Person of Interest 3x01

Das passiert in der Person of Interest-Folge Liberty:
Die Maschine liefert wieder Zahlen an Finch (Michael Emerson) und Reese (Jim Caviezel), um welche Letzterer sich gemeinsam oder abwechselnd mit ihrer neuen Partnerin im Bunde, Shaw (Sarah Shahi), kümmert. Finch ist mit den Leistungen des Neuzugangs sehr zufrieden. Mit einer Ausnahme: Wenn Shaws Lösungen doch bloß nicht immer so gewalttätig wären!
Da erhält Finch eine neue Nummer: die neue Person of Interest ist der junge Navy-Matrose Jack Salazar (Rey Valentin), der sich im Zuge der so genannten Fleet Week auf Landgang befindet - und schon sehr bald in Schwierigkeiten gerät, aus denen ihm nur noch Reese und Shaw heraushelfen können.
Root (Amy Acker) sitzt derweil in einer psychiatrischen Klinik ein. Ihr Psychiater Dr. Carmichael (Bruce Altman) versucht sie von der Stimme zu kurieren, die Root hört. Das stellt sich jedoch als schwierig heraus. Denn schließlich steht Root immer noch im Kontakt mit der Maschine...
Alles neu macht der... September
Person of Interest ist zurück aus der Sommerpause! Das allein ist schon mal ein Grund zur Freude! Anders als im Vorjahr gilt es jedoch nicht, einen großen Cliffhanger aufzulösen; entsprechend liegt der Schwerpunkt von Liberty auf dem Fall der Woche, der zudem nicht sonderlich komplex gestrickt ist. Was einen als PoI-Fan natürlich ein wenig enttäuschen könnte.
Bis man daran denkt, dass Person of Interest im Programm von CBS ja umgezogen ist - auf einen neuen Sendeplatz am Dienstag um 22 Uhr, wo es der Serie gelingen soll, das NCIS-Publikum stärker zum Dranbleiben zu motivieren (was mit den beiden Neustarts Vegas und Golden Boy in der vergangenen Season ja nicht sonderlich gut gelungen war). Das wussten auch die Macher, als sie damit begannen die dritte Staffel zu konzipieren.
PoI für Einsteiger
Von daher ist Liberty wohl gezielt so gebaut, dass die Folge neue Zuschauer nicht überfordert. Zunächst mal scheint es vor allem darum zu gehen, den NCIS-Sehern, die Person of Interest noch nicht kennen sollten, zu zeigen: Schaut mal her, was für eine coole Serie wir hier haben! Folglich wird in Liberty - vor allem in den ersten fünf Minuten, aber dann natürlich auch gegen Ende - die Action sehr betont. Außerdem kommt besonders über Shaw und natürlich Fusco (Kevin Chapman) die komödiantische Seite der Serie zum Tragen. Herrlich, wie sie sich bei Reese darüber beschwert, dass Finch sie niemanden abknallen lässt. Oder wie Fusco plötzlich als Bombenentschärfer anrücken muss („Mit Euch gibt's niemals Langeweile, oder?“).
Der Fall-der-Woche (um einen Navy-Seemann, der durch seinen Diamanten schmuggelnden Freund in Schwierigkeiten gerät) ist so simpel gestrickt, dass er auch in einer 80er Jahre Actionserie gepasst hätte. Erst ganz zum Schluss wartet er mit einem cleveren Twist auf. Das ist von den Machern gar nicht schlecht gemacht. Sie wissen, dass die neuen Zuschauer schon ausreichend gefordert sein werden, die vielen Nebenplots, die Liberty anreißt, nachzuvollziehen. Und selbst für Stammzuschauer halten diese Nebenschauplätze einige Überraschungen und Veränderungen bereit, auf die man sich erst einmal einstellen muss.
