Preacher 2x04

© zenenfoto aus der âPreacherâ-Episode âViktorâ / (c) AMC
Die US-Serie Preacher geht in der Folge Viktor vordergrĂŒndig dem namensgebenden Mann nach, vor dem Tulip (Ruth Negga) einen Mordsrespekt und eine Heidenangst zu haben scheint. Wir erinnern uns, dass sie auf eigene Faust losgezogen ist und wird nun von dessen MĂ€nnern zu ihm gebracht, wĂ€hrend Cassidy (Joseph Gilgun) sich im Dauertakt per Textnachricht nach ihrem Befinden erkundigt.
Dass Viktor (Paul Ben-Victor) ein Mann mit einem gewissen Ruf ist, bemerkt man auch daran, dass er Leute foltern (etwa mit einem fiesen SÀurebad aus der Spritzflasche) und im Nebenzimmer umbringen lÀsst. Das veranlasst die sonst so taffe Tulip dazu sich zu entschuldigen und zu weinen, doch die Entschuldigung nimmt Viktor nicht an. Auch bei dessen anderen Bediensteten ist sie nicht gerne gesehen und wird von Viktors kleiner Tochter angespuckt.
Bis zur groĂen Offenbarung, was denn ihre Beziehung genau ist, lassen sich die Autoren der Folge viel Zeit, wenn man mich fragt ein bisschen zu viel, mit zu wenig spannender Substanz auf dem Weg. Wieder einmal denkt man sich als Zuschauer nur was das soll, aber so richtig witzig sind die Szenen und der Weg dorthin nicht. Allerdings machen die Szenen deutlich, dass Viktor eine groĂe Entourage hat, die spĂ€ter gut als Kanonenfutter fungieren kann.

Tulip versucht nĂ€mlich nach der Entschuldigung den harten Weg, wird jedoch ĂŒbermannt, als sie Viktor eine Pistole an den Kopf hĂ€lt und um Freilassung bittet. Insgesamt mutet diese Story ein wenig merkwĂŒrdig an und passt wenig mit der knallharten Tulip zusammen, die wir beispielsweise im Piloten gesehen haben, was schade ist. Insgesamt ist die Figur in der zweiten Staffel bislang deutlich weniger spannend oder herausragend als in Staffel eins. Hoffentlich gibt es da noch eine Steigerung.
Hell is for Hitler

In der Hölle trifft Eugene (Ian Colletti) neben Hitler (Noah Taylor) auf weitere merkwĂŒrdige Zeitgenossen. Darunter den Bully Tyler, der sich ĂŒber sein Gesicht lustig macht, wĂ€hrend Hitler sich fĂŒr ihn einsetzt. Zumindest bis der Alarm losgeht. SpĂ€ter lĂ€dt der Diktator ihn in seine Zelle ein, weil mit seiner eigenen etwas nicht stimmt. Dort sieht Eugene dann die schlimmste Erinnerung des millionenfachen Mörders, die offenbar mit seinem Trauma als gescheiterter KĂŒnstler zusammenhĂ€ngt.
Die Charakterisierung Hitlers ist befremdlich und wirkt tatsĂ€chlich so, als wolle man ihn verharmlosen und zeigen, dass er nicht so schlimm ist, wie er nun einmal war. Nebenbei könnte man sich fragen, warum Hitler und alle anderen Figuren in einem Flashback ins MĂŒnchen des Jahres 1919 Englisch mit dickem deutschen Akzent sprechen oder warum man es nicht mitbekommt die Hintergrundbeschriftung fehlerfrei auf Deutsch zu schaffen. Besonders prickelnd gefĂ€llt mir die Höllengeschichte nicht.
Es lĂ€uft darauf hinaus, dass Tyler sich weiter mit Eugene anlegt, Hitler dazwischengeht und am Ende PrĂŒgel kassiert - auch von Eugene, der von der Vorstehenden Mannering dazu angehalten wird, sein gutes Benehmen zu streichen.
Ich kann nur hoffen, dass dieser Teil der Story Eugenes Befreiung aus der Hölle vorbereitet und vielleicht noch etwas kreativer und unterhaltsamer wird oder irgendeine Bewandtnis fĂŒr die Hauptgeschichte hat, denn aktuell entlockt es mir kaum ein mĂŒdes LĂ€cheln.
Göttliches Vorsprechen
Jesse (Dominic Cooper) kommt bei einem völlig verplanten und lethargischen Denis an und erzĂ€hlt von der Frau, der er geholfen hat, die ihm wiederum von der geheimen Organisation erzĂ€hlt hat, die in weiĂen Vans herumfĂ€hrt. Cassidys Input dazu sind nur Echsenwesen und Ă€hnliches, wĂ€hrend er stĂ€ndig Tulip erwĂ€hnt, worauf der Pfaffe jedoch nicht anspringt, weil gedanklich noch bei der Suche nach Gott ist, wobei weiterhin 137 Clubs abgeklappert werden mĂŒssen.

