Preacher 1x09

Preacher 1x09

Die vorletzte Episode der ersten Staffel von Preacher trägt den Namen Finish the Song. Hier gibt es eine längst überfällige Erklärung, was es mit einer Figur auf sich hat. Jesse muss derweil bei einem Kumpel etwas wiedergutmachen und Emily trifft eine womöglich folgenschwere Entscheidung.

Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Finish the Song“ / (c) AMC
Szenenfoto aus der „Preacher“-Episode „Finish the Song“ / (c) AMC

Die erste Staffel von Preacher bewegt sich auf die Zielgerade zu. Finish the Song ist die vorletzte Episode vor dem wahrscheinlich großen und krachenden Finale. Dabei kommt eine Figur, die früh eingeführt und immer wieder über rätselhafte Vignetten in der Erinnerung gehalten wurde, wieder ins Spiel und am Ende der Episode erfahren wir ihre Rolle.

Finish the Song

Im überaus brutalen Intro sehen wir besagte Figur, den Cowboy (Graham McTavish). Diesen verschlägt es in einen Saloon, wo er auf den ihm bereits bekannten ungehobelten, korrupten und unsympathischen Geistlichen trifft. Der spricht darüber, wie der Cowboy einst 77 Menschen in Gettysburg ermordete und ahnt dabei nicht, wen er hier provoziert. Etwas ähnliches hat er hier auch vor: Während ein asiatischer Sänger für musikalische Unterhaltung sorgt, nimmt der Pistolero den Laden auseinander und erschießt alle Anwesenden ohne Mühe. Dem Musikanten schlägt er schließlich den Kopf ab.

Dann folgt ein Sturm und wir sehen erst spät, was es damit auf sich hat. Der Cowboy scheint immer und immer wieder die gleichen Höllenqualen zu erleben, denn wir sehen die selben Bilder eine Handvoll Mal. Gleichzeitig erfahren wir, dass er buchstäblich in der Hölle ist und dort Besuch von Fiore (Tom Brooke) und DeBlanc (Anatol Yusef) erhält. Doch zunächst müssen sie sich den Weg dorthin bahnen, was über ein skurriles Reisebüro und spezielle Beratung mit einigen merkwürdigen Riten geregelt wird. Bis sie sich sicher sind, dass sie in die Hölle und nicht in den Himmel wollen, werfen sie noch eine Münze - oder besser zwei. Doch der Trip in den Himmel, der nach dem zweiten Münzwurf folgen soll, wird durch das Fehlen des Himmelstelefons kaputt gemacht. Eigentlich war es super schwer unter dem Bett versteckt. Doch nun ist es fort. Dieses findet man später bei Jesse (Dominic Cooper) wieder, der aber keine Angel Hands hat, um seinen Anruf zu machen. Dafür gibt es jedoch auch noch eine Lösung.

Die Introszene rund um den Cowboy ist das, was man eigentlich die ganze Zeit oder zumindest etwas mehr in Preacher sehen möchte - so geht es mir zumindest. Ein rauer Kleinstadtwestern mit einer guten Portion Gewalt, Gore und cooler audio-visueller Inszenierung. Doch bisher hebt man sich das oft für das Intro oder ein bis maximal zwei Momente pro Folge auf. Die Balance muss hier weiter verbessert werden. Die Figuren, beispielsweise die Comic Relief-Engel Fiore und DeBlanc, machen durchaus Spaß und amüsieren, können aber nicht allein eine ganze Episode tragen.

Your son is in hell

Jesses Handlungen rund um die Kirche und Arseface Eugene sind derweil nicht ohne Konsequenzen geblieben, der Sheriff hat ihn nämlich abgeführt und will ihn aufs Revier bringen. Gleichzeitig möchte er natürlich erfahren, was aus Eugene (Ian Colletti) geworden ist, doch des Priesters Geschichte will der Polizist nicht schlucken. Jesse wehrt sich gegen die Verhaftung, indem er seine Handschellen sprengt, aus dem Auto springt und wie Batman blitzschnell verschwindet. Eine von mehreren merkwürdigen Szenen in der Episode, die durch Jesses Machtgebrauch schnell logischer hätte gemacht werden können. So sieht es aus, als könne er zaubern.

Jesse bei Obdachlosen in der %26bdquo;Preacher%26ldquo;-Episode %26bdquo;Finish the Song%26ldquo; © AMC
Jesse bei Obdachlosen in der %26bdquo;Preacher%26ldquo;-Episode %26bdquo;Finish the Song%26ldquo; © AMC

Er landet schließlich bei Obdachlosen, die Essen mit ihm teilen und wissen möchten, ob seine große Gott-Konfrontationsnummer klappen wird. Es spricht sich also bis in die Obdachlosenkreise herum, was Custer treibt. Konsequenzen gibt es also doch kaum welche, denn bald verschlägt es Jesse wieder in seinen Heimatort, wo Unschönes auf ihn wartet.

