Ray Donovan 2x06

Ray Donovan 2x06

In Viagra widmen sich die Macher hinter Ray Donovan wieder mehr den einzelnen Figuren, als einem übergeordneten Handlungsstrang nachzugehen. Somit ist für reichlich Abwechslung gesorgt, auch wenn sich hier und da ein paar zu nebensächliche Augenblicke einschleichen.

Lena (Katherine Moennig) spielt den Lockvogel für Volchek (Kip Pardue) in der neuen Episode von „Ray Donovan“. / (c) Showtime
Lena (Katherine Moennig) spielt den Lockvogel für Volchek (Kip Pardue) in der neuen Episode von „Ray Donovan“. / (c) Showtime

Wie nach der Episode aus der Vorwoche (Irish Spring) vermutet, hat der Handlungsstrang um die neugierige Reporterin Kate McPherson (Vinessa Shaw) nach ihrer Rückkehr nach Boston erst einmal ein Ende gefunden. Mit diesem (vorerst) geschlossenen Kapitel läuten die Serienmacher von Ray Donovan in der neuen Episode Viagra eine kleine Verschnaufpause ein, in der der Großteil des Ensembles auf sich aufmerksam machen darf.

Dabei wäre ein roter Faden allerdings durchaus hilfreich, um stringent eine Geschichte zu erzählen. Dieser wird in „Viagra“ nur langsam geknüpft, wodurch einige Szenen und Handlungsabläufe vielleicht ein wenig sprunghaft wirken. Nun die Probleme der Familie Donovan in den Mittelpunkt zu rücken, könnte sich aber als goldrichtige Entscheidung der Autoren herausstellen, liegt hier doch einiges im Argen, was ausreichend Potential für eine spannende Geschichte birgt.

Fuck him before he fucks you

Die erste Szene in „Viagra“ könnte den Eindruck erwecken, dass es diese Woche durchaus heiß hergehen würde. Doch letztendlich stellt sich die sechste Episode der zweiten Staffel von „Ray Donovan“ im Gesamtbild weniger pikant heraus als angenommen. Den Einstieg markieren die Cochrans, die sich erneut Volcheck und seine Frau eingeladen haben. Wie bereits von vielen vermutet sind Ed Cochran (Hank Azaria) und seine Frau Holly (Sherilyn Fenn) doch ein eher spezielleres Völkchen, die munter mit den Volcheks swingen. Wo Volcheks Frau Megan (Andrea Bogart) ihren Spaß an der Sache zu haben scheint, ist ihr Mann (Kip Pardue) eher weniger von diesem Arrangement begeistert. Cochrans Frau Holly sagt ihm körperlich nicht zu, doch was bleibt ihm anderes übrig als mitzuspielen, entscheidet doch Cochran als sein Boss darüber, wie Volcheks berufliche Zukunft beim FBI aussieht.

So kommt wiederum Ray (Liev Schreiber) ins Spiel, der eigentlich eine Art Waffenstillstand mit Cochran ausgehandelt hat. Dennoch ist er immer noch darum bemüht, irgendein Druckmittel gegen den skrupellosen FBI-Agenten zu finden - natürlich nur für den Fall der Fälle. Schlussendlich bekommt Ray auch genau die Videoaufnahmen von Cochrans bunten Treiben, die irgendwann äußerst wertvoll sein könnten, auch wenn Volchek kurzzeitig davor ist, einen Rückzieher zu machen und Ray doch nicht dabei zu unterstützen, seinen Boss zu hintergehen. Diese kleine Nebengeschichte gelungen und kann einige amüsante Momente anbieten. Gleichzeitig wird subtil Spannung aufgebaut, dass die beiden eher unbeweglichen Objekte Ray und Cochran im weiteren Verlauf der Staffel erneut aufeinanderprallen werden, ohne dass diese beiden Figuren in „Viagra“ auch nur ein Wort miteinander wechseln.

