Pretty Little Liars 7x02

So plötzlich Hannas (Ashley Benson) Flucht aus den Fängen von Uber-A gelang, so unmittelbar wähnt sie sich nun wieder in Sicherheit. Der Cliffhanger des Staffelauftakts ließ bereits darauf schließen: Mary Drake (in einer Doppelrolle: Andrea Parker) „rettet“ die verängstigte Hanna. Angesichts der Tatsache, dass sie somit ihre zweite gewaltvolle Entführung erleben musste, hält sich das nachfolgende Trauma bislang in Grenzen. Die Autor/-innen lassen sich vielmehr noch zu einer Inszenierung hinreißen, die zumindest diskussionswürdig erscheint: Hannas trocken-makabrer Humor und ihre betont abgebrühte Art, mit belastenden Situationen umzugehen, werden zur sexuellen Fantasie übersetzt. Diese Szenen beinhalten Implikationen, die wenigstens problematisch auftreten.
Fernab dieses doch sehr fragwürdigen Einfalls bemühen sich Spencer (Troian Belissario) und Caleb (Tyler Blackburn) hingebungsvoll, den unübersehbaren Elefanten im Raum zu ignorieren. Spencer spürt seit geraumer Zeit, dass Caleb immer noch etwas für Hanna empfinden zu scheint - und da liegt sie, wie wir spätestens seit dem vergangenen Staffelfinale wissen, völlig richtig. Die Episode Bedlam entlässt uns zwar erneut in relative Unklarheit, was Spencer und Caleb betrifft, scheinen alle Zweifel allerdings weitestgehend ausgeräumt. Das ist zu bedauern: Die anfangs gewöhnungsbedürftige, bis zur unvermeidlichen Verkomplizierung ihrer Beziehung aber erfrischende Verbindung zwischen Spencer und Caleb sorgte in der sechsten Staffel für viele interessante Momente. Derweil endet auch die überwiegend uninteressante Beziehung zwischen Liam (Roberto Aguire) und Aria (Lucy Hale), da letztere sich nun voll und ganz auf Ezra (Ian Harding) einlassen will. Weil auch Hanna ihre Verlobung mit Jordan (David Coussins) löst, kommt die abrupte Thematisierung sämtlicher Beziehungskonflikte nicht nur überraschend, sondern auch zu kurz. Man könnte fast meinen, die Autor/-innen hätten nur zehn Episoden Zeit, um alles von Relevanz zu erzählen - da dem nicht so ist, verwundert das lieblose Abarbeiten dieser Konflikte umso mehr.

