Pretty Little Liars 7x19
Nur noch eine einzige Episode trennt die Zuschauer vom endgültigen Aus der Serie Pretty Little Liars - sieben Staffeln Kleinstadthölle, Highschoolhölle, Psychohölle liegen hinter uns und Emily (Shay Mitchell), Alison (Sasha Pieterse), Spencer (Troian Bellisario), Hanna (Ashley Benson) und Aria (Lucy Hale). Schier unmöglich, die zahllosen Wirrungen aus Lügen, Doppeldeutigkeiten und unvorhersehbaren Wendungen zusammenzufassen - es genügt, zu wissen, dass das ausstehende Serienfinale hoffentlich abschließende Klarheit verschaffen wird über die Person, die die Freundinnen jahrelang quälte. Zumindest seit Charlottes (Vanessa Ray) Tod. Schließlich gab es einige Besetzungswechsel im „A-Team“.
So nachvollziehbar der Wunsch nach Aufklärung auch erscheinen mag - die aktuelle Episode Farewell, My Lovely erzeugt bereits das Gefühl eines runden Abschlusses. Und das, ohne dass A.D.s Identität auch nur annähernd geklärt wäre. Und unwillkürlich stellt sich beim Betrachten der letzten Szenen das Gefühl ein, dass es diese Auflösung vielleicht gar nicht brauchen würde, so makaber dieser Gedanke auch erscheinen mag: Wie Aria beim selbstständigen Abschalten des Spiels zu bedenken gibt, können sich die Freundinnen - im Rahmen ihrer Welt - ohnehin nie sicher sein, dass all dem tatsächlich ein Ende gesetzt wurde.
Dass ein offener Ausgang den Reiz einer Erzählung gelungen steigern kann, dass der Verzicht auf die Enthüllung des gesetzten Mysteriums den Fokus einer Serie dafür in abseitigere, oft viel interessantere Tiefen verlegen kann, beweisen andere Produktionen. Aktuell denkt man hier besonders an die großartige Dramaserie The Leftovers aus dem Hause HBO.
Zugegeben, die Zielsetzung von Pretty Little Liars war immer eine andere, die Lüftung des großen Rätsels. Wer nun hinter den psychischen und physischen Torturen steckt, stand immer im Vordergrund der Handlung. Doch wie befriedigend kann eine solche Auflösung am Ende in diesem speziellen Fall sein? Welche der bekannten Figuren würde tatsächlich auch nur annähernd als Mastermind Sinn ergeben?
You needed me
Mona Vanderwaal (Janel Parrish) ist es nicht, so viel wissen wir nach Farewell). Dafür zieht ihre Figur, auch dank der nach wie vor überzeugenden darstellerischen Leistung von Janel Parrish, alle Aufmerksamkeit auf sich und legt den mit Abstand beklemmendsten sowie traurigsten Abschied der Serie hin.
In den Flashbacks mit Charlotte gelingt es den Autoren, die Verwundbarkeit ihres ganzen Charakters, die Ambivalenz und auch Tragik ihrer Persönlichkeit in nur wenigen Momenten einzuschmelzen. Dass es zwischen Mona und Charlotte zum Kampf kam, dass der Tod von Alisons Halbschwester genau genommen ein Unfall war, wird angesichts dieses rückblickenden Tiefgangs in Monas Entwicklung zur Nebensache.
Wir werden Zeugen einer hemmungslosen, sadistischen Manipulation seitens Charlotte, die alle wunden Punkte Monas zielsicher trifft - und das nicht nur, um weiterhin die Oberhand über ihr eigenes Game zu behalten, sondern, weil sie sichtliche Lust an der psychischen Folter verspürt („They'll never love you“). Dass Charlottes eigenes Martyrium auch nicht unerwähnt bleibt, ist an dieser Stelle sehr wichtig. Zwar gestatten die Autoren der Handlung insgesamt sowie auch ihren Figuren meist erst nachträglich eine gewisse Dreidimensionalität. Trotzdem wird es (mit Ausnahme Archer Dunhills beispielsweise) vermieden, eine allzu schematische Darstellung von Gut und Böse zu generieren.
