungshaltung aufgebaut wird. Zusätzlich bekommen wir ein paar mehr oder minder überraschende Schockmomente serviert, die diese sehr sehenswerte Episode gekonnt abrunden.

You want a hug?

Rodef startet mit dem Blick auf eine pompös angelegte Andacht für die ermordeten Re-Kon (Kwame Patterson) und Marvin (Octavius J. Johnson), auf der sich wiederum Cookie Brown (Omar J. Dorsey) im feinsten Zwirn vor die zahlreichen TV-Kameras stellt und seiner unbeschreiblichen Trauer Ausdruck verleiht. Es ist eine offensichtliche Farce, spricht hier doch der eigentliche Mörder der beiden. Für Bridget (Kerris Dorsey), die komplett niedergeschlagen die Übertragung zur Gedenkfeier vor dem Fernseher verfolgt, dürfte diese Showeinlage des skrupellosen Gangsters eine harte Probe sein.

Ray (Liev Schreiber) spendet seiner Tochter Bridget (Kerris Dorsey) ein wenig Trost. © Showtime
Ray (Liev Schreiber) spendet seiner Tochter Bridget (Kerris Dorsey) ein wenig Trost. © Showtime

Ihr Vater findet sich derweil fernab von alledem auf einer einsamen Klippe wieder. Dort trifft er auf Lena (Katherine Moennig), die langsam spürt, dass etwas nicht stimmt und harte Zeiten anzubrechen scheinen. Doch Ray blockt ihre Nachfragen launisch ab. Sie soll sich um das Video von der Ermordung von Re-Kon und Marvin kümmern, der Rest ist Rays Angelegenheit. Auch seine Buchhalterin erahnt, wie schlimm es wirklich steht. Ray hat in weiser Voraussicht schon einmal ein Grundstück in Malibu auf den Namen seiner Frau und Kinder umschreiben lassen, was Indiz genug sein sollte, dass mit dem Schlimmsten zu rechnen ist. Ob eine gut gemeinte Umarmung da helfen kann? Wohl eher weniger...

Where are you going?

Im Gespräch mit Abby (Paula Malcomson) legt Ray dann die Karten auf den Tisch und teilt ihr mit, dass er sich in absehbarer Zeit durchaus im Gefängnis wiederfinden könnte. Deshalb hat er Vorkehrungen getroffen, um für seine Familie zu sorgen. Doch Abby will seine Almosen nicht und verweist auf Jim (Brian Geraghty), der ihr und den Kindern Sicherheit geben kann. Abermals platzt Rays Alphatierstolz aus ihm heraus: Jim soll sich schön von seiner Familie fernhalten, zumindest solange Ray noch in ein und demselben Haus wie Abby, Bridget und Conor lebt.

Jedoch kommt auch Ray selbst immer mehr zu der Erkenntnis, dass ihm seine Familie komplett entgleitet, trotz einiger warmer Momente mit seinem Nachwuchs. Insbesondere das Verhältnis zu Conor (Devon Bagby) kippt erneut, weil dieser seinen Großvater Mick (Jon Voight), wie so oft, verteidigt. Für Mick hat Ray jedoch immer weniger übrig - und das nicht nur, weil dieser Conor ein paar Sportzigaretten gegeben hat. Doch anstatt sich um Conor zu kümmern, muss Ray auch schon wieder zum nächsten Problemherd eilen, was Conor wiederum in die Arme beziehungsweise in das Apartment seines Großvaters treibt.

Authorized personnel only

Mick wird wiederum von seinem Enkel wahrlich auf dem falschen Fuß erwischt, als Conor plötzlich vor dessen Tür steht und Mick sich gerade noch so die Skimaske vom Gesicht reißen kann, was für einen recht amüsanten Moment sorgt. Da Mickey aber kurz davor ist, den großen Coup durchzuziehen, wird der Lieblingsenkel erst einmal in der Wohnung geparkt. Falls ihm langweilig werden sollte, geht er einfach rüber zu Shorty (Steph DuVall), der nun doch nicht an dem Einbruch mit werkeln kann. Shortys gesundheitlicher Zustand hat sich aufgrund mangelnder Sauerstoffvorräte arg verschlechtert. Nun soll der Safe zu ihm kommen und nicht, wie geplant, im Cannabisladen entleert werden.

