Ray Donovan 2x08

Ray Donovan 2x08

Die Episode Sunny mag vielleicht nicht ganz an das kleine Meisterstück Walk This Way aus der Vorwoche herankommen, aber dennoch bleibt die Qualität von Ray Donovan gewohnt hoch. Inklusive eines cleveren Aufbaus, gewohnt ansprechender Dialoge und eines heftigen Schockers am Ende.

Probleme an allen Ecken und Enden: Liev Schreiber als Ray Donovan in „Sunny“ / (c) Showtime
Probleme an allen Ecken und Enden: Liev Schreiber als Ray Donovan in „Sunny“ / (c) Showtime

Ende letzter Woche machte die Meldung die Runde, dass Showrunnerin Ann Biedermann sich nach zwei Staffeln Ray Donovan von dem Projekt verabschieden würde „62107“. Die Dramaserie hätte mehreren Medienberichten zufolge in seiner bisherigen Produktion nicht besonders lukrative Zahlen abgeworfen, woraufhin Biedermanns Vertrag vom Sender Showtime nicht verlängert wurde. Sie bleibt dem Format jedoch als kreative Beraterin treu, was vielleicht ein kleiner Wermutstropfen für die Fans von „Ray Donovan“ ist, lieferte Biedermann als Showrunnerin doch nicht nur sehr solide Arbeit ab, sondern zeichnete selbst auch als Autorin für zahlreiche starke Episoden verantwortlich. Darunter der bisherige Höhepunkt der zweiten Staffel, Walk This Way.

Es ist sicherlich nicht einfach, eine derartig überzeugende Episode wie „Walk This Way“ aus der letzten Woche zu toppen und, so viel sei vorweggenommen, in Sunny wird für den größten Teil der Folge auch erst einmal ein wenig durchgeschnauft. Trotzdem nimmt die achte Episode der zweiten Staffel des Showtime-Dramas gerade zum Ende hin noch einmal ordentlich Fahrt auf und kann seine Zuschauer voll und ganz abholen. Einige zu einfache Entscheidungen der Serienmacher werden durch den sehr bedächtigen, aber effektiven Spannungsaufbau so spielend ausgeglichen.

You're okay?

Nach den Vorkommnissen aus der letzten Episode gibt es wohl kaum eine passendere Frage, um in die neueste Folge von „Ray Donovan“ zu starten. Der gigantische Familienkrach aus der Vorwoche hat seine Spuren bei den Donovans hinterlassen und insbesondere Ray (Liev Schreiber) rückt hier prominent in den Vordergrund. Wir begleiten ihn dabei, wie er versucht, einige Risse wieder zu kitten und zu retten, was noch zu retten ist.

Jedoch entsteht über die gesamte Episode hinweg der Eindruck, dass es eben gar nicht mehr so viel gibt, was der stadtbekannte Fixer fixen kann, zumindest mit Blick auf seine Familie. Abbys (Paula Malcomson) Affäre wiegt schwer auf Rays Seele, der nach dem missglückten Familienabend verkatert und alleingelassen im Ehebett aufwacht. Es dauert nicht lange, da drückt er Avi (Steven Bauer) schon die Aufgabe auf, Abby zu bespitzeln und herauszufinden, mit wem sie sich genau trifft. Der herzensgute Avi findet sich so gleich mehrfach in einer für ihn sehr unangenehmen Situation wieder, möchte er seinem Boss und Freund Ray doch den Schmerz ersparen, den dieser aufgrund Abbys Untreue empfinden wird.

Abby (Paula Malcomson) fühlt sich wie im siebten Himmel mit Jim (Brain Geraghty). © Showtime
Abby (Paula Malcomson) fühlt sich wie im siebten Himmel mit Jim (Brain Geraghty). © Showtime

Dies ist zum einen nachvollziehbar, doch es bringt Lena (Katherine Moennig) auf der anderen Seite auch mehr als treffend auf den Punkt, als sie Avi vor Augen führt, dass Ray selbst seine Frau mehrfach betrogen hat. Die beiden Angestellten Rays übernehmen hier interessante Positionen gegenüber unserer Hauptfigur, in denen wir uns als Zuschauer durchaus selbst wiederfinden können. Abby scheint derweil ihr Glück mit Jim (Brian Geraghty) gefunden zu haben, auch wenn deren Beziehung noch größtenteils sexuell ist. Doch Abby fühlt auch die Geborgenheit bei Jim, die ihr der im Schlafzimmer oftmals sehr ruppige Ray nicht mehr geben könnte.

