Ray Donovan 2x09

Ray Donovan 2x09

In Snowflake nimmt das folgenschwere Ende aus der Episode Sunny den Hauptteil der Handlung ein. Dabei geht es wieder etwas ruhiger zu, auch wenn die Anspannung bei den einzelnen Figuren druchaus spür- und greifbar ist.

Ray (Liev Schreiber) gemeinsam mit seiner Tochter Bridget (Kerris Dorsey) in „Snowflake“ / (c) Showtime
Ray (Liev Schreiber) gemeinsam mit seiner Tochter Bridget (Kerris Dorsey) in „Snowflake“ / (c) Showtime

Das Ende von Sunny, der achten Episode der zweiten Staffel von Ray Donovan, hat so manchen Zuschauer sicherlich nicht nur schockiert zurückgelassen. Es hat wohl auch etliche Spekulationen hervorgerufen, wie Protagonist Ray (Liev Schreiber) mit der Situation um seine Tochter Bridget (Kerris Dorsey) und den gefährlichen Cookie (Omar J. Dorsey) umgehen wird.

Um ein wenig Herr der Lage zu werden, vertraut Ray in Snowflake dafür komplett auf seine Fähigkeiten und Erfahrungen als Fixer. Dennoch ergeben sich neuerliche Konflikte mit seiner Frau Abby (Paula Malcomson), die über ihre Affäre Jim (Brian Geraghty) einen gänzlich anderen Ansatz als Ray nehmen will. Zusäzlich werden die Nebenplots von Mickey (Jon Voight) und Bunchy (Dash Mihok) weitergesponnen, was für ein wenig Abwechslung sorgt. In den richtigen Momenten gelingt es den Machern dann, die Anspannung hochzuhalten, auch wenn die Episode per se eher bedächtiger gestaltet ist und sich mehr nach der Ruhe vor dem Sturm anfühlt.

She's fine

Dieser scheint nämlich am Horizont immer deutlicher aufzuziehen, jetzt, nachdem mit Cookie ein finsterer Zeitgenosse eingeführt wurde, dessen Kaltblütigkeit Ray durchaus bekannt ist. Dementsprechend versucht unsere Hauptfigur auch alles in ihrer Macht Stehende, um Tochter Bridget vor dem Gangster zu schützen. Sollte Cookie zu Ohren kommen, dass Bridge während des Mordanschlags auf Marvin (Octavius J. Johnson) und Re-Kon (Kwame Patterson) im hinteren Teil des Fahrzeugs war und somit als Zeugin gegen den skrupellosen Gangster aussagen könnte, würde ihr Leben mit Sicherheit in großer Gefahr sein.

Also schaltet Ray sofort in seinen Fixermodus, hat er doch schon öfter Leuten in ähnlichen Situationen zur Seite gestanden. Dass es nun seine eigene Tochter getroffen hat, scheint ihn zumindest innerlich stark zu bewegen. Äußerlich bewahrt er größtenteils sowohl seine Ruhe als auch seinen kühlen Kopf, hat ihn doch seine Berufserfahrung gelehrt, dass blinde Impulsivität und panisches Verhalten hier mehr Schaden als alles andere anrichten würden.

Ray (Liev Schreiber) gemeinsam mit seiner Frau Abby (Paula Malcomson) © Showtime
Ray (Liev Schreiber) gemeinsam mit seiner Frau Abby (Paula Malcomson) © Showtime

Complicated situation

Gerade diese kühle Art Rays lässt ihn allerdings auch ein wenig gefühlskalt erscheinen, geht er doch sehr sachlich und professionell mit dieser Situation um, die für Bridget ein fataler Schlag ist. Es sind jedoch die kleinen Nuancen in Schreibers Schauspiel, die offenbaren, dass er durchaus mit seiner Tochter mitleidet, auch wenn es bei ihm mehr Angst um sie anstelle von Betroffenheit hinsichtlich des Todes ihres Freundes Marvin ist. Den Gegensatz dazu bildet Abby, die als Mutter Bridgets völlig nachvollziehbar reagiert. Sie lässt ihren Emotionen freien Lauf und verstrickt sich sogleich in weitere Streitigkeiten mit Ray, wodurch die trauerende Bridget fast zu einer Randnotiz verkommt.

