Person of Interest 3x07

„Don't be jealous, Harold. Mom still loves us both.“ (Eine schrecklich postmoderne Familie...)
Das passiert in der Person of Interest-Folge The Perfect Mark:
Hayden Price (Aaron Staton) ist ein Hypnotherapeut, der seine Fähigkeiten für kriminelle Zwecke einsetzt. Das findet das PoI-Team sehr schnell heraus, nachdem die Maschine Haydens Nummer ausgespuckt - und sich Harold (Michael Emerson) bei dem betrügerischen Therapeuten auf die Couch gelegt hat. Hayden benutzt Informationen, die er in den Hypnose-Sitzungen abgreift, um beispielsweise die Sicherheitsfragen beim Online-Zugriff auf die Bankkonten seiner Patienten austricksen zu können.
Hayden will einen letzten großen Beutezug wagen, um sich mit seiner Freundin Natalie (Jennifer Ferrin) ins Ausland absetzen zu können. Sein Opfer soll ein schwedischer Kunsthändler sein, der bei ihm in Behandlung ist. Was er jedoch nicht ahnt: der Schwede betreibt Geldwäsche für HR. Das Geld gehört also den korrupten Cops. Und die setzen den kleinen Betrüger natürlich prompt auf ihre Abschussliste...
Das Festmahl geht weiter
Wow! Wer den Trailer für The Perfect Mark in der vergangenen Woche gesehen hat, der musste eigentlich damit rechnen, dass nach den beiden Gourmet-Episoden der letzten Wochen nun wieder eine „normale“ Folge auf den Bildschirm kommen würde, in der ein abgeschlossener Fall-der-Woche im Mittelpunkt steht und die fortlaufenden Geschichten bestenfalls am Rande behandelt werden würden.
Doch weit gefehlt! Person of Interest behält sein Tempo und seine Komplexität unvermindert bei. Der an sich schon wunderbar verwickelte Fall-der-Woche und der HR-Strang hängen erneut zusammen. Carters (Taraji P. Henson) und Reeses (der für einen People's Choice Award als beliebtester Darsteller nominierte Jim Caviezel) Zufallsbegegnungen bei der Verfolgung ihrer jeweiligen Fährten gehören damit schon fast zu den Standardelementen der Serie...
Der betrogenene Betrüger
Aber Spaß beiseite: der Fall-der-Woche ist wirklich überraschend und wendungsreich erzählt - mit einer Auflösung, auf die der Rezensent nie im Leben gekommen wäre! Natalie schien doch so ein nettes Mädchen zu sein, welches sich lediglich mit dem falschen Mann eingelassen hat. Doch hier unterliegen wir der gleichen Täuschung wie Hayden und das PoI-Team (ich hab die Bezeichung jetzt in Ermangelung eines tatsächlichen Teamnamens einfach mal so aus einer CBS-Pressemeldung übernommen...). Obwohl wir zuvor keinerlei Hinweise darauf erhalten haben, dass Natalie vielleicht selbst eine Betrügerin sein könnte, kommt einem das Ende absolut rund vor: mit einem betrogenen Betrüger. Welch poetische Gerechtigkeit!
Diese Geschichte macht an sich schon Spaß. Und gewinnt natürlich noch enorm an Spannung durch die Verstrickung mit HR.
Punktabzug
Die Logiker unter uns könnten sich natürlich ein bisschen darüber mokieren, dass die Maschine nur die Nummer von Hayden herausgibt, nicht aber die des Schweden, obwohl dieser doch genau so in Lebensgefahr schwebt. Dadurch wären dem Team die Zusammenhänge natürlich viel schneller klar geworden. Aber wir wären um eine Plotwendung gebracht worden. Von daher kann man über dieses kleine Manko schon hinwegsehen.