Eine Dauerwerbesendung mit der lokalen Schauspielerin und Malcolm in the Middle-Star Frankie Muniz liefert dann einen Hinweis zur Gottthematik. Denn der Fake-Gott, der vor versammelter Glaubensgemeinschaft erschienen ist, war offenbar nur ein örtlicher Schauspieler, den es zu finden gilt. Mark Harelik heiĂt der Gute, der durch den Agenten Teddy Gunth, ein schmieriger Typ, vertreten wird, der keine Chance ungenutzt lassen will, um andere Klienten ins Spiel zu bringen. Erst als Cassidy und Jesse eine Game of Thrones-Rolle ins Spiel bringen, nĂ€hert man sich Harelik an. Es gibt nĂ€mlich eine Aufzeichnung des Vorsprechens.
Zu sehen ist die Rolle seines Lebens, fĂŒr die er auch den Zuschlag bekommt und direkt erschossen wird, um in den Himmel aufzufahren. Die Erkenntnis daraus ist eine Manipulation der VorfĂ€lle, wer der Drahtzieher ist, muss noch geklĂ€rt werden, denn Jesse glaubt dass ihm etwas Offensichtliches entgangen ist. Mit diesem Teilerfolg versucht es Cassidy nochmals in Bezug auf Tulip durchzudringen. Trotz seines Versprechens ihm nicht zu sagen, wo sie hin ist, bricht er sein Wort, weil er keine Antwort auf seine Nachrichten bekommt.
Als Jesse endlich aufwacht und losstĂŒrmt um Tulip zu helfen, kriegen wir endlich eine etwas aufregendere Szene zu sehen. Durch den schlauen Einsatz von Genesis kommt er durch die ersten BeschĂŒtzerwellen durch, ehe ihn der Folterer ausknocken kann.
Der anschlieĂende Kampf im Folterzimmer ist mein Highlight der Folge. Der kreative Einsatz von Kicker, Wasserschlauch, Elektroschoker und Leiche in allen Ehren, doch wie sagt man so schön âToo little, too lateâ. Diese knapp fĂŒnf Minuten können nicht darĂŒber hinwegtĂ€uschen, dass der GroĂteil der Episode leider wieder spannungs- und unterhaltungsarm ist beziehungsweise im Fall der Höllenstory eben nicht meinen Humor oder Geschmack trifft.
Ich musste mich allerdings auch beim Kampf, der mit dem Billy-Joel-Klassiker âUptown Girlâ unterlegt ist, fragen, warum Jesse nicht frĂŒher auf die Ohren geht, wenn er merkt, dass Genesis nicht wirkt. Da ist die Figur manchmal taktisch zu unklug oder die Autoren sind nicht schlau genug, um das zu kaschieren. Auf dem Foltermeister kriegt Jesse jedenfalls Tulips Aufenthaltsort heraus, sie ist im Schlafzimmer, wo er dann auf Viktor einprĂŒgelt. Doch sie bittet ihren Partner ihn am Leben zu lassen, weil er ihr Ehemann ist. Ich habe ein kleines DĂ©jĂ -vu, denn mir kommt es so vor, als hĂ€tte ich eine solche Situation kĂŒrzlich erst irgendwo gesehen, kann mich beim besten Willen aber nicht erinnern, wo das gewesen sein könnte. Sachdienliche Hinweise dazu gerne in die Kommentare.
Und auf dem Highway ist derweil der Saint of Killers wieder im Anmarsch...
Fazit
Ich finde es schade, dass die Autoren von Preacher das Momentum der Serie nicht halten können. Den Episodeninhalt hĂ€tte man diesmal gefĂŒhlt auch in zehn Minuten erzĂ€hlen können, denn irgendwie plĂ€tschert die ErzĂ€hlung einfach nur so dahin oder es passiert teilweise einfach gar nichts.
Als Comickenner kann ich mir bei Jesses Handlungsstrang denken, wer seine Finger im Spiel hat und finde, dass der RĂŒckbezug zum Fake-Gott von den drei groĂen FĂ€den der Episode noch der spannendste ist im Vergleich zum Viktor-Teil und Eugenes. Aus dem Trip in die Hölle hĂ€tte man recht einfach mehr machen können.
Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 11. Juli 2017Preacher 2x04 Trailer
(Preacher 2x04)
Schauspieler in der Episode Preacher 2x04
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?