Hat wieder ein wenig Spaß: Abby (Paul Malcomson) zusammen mit Jim (Brian Geraghty). © Showtime
Hat wieder ein wenig Spaß: Abby (Paul Malcomson) zusammen mit Jim (Brian Geraghty). © Showtime

Victims

Während sich Ray erneut in seine „Arbeit“ stürzt, leidet weiterhin das Familienleben der Donovans darunter. Dabei haut Bridget (Kerris Dorsey) sogar gehörig auf den Putz, als sie ganz unverblümt anspricht, wie kaputt doch die Beziehung zwischen ihren beiden Eltern ist und dass ihre Familie ihr nicht viel gibt außer Stress und Lügen. Auch Abby (Paula Malcomson) distanziert sich immer mehr und scheint sich mehr oder minder mit ihrer Situation abgefunden haben. Das unehrliche Verhalten ihres Mannes hat tiefe Spuren hinterlassen, bei Abby als auch bei Bridget. Aber anstatt sich diesen Problemen zu stellen, ergreift Ray abermals die Flucht und kümmert sich um alles andere, nur nicht um seine Frau und Kinder.

Radical honesty

Zum einen wären da finanzielle Sorgen, die sich für Ray auftun. Es ist zwar so, dass er mit seinen Tätigkeiten genügend Geld verdient, doch ganz legal sind viele seiner Verdienste nicht. Das neue Haus, das auf gewisse Weise wieder für etwas Versöhnung mit Abby sorgen soll, mag sich Ray vielleicht leisten können, jedoch nicht mit seinem legalen Einkommen. Seine Buchhalterin macht ihm deutlich, dass sie so hohe Summen wie die fünf Millionen Dollar für die neue Familienvilla nicht „waschen“ kann. Schon gar nicht durch den Boxclub, der durch derartige Umsätze für die Bundesbehörden nur noch verdächtiger werden würde. Ein geregeltes, abschreibbares Einkommen von einem liquiden Arbeitgeber wäre also nicht schlecht für Ray. Glücklicherweise tut sich da eine Möglichkeit für ihn auf.

Über seinen ehemaligen Seitensprung Ashley (Ambyr Childers) gerät Ray nämlich an den Lifecoach und Motivationskünstler Steve Knight, der aufgrund eines banalen Wutausbruches und der Angst, die Öffentlichkeit würde davon Wind bekommen, ein Problem zu fixen hat. Am Ende des Tages wartet auf Ray gar eine Art Festanstellung mit fürstlichen Bezügen, die in den Augen der amerikanischen Finanzbehörde voll und ganz legal sind.

Dieser Teil der Handlung von Viagra erfüllt zwar seine Funktion, jedoch gestaltet sich die Geschichte um den Guru-artigen Redenschwinger Steve Knight auch ein wenig zu einfach und offensichtlich. Dessen Aussagen scheinen bei Ray nämlich eine Art Wirkung zu zeigen, doch mehr die Wahrheit zu sagen, als sich vor anderen zu verschließen. Hier hätte ich mir vielleicht einen etwas originelleren Einfall gewünscht, Ray mehr oder minder subtil auf seine problematischen Charakterzüge hinzuweisen. Vielleicht ist es aber auch die von Eion Bailey (Band Of Brothers, Once Upon a Time) gespielte Figur, die mir zu überzeichnet ist und mich persönlich überhaupt nicht interessiert.

Eion Bailey als Motivationskünstler und Lifecoach Steve Knight in %26bdquo;Viagra%26ldquo;. © Showtime
Eion Bailey als Motivationskünstler und Lifecoach Steve Knight in %26bdquo;Viagra%26ldquo;. © Showtime

Pop goes the weasel

Weitmehr Interesse wecken da schon Rays Brüder Bunchy (Dash Mihok) und Terry (Eddie Marsan), die endlich mal wieder mehr in den Fokus rücken. Bunchy steht vor seinem ersten richtigen Date mit Patty (Heather McComb) und ist dementsprechend nervös, auch weil er nach wie vor unter einer Art sexuellen Blockade leidet. Boxtrainer Potato Pie (William Stanford Davis) kann Bunch jedoch mit einer kleinen Wunderpille aushelfen, womit auch der Bezug zum Episodentitel geklärt wäre. Die Liebesgeschichte zwischen Bunchy und Patty ist eigentlich sehr romantisch und herzlich, nimmt dann jedoch einer witzige, wenn auch eine klein wenig irritierende Wendung.

