Pretty Little Liars 7x01

Ein kleiner Rückblick vorab: Wie sich im Finale der sechsten Staffel herausstellte, handelt es sich bei der neuen Bedrohung durch „A-moji“ aller Wahrscheinlichkeit nach gleich um ein teuflisches Team. Elliott (Huw Collins, der allzu glatte Ehemann von Alison DiLaurentis (Sasha Pieterse), arbeitet mit Mary Drake (Andrea Parker), der Zwillingsschwester der ermordeten Jessica DiLaurentis, zusammen. Beide wollen sich für den Mord an der Tochter und Exgeliebten Charlotte rächen und gleichsam auf das Vermögen der Familie DiLaurentis aus der Carrissimi Group zugreifen. Und so gerät Hannas (Ashley Benson) naiv gedachte Falle für „A“ zur lebensbedrohlichen Katastrophe.
Der Staffelauftakt Tick-Tock, Bitches schließt so beinahe nahtlos an die vorangehenden Ereignisse an - allerdings mit einer beunruhigenden Vorausschau auf die Fortentwicklung des Geschehens. Spencer (Troian Belissario), Aria (Lucy Hale) und Emily (Shay Mitchell) heben tränenüberströmt und verzweifelt ein Grab aus und noch ist nicht absehbar, für wen diese letzte Ruhestätte bestimmt ist.
So fieberhaft wie die Suche nach dem oder der wahren Verantwortlichen für Charlottes Tod - den Liars bleiben nur 24 Stunden, um die entführte Hanna zu retten - gestaltet sich dann auch die atemlose Inszenierung dieser Episode. Es manifestiert sich im Nachgang des Staffelauftakts wieder einmal der Eindruck, viel gesehen, aber kaum etwas erfahren zu haben. Zugunsten der rasanten Szenenwechsel wird der einen oder anderen eigentlich wichtigen Information nur nachlässige Aufmerksamkeit gewidmet. Neben dem wohl auffälligsten Ärgernis, nämlich der unverständlichen Naivität in Bezug auf Elliott seitens der Liars und insbesondere Emilys - ein offensichtliches plot hole - kommt die offizielle Einführung der Figur von Mary Drake ebenso unglaubwürdig und lustlos daher. Ein annähernd schockierter Blick hier, eine kurze Verwunderung da und weiter geht's - für große Überraschung sorgte der Auftritt dann aber doch nicht.
We used to have a lot in common

Dieser seltsam vernachlässigten Einführung der leiblichen Mutter Charlottes, Mary Drake, stehen dann die in Tick-Tock, Bitches eröffneten Abgründe gegenüber. Die kurze Szene, in der Mary der wachsamen Spencer einen Besuch abstattet, enthält die wohl interessantesten Andeutungen dieser Episode. So beschäftigt sich Mary einerseits auffallend lange mit einem Foto von Melissa und Spencer und weist auf ihre Ähnlichkeit hin. Weil Toby (Keegan Allen) und Spencer im verfallenen Resort von Mary zuvor etliche Bücher in verschiedenen Sprachen sowie einen Reisepass mit der Eintragung „London - Philadelphia“ gefunden hatten, weist vieles auf eine Verbindung zu Melissa hin.
Aufhorchen sollten geübte Zuschauer/-innen dann aber wohl am ehesten bei Marys geheimnisvoller Umschreibung des Verhältnisses zur Familie Hastings: Ihr „We used to have a lot in common“ könnte darauf hinweisen, dass Peter Hastings eventuell der leibliche Vater von Charlotte ist - was die Verstorbene wiederum zur Halbschwester von Melissa und Spencer machen würde.
Vieles spricht also dafür, dass Mary und Elliott zumindest mit „Uber-A“ oder „A-moji“ zusammenarbeiten, denn beide standen in enger Beziehung zu Charlotte und scheinen auf ihrem Rachefeldzug nun Hanna als Geisel genommen zu haben. In diesem Zusammenhang tun sich indes riesige Löcher in der Handlung auf, die beinahe jede positive Entwicklung der vorangehenden Staffel in Abrede stellen.
Just like you, Alison, Karma can be such a bitch
Die fieberhafte Suche nach Hanna und der/dem wahre/n Mörder/-in von Charlotte unter massivem Zeitdruck lässt die Liars, Mona (Janel Parrish), Toby, Caleb und Ezra (Ian Harding) zu ungewöhnlichen Methoden greifen. Mit einer anonymen Zettelabstimmung steht der Versuch, die vorherrschende Intuition in Bezug auf die Identität des/der Mörder/in zum ausschlaggebenden Hinweis zu erheben. Ergebnis: Überwiegend verdächtigen die Freunde Alison, einmal wurde für Spencer, einmal für Mona gestimmt (beziehungsweise gegen sie).
