Preacher 2x03

Preacher 2x03

Die Preacher-Episode Damsels ist ein Potpourri der Merkwürdigkeiten. Aber leider auch eine Episode in der herzlich wenig Aufregendes passiert. Die Ruhe vor dem Sturm?

Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Damsels“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Damsels“ / (c) AMC
© zenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Damsels“ / (c) AMC

Damsels ist eine sonderbare Preacher-Episode, die uns zunächst einen Einblick in die Entstehungsgeschichte von Eugene „Arseface“ Root (Ian Colletti) liefert. Anders als im Comic, das in den 1990ern erschienen ist, wo die Geschichte der entstellten Figur eng mit der Grunge-Szene und dem Tod von Kurt Cobain verbunden ist, wissen wir bereits aus Staffel 1, dass die TV-Version abweicht. Die im Koma befindliche Tracy (Gianna LePera) ruft ihn nämlich zu sich, weil ihr Freund sie betrogen hat und Eugene jemand ist, bei dem sie sich ausheult. Die zum Drama tendierende Teenagerin beschließt deswegen nämlich sich mit dem Gewehr ihres Vaters umzubringen und hat auch einen 14-seitigen Abschiedsbrief inklusive Testament und Playlist für die Beerdigung geschrieben.

Es muss schließlich geregelt werden, wer den flauschigen Hasen bekommt und dass ihr Bruder niemals ihr Zimmer betreten darf. Da sie bisher außerdem „nur“ Analsex hatte und somit ihrer Meinung nach noch als Jungfrau gilt, kommt sie also ihrer Logik nach in den Himmel.

Mit einem nicht ganz richtigen Mary-Poppins-Zitat kann Eugene sie überzeugen es nicht zu tun, als er ihr Schulterkuscheln als Annäherungsversuch interpretiert, ändert sie ihre Meinung jedoch wieder und will den Plan doch durchziehen. Eugene versucht sein bestes ihr das Gewehr aus der Hand zu reissen, sie erwischt jedoch dennoch einen guten Teil des Hirns, das er wieder in den Kopf integrieren will. Als dann die Mutter anklopft und er keinen Ausweg sieht, setzt er die Flinte ebenfalls an, trifft jedoch eher den unteren Teil des Gesichts und entstellt sich so selbst.

Diese schaurigen Bilder ihres Selbstmordversuchs werden dann einige Male wiederholt. Bekanntlich hat Jesse Eugene in die Hölle geschickt und genau dort befindet er sich wohl auch, sodass er diese Erinnerungen wieder und wieder durchlebt. Wobei einer seine Leidensgenossen ein Mann ist, der ziemlich stark nach Adolf Hitler aussieht. Ein Viertel der Episode ist dabei Eugene gewidmet und ich kann nicht sagen, in welche Richtung die Serienmacher mit diesem Handlungsstrang hinsteuern. Das ist diesmal aber nicht der einzige Fall.

Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Damsels“
Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Damsels“ - © AMC

The Big Easy

Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Damsels“
Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Damsels“ - © AMC

In der Jazz-Hauptstadt der Welt sucht unser Trio nach Gott findet aber nur merkwürdige Sex-Spiele mit Hundekostümen in Hinterräumen. Manchmal wird man das Gefühl nicht los, dass die Serie nur merkwürdig ist, um für Kopfkratzen bei den Zuschauern zu sorgen. Immerhin gehen die Anspielungen auf Jesses (Dominic Cooper) Familie weiter. Denn er mag die Stadt an sich, aber hasst die Sümpfe. Da kommt also sicherlich noch etwas. Bis dahin wollen 187 Jazz-Clubs abgeklopft werden, was Jesse jedoch weitestgehend allein machen muss.

Tulip (Ruth Negga) ist aus persönlichen Gründen nicht begeistert von der Reise nach New Orleans, weil sie mit einem gewissen Victor eine Rechnung offen hat und am liebsten unsichtbar wäre. Weil es sich aber um Serienlogik handelt, muss sie dort natürlich jemand unter den etwas über 340.000 Menschen erkennen und droht nun sie auffliegen zu lassen. Auch wenn sie sich bemüht gemeinsam mit Cassidy (Joseph Gilgun) bei Dennis unterzutauchen und nicht aufzufallen.