You're looking kinda badass in that uniform
Carter (Taraji P. Henson) ist also in Folge der Schießerei (in Zero Day) in den Streifendienst strafversetzt worden. Heimlich führt sie jedoch ihre Ermittlungen gegen HR weiter - fraglos um den Tod von Cal (Sterling K. Brown) zu rächen. Gleichzeitig hält sie Elias (Enrico Colantoni) in einem Keller versteckt, damit er nicht HR beziehungsweise den Russen zum Opfer fällt, welche die Kontrolle über New Yorks Straßen zurückgewonnen haben. Von beidem - ihren HR-Ermittlungen und dem versteckten Gangsterboss - sagt sie Reese nichts, obwohl dieser ihr ausdrücklich sein offenes Ohr und seine Hilfe anbietet. Über die Gründe für Carters Alleingang können wir derzeit nur spekulieren.
Auf sein Angebot, doch das Team zu wechseln, antwortet sie, dass sie immer Polizistin bleiben werde. Nun bewegt sie sich mit beiden Aktionen jedoch deutlich außerhalb des Rahmens ihrer Dientpflichten und Vorschriften, so dass sich in der Tat die Frage stellt, warum sie nicht Finch und Reese in ihr Tun einweiht.
Machtspiele
Was die Cast-Neuverpflichtungen angeht, so war schon am Ende der zweiten Staffel absehbar, dass sich Shaw sehr gut in die bisherige Figurenkonstellation einfügen würde. Für etwas Verwirrung hat dagegen das - schauspielerisch natürlich sehr zu begrüßende - Engagement von Amy Acker als Root geführt. Als wiederkehrende Gegenspielerin war sie großartig, doch welcher Platz kann ihr dauerhaft in der Serie zukommen? Liberty gibt auf diese Frage noch keine vollumfängliche Antwort. Aber das macht nichts. Denn die Dialoge zwischen Root und ihrem Psychiater sind auch so eines der größten Vergnügen der Folge.
Was die Gespräche so amüsant macht, ist natürlich das Wissens- (und damit Macht-) Ungleichgewicht zwischen den Figuren, welches sich umgekehrt zu den vermeintlichen Machtpositionen von Arzt und (Psychiatrie-) Patient verhält. Das gilt nicht nur für das Ende, als ihm Root auf den Kopf all die Dinge zusagt, die eigentlich sonst niemand wissen kann (und die ihn im Grunde wirklich glauben machen könnten, dass sie mit einer „höheren Macht“ in Kontakt steht). Auch schon vorher ist es natürlich ein großer Spaß, als der Psychiater - auf dem Hintergrund des NSA-Skandals, der hier erstmals in der Serie Berücksichtigung findet - Root fragt, ob sie sich beobachtet fühlt, und sie mit Blick auf die Kamera im Raum natürlich weiß, dass dem genau so ist.
Spitz die Lippen
Kritikwürdig sind an Liberty eigentlich nur zwei Dinge: Erstens, auf die neuen Hauptfiguren und Konstellationen entfällt so viel Zeit, dass naturgemäß für die zentrale Beziehung der Serie - die Freundschaft zwischen John und Harold, inklusive Bear - nur sehr wenig Raum übrig bleibt. Das wird hoffentlich in den zukünftigen Episoden wieder etwas anders.
Zweitens, der bereits erwähnte Twist, dass Elias Carter auf die Spur des Hehlers bringt, nur damit sich Scarface (David Valcin) am Ende, als sich der Rauch des Shootouts verzieht, Diamanten und Geld schnappen kann und pfeifend von dannen zieht. Einerseits ist das natürlich ein prima Kniff, weil er uns zeigt, dass sich Elias offensichtlich nicht an seinen Deal mit Carter hält. Und dass er immer noch durchtrieben wie eh und je ist. Das ist natürlich super. Andererseits hapert es hier natürlich schon ein großes, großes Stück weit mit der Plausibilität. Würden Reese & Co. wirklich solche Wertgegenstände (unbewacht) zurücklassen? Oder einfach vergessen? Kaum vorstellbar. Welche Erklärung man auch immer dafür finden mag, es lässt einen auf jeden Fall etwas stutzen.
Fazit
Keine überragende, aber doch eine zweckdienliche Folge, welche die etablierten Fans an die neuen personellen Gegebenheiten gewöhnt - und den Uneingeweihten einen nicht all zu sehr mit Insider-Wissen überladenen Einstieg ermöglicht.
Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 26. September 2013Person of Interest 3x01 Trailer
(Person of Interest 3x01)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x01
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?