Pretty Little Liars 7x12

© hay Mitchell und Sasha Pieterse in der Serie „Pretty Little Liars“ / (c) Freeform
Nach dem doch recht ereignisreichen Auftakt zur zweiten Hälfte der siebten und letzten Staffel von Pretty Little Liars wird das Tempo in These Boots Were Made for Stalking wieder deutlich reduziert. In der Regel bedeutet das Platz für die charakterlichen Entwicklungen und persönlichen Probleme von Aria (Lucy Hale), Spencer (Troian Belissario), Emily (Shay Mitchell), Hanna (Ashley Benson) und Alison (Sasha Pieterse). Diese böten momentan reichlich Plot und Handlungsspielraum: Alison ist von ihrem verrückten und nun toten Ex-Ehemann schwanger, Hanna kämpft nach wie vor mit ihrem Entführungstrauma und Spencer mit der Wahrheit über ihre Herkunft. Aria hadert mit ihren Verlustängsten um Ezra, der seine totgeglaubte Ex-Verlobte Nicole nach wie vor in New York besucht und Emily fühlt sich zwischen High School, Paige (Lindsey Shaw) und Alison aufgerieben.
All diese an sich interessanten und durchaus dringlichen Themen kommen in der aktuellen Episode deutlich zu kurz. Thematisiert wird zwar jede dieser Entwicklungen - gerade darin liegt aber allzu oft das Problem; am Ende kann keinem der Handlungsstränge gerecht werden. Das zeigt sich insbesondere an Alison, deren aktuelle Lage die mitunter folgenreichste ist. Da in These Boots Were Made for Stalking im Grunde nicht viel passiert, wäre die Reduzierung der Handlung um die oftmals lieblos aneinandergereihte Aufzählung der losen Fäden wünschenswert.
Jennas (Tammin Sursok) Rückkehr nach Rosewood wirft wie immer mehr Fragen auf, als sie Hinweise oder gar Antworten liefert. Die letzte Szene der vorangehenden Episode bestätigte, dass sie mit A.D. in Verbindung steht und seine oder ihre Aufträge erfüllt - sich also an der Jumanji-Version für Psychopathen beteiligt. Im Rahmen dieses Verwirrspiels gelingt es den Autor-/innen zumindest, den Kreis der Verdächtigen durch kleinere Andeutungen zu erweitern. Monas (Janel Parrish) enthusiastisches Engagement in Bezug auf Hannas Karriere ist zum Beispiel insofern auffällig, als dass sie die neue Angriffsfläche für A.D.s Psychospielchen bietet; neue Querverbindungen zu Jenna erhärten diesen Eindruck.
Take a chill-pill, Donatella
Das Duo Beson und Parrish hält oftmals den größten Dialogwitz und humorvollsten Schlagabtausch innerhalb dieser Serie bereit. So auch in der aktuellen Episode, in der die Zusammenarbeit zwischen Managerin und Designerin für Erheiterung sorgt.
Mit dem Spaß ist es allerdings schnell vorbei, als Hanna sich plötzlich wieder ganz gegenständlich in ihrem Entführungstrauma gefangen sieht. Der Einfall, Jennas Auftauchen mit einem Kleid aus Hannas Kollektion zu verbinden, ist nicht nur gelungen, sondern doppelbödiger, als es zunächst erscheint. Die Robe, die für die Senatorentochter angedacht war, ist aus schwarzem Stoff hergestellt. Jenna trägt die invertierte Farbe. Es mag nicht mehr als ein nettes Detail sein; die symbolische Kommentierung von Jennas Verhalten - sich vor der Polizei in Unschuld zu hüllen und sich als Opfer von Noel Khan zu inszenieren - verleiht ihrer Figur eben jene Anziehungskraft, die sie so interessant macht. Weil Jenna durch einen von den Liars verursachten Unfall erblindete, wird ihr Handeln und alles, was mit ihrer Figur in Verbindung steht, auf mehreren sensorischen Ebenen entwickelt. Das Klicken ihres Gehstocks, die Ambivalenz von Sehen und Nicht-Sehen und analog dazu Wissen und Unwissen - die Grenzen verlaufen oft unter umgekehrten Vorzeichen - sowie die Bedeutsamkeit von akustischen und haptischen Momenten macht die Figur zu einem dreidimensionalen Mysterium. Welchen Plan Jenna verfolgt, einmal abgesehen von Rache und Gier (Charlottes Geld), ist bislang noch schwer zu durchschauen. Gerade weil ihre Figur aber interessant bleibt, kann diese Entwicklung mit Spannung erwartet werden.
