Ray Donovan 2x07

Ray Donovan 2x07

Walk This Way ist die bisher beste Episode der zweiten Staffel von Ray Donovan. Neben einer sehr stilsicheren Inszenierung und einem starken Aufbau zum Finale der Folge sorgen vor allem die einzelnden Charaktere für Aufsehen und mitreißende Momente.

Ist nicht wirklich „happy“: Ray (Liev Schreiber) in „Walk This Way“. / (c) Showtime
Ist nicht wirklich „happy“: Ray (Liev Schreiber) in „Walk This Way“. / (c) Showtime

Es hatte sich angedeutet und viele Zuschauer haben nichts anderes erwartet: Irgendwann mussten sich die zahlreichen Spannungen unter den verschiedenen Mitgliedern der Familie Donovan entladen. Und was wäre ein besserer Ort dafür als die Geburtstagsparty des jüngsten Donovans? In Walk This Way werden wir behutsam auf die krachende zweite Hälfte der Episode vorbereitet, in der abermals Liev Schreiber hervorsticht (der darüber hinaus als Regisseur dieser Folge fungierte), aber auch seine Schauspielkollegen überzeugende Darbietungen abliefern können. Die finale Szene in „Walk This Away“ bringt hier ein nahezu perfektes Schlussbild hervor, das uns grübeln lässt, was die Zuschauer in den nächsten Episoden der zweiten Staffel erwarten könnte.

Happy Birthday kiddo

Den Rahmen für „Walk This Way“ bildet Conors (Devon Bagby) Geburtstag, dessen Organisation jedoch schwer zu wünschen übrig lässt. In der letzten Episode (Viagra) stellte Conor kurz nach Mitternacht noch recht betrübt fest, dass er nun endlich 14 Jahre alt ist. Von seinen beiden Eltern war da jedoch keine Spur. Und auch in „Walk This Way“ kommt Conor relativ schnell darauf, dass man seinen Geburtstag vergessen hat. Ray (Liev Schreiber) registriert dies erst, als er Conor bei einem Videogespräch mit Tommy Wheeler (Austin Nichols) - einem schlüpfrigen Geburtstagsgruß von Tommys „Begleitung“ inbegriffen - belauscht. Conors unterkühlter und tief enttäuschter Blick, als er seinen Vater konfrontiert und dieser ihm einen Ausflug in die Basketballarena anbietet, sagt mehr als tausend Worte.

Auch Abby (Paula Malcomson) hat den Freudentag ihres Sohnes verschwitzt, gleichzeitig ist sie weiterhin hin- und hergerissen, sich auf eine Affäre mit Jim (Brian Geraghty) einzulassen oder nicht. Die Nacht haben die beiden nicht zusammen verbracht, doch Abby scheint nun für den Seitensprung bereit zu sein, wäre da nicht eine spontane Geburtstagsparty für Conor, um die sie sich kümmern muss. Weder sie noch Ray bekleckern sich in den ersten Minuten dieser Episode mit Ruhm: Beide vernachlässigen ihren Nachwuchs und sind weit mehr mit sich selbst als mit allem anderen beschäftigt.

Bunchy (Dash Mihok) zusammen mit Kumpel Stan (Ryan O%26#039;Nan) © Showtime
Bunchy (Dash Mihok) zusammen mit Kumpel Stan (Ryan O%26#039;Nan) © Showtime

Family party

Um Conor etwas zu beschwichtigen, soll seinem Wunsch nach eine große Familienfete steigen, zu der nicht nur seine Onkel, sondern auch Großvater Mickey (Jon Voight) erscheinen sollen. Ray verzieht bei der Erwähnung des Namens seines Vaters das Gesicht, doch Conor besteht darauf. Mickey selbst feiert gerade eine Art kleinen Aufschwung, geht seine Arbeit an dem Drehbuch doch sichtlich voran. Im Telefongespräch mit Ray kommt Mick ihm sogar ein wenig entgegen, wodurch Ray ihn auf der Party willkommen heißen will, nur um später festzustellen, dass ihn sein Vater geleimt hat. Doch dazu an anderer Stelle mehr.

