Pörni 1x01

© Netflix
Die norwegische Serie Pörni wurde schon 2021 zum Ereignis. Zu dem Zeitpunkt ging sie in ihrem Heimatland auf Sendung und wurde fast über Nacht zur meistgestreamten Serie überhaupt in Norwegen. Während sie ihren Siegeszug mit einer zweiten Staffel weiterführte, wurde ein Deal geschlossen, der noch mehr Aufmerksamkeit mit sich brachte. Streaming-Gigant Netflix kaufte die Rechte und schickte gleich zwei weitere Staffeln in Produktion. Nun sind alle vier Staffeln an einem Tag in Deutschland erschienen und treffen auch hierzulande auf großes Interesse. Werfen wir einen Blick darauf, was hinter diesem schöne, rätselhaften Hype steckt.
Wovon handelt die Serie „Pörni“?
Pörni (Henriette Steenstrup), eigentlich Pernille, ist eine Frau in ihren 40ern. Sie ist von ihrem Exmann, einem unzuverlässigen Schriftsteller, geschieden, zieht ihre beiden Töchter Hanna (Vivild Falk Berg) und Sigrid (Ebba Jacobsen Öberg) alleine auf, unterstützt von ihrem Vater Ole Johan (Nils Ole Oftebro). Sie arbeitet beim Jugendamt, wo sie mit Herzblut, aber auch zunehmender Abgeklärtheit, über die Zukunft von Familien entscheidet.
Nun ist vor einiger Zeit ein Tod in ihr Leben getreten, der Tod ihrer Schwester, mit der sie viel verbunden hat. Was genau geschehen ist, erfahren wir erst im Verlauf der Serie, aber was von Anfang an klar ist: Pörni nimmt die Aufgabe an, ihren Teenager-Neffen Leo bei sich aufzunehmen nachdem der seine Mutter verloren hat.
Nun hat Pörni also einige Baustellen abzuarbeiten, privat wie beruflich, die fast immer in die Dynamik fallen, in der sie die Trostspenderin und Starke sein muss. Doch wie kann sie verhindern, dabei selbst auf der Strecke zu bleiben?
Wie kommt es rüber?
Manche Serien schaffen es bereits mit den ersten Minuten den Ton zu legen, so auch diese norwegische Perle. Wir lernen Pörni kennen als sie ihren Vater ins Krankenhaus begleitet. Er hat gerade eine furchtbare Diagnose erhalten und sie will ihn stützen. Während er untersucht wird, ruft sie die Mailbox ihrer Schwester an um ihre Sorgen mit ihr zu teilen. Doch auf dem Rückweg ist die Laune eine andere. Das Labor hat die Werte verwechselt, Ole Johan ist fit wie ein Turnschuh und was uns bleibt ist die Einsicht, dass die kürzlich angerufene Mailbox einer Toten gehört. Plötzlich gesteht ihr Vater ihr, dass er schwul ist. Das kommt offenbar nicht sonderlich überraschend für Pörni. Doch wir stecken direkt mitten drin, im alltäglichen Wahnsinn des Lebens, wie es jeder kennt, natürlich fürs Fernsehen hochgeschürt, aber vom Gefühl sehr bekannt.
Pörni ist eine Serie über eine starke, aber menschlich-unperfekte Frau in ihren 40ern, die ihr Leben mit ihren Kindern größtenteils auf eigene Faust bestreitet, in einer Gesellschaft, die es ihr nicht immer einfach macht. Die Serie tritt damit in die Fußstapfen großartiger Serien, die zuvor kamen. In den USA hat Pamela Adlon mit Better Things die Thematik mit trockenem Humorr auf die Mattscheibe gebracht. Hierzulande fällt unter anderem die wunderbare Serie Tina mobil ein, die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde.
Die norwegische Serienmacherin nimmt die Story und fügt dem alltäglichen Wahnsinn eine große Prise Herz hinzu, die jedoch an keiner Stelle in Kitsch kippt. Sie ist eine Heldin und Anti-Heldin in einem und schafft es, die positive, aber authentische Stimmung der Geschichte mühelos aufrecht zu erhalten, durch jedes kleine, mittelgroße und desaströse Drama hindurch.
Am Ende kommt dabei eine Art Feelgood-Serie heraus für Zuschauer:innen, die sich gut fühlen wollen, ohne die oftmals harte Realität zu verdrängen. Pörni gibt Hoffnung, dass man in einer unfairen Welt eine aufrichtige Person sein kann, dass man Pech haben und trotzdem zum Glück findet, dass nichts perfekt sein muss um zufrieden zu machen.
4 von 5 Sterne
Verfasser: Loryn Pörschke-Karimi am Sonntag, 11. August 2024(Pörni 1x01)
Schauspieler in der Episode Pörni 1x01
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