Ray Donovan 2x02

Ray Donovan 2x02

Wie bereits der Auftakt zur zweiten Staffel von letzter Woche dient auch die neue Episode Uber Ray dazu, weitere Konflikte anzudeuten als auch neue Figuren einzuführen. Richtig in die Vollen geht es dabei noch nicht, dennoch bleibt Ray Donovan weiterhin vielversprechend.

Es brodelt mal wieder zwischen Sohn und Vater: Ray (Liev Schreiber) und Mickey (Jon Voight) in „Uber Ray“. / (c) Showtime
Es brodelt mal wieder zwischen Sohn und Vater: Ray (Liev Schreiber) und Mickey (Jon Voight) in „Uber Ray“. / (c) Showtime

Auch wenn sich die Wahl des Episodentitels Uber Ray im Laufe der Folge recht einfach erklären lässt, seine mannigfaltige Bedeutung lassen dem Zuschauer viel Raum zur Interpretation, ganz ähnlich dem letztwöchigen Yo Soy Capitan. Im Endeffekt steht in der zweiten Episode der zweiten Staffel von Ray DonovanUber“ für eine Art Abholdienst, mit der Conor selbstständig zur familieneigenen Boxhalle fahren kann. Doch die Wortkombination „Uber Ray“ lässt einen schon vor der Sichtung der Folge erste Vermutungen über die Handlung der neuen Episode anstellen.

Zum einen besteht in „Uber Ray“ kein Zweifel daran, dass der stoische Protagonist weiterhin unser absoluter Fixpunkt ist und jeder einzelne Handlungsstrang über diesen Charakter läuft. Zum anderen wird abermals deutlich, dass Ray über jeder anderen Figur in dem Showtime-Drama steht und eine einzigartige Position in diesem Charaktergebilde inne hat. An dieser wird jedoch ordentlich gerüttelt, und auch wenn Ray an vielen Enden langsam aber sicher wieder die Kontrolle zu erlangen scheint, die derzeitige Situation rund um Vater Mickey, dem FBI und seine Frau Abby könnte jeden Augenblick eine weitere böse Überraschung für ihn bereithalten. Kontrolle ist ein bestimmendes Thema in „Ray Donovan“, dementsprechend spannend ist es mitanzusehen, wie unserer scheinbar übermächtigen Hauptfigur diese früher oder später entgleiten könnte.

It wasn't all bad

Zumindest wahren uns die Serienmacher in „Uber Ray“ erst einmal in dem Glauben, Ray (Liev Schreiber) wäre wieder der unumstrittene Herr der Lage, auch wenn noch längst nicht alle Probleme gelöst sind und sich gleichzeitig neuerliche auftun. Nachdem Ray Lebemann Mickey (Jon Voight) in seinen Wagen verfrachtet hat, befinden sich die beiden auf den Weg zurück nach Los Angeles, wo auch schon der örtliche FBI-Chef James Cochran (Hank Azaria) auf die beiden wartet.

Zuvor können wir mit ansehen, wie Mickey wieder einmal seine manipulative Ader spielen lässt, indem er in schönen Familienerinnerungen schwelgt, die selbst Ray ein kleines Lachen auf die Lippen zaubern können. Dennoch bleibt er unbeeindruckt von den rührseligen Versuchen seines Vaters, sieht Ray doch die Chance, Mickey mit Hilfe des FBI endgültig loszuwerden. Dieser wird wiederum erneut von seinem Gewissen (in Form des eher mäßig animierten Delphins aus der Vorwoche) heimgesucht und zeigt sogleich eine neue, eventuell sogar reumütigere Seite. Jedoch ist weiterhin unklar, inwiefern Mickey sich und seinen Charakter ändern wird, beziehungsweise ändern kann.

Abby (Paula Malcomson) versucht mit allen Mittel; ihre Ehe wieder zu kitten. © Showtime
Abby (Paula Malcomson) versucht mit allen Mittel; ihre Ehe wieder zu kitten. © Showtime

Denn als er und Ray im FBI-Bürogebäude in Los Angeles ankommen, offenbart Mickey relativ schnell wieder sein eigentliches Gesicht.Viel Vertrauen hat er nicht in Ray, und so setzt er den Hebel an, indem er seinem Sohn droht, das Geheimnis über den getöten Priester preiszugeben, sollten Mickey schwerwiegende Repressalien durch die Bundesbehörde drohen. Dabei kommt es jedoch ganz anders, denn Cochran schert sich reichlich wenig um Mickey. Dieser soll einfach nicht herumposaunen, er habe Sully (James Woods) umgebracht. Zusätzlich wird er auf Bewährung gesetzt, damit man Kontrolle über den unberechenbaren Mickey hat. Diese Kontrolle soll wiederum sichergestellt werden durch... genau, Ray. Also hat er ihn weiterhin an der Backe. Er rät Cochran dazu, Mickey zurück nach Mexiko zu schicken, wo er niemanden belästigen kann. Der FBI-Agent bleibt aber unerbittlich und macht deutlich, dass Rays bekannte Maschen nicht bei ihm ziehen werden.