Um den globigen Geldschrank zu bewegen, hat sich jetzt doch noch Daryll (Pooch Hall) angeschlossen, der im Gegensatz zum tiefenentspannten Terry (Eddie Marsan) ordentlich die Flatter bekommt. Doch, bevor irgendwelche Zweifel am Plan aufkommen, findet sich die Bande nach der erfolgreichen Ablenkung und Knebelung des Sicherheitsmanns Boris schon inmitten eines kleines Gewächshauses und unmittelbar vor ihrem Objekt der Begierde wieder. Eigentlich läuft es bis jetzt recht rund für Mickey und Co, aber irgendetwas muss ja in die Hose gehen.

Dabei ist es nicht Mickey, der für Probleme sorgt, sondern Bewährungshelfer Ronald (Wendell Pierce), der sich von dem gefesselten Sicherheitsmann irritieren lässt und die Gruppe hintergeht. Am Ende ist es aber nicht Mickey, dem eine langjährige Gefängnisstrafe droht, sondern Terry, der hinter verschlossener Türe festsitzt. Viele eifrige Leser hatten bereits letzte Woche gemutmaßt, dass es bei diesem riskanten Einbruch ihn treffen könnte, was sich nun bewahrheitet. Ein herber Schlag für den ehemaligen Boxer, der sich selbstlos für seine Kumpanen opfert. Mickey zeigt daraufhin eine aufrichtig emotionale Reaktion und, auch wenn er die Flucht ergreift, sein Schuldbewusstsein ist greifbar. Eventuell auch, weil er in der Vergangenheit eine sehr schwierige Beziehung zu Terry hatte.

Conor (Devon Bagby) steht der Dickköpfigkeit seines Vater in Nichts nach. © Showtime
Conor (Devon Bagby) steht der Dickköpfigkeit seines Vater in Nichts nach. © Showtime

Just drive

Doch nicht nur Terry ist ein Leidtragender dieser Aktion, auch Shorty ereilt ein schreckliches Schicksal. Der gutherzige Kleingauner zündet sich in seiner Wohnung sorglos eine Zigarette am Herd an, nebenbei strömt jedoch Sauerstoff aus seiner Beatmungsflasche, was durch den Funkensprung in einer verheerenden Explosion endet. Für den ursympathischen Shorty bedeutet dies sein unrühmliches Ende, doch mit dem nächsten Gedanken sind wir schon bei Conor, der sich ebenfalls in dem Gebäude aufhält.

Glücklicherweise geht dieser Vorfall glimpflich für den jungen Donovan aus, aber sein herbeigeeilter Vater ist alles andere als froh. Zum wiederholten Male gerät er an Mickey, der beinahe Conor auf dem Gewissen gehabt hätte. Aus dem Nichts verpasst Ray seinem Vater einen Schlag ins Gesicht, in der Folge ist er kaum zu beruhigen. Dabei ist es aber nicht nur die Wut auf Mick, die Ray so impulsiv und unkontrolliert aus der Haut fahren lässt. Es ist die Summe aller kürzlichen Ereignisse, die bei ihm absolute Frustration auslöst. Letztendlich findet er sich auf der Rückbank eines Polizeiwagens wieder und schaut völlig machtlos seinem Sohn und Mick hinterher. Nun hat er sich selbst in den Polizeigewahrsam manövriert, seine Hände sind gebunden. Und das in einer Situation, in der er rein theoretisch an mehreren Orten gleichzeitig sein müsste, um Herr der Lage zu bleiben beziehungsweise seinen alten Status zumindest ein wenig wiederherzustellen.

Compromising positions

Nicht nur Cookie und die Suche nach dem Video bereiten Ray Kopfzerbrechen, auch aus den eigenen Reihen drohen neuerliche Konflikte aufzuziehen. So wird nämlich Cochran (Hank Azaria), der zuvor noch auf einer Pressekonferenz zum Ableben von Volcheck eine ähnliche Show wie Cookie abzog, bei Ezra (Elliott Gould) vorstellig, um Ray gemeinsam auf das eigentliche Problem in Person von Kate McPherson (Vinessa Shaw) aufmerksam zu machen. Diese weiß dank des gerade entlassenen FBI-Agenten Frank Barnes (Michael McGrady) jetzt endlich, wie sich die Geschichte um Sully wirklich zugetragen hat und was für eine große Rolle Ray darin gespielt hatte. Letztendlich ist hier jeder mit jedem verbunden, also muss auch Ezra darauf achten, nicht in einer verzwickten Lage zu enden.