Pattys Sohn Clifford (Aaron Fernando) ist aufgrund eines kleinen Malheurs nämlich doch zu Hause. Und so wird ein entspannter Fernsehabend in trauter Dreisamkeit verbracht. Blöd nur, dass Bunchy vor Cliffords Rückkehr das blaue Pillchen geschluckt hat und nun mit aller Kraft versucht, sich der aphrodisierenden Wirkung zu erwehren. Natürlich kann man sich hier ein Schmunzeln nicht verkneifen, dennoch empfindet man auch ein wenig Mitleid mit Bunchy, für den dies eine äußerst unangenehme Situation ist. Glücklicherweise lassen die Autoren diesen Handlungsstrang der Folge recht schnell wieder fallen, wodurch uns zugegeben weitere eher plumpe Peinlichkeiten erspart bleiben.

No way to live

Terrys Handlung in „Viagra“ hat da schon ein wenig mehr Substanz. Dieser ist immer noch sehr von dem Ende seiner Beziehung mit Frances (Brooke Smith) gezeichnet, kann diese Liebelei jedoch wieder ein wenig entflammen. Grund dafür ist, dass auch Frances nach wie vor große Gefühle für Terry hegt. Doch mit der Gewissheit, dass Ray den Priester wirklich umgebracht hat, ist auch sie wieder stark abgeschreckt von einem gemeinsamen Leben mit der Familie Donovan.

Terry wiederum hat schon einen neuen Plan parat, den er seit einigen Woche mit sich herumträgt. Seine Auswanderung nach Irland war schon längere Zeit ein Thema, nun soll ihn sogar Frances begleiten, die selbst in ihrer Ehe alles andere als glücklich ist. Gemeinsam will Terry mit ihr das alte Leben in Los Angeles zurücklassen und somit auch seiner Familie den Rücken kehren, die sich für ihn in letzter Zeit mehr als Belastung als alles andere herausgestellt hatte.

Als großer Fan von Eddie Marsan freue ich mich, dass er und seine Figur wieder etwas mehr zu tun bekommen. Zurecht, wie ich finde, denn Marsan bringt auch erneut den Nachweis, dass er ein talentierter Darsteller ist, der über ein sehr nuancenreiches Schauspiel verfügt. Terrys persönliches Bestreben, mit der Liebe seines Lebens einen Neuanfang fernab vom Donovan'schen Familienärger zu starten, ist nur ein weiteres Puzzlestück in der komplizierten Geschichte um Ray und seine Donovans, die mehr und mehr eskalieren zu scheint und schon bald eine explosive Entwicklung nehmen könnte.

Through the roof

Auch Mickey (Jon Voight) ist alles andere als glücklich mit seiner derzeitigen Lebenssituation. Von Ray wird er mit ein paar hundert Dollar zum Leben abgespeist, die kaum seine Bedürfnisse decken. Zumindest hat er in Shorty (Steph DuVall) einen guten neuen Freund gefunden, mit dem er viel Zeit verbringt und die eine oder andere „Sportzigarette“ raucht. Die beiden älteren Herrschaften geben ein ganz wunderbares Pärchen ab, das für lockere und spaßige Momente sorgt. Doch Mick ist weiterhin angetrieben, wieder auf die Beine zu kommen. Und so scheint Shortys Vorschlag, ein Dealerverschlag auszurauben, sogar recht verlockend für ihn.