Terry (Eddie Marsan) einzuladen scheint kein Problem zu sein, obwohl dieser sogleich ein wichtiges Gespräch mit seinem Bruder ankündigt. Die Auswanderungspläne von Terry und Frances (Brooke Smith) nehmen weiter Form an, jedoch kommt es auch zu einem kleinen Rückschlag. Die Buchhalterin von Ray und der Boxhalle macht Terry nämlich deutlich, dass ein Verkauf des Fite Clubs alles andere als einfach sein wird. Grund dafür ist unter anderem Ray selbst, der Hauptanteilseigner des Gebäudes ist.

Bunchy (Dash Mihok) verbringt derweil ein wenig Zeit mit Stan (Ryan O'Nan), den er vor einer Weile bei einem Treffen seiner Hilfsgruppe kennengelernt hatte. Schon damals machte Stan einen etwas befremdlichen Eindruck, der auch hier wieder entsteht. Nachdem Bunch ihn von seiner peinlichen Situation aus der Vorwoche und dem Viagra-Vorfall erzählt hat, lädt er Stan zu Conors Geburtstagsparty ein, scheint sein Leidgenosse doch gerade eine sehr schwere Zeit durchzumachen.

Unburden yourself

Während Abby einen jungen Konditor für eine Geburtstagstorte besticht, geht Bridget (Kerris Dorsey) weiter ihrer Unabhängigkeit nach. Sie selbst hält es kaum noch im Hause Donovan aus und möchte mehr Zeit mit Marvin (Octavius J. Johnson) verbringen, was ihr Vater jedoch gar nicht gutheißen kann. Selbst ein recht diplomatisches Gespräch mit Marvins scheinbar neuem Ziehvater Cookie Brown (Omar J. Dorsey) mag da nicht viel bewirken. Bridget ist dementsprechend verärgert - nicht zu Unrecht, möchte man meinen, erdrückt sie ihr Vater doch mit seinem Kontrollwahn, obwohl er selbst kein Heiliger ist. Rays Doppelmoral wird in Walk This Way mehrfach thematisiert und offengelegt.

Dieses heuchlerische Verhalten jedoch selbst zu erkennen, ist für den stadtbekannten Fixer jedoch so gut wie unmöglich. Dabei helfen könnte eventuell Steve Knight (Eion Bailey), der nach seiner Einführung in der letzten Woche auch hier einen kleinen Nebenplot einnimmt. Ich persönlich habe nach wie vor ein kleines Problem mit der Figur, die anscheinend Ray auf die Spur bringen soll, sich zu ändern und sich von seinen Schutzmechanismen freizumachen. Die amüsanten Dialoge zwischen den beiden wissen aber zu gefallen - und auch wenn mir die Figur des Steve Knights noch nicht ganz zusagt, deren Sinn und Zweck erschließt sich mir voll und ganz. Ob ich noch eine Art Sympathie für ihn entwickeln kann, werden die nächsten Episoden zeigen.

Bridget (Kerris Dorsey) geht der Stress mit ihren Eltern gehörig auf die Nerven. © Showtime
Bridget (Kerris Dorsey) geht der Stress mit ihren Eltern gehörig auf die Nerven. © Showtime

He loves being in control

Das Problem aufgrund eines Stalkers, der bereits in der Pilotfolge von Ray Donovan Ashley (Ambyr Childers) verfolgte, ist schnell gelöst und hat sogar einige Lacher in petto. Interessant ist jedoch, dass Ray die pikanten Fotos von Steve und Ashley für sich behält, was ersterer auch sofort anspricht. Ray ist wie immer schon einen Schritt weiter und bewahrt sich diese wohl als eine Art Hebel auf, falls er mal an Steve geraten sollte. Steve ist durchaus in der Lage, Ray zu lesen und seinen Charakter ein Stück weit zu entschlüsseln. Der stoische Fixer mag es nun mal überhaupt nicht, irgendetwas dem Zufall zu überlassen und keine Kontrolle zu haben.

Erneut kommt in „Ray Donovan“ das Thema Kontrolle auf und erneut wird sich zeigen, wie viel Ray davon wirklich hat. Der Aufbau von Walk This Way ist bis hierhin unaufgeregt und auf den ersten Blick nicht weiter außergewöhnlich. Jedoch wird bis kurz vor Conors Geburtstagsparty eine unangenehme Anspannung etabliert, wissen wir als Zuschauer doch, wie viel bei den Donovans im Argen liegt - und, dass sich all die Konflikte bei einem gemeinsamen Treffen unter einem Dach entladen könnten. So werden wir vielleicht nicht äußerst spektakulär, aber sehr geschickt und subtil auf eine starke zweite Hälfte der Episode vorbereitet.