Gegenüber Ray erklärt er diesem dann das Prinzip des Rodefs, einer Person, die anderen Leuten großen Schaden zufügen will und nach jüdischem Glauben mit allen Mitteln aufgehalten werden darf und muss, so dass die drohende Gefahr abgewendet werden kann. Doch Ray stellt sich erneut vor Kate und setzt - wie bereits gegen Cochran - ein wirksames Druckmittel gegen Ezra ein, hat er doch auf dem Grundstück von Ezras Krankenhaus die Leiche des Priesters aus der ersten Staffel vergraben. Ezra ist geschockt und willigt seinem Gehorsam ein, nur, um wenig später den treuen Avi (Steven Bauer) zu bezirzen, seinem Boss den Kopf zu waschen und auf die wahren Probleme hinzuweisen. Eine spannende Entwicklung, in der Ray nun alleine gegen alle zu spielen scheint. Selbst sein guter Freund und Angestellter Avi wirkt von Rays Verhalten verwirrt und könnte nun eingreifen, um seinen Boss vor sich selbst zu schützen.

You happy now?

In einem scheinbar finalen Gespräch zwischen Kate und Ray entsteht dann fast der Eindruck, Ray wäre zu müde, sich weiter zu wehren. Die letzten Wochen waren extrem anstrengend für ihn, seine Frau, seine Kinder, sein Leben, all diese Dinge sind ihm immer mehr entglitten, so dass ihm jetzt nicht mehr viel übrig bleibt. Hat er endlich erkannt, dass er vor seinen vergangenen Verfehlungen nicht wegrennen kann? Will er sich seiner Verantwortungslosigkeit stellen oder ist es pure Resignation? Nach all den Sorgen um seine Tochter, den Problemen mit seinem Sohn oder seiner gescheiterten Ehe mit Abby hat er vielleicht erkannt, was er sich eigentlich mit seinem eigenen Handeln zerstört hat.

Der finale Abschied zwischen Kate (Vinessa Shaw) und Ray (Liev Schreiber)? © Showtime
Der finale Abschied zwischen Kate (Vinessa Shaw) und Ray (Liev Schreiber)? © Showtime

Es ist ihm zwar noch gelungen, das Video vom Attentat auf Marvin und Re-Kon aufzutreiben, das Bridget in große Gefahr bringen könnte. Dies ist jedoch nur ein kleiner Erfolg in einer Reihe von verheißungsvollen Entwicklungen, die für Ray weitreichende Konsequenzen nach sich ziehen könnten. Mit dem Ende von Rodef sind wir an einem äußerst finsteren Punkt in Rays Leben angekommen. Für das Staffelfinale ist so gut wie alles möglich, die Aussichten sind mannigfaltig und bieten die verschiedensten Lösungen, was uns wiederum einige harte Entscheidungen der Serienmacher bescheren könnte.

Fazit

Rodef ist eine starke vorletzte Episode einer sehr überzeugenden zweiten Staffel von Ray Donovan. Hier gelingt nicht nur der stimmungsvolle Aufbau hin zu einem spannenden Finale, auch die verschiedenen Charaktermomente gestalten sich als sehr atmosphärische Momentaufnahmen. Die Szene zwischen Jim und Cookie, die ersteren erkennen lässt, dass er den Gangster nicht umbringen kann, droht beinahe vor Spannung zu explodieren. Gleichzeitig werden wir geschickt im Ungewissen gelassen, wie sich der Handlungsbogen um Gangster Cookie, Jim und Ray auflösen wird.

Mit dieser sehr ordentlichen und abwechslungsreichen Folge wird das Warten auf das abschließende Kapitel dieser Staffel alles andere als einfacher. Was sich in diesem ereignen wird, lässt sich nur schwer sagen, da sich die Verantwortlichen einige Möglichkeiten offengelassen haben. Ein cleverer Schachzug, der uns sowohl positive als auch negative Überraschungen bringen kann.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 22. September 2014
Episode
Staffel 2, Episode 11
(Ray Donovan 2x11)
Deutscher Titel der Episode
Klar Schiff
Titel der Episode im Original
Rodef
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 21. September 2014 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 15. Dezember 2014
Autoren
Ron Nyswaner, Brett Johnson
Regisseur
Michael Uppendahl

Schauspieler in der Episode Ray Donovan 2x11

Darsteller
Rolle
Paula Malcomson
Eddie Marsan
Dash Mihok
Steven Bauer
Avi
Pooch Hall
Kerris Dorsey
Devon Bagby
Jon Voight

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?