Person of Interest 3x08

„Wait! That's my grenade launcher?“ (Du musst aber auch besser auf Deine Sachen Acht geben, John, sonst kommen sie weg...)
Das passiert in der Person of Interest-Folge Endgame:
Carter (Taraji P. Henson) setzt im Alleingang ihren Feldzug gegen HR fort. Gegenüber Quinn (Clarke Peters) tut sie so, als ob sie die Ermittlungen gegen die Mörder Cals eingestellt habe. Tatsächlich verfolgt sie die Spur jedoch weiter. Sie findet heraus, dass HR den Mafiaclan von Peter Yogorov (Morgan Spector) mit dem Mord beauftragt hat. Sie nutzt einen finanziellen Disput zwischen HR und den Russen, um Zwietracht zwischen beiden Gruppen zu säen. Sie überfällt einen Drogentransport der Russen und spielt ihnen - mit Unterstützung von Elias (Enrico Colantoni) - Informationen über HR zu. Ein Krieg beider Gruppen steht unmittelbar bevor.
Carter verzichtet auf die Hilfe von John (Jim Caviezel), weil sie fürchtet, dass HR Beweise für ihre Zusammenarbeit finden könnte, um sie - wegen der Komplizenschaft mit einem vermeintlichen Kriminellen - zu diskreditieren. John und Harold (Michael Emerson) merken jedoch schon bald, was los ist. Denn die Maschine spuckt auf einen Schlag 38 neue Nummern aus, alles Mitglieder von HR. Und das ist erst der Anfang...
Sonnenschein
Es gibt aktuell gleich zwei Dinge, die den Person of Interest-Fan glücklich stimmen können: auch in Deutschland gewinnt die Serie zunehmend an Popularität; am Dienstag kam eine Wiederholung der Serie auf RTL bei den 14- bis 59-Jährigen auf einen Marktanteil von 17 Prozent. So gut lief es für die Serie seit der Erstausstrahlung der Pilotfolge nicht mehr. Zugleich beweisen die aktuellen Folgen in den USA, auf welchem konstant hohen erzählerischen Niveau sich die Serie bewegt. Von Highlights kann man da gar nicht mehr sprechen. Einfach weil jede der vergangenen Folgen für sich genommen so unfassbar gut und unterhaltsam ist.
Wer wird sterben?
Nehmen wir nur einmal das geschickte Spiel mit den Erwartungen in Endgame: Die Serie scheint uns ja in der Tat nahelegen zu wollen, dass eine der Hauptfiguren den Dreiteiler nicht überleben wird. Aber welche? Der Episodentrailer hatte sich ganz auf die (noch bevorstehende) Gefahr für Fusco (Kevin Chapman) konzentriert. Endgame drehte sich allerdings primär um Carter. Gleich in mehreren Szenen (etwa, als sie Fusco sagt, dass er der beste Partner gewesen ist, den sie jemals hatte, oder auch am Telefon mit ihrem Sohn) konnte man den Eindruck gewinnen, dass es sich um Abschiede handelt. So, wie man es als Zuschauer von US-Serien kennt, die eine Hauptfigur das Zeitliche segnen lassen. Da wird das meist genau so vorbereitet.
Und tatsächlich spricht bis zum Schluss sehr viel dafür, dass es Carter treffen würde. Die Art, wie sie sich im Alleingang in äußerste Gefahr begibt. Sie sieht ihrer Exekution schon entgegen, als sich plötzlich herausstellt, dass sie doch jemanden um Hilfe gebeten hat, nämlich Finch und Reese. Die Gefahr für sie scheint abgewendet, doch nun ist es John, der auf der Abschussliste steht.