Noch bevor die Gäste eintrudeln, bauen sich schon die ersten Spannungen zwischen Ray und Abby auf, die in letzter Zeit eh weniger gut aufeinander zu sprechen sind. Dabei hakt Ray nach, wo seine Ehefrau denn letzte Nacht gewesen sei. Abbys Entrüstung gegenüber dieser Frage ist absolut nachvollziehbar, ist es doch Ray, der sich immer wieder die Nächte um die Ohren schlägt und niemanden, schon gar nicht seiner Frau, mitteilt, wo er sich gerade herumtreibt. Ein weiterer Fingerzeig in Richtung Rays scheinheiligen Charakters.

Remember Claudette?

Als dann Mickey eintrifft und von seinem Enkel freudig in Empfang genommen wird, scheint es schon zum ersten Mal gewaltig in Ray zu brodeln. Mickey hat neben Daryll (Pooch Hall) nämlich auch dessen Mutter Claudette (Sheryl Lee Ralph) im Schlepptau. Für Ray, Terry und Bunchy ist das ein unverblümter Schlag ins Gesicht, ist Claudette doch die Frau, mit der Mick ihre krebskranke Mutter betrogen hatte. Doch Ray bleibt (noch) locker und schenkt sich weiter ein Glas Hochprozentiges nach dem anderen ein.

Mick genießt die Feierlichkeiten derweil und reißt einen äußerst geschmacklosen Witz, der Bunchys Freund Stan sichtlich trifft. Im vertrauten Gespräch zwischen den beiden zeigt sich dann, dass Stan amouröse Gefühle für Bunchy hegt, was wiederum sein auffälliges Verhalten zuvor erklärt. Das dahingehend etwas im Busch war, dürften sich viele Zuschauer gedacht haben. Bunchy ist jedoch extrem irritiert und wo Ray, vielleicht auch aufgrund des Alkohols, die Situation einfach nur lustig findet, greift Bunch zur Flasche. Sofort läuten die Alarmglocken beim Zuschauer, könnte der trockene Bunchy doch hier etwas zu impulsiv handeln.

Während Bridget in ihrem Zimmer schmollt und ihrer eigenen Mutter Ehebruch vorwirft (woraufhin diese erneut nachvollziehbar reagiert, wurde sie doch schon so oft von Ray betrogen), sucht Terry das Gespräch mit Ray, der Zweifel an seinen Plänen hat, nach Irland auszuwandern. Der immer deutlicher angesäuselte Ray bringt dann noch einen kleinen Toast auf Conor als auch auf Ehefrau Abby heraus. Gerade letzterer erweckt den Eindruck, dass Ray etwas Reue zeigt. Mickey übertreibt es dann ein wenig mit dem Geschenk für Conor, als er ihn die Autoschlüssel zu seinem Wagen übergibt. Dass er dabei seinen eigenen Sohn Daryll, der diesen Wagen liebt, tief verletzt, registriert er gar nicht.

Conor (Devon Bagby) freut sich sehr über das Geschenk von Opa Mick (Jon Voight). © Showtime
Conor (Devon Bagby) freut sich sehr über das Geschenk von Opa Mick (Jon Voight). © Showtime

Why we moving to Ireland

Doch der eigentliche Höhepunkt kommt erst noch. Nach einem Gespräch mit Bridget ist der schwer angetrunkene Ray nun endgültig davon überzeugt, dass ihn Abby betrügt. Nun verliert er endgültig die Kontrolle über sich, der Alkohol sorgt für das Übrige. Erst geht er auf Mick los, was man durchaus noch nachvollziehen kann. Doch dann kommen die dunklen Geheimnisse Rays ans Tageslicht, mitunter, dass Terrys Boxclub auch nur dafür da ist, die unsauberen Verdienste Rays zu waschen. In der hitzigen Situation machen insbesondere Schreiber als auch Eddie Marsan auf sich aufmerksam. Als Ray alte Geschichten darüber auspackt, wie tief am Boden Terry war und dass er ihm geholfen hatte, Terry sich jedoch von ihm benutzt fühlt, scheint das Tischtuch zwischen den beiden endgültig zerschnitten.