Letztendlich entscheidet sich Mickey jedoch für den legaleren Weg, für das Filmstudio zu arbeiten, das einst den Spielfilm mit Sean Walker (Johnathon Schaech) produzierte, an dem Mickey als Berater mitwirkte. Seine speziellen Erfahrungen im zwielichtigen Sumpf des Verbrechens scheinen die junge Studioangestellte zu reizen, also sitzt Mick gemeinsam mit Shorty an einem Drehbuch, wobei letzterer diese Arbeit als recht langweilig einstuft. Micks Reaktion Shorty gegenüber ist dann vielleicht etwas zu harsch, was der Drehbuchautor in spe sogar selbst bemerkt. Auch diese Nebengeschichte hat ihre charmanten und unterhaltsamen Momente, auch wenn sie eher zusammenhanglos in die Episode mit eingewoben ist.

Duo der Woche: Mickey (Jon Voight) und Shorty (StephDuVall). © Showtime
Duo der Woche: Mickey (Jon Voight) und Shorty (StephDuVall). © Showtime

Blame it on me

In Sachen übergeordneter Zusammenhang können dann wiederum die letzten Minuten von Viagra punkten. So sehr manche Einzelgeschichte immer wieder kleinere Makel aufweisen - den Serienschöpfer gelingt es immer wieder und mit beeindruckender Konstanz, qualitativ hochwertige Schlussmomente für ihre Episoden zu finden. In denen sprechen oftmals mehr die Bilder als irgendwelche Figuren, was derartige Momentaufnahmen sogar noch aufwertet.

Während Abby zum Beispiel mit Jim (Brian Geraghty) etwas Zeit in einer Bar verbringt und die beiden sich immer näher kommen, sitzt Ray in seinem Apartment vor dem Computerbildschirm und sieht Cochran dabei zu, wie er und seine Frau gemeinsam mit den Volcheks eine aufreizende Liebesnacht verbringen. Als es dann an der Tür klopft und Ashley vor ihm steht, dauert es nicht lang, bis Ray zurück in sein altes Muster verfällt. Zuvor hatte er noch auf einem gemeinsamen Abend mit seiner Frau in einem noblen Restaurant gehofft, um vielleicht einige Differenzen aus dem Weg zu räumen. Doch auch dazu kam es nicht.

Vielsagende Aufnahmen wie diese sind bezeichnend und stellen in gewisser Weise einen durchgehenden roten Faden in Ray Donovan dar. Fast schon perfekt, aber zugleich auch zutiefst traurig ist dann noch ein kleiner Schwenk ins Haus der Donovans, wo Bridget und Conor (Devon Bagby) vor dem Fernsehen sitzen. Es ist kurz nach Mitternacht und Conor hält fast schon begeisterungslos fest, dass er Geburtstag hat. Seine Schwester gratuliert ihm kurz, doch was würde Conor wohl dafür geben, wären seine beiden Eltern jetzt auch bei ihm und Bridget? Das sehr pessimistische und zerrütete Bild einer Familie wird konsequent weitergezeichnet, nun heißt es abwarten, wann es zum großen Knall kommt. Die erste Vorschau auf die nächste Episode deutet nichts anderes als genau das an.

Fazit

Erneut liefern die Macher von Ray Donovan eine sehr solide Episode ab, in der gerade starke Einzelaufnahmen überzeugen und mitreißen können. Ein paar Abzüge gibt es von mir wegen ein paar Unausgewogenheit hinsichtlich der einzelen Handlungsstränge. Dennoch ist der Gesamteindruck von Viagra durchaus positiv. Man baut geschickt Erwartungen auf und bringt immer wieder die verschiedenen „Spieler“ in die richtigen Positionen, sodass packende Konflikte und deren Abarbeitung nur folgen können. So blickt man als Zuschauer gespannt auf die nächsten Folgen der Showtime-Serie.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 18. August 2014
Episode
Staffel 2, Episode 6
(Ray Donovan 2x06)
Titel der Episode im Original
Viagra
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 17. August 2014 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 17. November 2014
Autor
Brett Johnson
Regisseur
John Dahl

Schauspieler in der Episode Ray Donovan 2x06

Darsteller
Rolle
Paula Malcomson
Eddie Marsan
Dash Mihok
Steven Bauer
Avi
Pooch Hall
Devon Bagby
Kerris Dorsey
Jon Voight
Ambyr Childers

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