Donovans don't apologize

So hat sich Rays Hoffnung, seine Beziehung zu seinem Vater ein für alle Mal hinter sich zu lassen, recht schnell wieder in Luft aufgelöst. Dementsprechend finster ist auch seine Miene, womit er jedoch nicht alleine ist. Auch die restlichen Donovans heißen Mickey nicht so willkommen, wie es dieser wohl erwartet hätte. Das Vertrauen von Daryll (Pooch Hall) zu seinem Vater scheint seit der letzten Episode komplett verloren, Terry (Eddie Marsan) hat sich schon lange von Mickey losgesagt und so ist es nur Bunchy (Dash Mihok), der seinem Vater eine anfangs zögerliche, doch dann recht herzliche Umarmung gibt. Bunchy ist es auch, der Ray Mut macht, dass alles seinen geregelten Weg gehen wird. Doch wie bei Ray machen sich auch beim Zuschauer Sorgen breit, Mickeys neuerliche Anwesenheit könnte früher oder später fatale Folgen haben.

In früheren Episoden war es stets Bunchy, der dem schlechten Einfluss Mickeys verfallen war und so hofft man natürlich, dass Bunchy weiterhin stark und seiner neuen Linie treu bleibt. Vielmehr muss man sich jetzt Sorgen um Conor (Devon Bagby) machen, der mehr und mehr von Ray vernachlässigt wird. An dieser Front scheint er langsam die Kontrolle zu verlieren. Conor pflegt nicht nur weiterhin Kontakt zu Partyvogel Tommy Wheeler (Austin Nichols), auch Großvater Mickey wirft seine Netze nach dem leicht beeinflussbaren Conor aus. Vielleicht ist es ein wenig zu früh zu sagen, dass Conor eine größere Rolle in dieser Staffel spielen könnte, doch thematisch würde sich ein Handlungsbogen um ihn hervorragend an das ewige Thema der Beziehung zwischen Vätern und Söhnen in Ray Donovan anschließen, insbesondere mit Blick auf eine Spiegelung der Beziehung zwischen Ray und Mickey.

Rough day

Doch wie einfach wäre Rays Leben, wenn er „nur“ Probleme mit seinem Sohn hätte? Schnell wird nämlich auch in Uber Ray klar, dass Ray alle Hände voll zu tun und von mehreren Sorgen geplagt wird. Zum einen möchte er unbedingt einige Informationen über Cochran sammeln, um im Notfall doch ein Druckmittel gegen ihn zu haben. Rays Wissen darüber, dass Cochran Teil einer kleinen Coverband ist, dürfte den FBI-Agenten aber wohl kaum ins Schwitzen bringen.

Auch zwischen Ray (Liev Schreiber) und Bruder Terry (Eddie Marsan) gibt es Ärger. © Showtime
Auch zwischen Ray (Liev Schreiber) und Bruder Terry (Eddie Marsan) gibt es Ärger. © Showtime

Zusätzlich bahnt sich auch noch Stress mit dem bisher leider recht wenig präsenten Terry an, der nach wie vor seiner Beziehung zu Frances (Brooke Smith) hinterhertrauert. Diese wiederum hat Angst um ihre Familie, weiß sie doch vom Schicksal des Priesters am Ende der ersten Staffel. Die sehr kurze Szene zwischen Schreiber und Marsan strotzt geradezu vor Intensität und lässt hoffen, dass diese beiden Charaktere in naher Zukunft wieder mehr Screentime miteinander verbringen werden, bieten sie uns in ihrem Zusammenspiel doch immer wieder qualitativ sehr gute Momente.

Auch eine neue Figur feiert einen kurzen Auftritt und könnte demnächst gehörig Wirbel in Rays Leben bringen. Die aus Boston stammende Journalistin Kate McPherson (Vinessa Shaw) zeigt große Zweifel gegenüber den Todesumständen des Gangsters Sully, also macht sie sich nach ein wenig Eigenrecherche auf nach Los Angeles, um vor Ort etwas nachzubohren. Mit großer Wahrscheinlichkeit sehr zum Unmut von Ray als auch von FBI-Chef in Spe James Cochran.

Die Probleme und Sorgen (anderer) reißen für Ray nicht ab, denn auch Ezra (Elliott Gould) liegt ihm in den Ohren. Dieser möchte nun endlich sein Bauprojekt vorantreiben und das versprochene Geld einiger seiner Freunde haben, um das Krankenhaus fertigstellen zu können. Ray entgeht jedoch nicht, dass Ezra geradezu manisch wirkt und so fährt er seine Bemühungen für Ezra erst einmal zurück, gibt es doch zwei weitaus wichtigere Problemherde, die seine Aufmerksamkeit benötigen.

What did you see?