This place is closing early today

Ein weiterer Name auf Rays To-do-Liste nach Conors fataler Geburtstagsparty ist sein Bruder Terry (Eddie Marsan). Zwischen diesen beiden bleibt es bei dem zerschnittenen Tischtuch, auch wenn Ray versucht, die Wogen zu glätten. Doch Terry ist einfach zu sehr in seinem Stolz verletzt und dies nicht einmal zu Unrecht. Die Boxhalle wird eine Fassade für Rays fragwürdige Verdienste bleiben, woraufhin Terry nicht nur seinen Bruder vor die Tür setzt und dem Trainingsbetrieb ein Ende setzt. Er weigert sich auch, die Gehaltschecks für seine Arbeit anzunehmen, die ebenfalls auf Rays schmutzigem Geld aufbauen. Terry ist es einfach leid, sich weiter von ihm durchziehen und anlügen zu lassen. An dieser Front wird Ray wohl so bald keine großen Fortschritte machen können.

Call me when you give a fuck

Und als hätte Ray noch nicht genug um die Ohren, tun sich für ihn in Sunny auch noch ein Haufen neuer Probleme auf. Kate (Vinessa Shaw), die er in „Walk This Way“ noch volltrunken angerufen hatte, meldet sich nach ihrem unfreiwilligen Zusammentreffen mit der trauernden Mutter von Sullys (James Woods) Ehefrau bei ihm. Mickey (Jon Voight) hatte kürzlich noch die Auskunft gegeben, dass Sullys Frau im Zeugenschutzprogramm wäre, was sich jetzt jedoch als falsch herausstellt.

Nun steht Kates Ruf als Reporterin auf dem Spiel, zusätzlich fühlt sie sich von Ray nicht wertgeschätzt und wie nur eine weitere seiner Affären behandelt. Die zielstrebige Journalistin wird vielleicht ein wenig zu einfach wieder in die Show integriert, insbesondere, weil sie sich recht einfach von Ray und Cochran (Hank Azaria) hatte abwimmeln lassen. Jedoch stellt sie hier gleich wieder die richtigen Fragen und begibt sich so auf die Suche nach Tiny, was früher oder später wieder Cochran auf den Plan rufen und für erneute Spannungen sorgen könnte.

You're no fun

Ähnlich problematisch könnte Gangster Cookie Brown (Omar J. Dorsey) werden, der zu Beginn der Episode den schmierigen Lee Drexler (Peter Jacobson) einen Besuch abstattet. Cookie wurde erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen und pocht jetzt auf eine finanzielle Gutmachung, unterstütze er doch einst Musiker Re-Kon (Kwame Patterson) in seinen Anfängen mit einer ordentlichen Stange Geld. Als Gegenleistung dafür will Cookie nun den aufstrebenden Marvin (Octovius J. Johnson) unter seine Fittiche nehmen, was Drexler kategorisch ablehnt, ist der Jungstar doch auf dem besten Weg dahin, ein Goldesel zu werden.

Äußerst gefährlicher Zeitgenosse: Gangster Cookie Brown (Omar J. Dorsey) © Showtime
Äußerst gefährlicher Zeitgenosse: Gangster Cookie Brown (Omar J. Dorsey) © Showtime

Ray fungiert zwischen diesen beiden Parteien als Vermittler und arbeitet an einer Lösung, wobei er sich durchaus dessen bewusst ist, dass Cookie ein äußerst gefährlicher Zeitgenosse ist. Aber Ray sieht auch die Möglichkeit, Marvin über Cookie von seiner Tochter Bridget (Kerris Dorsey) fernhalten zu können. Das weiß auch Cookie und kommt Ray dementsprechend entgegen, Re-Kon ist ebenfalls eingeweiht und auch einverstanden, seine Vormundschaft für Marvin an Cookie abzugeben. Es scheint eine einvernehmliche Lösung gefunden zu sein, doch die finalen Minuten von „Sunny“ haben noch eine unschöne Überraschung für uns in petto, die unter anderem subtil über den unberechenbaren Charakter Cookies aufgebaut wird.