So nachvollziehbar diese Herangehensweise in ihrer Verzweiflung auch sein mag, so fragwürdig bleibt sie - vor allem hinsichtlich der Überprüfung dieser fast einstimmigen Anschuldigung. Alisons Zustand ist alles andere als stabil und dass Emily Alisons medikamenteninduziertes Geschwurbel als Geständnis verstanden wissen will, sagt möglicherweise mehr über ihr Verhältnis zu Alison als über die Wahrheit aus. Würde diese Unsicherheit thematisiert werden, kämen die nachfolgenden Entwicklungen etwas weniger unglaubwürdig daher.
Da dem aber nicht so ist und Emily überdies auch noch ein vermeintliches Beweisstück in Form einer roten Jacke findet, scheint der Fall für alle klar: Alison ist die Mörderin von Charlotte, Caleb liefert Alison indirekt an „A“ aus, in dem Glauben, sie sei in der psychiatrischen Abteilung sicher, und Elliott verabreicht der hilflosen Ehefrau gleich eine weitere Dosis an Medikamenten, die dafür sorgen sollen, dass sie den Rest ihres Lebens auf der Station verbringen wird.
Das könnte man nun alles schrecklich tragisch finden, wenn diese Ereignisse tatsächlich nicht zu verhindern gewesen wären. Da Aria allerdings ihre Suche nach Elliott (ohne zu wissen, nach wem sie sucht) zugunsten Ezras verschiebt und da Emily nicht einmal ansatzweise misstrauisch wird ob Elliotts seltsamen Verhaltens und sie keine Anstalten macht, Alison in wachem Zustand erneut zu befragen, sind diese Entwicklungen nicht tragisch, sondern schlicht ärgerlich. Ärgerlich hinsichtlich eines lustlosen Storywritings, das auf größtmögliche Hinauszögerung, Verstrickung und Drama setzt, statt auf nachvollziehbare Plotentwicklung.
Für einigermaßen interessante Verwirrung sorgt indes Hannas Traum. Wenngleich auch hier sehr großzügig darüber hinweggesehen werden muss, dass es Hanna plötzlich gelingt, aus eigener Kraft auszubrechen, scheint ihr fantasiertes Gespräch mit Spencer auf eine mögliche Beteiligung - wenn auch eine unbeabsichtigte - an Charlottes Tod hinzuweisen. Ihre Flucht findet allerdings ein jähes Ende, als sie - ebenfalls wenig überraschend - ausgerechnet von Mary Drake auf der Straße abgefangen wird.
Fazit
Der Auftakt zur siebten Staffel von Pretty Little Liars stellt die verzweifelte Suche der Liars und ihrer Freund/-innen nach Hanna sowie der/dem Mörder/in von Charlotte in den Mittelpunkt. Analog zur Ausgangssituation, nämlich Hannas naiv-impulsive Entscheidung, „A“ eine wenig durchdachte Falle zu stellen, verhalten sich die weiteren Entwicklungen im Nachgang dieses gescheiterten Plans. Alison wird aufgrund eines wenig überzeugenden Geständnisses für den Mord an Charlotte verantwortlich gemacht und ist nunmehr ihrem grausamen Ehemann vollends ausgeliefert.
Wenngleich der Einführung einer weiteren Figur nach wie vor skeptisch begegnet werden muss, deuten sich indes erneute dunkle Familiengeheimnisse an, die die unüberschaubaren Verstrickungen etwas erhellen könnten. So gibt es aufgrund der Äußerungen Mary Drakes Anlass zur Annahme, dass die Verbindungen zwischen den Familien Hastings/DiLaurentis noch enger sind als ohnehin.
Die Enttäuschung, die sich angesichts Tick-Tock, Bitches einstellt, dürfte sich zu großen Teilen aus dem Kontrast zur vorangehenden Season speisen. Der persönliche Entwicklungsprozess der Figuren rückt dank der neuesten Ereignisse in weite Ferne. Bleibt zu hoffen, dass die Autor/-innen diesen Fokus mit Staffel sieben nicht gänzlich aus den Augen verlieren.
Verfasser: Hannah Klein am Mittwoch, 22. Juni 2016Pretty Little Liars 7x01 Trailer
(Pretty Little Liars 7x01)
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