Person of Interest 2x22

Das passiert in der Person of Interest-Folge God Mode:
Mit Hilfe der Maschine gelingt es sowohl Root (Amy Acker) und Harold (Michael Emerson) als auch Reese (Jim Caviezel) und Shaw (Sarah Shahi) unbeschadet durch die Decima-Handlager aus der Bibliothek zu entkommen. Root ist immer noch auf der Suche nach dem Standort der Maschine - und spürt deshalb mit ihrer Unterstützung den einzigen noch lebenden Ingenieur des Projekts Northern Light auf. Da Root Harold Brille - mit dem darin befindlichen Tracker - unterwegs entsorgt hat, hat John zunächst keine unmittelbare Möglichkeit, ihr und Harold zu folgen. Zumal die Maschine ihm und Shaw weitere Nummern von Menschen in unmittelbarer Not gibt.
Unterdessen wird Carter (Taraji P. Henson) von der Abteilung für interne Ermittlungen wegen der tödlichen Schüsse auf einen vermeintlich Unbewaffneten befragt. Carter besteht darauf, dass der Mann eine Waffe hatte. Sie vermutet, dass HR sie beiseite geschafft hat. Als sie Terney (Al Sapienza) davon erzählt, gibt dieser sich selbst als HR zu erkennen und stößt eine unverhohlene Drohung gegen Carter und ihren Sohn aus. Und sie findet heraus, dass sie nicht die einzige Person ist, die in Gefahr schwebt: HR plant im Auftrag von Yogorov (Morgan Spector) die Ermordung von Elias (Enrico Colantoni)...
Große Erwartungen
Die Erwartungen an das Staffelfinale von Person of Interest hätten nach dem brillanten Zero Day kaum größer sein können. Es schmerzt einen sehr - als großer Fan der Serie - sagen zu müssen, dass God Mode diesen hochgesteckten Erwartungen nicht ganz gerecht werden kann. Was nicht heißt, dass die Episode nicht trotzdem ein ganz wunderbares und unterhaltsames Stück Fernsehen ist. Nur vielleicht nicht ganz so großartig, wie man es sich nach der vorausgegangenen Episode hätte erhoffen können.
Die Sache mit der Spannung
Es gibt mehrere Punkte, die einen an God Mode stören können:
Da sind zunächst mal die Simpel-Aufträge, mit denen die Maschine Reese und Shaw beschäftigt hält. Sie bringen etwas Komik in die Folge („What's this for?“ / „To feel less inadequate while I drive...“), was nett ist, man in dieser Episode aber nicht wirklich gebraucht hätte. Ebenso wie die Verfolgungsjagd, deren Ende sichtbar kostensparend umgesetzt wurde, scheinen diese Szenen nur dazu zu dienen, Reese und Shaw irgendwas zu tun zu geben, so lange das Drehbuch sie nicht für den Hauptplot braucht. Das merkt der Zuschauer nur leider recht schnell, was doch ziemlich negativ auf die Spannung schlägt.
Überhaupt mangelt es im Hauptplot etwas an Spannung, was vor allem daran liegt, dass uns Harolds Verhalten verwirrt (etwa als er beim Anblick von Reese im Park schnell zu Root ins Auto steigt) und es deshalb schwerfällt, genaue Erwartungen und Befürchtungen zu bilden. Zum Teil gehört das natürlich zur Vorbereitung für die große Überraschung am Ende mit dazu. Aber das ahnt das Publikum ja vorher noch nicht.
Dazu kommt die spannungsminimierende Wirkung der Parkszene, in der es dem Präzisionsschützen der Regierung zwar gelingt, den Ingenieur zu töten, an Root und Harold scheitert er aber trotz freien Schussfeldes. Ja, klar, die beien werden noch weiter gebraucht, deshalb dürfen sie nicht sterben - und deshalb wird ist die Szene so konstruiert ist, dass sie nicht sterben, egal wie unplausibel das eigentlich in diesem Moment ist. Als Zuschauer merkt man das - und kommt sich ein bisschen betuppt vor. Das hätte man besser inszenieren müssen.
Fusco: Missing in Action
Dann ist da auch noch Fuscos (Kevin Chapman) reichlich erzwungen wirkende Abwesenheit. Mit Fusco wäre Carter vermutlich nicht in die Schwierigkeiten von Zero Day geraten, weil sie einen Zeugen für ihre Version gehabt hätte. Und sie hätte nicht als maskierte Retterin von Elias auftreten müssen. Das hätte Fusco übernehmen können. Schon seit In Extremis legen es die Autoren darauf an, dass Carter sich die Hände schmutzig macht. Um aber wirklich den entsprechenden Handlungsdruck für sie aufzubauen, mussten sie erst mal ihren Partner loswerden, der ihr diesen Druck sonst genommen hätte.