Der Mord an Marvin hat traumatische Konsequenzen für sie und weder ihr Vater noch ihre Mutter können ihr Halt in dieser Situation geben. Vielmehr wird sie zu einer Art Spielball, drängt sie ihre Mutter doch dazu, der Polizei die Wahrheit zu sagen, während es wiederum für Ray von immenser Wichtigkeit ist, dass Bridget die Gesetzeshüter anflunkert, um sich selbst nicht zu gefährden. Dass das junge Mädchen schwer getroffen und emotional am Ende ist, wird von ihren Eltern nur teilweise wahrgenommen. Abby gelingt der emotionale Zugang zu ihr am Ende der Episode halbwegs, Ray hingegen scheint machtlos, konsumieren ihn die Sorgen um seine Tochter doch so stark, dass es ihm nur bedingt gelingt, Bridget aufrichtigen Trost zu spenden.

What I do for a living

Während Abby Jim mit ins Boot holt und auf dessen Unterstützung baut, versucht Ray vorzufühlen, wie groß die Gefahr für seine Tochter wirklich ist. Dafür stattet er Cookie einen Besuch ab und lässt sich dort von seinen Gefühlen übermannen, als er Cookies Handlangern ein paar Faustschläge austeilt, sich dann jedoch schnell auf dem Boden der Tatsachen wiederfindet. Der Gangster scheint zumindest nichts von Bridgets Anwesenheit während des Mordes zu wissen, den Cookie selbst entschieden von sich weist. Für Ray bedeutet das jetzt, weiterhin sehr vorsichtig vorzugehen, könnte doch nur eine fehlgeleitete Information Cookie auf den Trichter bringen, dass Rays Tochter ihn als Mörder bei der Polizei melden könnte.

Die Momente, in denen die einzelnen Charaktere abwägen müssen, was sie als Nächstes tun, sind auch die interessantesten in Snowflake. Ob es jetzt Ray, Abby oder vor allem Bridget ist, immer wieder, wenn es zu einer schwierigen Entscheidung zwischen Wahrheit oder Lüge kommt, ist die Anspannung der Figuren zu spüren - und packend sowie nachvollziehbar inszeniert.

Am meisten leidet man als Zuschauer wohl hier mit Bridget, die von ihrem Vater angehalten wird, selbst ihrer eigenen Mutter die Wahrheit vorzuenthalten, was ihr jedoch nicht gelingt. Verständlich, bedenkt man ihren derzeitigen Zustand und ihr emotionales Befinden. Jedoch ist auch Rays Verhalten in gewisser Weise nachvollziehbar, handelt es sich hierbei doch schlichtweg um sein Fachgebiet. Er weiß, wie der Hase läuft und was für ein Risiko für Bridget besteht. Auch Abbys und Jims Credo, die Wahrheit zu wählen, ist logisch. Als Zuschauer findet man sich in einer unangenehmen Pattsituation wieder, in der man selbst anfängt abzuwägen, was die beste Entscheidung sein könnte. Eine knifflige Situation, die von den Serienmachern authentisch und vor allem sehr verständlich konstruiert wurde.