Versuchskaninchen

Tulip (Ruth Negga) weiht nämlich Emily (Lucy Griffiths) darin ein, dass Cassidy (Joseph Gilgun) tatsächlich ein Vampir ist, was die alleinerziehende Mutter relativ gefasst aufnimmt. Tulip betraut Emily nun damit, Cassidy aufzupäppeln, denn die Tiere, die sie ihm bisher gegeben hat, helfen ihm nicht beim Heilen. Die Verbrennungen sind also relativ schlimm. Jesses Ex verabschiedet sich derweil nach Albuquerque, wo sie die offene Rechnung mit Carlos klären will, denn ihr sind Jesses Probleme mittlerweile egal.

Zuvor bekommt sie jedoch noch einen Anruf von Jesse, der klingt, als habe er sie noch nicht abgeschrieben und er spricht ihr das Motto der Beziehung auf die Mailbox. Doch dann sehen wir, dass sie Carlos längst in ihren Fängen hat und ihn schmerzlich quälen wird. Wie bereits in mancher Situation zuvor wird auch hier wieder weggeschnitten. Eine Plotline wird also entweder fallen gelassen, obwohl sie vorher bedeutungschwanger angedeutet und herausgearbeitet wird, oder später noch einmal aufgegriffen. Doch die Andeutung scheint zu suggerieren, dass Tulip allein Rache nimmt.

Ruth Negga in der %26bdquo;Preacher%26ldquo;-Episode %26bdquo;Finish the Song%26ldquo; © AMC
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Emily reicht Cassidy derweil ein armes unschuldiges Meerschwein, das dem Vampir aber nicht viel bringen wird. Aber offenkundig will sie ohnehin nur sehen, womit sie es zu tun hat. Bald ruft Bürgermeister-Affäre Miles (Ricky Mabe) sie an, den sie vor Tulip noch als ihren Freund ins Spiel bringt. Der macht einen Booty Call, kündigt sich schon einmal an und will diesmal bleiben. Währenddessen schaut sie einen Film und hört Cassidy um Hilfe schreien. Kurze Zeit später ruft sie Miles zu sich und bittet angsterfüllt um Hilfe. Dabei macht sie ihm jedoch etwas vor und wirft ihn quasi zum Fraß vor.

Das ist ein wahrer What-the-Fuck-is-Happening-Moment in dieser Folge. Man fragt sich sofort, was Emily hier anstellt. Wenn sie nicht will, dass Miles sich nicht um die Kinder kümmert oder von diesen als neuer Mann im Haus angesehen werden soll, kann sie das auch auf andere Art und Weise machen, ebenso wenn er ihr zu aufdringlich wird. Von seinem Wissen über Odins brutale Morde dürfte sie auch nicht wissen. Warum handelt sie also, wie sie es tut? Die Szene wirft ein großes Fragezeichen auf und verwundert stark. Als brutale Figur haben wir Emily mit Sicherheit nicht kennengelernt. Will sie Miles aus dem Weg haben, um bei Jesse zu landen? Würde sie für ihn alles tun? Doch gibt es von seiner Seite überhaupt Interesse? Wir werden sehen, in welche Richtung sich das entwickelt. Miles ist sicherlich kein Unschuldslamm - das sieht man auch an seiner Anwesenheit, als sich die Männer bei Odin im „Fight Club“-Stil verprügeln, aber so und zu diesem Zeitpunkt zu sterben - zumal er eine bekannte Persönlichkeit des Ortes ist - kommt viel zu plötzlich.

Miles trifft auf den ausgehungerten Cassidy in der %26bdquo;Preacher%26ldquo;-Episode %26bdquo;Finish the Song%26ldquo; © AMC
Miles trifft auf den ausgehungerten Cassidy in der %26bdquo;Preacher%26ldquo;-Episode %26bdquo;Finish the Song%26ldquo; © AMC

Angel Hands

Der Sheriff entdeckt derweil nach Jesses Flucht im Hotelzimmer von Fiore und DeBlanc ihre unsterbliche Gegnerin, die die beiden, Jesse und Cassidy, mit Mühe und Not und viel Anläufen bewegungsunfähig gemacht haben, indem sie die Extremitäten abgeschnitten haben. Der Gorefaktor ist diesmal also nicht nur am Anfang der Folge hoch. Weil er nicht weiß, womit er es zu tun hat, will der Sheriff medizinische Hilfe holen. Doch wohlwissend, dass sich ihr eine Chance zur Flucht anbietet, bittet sie ihn, sie zu ermorden, damit sie ihre Gegner per Wiederbelebung wieder verfolgen kann. Statt sie zu erschießen erwürgt er sie jedoch, was wie eine Mischung aus Mitleid und Genugtuung für den Polizisten zu sein scheint. Kurze Zeit später taucht sie auch wieder auf, gibt sich ihm aber nicht zu erkennen. Noch ein Widersacher mehr, um den sich Jesse sorgen muss.