Auch dass Elias (Enrico Colantoni) hier im Grunde nur zu dem Zweck hervorgeholt wird, die Geldwäsche-Operation zu erklären (welche letztlich genau so funktioniert, wie es sich der Zuschauer auch schon denken konnte), ist ein kleiner Minuspunkt. Der aber allein schon durch die unübertreffliche Präsenz Colantonis wieder wettgemacht wird. Außerdem - und das hatte ich in der vergangenen Woche schon im Zusammenhang mit HR ausgeführt - ist es für die Serie und ihre Komplexität insgesamt natürlich sehr gut, dass sie ein so großes Tableau an Figuren und Handlungssträngen zur Verfügung hat.
Bälle in der Luft
Und dass Figuren wie Elias nicht einfach in der Versenkung verschwinden, sondern wir selbst durch kleine Auftritte wie den in The Perfect Mark daran erinnert werden, dass sie zu den Bällen gehören, die unsere Figuren jonglieren müssen. Das Gleiche gilt ja in dieser Folge auch für Root (Amy Acker): die beiden Szenen mit ihr tragen jetzt nicht wirklich sehr viel Neues zum Handlungsstrang rund um sie und die Maschine bei. Aber es wäre natürlich sehr seltsam gewesen, wenn man sie nach ihrer Gefangennahme in der vergangenen Episode nun gar nicht gesehen hätte. Ihre beiden Auftritte sorgen für ein Gefühl der Kontinuität - und vermitteln einen Eindruck davon, womit es die Hauptfiguren zu tun haben. Harold muss sich eben nicht nur um den Fall-der-Woche kümmern, sondern hat eben auch noch seinen „Hausgast“ an der Backe.
Fusco (Kevin Chapman) hat einen immer noch viel zu geringen, aber immerhin ein wenig größeren Anteil an der Folge als in den beiden Wochen zuvor. Der Vorschau nach „54894“ scheint sich das aber ab der kommenden Episode zu ändern.
Cliffhanger
Womit wir auf das Ende von The Perfect Mark zu sprechen kommen: es sieht tatsächlich so aus, als ob der HR-Strang auf ein Finale zuläuft. Carter erschießt das Ekel Terney (Al Sapienza), nachdem dieser den gerade erst vollständig geläuterten Laskey (Brian Wiles) getötet hat, und erfährt von dem sterbenden HR-Cop - in einer letzten blutigen Geste -, dass ausgerechnet Cals Patenonkel Quinn (Clarke Peters) der Boss von HR ist.
The Perfect Mark endet mit einem wahrlich dramatischen Wendepunkt: Carter muss erkennen, dass sie bislang dem völlig falschen Menschen getraut hat. Nun, da sie den Kopf der Organisation kennt, dürfte alles auf eine letzte, entscheidende Konfrontation hinauslaufen. Die Ankündigung von CBS, dass uns mit Beginn der kommenden Folge ein „3 Episode Event“, sprich ein Dreiteiler, ins Haus steht, unterstreicht nur noch die Wucht dieses Cliffhangers.
Fist Bump!
Neben all den großen Entwicklungen sollen aber auch die kleinen Momente nicht vergessen werden, die The Perfect Mark zu einer so vergnüglichen Folge machen: der fist bump von Reese und Carter, der sicher nicht nur den Rezensenten hat aufjauchzen lassen; ihr Lächeln, als der von Elias empfohlene Wein tatsächlich den versprochenen „exquisiten Abschluss“ hat... Hat The Perfect Mark auch wenig Raum für die Figurenentwicklung übrig, so sind es diese vermeintlich kleinen Gesten, die doch immens wichtig sind, die Lebendigkeit und Lebensnähe der Figuren auch durch eine zumeist plotgetriebene Geschichte hindurch zu transportieren.
Fazit
Erinnert sich noch jemand an den schwachen Einstieg mit der Matrosen-Episode? Mittlerweile hat die dritte Staffel von Person of Interest das längst vergessen gemacht. Die Serie bietet spannende und actiongeladene Unterhaltung auf höchstem Niveau. Und die Vorschau lässt einen das Schlimmste befürchten - und zugleich nägelkauend die Tage bis zur nächsten Folge herunterzählen.
Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 7. November 2013(Person of Interest 3x07)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x07
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?