Black cadillac

Doch bevor wir einen Blick auf den Paukenschlag am Ende von „Sunny“ werfen, widmen wir uns noch einmal Mickey. Dessen persönlicher Aufschwung geht weiter, wird er doch von der Filmstudioangestellten Debra (Kandis Erickson) zu einem gemeinsamen Treffen mit einem Produzenten eingeladen, der von Micks Drehbuchentwurf sehr angetan zu sein scheint. Jener Produzent stellt sich dann schnell als ein Typ vom alten Schlag heraus, der nicht viel für Superheldenfilme übrighat und die guten alten Actionklassiker mit echten Männern als Hauptfiguren schätzt.

Mick versteht sich gut mit ihm, jedoch fällt sein Blick auf ein Bild im Haus des Produzenten, auf dem er die ermordete Linda (Rosanna Arquette) wiedererkennt. Der Filmproduzent mag Geschichten über Banküberfälle, schnelle Autos und Schießereien und kennt diese wohl vornehmlich aus dem Kino. Doch Mick weiß aufgrund seiner persönlichen Vita auch, dass diese Geschichten oftmals erschreckend nah an der Realität liegen und schwerwiegende Konsequenzen haben können, wie zum Beispiel für Linda.

Micks Träume vom wohlhabenden Filmschaffenden finden dann jedoch ein jähes Ende, als plötzlich Alan (Paul Michael Glaser), der Ehemann von Claudette, in der Tür steht. An seiner Seite ist eine junge Dame - und ein Hauch von Verachtung huscht über Mickeys Gesicht. Schlussendlich gerät er recht eindeutig an Alan, was ihn letzen Endes seine Karriere als Drehbuchautor kostet. Jedoch konnte er sich auch nicht nehmen lassen, das teure Silberbesteck seines Gastgebers zu stibitzen. Er ist und bleibt nun mal ein Gauner und ob diese Filmwelt, in der es ebenfalls zahlreiche Gauner zu finden gibt, überhaupt etwas für ihn gewesen wäre, weiß man nicht. Selbst Mickey scheint recht zügig mit diesem Kapitel abgeschlossen zu haben und nicht besonders traurig über diese verpasste Chance zu sein.

Is this a bad time?

Abseits von alledem schlingert Ray weiterhin durch die Scherben seines Ehelebens, was ihn letztendlich sogar in das Haus von Jim treibt. Dort weist er den Polizisten sehr gefasst darauf hin, die Finger von Abby zu lassen. Gleichzeitig kommt Ray aber auch ein wenig gleichgültig rüber, was mit seinem Leben passiert - ob Jim, der mit gezogener Waffe vor Ray steht, jetzt abdrückt oder nicht. Im einem erneut sehr packenden Streitgespräch zwischen Abby und Ray baut sich dann eine äußerst unangenehme Spannung auf, insbesondere, als sich Ray gewaltsam Abby nähert. Glücklicherweise lässt er aber ab und muss sich dann eine alles sagende Tirade Abbys anhören, die ihm abermals seine Scheinheiligkeit, aber auch sein unzureichendes Verhalten als Ehemann vorwirft. Das neue Haus hilft da auch nicht mehr viel, Rays Bemühungen um Abby kommen einfach viel zu spät. Sowohl Paula Malcomson als auch Liev Schreiber liefern hier starke Darbietungen ab.

Interessant ist dieses Mal auch, dass zwischen Abbys und Bridgets Charakter entscheidende Parallelen gezogen werden können. Beide lügen sich im direkten Telefongespräch miteinander an und fliehen vor ihrem eigentlichen Leben in den Arme einer anderen Person (Jim beziehungsweise Marvin), die ihnen ein Gefühl der Zuwendung und aufrichtigen Liebe geben können.