Bridget (Kerris Dorsey) trifft vor der Polizeiwache auf Cookie (Omar J. Dorsey). © Showtime
Bridget (Kerris Dorsey) trifft vor der Polizeiwache auf Cookie (Omar J. Dorsey). © Showtime

Strong girl

Letzen Endes entscheidet sich Bridget dafür, die Wahrheit für sich zu behalten, doch es darf stark bezweifelt werden, dass dies schon das Ende von dem gerade erst angestimmten Lied ist. Mit der Einführung Jims, der schon fast wie ein moralisches Spiegelbild zu Ray wirkt, hat man sich Raum geschaffen, diesen Konflikt und auch das problematische Verhältnis zwischen Ray und Abby weiter zu bearbeiten. Dass Jim und Ray noch mehrfach aneinandergeraten werden, ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Dabei ist jedoch nicht uninteressant, dass Ray in einem Vieraugengespräch der beiden Jim mitteilt, dass dieser sich doch ruhig weiter mit Abby treffen soll. Bringt er durch seine Ermittlungen jedoch Bridget in Gefahr, erwarte ihn sein blaues Wunder.

Es ist dann auch das Ende der Episode, das uns zeigt, dass all die Vorkommnisse aus der letzten Zeit nicht spurlos an unserem stoischen Antihelden vorbeigegangen sind. Nach außen bekommt es Ray immer wieder hin, seine wahren Gefühle zu verschleiern und sich emotional unberührbar zu geben. Doch seine zerkrachte Ehe, sein Leben voller Lügen, seine eventuelle Mitschuld an Bridgets derzeitiger Situation - all diese Dinge treffen auch den sonst so kühlen Fixer schwer.

So findet er sich letztendlich vor der Haustür von Guru Steve Knight (Eion Bailey) ein, wo Ray erst einmal vielsagende Blicke mit Ashley (Ambyr Childers) austauscht. Doch er ist hier für Steve selbst, dem er sich nun anscheinend anvertrauen will. Ray trägt eine ganze Menge emotionalen Ballast mit sich herum und so sehr er Steve anfangs belächelt hat, er sieht in ihm vielleicht jemanden, der ihm diesen Ballast zumindest zum Teil abnehmen kann. Es ist Steves Konzept der bedingungslosen Ehrlichkeit, von dem sich Ray ein wenig Besserung in seinem Leben verspricht.

Confused

Bei dem Stichwort Ehrlichkeit zieht man in Snowflake zwangsläufig auch Parallelen zu weiteren Nebenfiguren, die hier ihren eigenen Geschichten nachgehen. So sehen wir zum Beispiel Bunchy, der sein Glück mit Patty (Heather McComb) und deren Sohn Clifford (Aaron Fernando) gefunden zu haben scheint. Doch auch Bunchy ist nach wie vor von den Traumata seiner Kindheit gezeichnet und bringt es nicht fertig, Patty die Wahrheit über den Missbrauch an ihm zu erzählen, was für ihn wiederum befreiend sein könnte. Doch Bunchy behält diese Last für sich, wodurch sich für ihn gleich mehrere unangenehme Situationen entspinnen, so dass letztendlich seine Beziehung mit Patty beendet zu sein scheint.

Als Fan von Dash Mihok und der Figur Bunchy leidet man besonders stark mit ihm mit. Das Familienglück, der herzallerliebste Umgang mit Clifford (zumindest vor der Szene im Badezimmer) oder auch die wunderbar verständnisvolle Beziehung mit Patty tun Bunchy sichtlich gut. Umso tragischer ist es dann, mit ansehen zu müssen, wie zerstört und (sexuell) verwirrt Bunchy eigentlich ist.

Being played

Auch Mickey bekommt in „Snowflake“ ehrliche Worte an den Kopf geschmissen, die ihn deutlich mitzunehmen scheinen. Nachdem er sich etwas Freiraum bei seinem Bewährungshelfer Ronald (Wendell Pierce) erkauft hat, lädt er sich Claudette (Sheryl Lee Ralph) in seine winzige Wohnung ein, um ihr die Wahrheit über ihren Gatten Alan (Paul Michael Glaser) zu sagen. Dabei wird recht schnell Micks Enttäuschung darüber erkennbar, dass Claudette nicht auf ihn gewartet hat, als er im Gefängnis saß, nachdem er für sie einen Banküberfall durchgezogen hatte. Doch erneut muss sich Mickey anhören, was ihm nun wohl jede Figur in Ray Donovan bereits gesagt hat: Er war schon immer ein Egoist und schon immer nur auf seinen eigenen Vorteil aus. Diese scheinbar finale Abweisung durch Claudette ist nicht einfach zu verdauen, doch Mick ist mit seinen Gedanken bald schon wieder ganz woanders.

