Preacher 1x07

Preacher 1x07

Die Preacher-Episode He Gone beschäftigt sich mit der der Schuldfrage. Inwieweit ist Jesses teils impulsives Verhalten also dafür verantwortlich, dass einige Menschen aus seinem Leben gerissen werden?

Szenenbild aus der „Preacher“-Episode „He Gone“ / (c) AMC
Szenenbild aus der „Preacher“-Episode „He Gone“ / (c) AMC

In der mittlerweile siebten Preacher-Episode, die dieses Mal den Titel He Gone trägt, geht es um die Macht des Wortes und des Gebets. Denn sowohl in der Gegenwart als auch in der Vergangenheit glaubt Jesse (Dominic Cooper), für den Tod einer Person verantwortlich zu sein.

Am Ende der letzten Episode hat der Priester noch den jungen Eugene (Ian Colletti) zur Hölle gewünscht und seinen Wunsch per Genesis-Sprachbefehl offenbar gewährt bekommen. Cassidy (Joseph Gilgun) ist davon Zeuge. Doch Jesse will es nicht wahrhaben und ist den Großteil der Episode über abwesend bis apathisch.

Die Kirche selbst wird gut besucht, denn man scheint wieder Vertrauen in Jesse als Geistlichen zu haben, der halbe Wunder bewirken kann. Nur der Sheriff Hugo Root (W. Earl Brown) ist verständlicherweise aufgebracht, denn sein Sohn ist seit der Messe spurlos verschwunden und keiner kann ihm dazu etwas sagen.

Cassidy jedoch kann nicht anders und spricht gegenüber Jesse an, was er gesehen hat, denn der irische Vampir ist nun einmal geradeheraus. Doch Jesse bleibt verschlossen. Dafür hört Emily (Lucy Griffiths) mit halbem Ohr zu und kann sich nur ihren Teil denken. Wenn man den Kontext von Vampirismus und himmlischer Superkraft nicht kennt, klingt ihr Gespräch über Eugene allerdings auch reichlich merkwürdig.

Be Good

Wieder einmal erhalten wir einen Flashback zum jungen Jesse und seinem Vater, der ebenfalls Priester war. Dabei sehen wir, dass sich klein Jesse gegen die Schulrowdys auflehnt und diese gemeinsam mit Tulip auf die Krankenstation befördert, wobei einer sogar einen Nippel ärmer gemacht wird. Da Tulip aus einem kaputten Elternhaus stammt, ihre Mutter im Knast und ihr Onkel ständig betrunken ist, wird sie bei den Custers aufgenommen, wo sie zwar mit Jesse rangelt, aber sich auch im Haushalt nützlich macht, zumindest bis Jesses Vater das Jugendamt unterrichtet und die beiden trennt.

Für Jesse bricht somit eine Welt zusammen, da sich beide zuvor noch geschworen haben, zusammenzubleiben. Statt um Hilfe in der Schule betet er also, dass sein Vater umgebracht wird und kriegt schon bald die Quittung dafür. Jesse jedenfalls glaubt, dass sein Gebet seinen Vater dem Tode geweiht habe.

Die Flashbacks dürften dabei die Vorhut für eine Storyline sein, die sicherlich einen großen Teil der zweiten Staffel einnehmen könnte. Wir werden sehen.

Tulip versucht ihr Bestes

Klein Tulip und klein Jesse in %26bdquo;Preacher%26ldquo; © AMC
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Tulip (Ruth Negga) versucht, mit der texanischen Kleinstadtnormalität zurechtzukommen und jagt beispielsweise einigen Kindern nach, die die Hose ihres stets betrunkenen und kaum zurechnungsfähigen Onkels Walter geklaut haben. Sie erntet dafür bemitleidenswerte Blicke. Später will sie sich dann nützlich machen, indem sie für Jesse, Cassidy und Emily (Lucy Griffiths) Abendessen kocht.

Auf Cassidys Frage, was eigentlich aus ihrem Racheplan wurde, hat sie keine richtige Antwort griffbereit - und was nach dem One-Night-Stand im Auto aus den beiden wird, weiß sie ebenso wenig. Beide haben dem gemeinsamen Bekannten jedenfalls nichts davon erzählt. Während sich Tulip damit brüstet, seine Ex zu sein und ihn deswegen zu kennen, behauptet Cassidy, sein bester Freund zu sein, hat ihm die ganze Vampirsache aber bisher noch nicht mitgeteilt. Tulip versucht durch die Frage nach seinem Lieblingsfilmstar zu untermauern, dass er ihn nicht kennt. Die Antwort lautet John Wayne und mag für die Zuschauer, die nur die Serie kennen, nichts weiter bedeuten, Comicleser wissen in der Richtung aber schon mehr. Ob seine Obsession mit dem Westernhelden also noch in die AMC-Serie eingebaut wird, muss sich zeigen. Am ehesten dann bei der Storyline, die die Flashbacks andeuten.

Victory or Death

Obendrein ist Jesse von der Kirchentheaterübung wenig überzeugt, weil ihm die Darsteller nicht glaubhaft machen können, dass sie Angst vor dem Ende der Welt haben, aber wegen des Eugene-Vorfalls ist er ohnehin besonders grumpy. Seine Laune wird nicht besser, als Odin (Jackie Earle Haley) zu Besuch kommt und sein Land einfordert. Denn, anders als Jesse glaubt, ist der Energie- und Fleischmagnat nicht zum Christen geworden. Inzwischen ist sein Bürgerkriegsminiaturmodell fertig und metaphorisch gesehen sind somit seine Truppen in Stellung. Doch, bevor es zum Angriff kommt, will er Jesse zu verstehen geben, worauf er sich einlässt, denn, was Odin nicht freiwillig bekommt, nimmt er sich mit Gewalt.