Fragezeichen wirft zudem die Figur Dennis und ihr merkwürdiges Verhältnis zu Cassidy auf. Er spricht nur Französisch und Cassidy meint seine Vorlieben zu kennen, seine Reaktion sagt jedoch etwas völlig anderes aus. Wieder einmal keine Ahnung, was das soll oder ob es je aufgeklärt wird. Und so häufen sich die Frustmomente in dieser Folge.

Ähnlich frustrierend ist der Fakt, dass Tulip nicht wie eine erwachsene Person mit ihrer großen Liebe Jesse reden kann, auch wenn sie der Meinung ist, dass das Einweihen in die Victor-Angelegenheit Probleme verursachen würde. Passend dazu ist auch der Anruf, der keine Aussprache zur Folge hat. Cassidy hingegen, der ihr ungefragt schon in einigen Situation aus der Patsche geholfen hat, ist bereit es wieder zu tun, dennoch bleibt sie kryptisch und macht sich aus dem Staub, um sich der Sache zu stellen. Aber auch hier halten es die Autoren für das beste, wenn man es möglich mysteriös inszeniert und Antworten schuldig bleibt und das ganze in eine merkwürdige Waschsalon-Szene münden lässt.

Regisseur Michael Slovis (Breaking Bad) versteht es schöne Bilder einzufangen, aber wenn in jedem Handlungsbogen wenig Fortschritt erkennbar ist oder nur Fragen aufgeworfen werden, kommt dabei keine - für mich - befriedigende Erzählung heraus. Das haben die vorherigen Folgen besser geschafft.

Herr K. Starr

Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Damsels“
Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Damsels“ - © AMC

Jesses Suche nach Gott führt ihn in eine Bar, in der eine blonde Frau singt und offenbar einsame Seele einfangen will. Den Hinweis zu diesem Ort hat ihm ein anderer Barkeeper gegeben und Jesse kommt mit ihr ins Gespräch und hört genau das, was er hören will. Dass ihn jemand hintergehen könnte, kommt ihm dabei nicht in den Sinn, auch wenn sich Zufälle schon sehr stark häufen.

So hilft er eine Entführung durch weiße maskierte Männer zu vereiteln, prügelt sich mit den Entführern und entfährt von einer faschistischen Organisation, die es auf die Weltherrschaft abgesehen hat. Nebenbei zeigt er ihr auch noch seine Genesis-Fähigkeiten.

Wenig später sehen wir, dass die Blondinennummer nur eine Farce ist und dass Jesse offenbar auf dem Radar von jemanden ist, der eine Vorliebe für weiße Anzüge hat. Beide Figuren sind Comiclesern wahrscheinlich ein Begriff und der Mann wurde auch schon in Staffel eins angedeutet. Es ist eine Figur, die - so viel sei ohne große Spoiler verraten - eine wichtige Rolle im Comic spielt und Teil einer allumfassenden Organisation ist, auf deren TV-Umsetzung man gespannt sein kann.

Ich gebe zu, dass ich bei dem Shot im Büro innerlich gejubelt habe und neugierig bin, was folgen wird. Dennoch kann das nicht den eher enttäuschenden Eindruck der Folge wettmachen.

Fazit

Leider ist Damsels für mich die bisher schwächste Folge der zweiten Preacher-Staffel, nicht wegen Langatmigkeiten, sondern wegen Merkwürdigkeiten ohne konkreten Sinn und Verstand. Rätselhafte Beziehungen (Dennis und Cassidy), konstruierte Kommunikationshindernisse (Tulip und Cassidy) und merkwürdige platzierte Erzähleinschübe (Eugene) hinterlassen eine Reihe von unbefriedigenden Fragezeichen. Mit der Figur Herr Starr wird nun immerhin wieder eine spannende Komponente des Comics adaptiert, stellt sich nur die Frage wie erfolgreich das Ganze passiert.

Trailer zur Episode Viktor der Serie Preacher (2x04):

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 4. Juli 2017

Preacher 2x03 Trailer

Episode
Staffel 2, Episode 3
(Preacher 2x03)
Deutscher Titel der Episode
Willkommen in New Orleans
Titel der Episode im Original
Damsels
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Montag, 3. Juli 2017 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 4. Juli 2017
Regisseur
Michael Slovis

Schauspieler in der Episode Preacher 2x03

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