Auf handfeste Informationen über Uber-A warten gespannte Zuschauer/-innen auch in „Bedlam“ vergeblich. Zwar erfahren wir mehr über Mary Drakes Zeit in Radley und auch über ihre Motivationen und ihr Verhältnis zu Elliott. Ob man all dem Glauben schenken kann, bleibt allerdings wie immer ungewiss, genauso wie die Frage nach den wirklichen Entführern von Hanna. Lucas (Brendan Robinson) trifft pünktlich zu Hannas Rückkehr wieder in Rosewood ein und macht sich nicht nur dank seines taktierenden Verhaltens in Bezug auf seine großzügigen Business-Pläne mit ihr verdächtig.
I'm a one-woman demolition-derby
„She got that look. That dollhouse-look.“ Emily (Shay Mitchell) und Spencer sorgen sich zurecht um Hanna, die nun zum zweiten Mal Opfer einer grausamen Entführung werden musste. Dass Hanna zur Verdrängung und infolgedessen zu impulsiven Übersprungshandlungen neigt, zeigt sich konsequenter Weise auch in dieser Episode im Nachgang ihrer traumatischen Erfahrung. So schwankt sie zwischen dem Bedürfnis nach Sicherheit einerseits und der mitunter schmerzhaften Entscheidung das Richtige zu tun andererseits. Da sie in ihrem nunmehr gekündigten Job unglücklich war, scheint Lucas' Angebot, gemeinsam ein Unternehmen zu gründen, wie vom Himmel gefallen - und das ist es auch, macht sich Letztgenannter doch zunehmend verdächtig. Trotzdem bleibt ihre Entscheidung für diesen Schritt nachvollziehbar. Gleiches gilt für ihr krampfhaftes Bemühen, die Beziehung zu ihrem Verlobten Jordan zu retten, nur um später zu der Einsicht zu gelangen, dass ihre Gefühle für ihn nicht ausreichen.
So plausibel und charaktergetreu Hannas Impulsivität, ihr Bemühen um innere Stärke und Schmerzfreiheit nach Außen auch dargestellt sein mögen, bewegt sich die Inszenierung dieser Gefühlswelt in Bedlam doch sehr ungeschickt im Spannungsfeld von makabrem Humor und zynischer Mitleidslosigkeit. Die Autor/-innen stilisieren die grausam gefolterte und entführte Hanna zur temporär abgebrühten femme fatale, die ihren Verlobten mit den Worten „This is a hostile take-over...“ verführen will. Die Vermischung von sexueller Fantasie und Entführungstrauma könnte zwar theoretisch auch als wiederaneignendes Moment, als Wiedererlangung von Handlungsfähigkeit vom passiven Opfer zur aktiven Protagonistin interpretiert werden. Die Problematik liegt hierbei aber in der doch sehr uneindeutigen Inszenierung des Handlungsstrangs. Klar ist, dass Hanna wieder die Kontrolle über ihr Leben zurückerlangen will, und dass das natürlich auch ihre Beziehung zu Jordan betrifft. Fraglich ist einerseits, weshalb das aber auf genau diesem Wege geschehen muss und andererseits, wie die Protagonistin dargestellt wurde. Aufgrund der mittlerweile beiläufigen Thematisierung von Gewalt und Traumata scheint es indes zumindest problematisch, diese auch noch durch unklare Verknüpfungen weiter aufzuweichen.
Everybody believed Jessica
Was unverarbeitete Traumata angeht, steht Mary Drake - sofern man ihrer Geschichte glauben schenken mag - Hanna in nichts nach. So berichtet sie Spencer unter Tränen von einem Unglück, dass sich vor Jahrzehnten zwischen ihr und Zwillingsschwester Jessica ereignete und dazu führte, dass sie einen Großteil ihres bisherigen Lebens in Radley verbrachte. Die Parallelen zu Tochter Charlotte sind indes kaum zu übersehen: Auch Charlotte wurde für den versuchten Mord an einem Kleinkind verantwortlich gemacht - im Falle der Mutter starb das schutzlose Baby allerdings, anders als Alison. Ob all jene Zusammenhänge der Wahrheit entsprechen, ist noch nicht abzusehen. Die Andeutungen, die sie gegenüber Emily und Spencer fallen lässt, ihr Verhalten in Bezug auf Alison und gegenüber Elliott lassen jedoch darauf schließen, dass es ihr weniger um psychische Folter als um Rache geht - demnach um das Familienerbe der Carissimi Group.

Elliott hingegen mausert sich auch in dieser Episode zum Paradebeispiel eines Horrorarztes. Er verabreicht der Ehefrau weiterhin schwerste Medikation und sorgt für absolutes Besuchsverbot. Dieser Umstand und ein verstörender Anruf von Alison an Emily, an den sich Erstgenannte nicht mehr zu erinnern scheint, sorgt dann endlich auch für das längst angebrachte Misstrauen gegenüber Elliott seitens der Freundinnen. Die letzte Szene von „Bedlam“ verbleibt indes in Uneindeutigkeit: Wird Alison von Aria, Spencer, Hanna und Emily gerettet, oder erwartet sie eine höhere Stufe des Martyriums?
Fazit
In Bedlam kehrt Hanna einigermaßen traumatisiert zurück in den Kreis ihrer Freundinnen. Da Mary Drake bei ihrer Flucht keine unwichtige Rolle spielte, erfahren die Zuschauer/-innen infolgedessen auch mehr über ihre Hintergründe: Nach eigener Aussage befand sich Mary jahrelang zu Unrecht in Radley - für den Tod des Kindes sei indes Zwillingsschwester Jessica verantwortlich gewesen.
Während die Inszenierung von Hannas Traumaverarbeitung streitbare Implikationen mit sich brachte, konnten auch die restlichen Entwicklungen dieser Episode nur wenig überzeugen. Dies ist allerdings vor allem dem Umstand geschuldet, dass die Zeit knapp bemessen erscheint: Sämtliche zwischenmenschliche Konflikte und Beziehungsproblematiken werden mehr lustlos als aufmerksam nacheinander abgehandelt.
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 29. Juni 2016Pretty Little Liars 7x02 Trailer
(Pretty Little Liars 7x02)
Schauspieler in der Episode Pretty Little Liars 7x02
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