Person of Interest 2x21

Das passiert in der Person of Interest-Folge Zero Day:
Seit zehn Tagen hat die Maschine nichts mehr von sich hören lassen. Das beunruhigt nicht nur Harold (Michael Emerson) und John (Jim Caviezel). Auch Special Counsel (Jay O. Sanders) ist akut besorgt, nachdem durch den Ausfall der Maschine ein Terroranschlag nicht vorab verhindert werden konnte. Auch wenn dieser glimpflich ausgegangen ist, müssen sich die Männer hinter der Maschine natürlich ihre Gedanken machen. Special Counsel findet heraus, dass hinter dem Angriff auf die Maschine ein privater Geheimdienst namens Decima Technologies steckt, der von Shanghai aus operiert. Das interessiert natürlich auch seine Assistentin „Miss May“ (Amy Acker), welche die Gelegenheit zur „Kündigung“ nutzt. Root setzt sich mit Harold in Verbindung und bietet ihm ihre Unterstützung an, um die Gefahr für die Maschine abzuwenden.
Auf den Straßen New Yorks herrscht derweil die nackte Gewalt. Auch Carter (Taraji P. Henson) merkt den Ausfall der Maschine, auch wenn sie natürlich die genauen Zusammenhänge nicht kennt. Die Russen-Mafia - mit HR im Rücken - räumt im großen Stil mit den Leuten von Elias auf. Auf diese Weise sind bereits acht Leichen in zwei Wochen zusammengekommen, ohne dass Reese und Finch zur Stelle waren, um die Verbrechen im Vorfeld zu verhindern. Da erhält Harold auf einmal doch noch einen Anruf der Maschine. Die Nummer weist ihn und John auf einen Mann namens Ernest Thornhill hin, den Besitzer einer Dateneingabe-Firma. Schnell merken sie jedoch, dass mit diesem Thornhill etwas ganz und gar nicht stimmt...
Gut. Besser. Person of Interest.
So langsam gehen einem die Superlative aus. Ist Zero Day die bislang beste Folge von Person of Interest? Gut möglich. Aber was heißt das schon? Die Chancen stehen gut, dass diese Zuschreibung bereits in der kommenden Woche überholt ist. Die Serie als solches bewegt sich zur Zeit einfach auf einem derart hohen erzählerischen Niveau, dass man als Zuschauer eigentlich nur zwischen zwei emotionalen Reaktionen schwankt: Maßlose Begeisterung und ungläubiges Staunen, wie die Produzenten das jetzt wieder hinbekommen haben.
Medientheoretischer Mindf...
Dass die Maschine vertreten durch ihr Alter Ego Ernest Thornhill selbst zur Person of Interest wird, ist natürlich eine famose Wendung. Übertroffen nur noch durch die Enthüllung, dass das Dateneingabebüro mit seinen Menschen und Papierausdrucken als eine Art externe Festplatte für die Maschine fungiert. Das ist auf so vielen Ebenen großartig, dass man gar nicht weiß, wo man anfangen soll.
Marshall McLuhan, einer der bekanntesten Medientheoretiker des 20. Jahrhunderts, hatte die Position vertreten, dass (Medien-) Technologien als Erweiterungen des menschlichen Körpers und der menschlichen Sinne zu begreifen sind. In diesem Sinne hatte er in seinem Standardwerk Understanding Media geschrieben: „Mit wachsender Geschwindigkeit nähern wir uns der letzten Stufe der Ausweitung des Menschen - der technologischen Simulation von Bewusstsein (...).“ Person of Interest zeigt genau eine solche Ausweitung: eine Maschine, die dabei ist, ein Bewusstsein zu entwickeln. Und die Maschine nutzt nun ihrerseits Menschen und ältere Medien (Papier, Schrift) als eine Erweiterung ihrer selbst.
Vor meinem geistigen Auge sehe ich schon die zahllosen medienkulturwissenschaftlichen Uniseminare und -hausarbeiten, die sich auf diesem Hintergrund mit Zero Day beschäftigen werden!
Zu allem bereit
Darüber hinaus ist Zero Day natürlich eine ganz starke Harold-Folge. Wir lernen unseren guten Mr. Finch von einer deutlich düsteren Seite kennen. Wenn es um das Wohl der Maschine geht, dann sieht er tatsächlich Root - die Frau, die ihn gekidnappt und damit ein geradezu traumatisches Erleben bereitet hat! - als die bessere Partnerin für sich. Nicht nur vermeidet er es, Reese ins Vertrauen zu ziehen. Nein, um zu verhindern, dass er ihm bei seinem Meeting mit Root in die Quere kommt, liefert er ihn sogar der Polizei aus. Das sind schon extreme Maßnahmen, zu denen Harold hier greift.
