Preacher 1x08

Mit großen Schritten nähern wir uns bei Preacher dem Staffelende. El Valero ist schließlich schon die achte Episode der zehnteiligen ersten Staffel. Auch auf die Gefahr hin, wie eine kaputte Schallplatte zu klingen: Manche Elemente geben weiterhin Rätsel auf und frustrieren.
In einem kurzen Cold Open, das den Namen wegen der Temperatur redlich verdient, erfahren wir, dass Odins (Jackie Earle Haley) Familie auf einen Schlag bei einem Gondelabsturz ums Leben gekommen ist. Daher rührt auch ein Trauma, das er mit sich rumschleppt. Gott hat ihn verlassen, denn er sieht keinen Unterschied in den Gedärmen von Familie oder Schlachtvieh. Da kann ihm auch Jesses Vater nicht helfen. Vielmehr wollte Odin, dass er Gott öffentlich denunziert, was auch Jesse im Flashback mitbekommt. Ein Grund mehr, warum er sich die Schlachtgeräusche anhört?
In der Gegenwart ist Odins Angriff auf die Kirche in vollem Gange, wird aber, wie wir es von der manchmal sparsam inszenierten Serie kennen, nur teilweise und recht einseitig gezeigt. Wichtig dabei ist: Auch wenn Odin mit dutzenden Männern anrückt, gelingt es Jesse, seine Kirche zu verteidigen. Für Jesse (Dominic Cooper) ist außerdem wichtig: die Rückkehr von Eugene (Ian Colletti), den er vor zwei Folgen zur Hölle gewünscht hat und seitdem verzweifelt sucht. Es scheint, als würden seine Gebete erhört und Arseface gräbt sich aus der Hölle hervor, doch das erweist sich nur als Einbildung des Priesters, genauso wie der immense Durst Eugenes nach Wasser. Die Hölle findet also in Jesses Kopf statt, könnte man nach Eugenes Einwurf darüber doch annehmen, dass sie gar nicht so weit weg sei.
Jesse selbst gibt sich plötzlich einsichtig, was die Angelegenheit zwischen Eugene und Tracy angeht, aber er würde wohl alles sagen, um diese Handlung zurückzunehmen und den entstellten Jungen in Sicherheit zu wissen. Etwas vorschnell ruft er dann auch den Sheriff an, um ihm mitzuteilen, dass sein Sohn wieder da ist.

Odin plant derweil draußen schon einmal, was er mit dem Areal macht und verkündet eine Art internationalen Umschlagplatz für Essen, den einer seiner Männer schnell mit der Foodmall-Idee verbindet. Also etwas, was es weltweit schon sehr oft gibt, nur eben nicht im texanischen Provinzkaff. In dieser Episode gefällt mir Odins Figur wieder sehr gut. Der trockene Humor, das taktische Verständnis, aber dennoch fehlt ihr lange Zeit das probate Mittel, um gegen Jesses Widerstand anzukommen.
Tulip ist auf den Hund gekommen
Die Handlung um Tulip (Ruth Negga) und den Tierheimhund scheint, wie die Serie es nun öfter schon gemacht hat, zunächst keinen Zusammenhang mit irgendwas zu haben. Sie holt sich ein niedliches Exemplar nach Hause und schmust etwas mit ihm. Doch eigentlich macht sie wieder nur Jesses Drecksarbeit. Man fragt sich als Zuschauer nämlich die ganze Zeit, was denn nun aus Cassidy (Joseph Gilgun) wurde, bis man sieht, dass sie den armen Hund dem schwerverletzten Vampir zum Fraß darreicht. Damit dieser wieder zu Kräften kommen kann. Hier fragte ich mich zunächst, ob es dabei nicht womöglich ein anderes Tier als ein Hund hätte sein können, doch die Macher wollen eben Grenzen überschreiten und Tabus brechen. Also musste leider Brewski dran glauben. Wie wird sich die Dynamik der drei in Zukunft entwickeln? Abwarten.
Church War
Emily (Lucy Griffiths) bekommt derweil von Bürgermeister und Immer-wieder-Affäre Miles (Ricky Mabe) mit, dass Jesse die Kirche aufs Spiel gesetzt hat, was sie erbost. Miles soll auf die Kinder Acht geben, während sie sich Jesses jüngste Dummheit vor Ort anschaut.
Inzwischen ist die nächste Runde eingeläutet worden, was härtere Bandagen erfordert. Jesse nutzt sein Scharfschützengewehr, um ein Zeichen zu setzen und wirft Molotowcocktails auf den Bulldozer. Am schlimmsten trifft es jedoch den armen Clive (Alex Knight), dem Jesse das beste Stück wegschießt, das er im Schock dem Rest der Crew präsentiert und dabei ungläubig darüber redet. Clive ist durch seine Dialoge („Look at that little guy!“) der scene stealer der Folge, der mich mehrfach zum Schmunzeln gebracht hat und mein Mitleid erntet. Er wollte doch nur einen Food Court...
Der Einnahmeversuch wird für die Kleinstadtbewohner bald zum Happening und zum Unterhaltungsprogramm des Tages. Kaum einer scheint es merkwürdig zu finden, dass der Priester sich mit Waffengewalt gegen einen Industriegiganten der Stadt wehrt, wenn man einem shoot-out zusehen kann.