Embrace your darkness
Der zwar dick aufgetragene, aber dennoch gelungene Kommentar zur Nachwuchsgeneration an mobbenden Teens betrifft in erster Linie Emily. Addison - allein die klangliche Ähnlichkeit zu Alison zählt zu den Einfällen, die eine Spur zu viel des Guten ist - erwählt sich Coach Fields zum Opfer ihrer Intrigen. Dass Emily derart aus der Fassung gerät ist zwar einerseits aufgrund ihrer Vergangenheit und Gegenwart nachvollziehbar. Wie unprofessionell ihr Verhalten in ihrer Position als Lehrerin und damit Autoritätsperson ist, überrascht dennnoch ein wenig. Zwar zählen Paige, Emily und Alison zu den jüngsten Mitgliedern des Kollegiums. Im Gegensatz zu Emily wissen Paige und Alison jedoch durchaus, emotionale Distanz zu wahren, und dass, obwohl beispielsweise Alison selbst bereits Opfer von manipulierenden Teenagern ihrer Klasse wurde.
Hätte Paige also nicht eingegriffen, würde es für Emily nun schlecht aussehen. Der (in diesem Fall: falsche) Vorwurf des unangemessenen Verhaltens, genauer gesagt, der sexuellen Übergriffigkeit, ist ein hochsensibles Thema, das die Autor-/innen in der aktuellen Episode vor allem als Folie nutzen. Die Wahl dieser Folie kann allerdings mit guten Gründen als unglücklich bezeichnet werden. Sexuelle Belästigung generell und insbesondere die extrem heikle Thematik des falschen Vorwurfs wird an dieser Stelle eingebettet in ein Gesamtnetz aus Lügen, psychischem Missbrauch und Manipulation.
Die inneren Konflikte, die Spencer und Aria an anderer Stelle auszutragen haben, stellen neben Alisons Schwangerschaft die interessantesten Entwicklunen der aktuellen Handlung dar. Wie im Vorgänger ist das Spiel zwischen Lesley Fera und Troian Belissario darstellerisches Highlight. Die Vertrauens- und Beziehungskrise, die sich in Abwesenheit von Ezra zwischen ihm und Aria im vollen Gang befindet, wird dagegen durch Holden weiter verkompliziert. Dass ihm ausschließlich eben jene Funktion in diesem Gefüge zukommt, darf aber angezweifelt werden: So ist das plötzliche Auftauchen einer bekannten Figur selten ohne Verstrickung zu denken. Eine mögliche Kapriole des Plots könnte zum Beispiel zwischen Holden und Jenna bestehen.
Fazit
Die Episode These Boots Were Made for Stalking wartet mit eher geringen Handlungsfortschritten auf. Das unheimliche Jumanji-Spiel diktiert die Entwicklungen eher hintergründig, was angesichts seines komplexen Aufbaus und dem alleinigen Umstand seiner Existenz doch etwas irritiert. Während Jennas Rückkehr nach Rosewood vor allem in Bezug auf Hanna zu interessanten Szenen führt, ist ihre Motivation für die Zusammenarbeit mit A.D. abgesehen von Allgemeinplätzen wie Rache oder Gier bislang nicht wirklich nachvollziehbar.
Verdächtig wird in diesem Zusammenhang allerdings Mona, deren Enthusiasmus zwar durchaus ihrem Charakter entspricht, der aber auffällig passend zur rechten Zeit kommt. Auch Arias Schulfreund Holden muss in Zukunft genauer beobachtet werden. Ob er einfach nur mitfühlender Freund mit zarten Gefühlen für Aria ist, oder ob er doch mit Jenna oder A.D. in Kontakt steht, kann nicht abschließend festgestellt werden.
Trailer zu dieser Episode der US-Serie „Pretty Little Liars“, „Hold Your Piece“ (7x13):
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 26. April 2017Pretty Little Liars 7x12 Trailer
(Pretty Little Liars 7x12)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 7x12
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?