Bright days are here

Bridget befindet sich mit Marvin im Tonstudio und tut etwas, was ihr Spaß macht, zusammen mit jemandem, den sie liebt. Bei ihrer Mutter Abby sieht das nicht anders aus. Gemeinsam nehmen die beiden liebestollen Jugendlichen eine Coverversion von Bobby Hebbs Klassiker „Sunny“ auf, dessen Songtext mit Blick auf die letzten Entwicklungen in Ray Donovan nichts Gegenteiligeres darstellen könnte. Für Bridget ist dieser Augenblick jedoch perfekt, fernab von dem ganzen Stress mit ihren Eltern - und Hebbs Worte passen für sie wie die Faust aufs Auge.

Bridget (Kerris Dorsey) und Marvin (Octovius J. Johnson) gemeinsam bei den Aufnahmen im Studio © Showtime
Bridget (Kerris Dorsey) und Marvin (Octovius J. Johnson) gemeinsam bei den Aufnahmen im Studio © Showtime

Umso erschreckender ist dann der Schlusspunkt dieser Folge, der den positiven Grundton der Aufnahme von Marvin und Bridget im Keim erstickt. Re-Kon ist stolz auf seinen Zögling und sicher auch wehmütig, dass er ihn an den zwielichtigen Cookie abgeben muss, was Marvin noch gar nicht weiß. Was aber Re-Kon nicht weiß, ist, dass sein Agent Lee den Deal mit Cookie abgeblasen hat, woraufhin Ray eine üble Vorahnung hat, die dann erschütternde Realtität wird. So wird Re-Kon kaltblütig von Cookie erschossen, womit vielleicht noch manch eine/r gerechnet hatte.

Absolut überraschend kam dann aber für mich persönlich der Mord an Marvin, der von Cookie regelrecht hingerichtet wird. Ein heftiger Schockmoment, der perfekt aufgeht. Auf der Rückbank des Wagens, in dem Re-Kon und Marvin erschossen wurden, versteckte sich Bridget, die nun traumatisiert die Straße hinuntergeht und ihren Vater anruft. Mit dieser Entwicklung betreten die Serienmacher einen ganz neuen Weg, der Cookie als hochgefährlichen Gegenspieler einführt. Ein geschickter Schachzug, der auch die Erwartungen an die nächste Episode in die Höhe schraubt.

Fazit

Wieder einmal treffen die Macher von Ray Donovan mit dem Ende einer ihrer Episoden den Nagel auf dem Kopf. Nach einem kurzen Moment der Ungläubigkeit musste ich dann neidlos anerkennen, dass man hinsichtlich des dramaturgischen Aufbaus von Sunny ganze Arbeit geleistet hat und auch nicht davor zurückschreckte, eine sowohl faustdicke als auch schwerwiegende Überraschung einzubauen. Abgerundet wird dies mit den bekannt lässigen Dialogen, die immer wieder amüsante und nachhaltige Gesprächswechsel fabrizieren.

Einige Szenen in den Handlungssträngen der Nebenfiguren sind vielleicht ein wenig schwammig und schlicht ausformuliert, jedoch überzeugt die achte Folge der zweiten Staffel von „Ray Donovan“ im Gesamtbild, gerade weil ihre eher ruhige erste Hälfte wunderbar das schockierende Finale aufbaut. Somit dürfen wir uns als Zuschauer über eine erneut starke Episode des Dramas freuen, die hochinteressante Folgen für den weiteren Verlauf der Staffel nach sich ziehen könnte.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 1. September 2014
Episode
Staffel 2, Episode 8
(Ray Donovan 2x08)
Titel der Episode im Original
Sunny
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 31. August 2014 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 1. Dezember 2014
Autoren
David Hollander, Cheo Hodari Coker
Regisseur
John Dahl

Schauspieler in der Episode Ray Donovan 2x08

Darsteller
Rolle
Paula Malcomson
Eddie Marsan
Dash Mihok
Steven Bauer
Avi
Pooch Hall
Devon Bagby
Kerris Dorsey
Jon Voight

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