Monas Regression auf eine frühere Stufe ihrer Persönlichkeitsentwicklung, namentlich die Zeit, in der sie „lediglich“ das unliebsame Nerdmädchen war, das von Alison gequält wurde, ist schlicht herzzerreißend. Denn nicht nur den Anblick einer völlig verstörten, kaum psychisch erreichbaren Mona ist kaum zu ertragen. Auch der düstere Ausblick auf ihre Zukunft hinterlässt ein sehr ungutes Gefühl. Mona wollte die Freundinnen vor Charlotte beschützen, wollte endlich dazugehören und akzeptiert werden - was ihr bleibt, ist die Aussicht auf jahrelanges Eingesperrtsein in psychiatrischen Einrichtungen.
Farewell, My Love
Dass Alison, Spencer, Aria, Emily und Hanna nicht die einzigen Opfer dieser großen Irrfahrt sind, wird somit bereits an Monas Zusammenbruch illustriert. Doch auch Mary Drake (Andrea Parker), Spencers leibliche Mutter, Alisons Tante und gleichzeitig die Schuldige am Tod ihrer Mutter Jessica, opfert sich am Ende von Farewell, My Lovely selbst - und sorgt für emotional ebenso intensive Szenen.
Die Szene auf dem Polizeirevier, in dem die Freundinnen durch eine Glasscheibe Zeuginnen von Marys Geständnissen werden, überrollt dabei allerdings nahezu durch eine Flut an Implikationen, die die Autoren an dieser Stelle auch nur anreißen. Abzulesen ist das immerhin ansatzweise in den Gesichtern von Alison und Spencer. Während die eine ihre leibliche Mutter wohl für immer (davon ist bei zweifachem Mord auszugehen) an das Gefängnis verliert, erfährt die andere, wer ihre eigene Mutter tötete. Dass sich Spencer und Alison im Nachgang in keiner Form auseinandersetzen, das Geschehene reflektieren oder austragen, ist leider eine der typischen Schwachstellen von Pretty Little Liars zuzuschreiben. Wo Schockmomente im Plot vorgezogen werden, hat die Charaktererzählung das Nachsehen.
Das kaum auszudenkende Game schaltet sich am Ende jedenfalls, ganz allegorisch, im Lost Woods Resort von selbst aus. Die letzte Episode vor dem Serienfinale entlässt die Zuschauer aus der Perspektive A.D.s in die ungewisse Fahrt Richtung Sonnenuntergang, unterlegt mit Harry Nilssons „Without You“ - eine düstere Zukunftsprognose?
Fazit
Die letzte Pretty Little Liars-Episode vor dem Serienfinale, Farewell, My Lovely überzeugt über weite Strecken durch Figurenerzählung und vorläufige Endpunkte: Das Game ist zu Ende, die Freundinnen vorerst in Sicherheit und dank Mary Drakes Aufopferung auch vor dem Gefängnis bewahrt.
Von Gewinnen kann aber keineswegs die Rede sein. Besonders einnehmend wird das an Monas psychischem Zusammenbruch und den voraussichtlichen Konsequenzen vorgeführt, die sie treffen werden. Janel Parrishs darstellerische Leistung zählt hier zu den Highlights der Episode, ebenso der Fokus auf ihre Figur.
Das zynische wie rätselhafte Ende, das die Zuschauer erneut ohne die Spur einer Ahnung ins Ungewisse entlässt, weiß die Spannung auf das bevorstehende Finale zu erhöhen, wenngleich große Zweifel ob einer befriedigenden Auflösung des Mysteriums bestehen...
Trailer zur nächsten und letzten Episode der US-Serie „Pretty Little Liars“, „Til DeAth Do Us pArt“ (7x20):
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 21. Juni 2017Pretty Little Liars 7x19 Trailer
(Pretty Little Liars 7x19)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 7x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?