Das ganz und gar nicht perfekt Dinner

Das von Tulip vorbereitete Dinner gleicht einer Katastrophe, denn Jesse isst schweigend und mürrisch sein Mahl, während Cassidy um Konversation bemüht ist. Tulip platzt schließlich der Kragen und sie will wissen, was Jesses Problem ist, doch das erfahren wir nicht, weil der Sheriff erneut auftaucht, um zu erfahren, ob jemand Eugene gesehen hat. Das Chaos ist perfekt, als das Essen im Backofen in Flammen aufgeht, weil Tulip Vanilleextrakt falsch eingesetzt hat.

Der Sheriff wird derweil mit einer Lüge abgefrühstückt, in die nun auch Emily eingebunden wird. Wenn er da mal nicht misstrauisch wird... Cassidy versucht, seinen Kumpel zur Vernunft zu bringen und meint, dass er nicht einfach so einen unschuldigen Jungen verbannen kann. Dabei teilt Jesse dem Iren mit, was damals wirklich passiert ist. Tracy Loach war vor dem Vorfall eines der beliebtesten Mädchen an der Schule und Eugene hatte sich in sie verliebt. Nachdem sie ihm eine Abfuhr erteilt hatte, hat Eugene ihr erst per Schrotflinte die Hälfte des Gesichts weggeschossen und das dann bei sich wiederholt (in der Comicvorlage hat übrigens auch noch Kurt Cobain von Nirvana etwas damit zu tun).

Trotz allem scheint der Vampir sehr viel rationaler zu sein als der Geistliche, der stets von einem Plan Gottes redet, aber eigentlich schon längst die Kontrolle verloren hat. Vielleicht ist das nicht der allerbeste Moment, um ihm zu zeigen, dass er ein Vampir ist und ich würde auch sagen, dass das nicht der beste Weg ist, denn der scheint ziemlich suizidal zu sein. Cassidy könnte ihm auch sagen, dass er ein Vampir ist - in einer Welt, in der das Ergebnis aus Engel und Dämon in ihm haust, könnte er wohl auch glauben, dass sein Kumpel ein Blutsauger ist.

Die Autoren brauchten allerdings klar einen action beat in dieser ansonsten sehr ruhigen Episode, die versucht, die Vergangenheit gewisser Figuren näher zu beleuchten und das Schuldthema in den Mittelpunkt zu rücken. Jesse ist gleich dreimal schuld: an Eugenes Verschwinden, an Tulips Abholung durch das Jugendamt und am Tod seines Vaters (glaubt er zumindest).

Ob oder was er im Falle Cassidys unternimmt, sehen wir nicht, außer, dass er den Feuerlöscher wieder ins Haus bringt und auch noch Emily vergrault, die ihn immer unterstützt und ihm geholfen hatte. In gewisser Weise ist Jesse an einem Tiefpunkt angelangt. Er ist allein und ohne Unterstützer und genau dann marschiert Odin mit seiner Blaumanncrew an. Doch davon kriegt er nichts mit, weil er verzweifelt den Boden der Kirche einreißt, in der Hoffnung, dass Eugene sich dort befinden könnte.

Fazit

Odin und seine Blaumanncrew in %26bdquo;Preacher%26ldquo; © AMC
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Die Preacher-Autoren versuchen es mit He Gone mit einer auf einen Charakter fokussierten und ziemlich dabei ruhigen Episode. Dabei fehlt aber leider auch die Dramatik und das Tempo, das in manch anderer Episode ein Pluspunkt war. Diesmal wirkt die Folge daher behäbig und trotz der relativ kurzen Zeit stellenweise langatmig und nichtssagend. Jesses Laune wird auf die Episodenqualität übertragen, die leider immer noch von Folge zu Folge sehr wechselhaft ist.

Es wäre schade, wenn es das mit Eugene schon gewesen wäre. Das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich, denn Jesse hat Hintergründe zu ihm und seinem Aussehen verraten. Da sein Vater aber noch da ist, dürfte die Storyline noch nicht ganz zu Ende sein.

Cassidy sollte hart im Nehmen sein, auch wenn die Autoren hier unverständlicherweise nach dem Entflammen nichts Konkretes mehr gezeigt haben. Ist das wirklich schon eine Budgetfrage oder woran liegt das?

Läuft es tatsächlich auf eine Zerstörung der Kirche hinaus, damit Odin seine Macht und seinen Einfluss stärken kann? Und was haben sich die Autoren dann für die Folgen danach aufgespart? Gibt es ein kleines endgame für die Staffel? So richtig vorstellen kann man es sich nicht, manches aber wohl erahnen.

Verfasser: Adam Arndt am Montag, 11. Juli 2016
Episode
Staffel 1, Episode 7
(Preacher 1x07)
Deutscher Titel der Episode
Wo ist Eugene
Titel der Episode im Original
He Gone
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 10. Juli 2016 (AMC)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 11. Juli 2016
Erstausstrahlung der Episode in Österreich
Montag, 11. Juli 2016
Regisseur
Michael Morris

Schauspieler in der Episode Preacher 1x07

Darsteller
Rolle
Lucy Griffiths
W. Earl Brown
Derek Wilson
Ian Colletti
Tom Brooke
Anatol Yusef

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