Hell hath all the fury

Die Reiseagentur zur Hölle in der %26bdquo;Preacher%26ldquo;-Episode %26bdquo;Finish the Song%26ldquo; © AMC
Die Reiseagentur zur Hölle in der %26bdquo;Preacher%26ldquo;-Episode %26bdquo;Finish the Song%26ldquo; © AMC

Beim Trip in die Hölle ist übrigens kein Handgepäck erlaubt, die Comics müssen also zurückbleiben. Schade eigentlich.

Für alle, die bisher verwirrt waren, bieten die Serienmacher noch einmal einen Recap der Cowboy-Geschichte und das nahezu komplett und mehrfach. Es geht dabei um einen Mann, dessen Tochter schwer krank ist, während er für Medizin ausreitet, dabei aber auf ekelhafte Menschentypen trifft und Rache nehmen will, dabei aber verprügelt und seines Pferdes beraubt wird, sodass seine Familie umkommt.

Der eine mag das als netten Service sehen, zumal das im Zusammenhang besser zu fassen ist. Ich sehe das aber als überflüssige Episodenlaufzeitverlängerung, da es sich um Ereignisse handelt, die gar nicht so lange her sind. Wäre das eine Anhäufung von Szenen aus mehreren Staffeln gewesen, dann wäre meine Toleranz höher, aber so fühlt es sich etwas redundant an. Natürlich möchte man den Teufelskreis und die Spirale der Gewalt zeigen, der sich der Cowboy in der - wie man dann herausfindet - Hölle ausgesetzt sieht, dennoch werden die immer gleichen Bilder schlicht und ergreifend zu oft wieder verwertet. Eine normale Montage hätte es nämlich auch getan.

Im Endeffekt geht es darum, dass LeBlanc und Fiore ihm einen Job geben wollen: Er soll Jesse töten, um aus der Hölle frei zukommen. Von Eugene sehen wir jedoch keine Spur.

Cassidy und Jesse haben währenddessen tatsächlich eine Engelshand ausgebuddelt, denn davon waren noch einige vom Kampf im Hotel über. Kann er also Gott anrufen und ihn konfrontieren? Wie viele Showdowns wird es geben?

In diesem Zusammenhang muss man noch anmerken, dass der Exkurs rund um Cassidys Vampirbeweis relativ für die Katz war, denn nach einem kurzen Gespräch scheinen die beiden wieder beste Kumpel zu sein. Darüber hinaus wird der Konflikt mit Odin fast mit keiner Silbe erwähnt.

Fazit

Cassidy braucht mehr Blut für eine Regeneration in der %26bdquo;Preacher%26ldquo;-Episode %26bdquo;Finish the Song%26ldquo; © AMC
Cassidy braucht mehr Blut für eine Regeneration in der %26bdquo;Preacher%26ldquo;-Episode %26bdquo;Finish the Song%26ldquo; © AMC

Das Ausarbeiten von Erzählstrukturen, logischen Abläufen und ausgewogener Charakterzeichnung sowie richtigem Maß an Erklärung müssen die Preacher-Autoren auch zum nahenden Ende der ersten Staffel noch einmal nachbessern. Ein relativ guter Teil der Episode setzte sich bloß aus Wiederholungen zusammen, die in der Comicvorlage auch in einer eigenen Mini-Serie ausgekoppelt sind, aber dennoch dem Otto-Normal-Zuschauer logisch erklärt werden müssen. Entweder macht man das zusammenhanglos oder mit dem Holzhammer, aber das Dazwischen wäre die richtige Variante.

So ist Finish the Song wieder nur leicht über dem Durchschnitt des möglichen Unterhaltungswerts. Die Hoffnungen liegen nun auf dem kommenden Staffelfinale.

Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 26. Juli 2016
Episode
Staffel 1, Episode 9
(Preacher 1x09)
Deutscher Titel der Episode
Das Ende vom Lied
Titel der Episode im Original
Finish the Song
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 24. Juli 2016 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 25. Juli 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 25. Juli 2016
Regisseur
Michael Slovis

Schauspieler in der Episode Preacher 1x09

Darsteller
Rolle
Lucy Griffiths
W. Earl Brown
Derek Wilson
Ian Colletti
Tom Brooke
Anatol Yusef

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