Person of Interest 3x06

Person of Interest 3x06

Root braucht Shaw für eine Mission. Doch worin diese besteht, das weiß sie selbst nicht so genau. Den Blick für das Große und Ganze überlässt sie der Maschine. Finch versucht unterdessen einem Nachlassermittler zu helfen, der den Mördern seines Bruders auf der Spur ist - und dabei in ein gefährliches Wespennest sticht.

Haben sich nicht zusammengetan, um Spaghetti zu kochen: Root (Amy Acker, l.) und Shaw (Sarah Shahi, r.). / (c) Giovanni Rufino/Warner Bros. Entertainment Inc.
Haben sich nicht zusammengetan, um Spaghetti zu kochen: Root (Amy Acker, l.) und Shaw (Sarah Shahi, r.). / (c) Giovanni Rufino/Warner Bros. Entertainment Inc.

Das passiert in der Person of Interest-Folge Mors praematura:

I suppose it's too much to hope that she tasered herself.“ / „Knowing Shaw, I'd say that it's possible...“ (Finch und Reese denken in alle Richtungen...)

Finch (Michael Emerson) und Reese (Jim Caviezel) entdecken, dass Shaw (Sarah Shahi) von Root (Amy Acker) entführt worden ist. Bald schon findet Reese jedoch Anzeichen dafür, dass die beiden Frauen jetzt zusammenarbeiten. Root hat nämlich Shaw davon überzeugt, dass sie im Auftrag der Maschine tätig ist. Und dass es um eine Mission geht, von welcher der Fortbestand der Maschine und damit das Überleben tausender Menschen abhängt.

Während Reese die beiden Frauen sucht, ist Finch damit beschäftigt, sich um eine neue Nummer zu kümmern: Er hat sich undercover bei Timothy Sloan (Kirk Acevedo, Fringe) eingeschleust, der als Nachlassermittler für die Stadt tätig ist, um die Erben von Verstorbenen zu finden. Als Finch Sloan bei einem Einbruch beoachtet, kommt heraus, dass dieser den Mord an seinem Bruder aufzuklären versucht. Und dass es möglicherweise genau diese Ermittlungen sind, die ihn nun selbst in Lebensgefahr bringen...

Schlag auf Schlag

Mors praematura macht genau dort weiter, wo Razgovor aufgehört hat. Und liefert exakt die Art von spannender Unterhaltung, die man bereits im Vorfeld von dieser Folge erwarten konnte: Root rekrutiert Shaw für eine gemeinsame Mission. Finch versucht, den Fall-der-Woche im Alleingang zu bewältigen, was für ihn nicht nur beinahe mit einem flammenden Inferno endet, sondern ihn und Reese wieder auf die Spur jener geheimnisvollen Organisation aus Nothing to Hide bringt, die für den Datenschutz sogar vor Mord nicht zurückschreckt. Der CIA ist nicht zu trauen. Und Laskey (Brian Wiles) erfährt, während er unter der ständgen Observation von Carter (Taraji P. Henson) steht, erstmals mit voller Härte, was es heißt, ein Mitglied von HR zu sein.

Es geht Schlag auf Schlag. Über Langeweile kann man in Mors praematura wahrlich nicht klagen. Der Fall-der-Woche und die übergreifende Handlung sind erneut miteinander verknüpft, was sich bereits abzeichnet, als davon die Rede, dass Sloans Bruder ein Hacker gewesen ist, und spätestens mit der Lagerhaus-Szene zur Gewissheit wird.

Dritte Kategorie

Wenn es etwas gibt, was man an dieser Folge kritisieren könnte, dann ist es allenfalls, wie schnell und im Grunde mühelos Root Shaw davon überzeugt, dass sie tatsächlich auf einer Mission für die Maschine unterwegs ist. Da hätte man auf Seiten Shaws eigentlich noch mit einem deutlich größeren Misstrauen rechnen können, gerade wenn man die Geschichte der beiden Figuren miteinander (Relevance) bedenkt. Aber gut, dem zügigen Erzählfluss wegen halten sich die Macher damit nicht lange auf. Schließlich ist es auch viel spaßiger, die beiden als - wenn auch vorerst nur temporäres - Team zu sehen.

Ausgesprochen faszinierend ist, was durch die Rückfragen Shaws über das Verhältnis von Root und die Maschine ans Tageslicht kommt. Offensichtlich gibt es neben der relevanten und der irrelevanten Liste nun eine dritte Kategorie von Missionen, deren genaue Natur jedoch noch im Dunkeln liegt. Bedenkt man, dass es hier um eine Aktion geht, die letztlich gegen Collier (Leslie Odom, Jr.) und seine Gruppe gerichtet ist (welche ohne zu zögern die Maschine vernichten würde, wenn sie jemals von ihrer Existenz erführe), so liegt der Verdacht nahe, dass es sich um die Kategorie Selbsterhaltung handelt. Bereits in Super hatten wir ja davon gehört, dass die Maschine einen Sinn für Selbsterhaltung besitzt.