Die Maschine
Über die Schwächen im Plot sollen aber natürlich nicht die unbestreitbaren Stärken vergessen werden: Die Enthüllung, dass Harold den Code genau deshalb in Umlauf gebracht hat, um der Maschine mittels eines Virus-im-Virus eine Möglichkeit zur Selbstverteidigung zu geben, ist natürlich eine tolle Wendung. Root wollte die Maschine die ganze Zeit über „befreien“, dabei hat Harold das schon längst selbst getan.
Für die dritte Staffel schafft God Mode äußerst interessante Ausgangsbedingungen: die Maschine „lebt“ und ist nun eine selbstständige künstliche Intelligenz; nach dem Ableben von Special Counsel (Jay O. Sanders) wandern wir in Control eine Hierarchieebene aufwärts, zu einer bislang noch gesichtslosen Dame; Root (Amy Acker) bekommt auch in der Psychiatrie (Häh?) noch Anrufe von der Maschine; und Carter hat plötzlich Elias an der Backe, der wegen HR nirgendwo sicher wäre, auch nicht im Gefängnis.
Wendepunkte im Leben
Mit das Beste an God Mode sind jedoch die Rückblenden ins Jahr 2010, die uns an den großen Wendepunkt von Harolds Leben zurückführen: Nathan (Brett Cullen) will mit dem Wissen über die Maschine an die Presse gehen, wird vorher jedoch bei einem vermeintlichen muslimischen Selbstmord-Attentat getötet, Harold wird dabei schwer verletzt. Viel schwerwiegender ist für ihn jedoch, dass die Maschine die Gefahr für Nathan erkannt hat. Sein Tod hätte verhindert werden können. Die 180-Grad-Wende, die Harold daraufhin in seinem Leben vornimmt - sie ist absolut plausibel, ja mehr noch, wir können es ihm wirklich nachempfinden.
Etwas schwieriger ist es dagegen, die emotionale Reaktion von Reese in God Mode nachzuvollziehen: Er hätte so einige und dann auch noch richtig gute Gründe, auf Finch zumindest eine Weile richtig sauer zu sein. Die Mission in Ordos, die ihn seinen Job bei der CIA und fast sein Leben gekostet hätte; der Tod von Jessica (Susan Misner), den er im Zuge dessen nicht verhindern konnte. Und den auch Finch nicht verhindert hat, obwohl er Jessicas Nummer hatte. Wenn nicht einmal das zu einem Konflikt zwischen den beiden führt, dann wird es wohl niemals einen größeren Konflikt zwischen ihnen geben. Denn tiefgreifender hätte Harold wohl nicht auf Johns Leben einwirken können.
Vertrauen
John legt hier eine geradezu übermenschliche (na ja, er ist ja auch irgendwie der Wiedergänger der Terminators) Reife an den Tag. Vollkommen reflektiert und unaufgeregt: John weiß, dass der Moment, der sein Leben in eine völlig andere Bahn hätte lenken können, der am Flughafen (in Ghosts) gewesen ist, als er Jessica nicht das gesagt hat, was er ihr eigentlich hatte sagen wollen. Er gibt nicht Harold, sondern allenfalls sich selbst die Schuld daran, dass sein Leben danach so verlaufen ist, wie es dann der Fall war.
Einerseits wird einem dabei irgendwie richtig warm ums Herz: zu sehen, welch ein tiefes Vertrauen und welch eine innige Loyalität John zu Harold aufgebaut hat, die auch durch all diese Enthüllungen nicht ins Wanken gebracht werden konnte. Andererseits ist es irgendwie schade, dass die Autoren diese eine Möglichkeit für einen Bruch zwischen den beiden Figuren ungenutzt haben verstreichen lassen.
Fazit
Nicht ganz das, was man vielleicht erwartet hat, aber trotzdem alles in allem ein guter Abschluss einer überragenden zweiten Staffel von Person of Interest. In gewisser Weise kann man den Machern ja sogar dankbar sein, dass sie uns nicht mit einem Mörder-Cliffhanger in die Sommerpause entlassen. So fällt das Warten bis zum Herbst zumindest ein bisschen leichter.
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 11. Mai 2013(Person of Interest 2x22)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x22
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