Einer davon ist nach wie vor Mickey. Dieser hat sich mit seinem Charme und findigen Manipulationsfähigkeiten sogleich einen Stein im Brett seiner neuen Bewährungshelferin verschafft. Doch Ray denkt gar nicht daran, seinen Vater zu viele Freiheiten zu lassen, also sucht er Bewährungshelfer Ronald Keith (Wendell Pierce) auf, der selbst genügend Probleme hat und durch eine ordentliche Summe Bargeld gefügig gemacht wird, Mickeys neuer Parole Officer zu werden. Die Zügel werden nun dementsprechend hart angezogen und Mickeys Zeit auf Bewährung wird wohl doch nicht so einfach und unkompliziert, wie sich es dieser gedacht hatte.

Das Herz vieler Serienfans dürfte beim Anblick von Pierce sicherlich ein wenig höher geschlagen haben und sein Auftritt zum Ende im feinen Anzug zauberte The Wire-Jüngern ein Lächeln auf die Lippen. Doch auch ohne derartige Sentimentalitäten kann man sich einiges von der Kombination Pierce/ Voight versprechen, die von nun an ein kleines Duo bilden werden. Beide sind talentierte Darsteller, deren Zusammenspiel eine interessante Dynamik hervorrufen könnte. Man darf gespannt sein, was die Serienmacher aus dieser neuen Konstellation herausholen werden.

Neues Gesicht: Wendell Pierce mimt Bewährungshelfer Roland Keith. © Showtime
Neues Gesicht: Wendell Pierce mimt Bewährungshelfer Roland Keith. © Showtime

You don't want this to work

Zum Ende muss dann natürlich noch einmal Rays Eheleben thematisiert werden. Auch in Uber Ray präsentiert er sich nicht von seiner besten Seite und so schmettert ihm Abby (Paula Malcomson) beim erzwungenen Liebesspiel klar und deutlich entgegen, dass sie sich von ihm vergewaltigt fühlt. Rays Aggressionsprobleme erlangen zu oft Überhand, zusätzlich hatte er Abby verschwiegen, dass Mickey wieder zurück in Los Angeles ist. Die Beziehung der beiden trudelt immer weiter gen Abgrund, Abbys Pläne, ein neues Haus zu kaufen oder ihr kurzes Intermezzo mit ihrem Yoga-Lehrer, zeigen, wie unsicher und verwirrt sie ob ihrer ehelichen Situation ist.

Dabei zeigt sie jedoch erneut Willen, diese zu verbessern, auch wenn Ray ihr weiterhin alles andere als entgegenkommt. Letztendlich gelingt die Versöhnung der beiden, die sich jedoch ein wenig zu einfach gestaltet und Fragen offen lässt, wie lange sie anhalten wird. Langsam entsteht nämlich der Eindruck, dass wir uns in einer nicht enden wollenden Spirale befinden, in der sich der endgültige Bruch der Beziehung und die darauffolgende Versöhnung zwischen den beiden immer wieder aufs Neue munter wiederholen. Das könnte mit der Zeit ein wenig ermüdend werden, deswegen bedarf es hier ein wenig Variation, um diese Dynamik weiterhin interessant zu gestalten.

Fazit

In Uber Ray werden wir als Zuschauer erneut mit zahlreichen Problemen und Konflikten bombardiert, wobei die Macher noch rechtzeitig die Kurve kriegen, ihre Geschichte nicht zu sehr zu überladen. Dennoch bleibt dies ein großes Risiko, dessen sich die Verantwortlichen bewusst sein müssen. Die Handlung wird weiter unaufgeregt fortgeführt, jedoch greift man in den richtigen Augenblicken auf die passende musikalische Untermalung zurück, was der allgemeinen Atmosphäre gut tut.

Immer wieder bekommt man den Eindruck, dass es an allen Ecken und Enden brodelt. Und so wird man fast ein wenig ungeduldig, hält man uns doch bisher mit zwar gelungenen, jedoch auch recht einfachen Expositionselementen hin. Überzeugende Charaktermomente sowie ein paar sehr amüsante Dialoge können den Zuschauer bei Laune halten, doch ein kleiner bis mittelgroßer Aufreger in den nächsten Episoden würde mir persönlich zusagen. Das bedächtige Storytelling hat durchaus seine Stärken und hilft bereits nach zwei Episoden eine gewisse Erwartungshaltung aufzubauen. Nun bin ich gespannt, wann wir die ersten Konsequenzen zu sehen bekommen.

Verfasser: Felix Böhme am Montag, 21. Juli 2014
Episode
Staffel 2, Episode 2
(Ray Donovan 2x02)
Deutscher Titel der Episode
Donovans entschuldigen sich nicht
Titel der Episode im Original
Uber Ray
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 20. Juli 2014 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 20. Oktober 2014
Autoren
Ann Biderman, David Hollander
Regisseur
Michael Uppendahl

Schauspieler in der Episode Ray Donovan 2x02

Darsteller
Rolle
Paula Malcomson
Eddie Marsan
Dash Mihok
Steven Bauer
Avi
Pooch Hall
Devon Bagby
Kerris Dorsey
Jon Voight

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