Und sie zeigen, dass er und Root eigentlich gar nicht einmal so verschieden sind: sie beide sind bis zu einem gewissen Grad bereit, für ihre Ziele über Leichen zu gehen. Root ist bereit, Menschen zu töten, um die Maschine „zu befreien“. Harold wiederum war bereit, wie die Rückblenden zeigen, die Leben der „Irrelevanten“ zu opfern, um das Programm und das „höhere Gut“ nicht zu gefährden. Nicht ahnend, dass sein Freund und Partner Nathan (Brett Cullen) der nächste auf der Liste der Irrelevanten ist, die er zum Tode verdammt hat: „Leute sterben nun mal...“
Can You Hear Me?
Ach ja, und dann ist da natürlich noch die Sache mit der Maschine, die Harold so programmiert hat, dass sie jede Nacht ihre Erinnerung und alles, was ihr eine personale Identität gibt, wieder vergisst. Das Verhalten, das Harold beschreibt, die fast kindliche Zuneigung, die ihm die Maschine entgegengebracht hat, wir haben sie selbst in den Rückblenden von The Contingency gesehen.
Harold hat eine künstliche Intelligenz geschaffen, der er jedoch gleichzeitig, damit sie stur ihre Funktion erfüllt, die Möglichkeit einer personalen Entwicklung genommen hat. Die Entrüstung von Root darüber - wir können sie ein Stück weit nachvollziehen. Und das ist das wirklich Bemerkenswerte an Zero Day: Während Harold zu einer tiefgrauen Figur wird, sammelt Root Sympathiepunkte, was nicht zuletzt daran liegt, dass ihr Anliegen - die Befreiung der Maschine - erstmals nicht wie Cyber-Esoterik, sondern wie ein sehr reales und berechtigtes Anliegen klingt.
Kniefall
Doch Person of Interest wäre nicht Person of Interest, wenn die Serie jetzt einfach nur hingehen und eine der Hauptfiguren in ein Zwielicht rücken würde. Genau die gleiche Episode nimmt die Serie auch zum Anlass, uns Harolds zartfühlende, romantische Seite zu zeigen. Der Hochzeitsantrag, den er Grace (Carrie Preston) im Park unterbreitet - fernab von Handy-Mikrophonen und mit der größtmöglichen Distanz zu etwaigen Kameras, ist ein so süßer und intimer Augenblick, wie wir ihn kaum in einer Serie wie Person of Interest erwarten würden. Und er zeigt uns einen gänzlich anderen Harold. Das ist die Komplexität, mit der die Serie operiert.
Der Ordos-Laptop
Für das Verhältnis von Reese und Finch ist Zero Day eine ziemlich belastende Folge: Nicht genug, dass Harold John in Polizeigewahrsam nehmen lässt. John muss auch noch von Greer (a.k.a. Zeus - John Nolan) erfahren, dass es Harold Finch gewesen ist, der den Ordos-Laptop mit dem Quellcode (der dem Virus zu Grunde liegt) verkauft hat. Wir können uns zwar immer noch nicht ganz sicher sein, dass es wirklich Harold gewesen ist. Aber in einem Punkt hat Johns neue Partnerin Shaw (Sarah Shahi) schon Recht: Harold hat jetzt auf jeden Fall eine Menge Fragen zu beantworten.
Vorlage
Zero Day ist eine hochspannende Folge, welche in vielerlei Hinsicht die Verhältnisse in der Serie auf den Kopf stellt - und die Voraussetzungen für ein noch spannenderes Staffelfinale schafft: Eine mächtige Organisation, welche qua des viral erzwungenen Neustarts die Kontrolle über die Maschine erlangen will. Eine skrupellose Maschinen-Jüngerin, die diesem Ziel schon deutlich näher gerückt ist. Zwei Protagonisten, deren Vertrauensverhältnis ziemlich gestört sein dürfte. Ein Mafiakrieg, der auf den Straßen tobt. Und eine Polizistin, die sich von HR hat in die Falle locken lassen - und gegen die nun interne Ermittlungen beginnen.
Fazit
Schnell, ideenreich, packend, mit tollen Actionszenen und wunderbar geschliffenen, pointenreichen Dialogen erzählt. Das ist Fernsehen, das eine Dreiviertelstunde wie im Fluge vergehen lässt - und über alle Maßen Vorfreude auf die Fortsetzung weckt.
Trailer zu Folge 2x22 „God Mode“ (Staffelfinale)
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 4. Mai 2013(Person of Interest 2x21)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?