Ergebene Dienerin

Root wäre dafür auch das perfekte Werkzeug. Sie ist der Maschine gegenüber komplett ergeben. Sie handelt auf - kurzfristigen - Zuruf, ohne, wie wir jetzt wissen, überhaupt Kenntnis davon zu haben, was die Maschine letzten Endes vorhat. Ihr Vertrauen in sie ist absolut. Deshalb stellt sie auch keine Fragen. Harold bearbeitet die Nummern, welche die Maschine ihm gibt, aber er wäre wohl niemals dermaßen... folgsam.

Nun stellt sich natürlich tatsächlich die Frage: Wie wird die Maschine darauf reagieren, dass Harold Root in einen Käfig gesperrt hat? Letzteres ist übrigens natürlich eine schlicht geniale Story-Wendung: Erst lässt sich Root frewillig in einen Käfig sperren, um Sloans Bruder aus den Händen der CIA zu befreien. Dann landet sie - diesmal aber unfreiwillig und nach einem gepfefferten Kinnhaken von Shaw - in Finchs Käfig. Die Frage hier ist wohl nicht, ob, sondern nur wie lange das wohl gut geht.

Vigilance

Mors praematura entfaltet außerdem sehr schön das Spannungsfeld, in dem die Handlung von Person of Interest in der dritten Staffel steht: auf der einen Seite die US-Regierung, die sich - wer hätte das gedacht? Frau Merkel bestimmt nicht! - an keine Gesetze und keine Abmachungen hält. US-Bürger werden illegal an mobilen black sites festgehalten, ohne dass man ihnen ihre verfassungsmäßigen Rechte gewährt. Ein Symbol für den gemeingefährlichen Allmachtswahn der US-Regierung. Auf der anderen Seite eine Gruppe von Hackern, die in die Gewalttätigkeit abgedriftet sind und - sich in der Tradition der amerikanischen Gründerväter sehend - eine neue amerikanische Revolution gegen den allmächtigen Überwachungsstaat entfachen wollen.

Welch grandiose und spannende Konstellation!

Erstmals erfahren wir etwas Näheres über die Gruppe: Sie nennt sich also selbst Vigilance, zu Deutsch Wachsamkeit, was einem Zitat von Thomas Jefferson entlehnt ist („Eternal vigilance is the price of liberty“). Und sie vermeidet es, via E-Mail oder auf einem anderen elektronischen Weg zu kommunizieren. Stattdessen schreiben die Mitglieder verschlüsselte Nachrichten auf die Wände von anmietbaren Einlagerungs-Räumen. Mit unsichtbarer Tinte. Was per se schon ein cooles Konzept ist und auch genau so aussieht.

Natürlich stellt sich ein bisschen die Frage, wie die Maschine von den genauen Umständen des bevorstehenden Überfalls auf den CIA-Transport gewusst haben kann, wenn die Vigilance-Mitglieder doch überhaupt nicht elektronisch miteinander in Verbindung stehen. Und Harold entdeckt die Schrift erst, nachdem Root und Shaw bereits die Vorbereitungen für die Befreiungsaktion getroffen haben. Er kann also nicht die Quelle dafür gewesen sein. Denkbar wäre natürlich, dass ein Vigilance-Mitglied im Vorfeld unvorsichtig geworden und doch etwas auf elektronischem Weg übermittelt hat. Aber aus der Episode selbst geht das nicht hervor.

Wenn etwas so viel Spaß macht, wie diese Folge von Person of Interest, dann soll ein kleiner Ausrutscher bei der Handlungslogik aber kein großer Einwand sein!

HR

Der Handlungsstrang rund um Carter und Laskey hat derweil wohl vor allem zum Ziel, dass er nicht länger nur zur Mitarbeit erpresst wird, sondern eine eigene Motivation erhält, sich gegen HR zu wenden. Manche Leser haben in der Vergangenheit ja für eine Beendigung der HR-Story plädiert. Dem würde ich an dieser Stelle jedoch gerne widersprechen: Was Person of Interest ja gerade gegenüber vielen anderen Krimiserien auszeichnet, ist die Vielschichtigkeit bei den fortlaufenden Handlungssträngen: es gibt eben nicht nur einen großen, folgenübergreifenden Gegner, sondern ganz viele. Und auf vielen verschiedenen Ebenen. HR, die Russen-Mafia, die Italiener rund um Elias, die CIA, Decima, jetzt auch noch Vigilance. Es sind ständig gleich mehrere Bälle in der Luft, was zur Spannung und Lebendigkeit der Serie beiträgt.

Fazit

Jemand hat vorgeschlagen, einfach jeder Folge mit Root fünf Sterne zu geben. So weit würde ich nicht gehen. Aber es stimmt schon: nicht zuletzt dank der formidablen Amy Acker präsentiert sich Person of Interest mit Mors praematura wieder einmal in großartiger Form.

Shaw.“ / „Reese.“ / „Got to save somebody.“ / „Know the feeling.“ (Bester. Dialog. Überhaupt.)

Verfasser: Christian Junklewitz am Mittwoch, 30. Oktober 2013
Episode
Staffel 3, Episode 6
(Person of Interest 3x06)
Deutscher Titel der Episode
Tote leben länger
Titel der Episode im Original
Mors Praematura
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Dienstag, 29. Oktober 2013 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Montag, 5. Mai 2014
Regisseur
Helen Shaver

Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x06

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?