Schon in der Vergangenheit ist ja häufiger mal kritisch in den Kommentaren angemerkt worden, dass HR doch eigentlich schon längst ein Bild von ihm haben und ihn jagen müsste. Das ist vielleicht ganz richtig. Erzählerisch ist es aber natürlich viel schöner, dass daraus ein großer, fetter plot point in Gestalt eines Cliffhangers gemacht wird. So lange ist John ihnen immer - egal wie plausibel oder unplausibel das jetzt sein mag - entwischt. Doch nun hat Simmons (Robert John Burke) ein Foto von ihm und erklärt die Jagd für eröffnet.
Unsicherheit
Das ist eine hochspannende Entwicklung. In jeder anderen Serie würde man sagen: Nein, der Hauptfigur kann doch unmöglich etwas passieren! In Person of Interest kann man sich da aber nicht so ganz sicher sein. Schließlich wurde mit Shaw (Sarah Shahi) erst kürzlich eine Figur eingeführt, welche die Funktion von Reese problemlos übernehmen könnte. Ich persönlich rechne nicht damit, dass dies passieren wird. Schließlich wird es sicherlich am Ende der nächsten Folge wiederum eine überraschende Wendung geben. Nur der Grad der Unsicherheit ist eben deutlich höher als normal. Was in anderen Serien nahezu ausgeschlossen ist, hier könnte es passieren... Und das ist es, was die Sache so spannend macht.
Alleingang
Carters Alleingang wird derweil nicht nur dadurch motiviert, dass sie HR keine Argumente zur Verteidigung (so nach dem Motto: „Das hat Carter doch nur alles mit dem kriminellen Mann im Anzug ausgeheckt und erfunden“) in die Hand spielen will. In Rückblenden sehen wir außerdem, wie sie sich allein um ihren Sohn Taylor (Kwoade Cross) kümmern musste, weil ihr (Ex-) Mann Paul (Laz Alonso) nach seiner Rückkehr aus dem Krieg psychisch zu labil gewesen ist. Diese Erfahrung, das legt uns die Episode nahe, ist der Schlüssel dazu, warum Carter meint, alles allein schaffen zu müssen. Überraschend stellt sich heraus, dass Paul - anders als zumindest der Rezensent bislang glaubte - immer noch am Leben ist und er sich um Taylor kümmert, als Joss sicher gehen muss, dass ihr Sohn nicht in die Schusslinie gerät. Taylor ist es am Ende auch, der ihr klar macht, dass es sehr wohl Menschen gibt, an die sie sich für Hilfe wenden kann.
In der Story liegt eine gewisse Ironie: schließlich hat Carter ja gerade ihren Ex-Mann so hart dafür kritisiert, dass er sich nicht Hilfe gesucht hat! So oder so ist Endgame nicht nur ein spannender Thriller rund um korrupte Cops und russische Mafiosi, sondern auch eine sehr interessante Charakterstudie.
Als erstes lasst uns alle Anwälte töten! (Shakespeare)
Wenn es etwas an Endgame auszusetzen gibt, dann lediglich die Sache mit dem Richter: dass dieser Carter verraten würde (was genau das ist, wovor Yogorov sie bereits gewarnt hatte), war von dem Moment an absehbar, als sie zum Telefon gegriffen hat. Besser wäre es vielleicht gewesen, wenn man einen Richter genommen hätte, den wir bereits kennen (etwa den aus Judgement) und dem wir vertrauen, so dass der Verrat ein echter Schock gewesen wäre.
Außerdem muss man sich natürlich die Frage stellen, warum Carter überhaupt zu einem Richter geht und sich nicht - wie bei den anderen HR-Mitgliedern - einfach an das FBI wendet. Aber das sind nur kleine Schönheitsfehler in einer ansonsten mal wieder sehr gelungenen Episode.
Fazit
Ach, wenn doch nur schon wieder Mittwoch wäre! Person of Interest ist derzeit der spannende Höhepunkt jeder Woche. Und, ja, wir wollen Bear auf jeden Fall mit schusssicherer Weste in Action sehen!
„To be or not to be, bitch.“ (Simmons versucht sich an Shakespeare)
Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 13. November 2013Person of Interest 3x08 Trailer
(Person of Interest 3x08)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?