Mick (Jon Voight) und Shorty (Steph DuVall) planen ihren nächsten Zug. © Showtime
Mick (Jon Voight) und Shorty (Steph DuVall) planen ihren nächsten Zug. © Showtime

Gemeinsam mit Shorty (Steph DuVall) tüftelt er nämlich schon an einem Plan, den Laden auszurauben, wo Shorty immer sein medizinisches Cannabis herbekommt. Der Safe in dem Geschäft sollte für die beiden Kleingauner doch einfach zu knacken sein. Mit Blick auf Claudettes Worte machen sich jedoch bereits jetzt schon ein paar Sorgen breit, dass der gute Shorty in dieser freundschaftlichen Beziehung etwas zu kurz kommen könnte. Falls die beiden den Plan um den Safeklau tatsächlich in die Tat umsetzen werden, würde es mich nicht verwundern, wenn Shorty von Mick auf irgendeine Art und Weise verraten wird.

Verraten fühlt sich auch Kate (Vinessa Shaw), die in Boston weiterhin Nachforschungen bezüglich Sully, dessen verschwundener Frau und der Verbindung zu Mickey Donovan anstellt. In einem Gespräch mit einem etwas verschrobenen Gefängnisinsassen realisiert sie dann endlich, dass man sie von vorne bis hinten geleimt hat. Ich hätte von Kate ein etwas clevereres Verhalten erwartet, wurde sie doch dementsprechend eingeführt. Im Endeffekt führt sie ihr Weg zurück nach Los Angeles, um zumindest ein wenig was von ihrer journalistischen Reputation zu retten. Für Ray bedeutet dies wiederum, dass neben seinen ganzen persönlichen Problemen auch bald wieder Kate sowie das FBI in Person des weiterhin abwesenden Ed Cochran (Hank Azaria) in sein extrem zerrüttetes Leben treten könnten.

Fazit

Mit einer eher ruhigen Folge, die in den richtigen Momenten für Anspannung sorgen kann und die Dilemmata ihrer Charakter eindringlich vorträgt, biegen wir langsam, aber sicher auf die Zielgerade der zweiten Staffel von Ray Donovan ein. Die Entwicklungen aus den letzten Episoden werden interessant weitergeführt, auch wenn sich manch eine Nebengeschichte vielleicht ein wenig zu nebensächlich präsentiert. Die interessanten Figuren können diesen Makel aber größtenteils aufheben.

Spannend wird jetzt zu sehen sein, inwiefern Steve auf Ray Einfluss nehmen kann. Ich persönlich stehe der Figur von Eion Bailey nach wie vor recht skeptisch gegenüber. Doch das massive Konfliktpotential an allen Enden lässt mich gespannt auf die letzten drei Episoden dieser Staffel blicken. Durch diese zahlreichen Konflikte lässt sich auch nur schwer vorhersagen, was uns am Ende der zweiten Staffel erwarten wird. So bleibt man als Zuschauer weiterhin gebannt dran.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 8. September 2014

Ray Donovan 2x09 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 9
(Ray Donovan 2x09)
Deutscher Titel der Episode
Schneeflöckchen
Titel der Episode im Original
Snowflake
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 7. September 2014 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 8. Dezember 2014
Autoren
Michael Tolkin, Brett Johnson
Regisseur
Guy Ferland

Schauspieler in der Episode Ray Donovan 2x09

Darsteller
Rolle
Paula Malcomson
Eddie Marsan
Dash Mihok
Steven Bauer
Avi
Pooch Hall
Kerris Dorsey
Devon Bagby
Jon Voight
Ambyr Childers

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?