Steve Knights Credo der radical honesty, der bedingungslosen Ehrlichkeit, geht hier gewaltig nach hinten los. Außerhalb des Hauses zerschrottet derweil Daryll mit einem Baselballschläger den Wagen Mickeys, dem warscheinlich jetzt erst bewusst wird, was für einen Affront er sich geleistet hat. Die launige Fete mit ein paar leichten Tanzeinlagen hat ein jähes Ende, die Gäste trotten von dannen und die bekannte unangenehme Stille hält wieder Einzug im Hause Donovan.

Walk this way

Zu den wunderbaren Klängen von The Chieftains und Bon Iver's „Down in the Willow Garden“ führt uns eine abschließende Montage die verheerenden Folgen dieses Abends vor Augen. Bridget flüchtet sich zu Marvin, Abby zu Jim. Alle Gäste der Feier gehen mit mehr Sorgen heim, als sie vorher hatten. Nur noch Ray und sein Sohn sind im Haus, was uns noch einen ganz wunderbaren Vater-Sohn-Moment beschert, von denen es (bewusst) viel zu wenige in dieser Serie gibt. Erst bekommt Conor eine Uhr von seinem Vater geschenkt - ein symbolträchtiges Präsent, steht sie doch auch dafür, immer genau die Kontrolle und den Überblick zu haben. Deshalb ist es so wichtig, eine Uhr zu tragen und deshalb haben wir Ray auch schon so oft mit seiner beschaulichen Uhrensammlung gesehen.

Meine persönliche Lieblingsszene in Walk This Way markiert jedoch die abschließende Sequenz dieser Folge. Während die Ballade langsam ausblendet, legt Conor eine Disc ein und plötzlich ertönt Run DMCs Coverversion von Aerosmiths „Walk This Way“. Nicht nur ein musikalischer Stilbruch, sondern auch der Auftakt für eine befreiende Tanzeinlage von Vater und Sohn. Es wirkt beinahe so, als würde Ray das neuerliche familiäre Chaos akzeptieren, als müsse er nun den Weg zu Ende gehen, den er betreten hat. Vielleicht ist es aber auch nur der Alkohol und ein emotional aufrichtiger Moment gegenüber seinem Sohn, der ihn dermaßen loslegen lässt. Was es auch ist: Es ist die Kirsche auf der Sahne in dieser ausgezeichneten Episode.

Fazit

Wie bereits erwähnt sehe ich Walk This Way als eine der besten Episoden der zweiten Staffel von Ray Donovan. In der ersten Hälfte der Episode werden die drohenden Konflikte subtil und spannend angedeutet, in der zweiten Hälfe kommt es dann mehrfach zum großen Knall. Auf eine derartige Folge habe ich nur gewartet und die Serienmacher haben hervorragend abgeliefert. Die schon fast kammerspielartigen Züge von „Walk This Way“ sorgen für exzellente Charaktermomente, in denen die Darsteller ihre Talente zeigen können. Liev Schreiber beweist abermals seine Qualitäten - dieses Mal auch als Regisseur, überzeugt seine ruhige, aber unmittelbare Inszenierung doch auf ganzer Linie.

Mit Rays Anruf bei Kate (Vinessa Shaw) könnte die Reporterin aus Boston nun schneller wieder zurück sein als vermutet. Wie es nun mit Rays Beziehung zu Abby aussieht, seine Beziehung zu Terry, Bunchys neuerliche Selbstzweifel oder Bridgets Liaison mit Marvin, steht in den Sternen. Es gibt noch einiges, was die Serienmacher in dieser Staffel abarbeiten können, selbst mit Blick auf Ed Cochran (Hank Azaria), der hier gar nicht auftritt. Die Vorfreude auf die nächsten Episoden bleibt groß.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 25. August 2014
Episode
Staffel 2, Episode 7
(Ray Donovan 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Mein krimineller Waschsalon
Titel der Episode im Original
Walk This Way
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 24. August 2014 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 24. November 2014
Autor
Ann Biderman
Regisseur
Liev Schreiber

Schauspieler in der Episode Ray Donovan 2x07

Darsteller
Rolle
Paula Malcomson
Eddie Marsan
Dash Mihok
Steven Bauer
Avi
Pooch Hall
Kerris Dorsey
Devon Bagby
Jon Voight
Ambyr Childers

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