Jesse will derweil DeBlanc (Anatol Yusef) und Fiore (Tom Brooke) konsultieren, die der Sheriff auch zu ihm bringt. Die meinen, dass es möglich sei, jemanden aus der Hölle herauszuholen, wollen selbst aber Genesis erst einmal von Jesse lösen und zurück in den Himmel bringen. So kommt man zu einer Übereinkunft und der Gesang und die Dose werden ausgepackt und Jesse soll dem mächtigsten Wesen überhaupt abschwören. Das klappt tatsächlich und Jesse ist Genesis-frei, während Fiore kaum glauben kann, wie sehr er das Potential dieser Macht verschwendet hat. Doch die Befreiung ist nur von kurzer Dauer, Genesis bricht aus der Dose aus und vereint sich wieder mit Jesse. Die Engel können oder wollen ihm nicht mehr helfen. Eugene sieht er aber auch nicht mehr...
Can't hear you!

Während es kurz so aussieht, als würde sich Donnie (Derek Wilson) aus unbekannten Gründen erschießen, stellt sich heraus, dass er sich nur das Trommelfell zerstört hat, um nicht mehr von Jesses Gabe beeinflußt zu werden. Hätte man das vielleicht auch anders machen können als mit einer Pistole? Und: Wird er sich davon wieder erholen? Donnie ist jedenfalls der Schlüssel, der dafür sorgt, dass Jesses Dominanz über seine Angreifer gebrochen wird.
Dabei erfahren wir auch, warum Odin immun war: Er dient zwar Gott, aber nur seinem eigenen. Dem Gott des Fleisches und des Greifbaren. Jesse muss semantisch sehr spezifisch sein, wenn er seine Macht einsetzt, das dürfte er nun hoffentlich gelernt haben.
Und auch, dass sein Gott ihm nicht unbedingt hilft oder nahesteht, weswegen er um eine Fristverlängerung bittet. Am nächsten Sonntag will er den Herrn persönlich einladen und fragen stellen oder auf der Stelle aufgeben und denunzieren.
Hä?
Wie genau er das anstellen wird, ist eine offene Frage, ebenso, was die Bedeutung der letzten Szene ist, in der wir einen Mann sehen, der einen Alarm panisch ausmacht und sich dann auf seinen Stuhl setzt. Wer oder was löst den Alarm aus? Wird jemand eingesperrt oder was will uns die Szene sagen? Die Neugier ist auf jeden Fall da...
Fazit

Die Sternenbewertung von Preacher fällt mir jede Woche schwer. Ich sehe Elemente, die mir gefallen, nur, um dann von anderen Handlungssträngen oder dem seltenen Aufgreifen anderer Figuren (Tulip) enttäuscht zu werden. Ruth Negga ist eine tolle Schauspielerin, aber die Drehbuchschreiber lassen bei ihr so viel liegen, dass es wirklich schade ist. Denn die Beziehung zwischen Jesse und ihr ist meilenweit von der Vorlage entfernt, was in diesem Fall wirklich schade ist, weil es die Seriendynamik massiv bereichern könnte. Insgesamt muss das Trio aus Jesse, Tulip und Cassidy bald mehr in den Fokus rücken. Weswegen ich nur hoffen will, dass die erste Staffel auf ein krachendes Finale hinausläuft, wobei ich nun wieder nicht weiß, was dort passieren wird.
Jesse müsste zudem etwas charismatischer dargestellt werden, denn sonst wird er schon zu früh unsympathisch und verliert die Identifikationsfähigkeit für die Zuschauer. Allein Clive kann die Episode nicht retten, denn die Handlung darf sich nicht ständig im Kreis drehen, sonst verliert man Zuschauer.
Verfasser: Adam Arndt am Dienstag, 19. Juli 2016(Preacher 1x08)
Schauspieler in der Episode Preacher 1x08
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