Person of Interest 3x02

Das passiert in der Person of Interest-Folge Nothing to Hide:
Die Maschine hat eine neue Nummer für Finch (Michael Emerson), Reese (Jim Caviezel) und Shaw (Sarah Shahi): Wayne Kruger (David Alan Basche) ist ein Internet-Entrepreneur, der mit der Webseite Life Search ein Millionenvermögen verdient. Über Krugers Seite ist es möglich, so ziemlich alles über eine Person herauszufinden, was es nur herauszufinden gibt. Kruger verkauft die Daten, die er sammelt und auswertet, zudem an Unternehmen, die mehr über ihre Kunden in Erfahrung bringen wollen. Doch plötzlich gerät Krugers Leben massiv in Unordnung: seine Kreditkarten werden gesperrt, ein Seitensprung fliegt auf und zerstört seine Ehe. Irgendjemand wendet alles, was Kruger selbst nur all zu gerne verheimlichen würde, gegen ihn.
Carter (Taraji P. Henson) trauert derweil immer noch um Cal. Über Fusco (Kevin Chapman) versucht sie, auf dem Laufenden zu bleiben, was die aktuellen Ermittlungen in dem Fall angehen. Zugleich muss sie sich mit einem jungen Polizeianwärter (Brian Wiles) arrangieren, der ihr als neuer Partner zugeteilt wurde.
Kana
Nothing to Hide erinnert einen ein bisschen an die biblische Geschichte von der Hochzeit zu Kana: „Jeder setzt zuerst den guten Wein vor und erst, wenn die Gäste zu viel getrunken haben, den weniger guten. Du jedoch hast den guten Wein bis jetzt zurückgehalten.“ (Joh 2, 10) So ähnlich kann man sich auch als Person of Interest-Fan fühlen. In der Premierenwoche wurden wir mit einer Folge abgespeist, die ziemlich 08/15 war. Vielleicht war sie notwendig, um neue Zuschauer an die Serie und die Fans an die neue Figurenkonstellation zu gewöhnen. Trozdem blieb ein Gefühl der Enttäuschung zurück.
Welches nach Nothing to Hide natürlich wie weggeblasen ist. Das ist Person of Interest, wie man sich die Serie wünscht! Ein faszinierender Datenschutz-Thriller, der genau die Ängste und Befürchtungen thematisiert, welche nicht erst seit dem NSA-Skandal (aber seither natürlich ganz besonders) rund um den (mangelnden) Schutz unserer Daten im Internet kursieren.
Datenschutz-Rebellen
Mit Collier (Leslie Odom Jr.) und den Datenschutz-Rebellen - so etwas wie der militante Arm von Anonymous - tritt in Nothing to Hide außerdem ein spannender neuer (Gegen- ?) Spieler aufs Feld. Das Bemerkenswerte dabei ist ja, dass wohl nicht wenige Zuschauer - genauso wie der Verfasser dieses Reviews - bei den Aktionen gegen Kruger einen diebischen Spaß empfunden haben werden und unsere Sympathie ganz klar bei den Opfern liegt, die sich für das ihnen zugefügte Leid rächen. Und das auch noch auf eine so ausgeklügelte und intelligente Weise, indem sie Kruger genau das erleben lassen, was zuvor ihnen zugefügt worden ist, nämlich die Verletzung der Privatsphäre.
Mit der Ermordung Krugers geht Collier natürlich einen beträchtlichen Schritt zu weit. Trotzdem ist es schwer (ja, NSA, lies das genau mit!), Sympathien für die Sache der Datenschutz-Rebellen zu verhehlen. Natürlich stellen sich nun viele spannende Fragen: Was wird passieren, wenn die Rebellen von der Maschine Wind bekommen? Sind die Rebellen wirklich nur von Idealismus getrieben - oder verbergen sich dahinter andere, unlaute Motive und Interessen?
You can't expect me to shoot someone on an empty stomach...
Die Folge glänzt durch intelligente, pointierte Dialoge, allen voran das wunderbar gegenläufige: „Those crying the loudest about privacy, are probably the ones trying to hide something!“ / „People who say they have nothing to hide almost always do.“ Und dann natürlich die ganzen wundervollen Dialoge zwischen Reese und Shaw sowie zwischen ihr und Finch. Angefangen bei dem Running Gag, dass Finch Probleme mit ihrem lockeren Finger am Abzug hat. Bis hin zu der interessanten Frage: „Is this guy even worth our time?“ / „You know that's not a question we entertained when we saved you, Miss Shaw...“
Manchmal kann es schon ein Vergnügen sein, Person of Interest einfach nur zu hören!
Ein Verdacht
Was Carters neuen Rookie-Partner angeht, so liegt natürlich der Verdacht in der Luft, dass HR ihn gezielt dort platziert hat. Schließlich meint Quinn (Clarke Peters), dass sie noch nicht genug getan haben, um Carter auszuschalten. Außer der Szene, in der Laskey plötzlich hinter ihr auftaucht, während sie mit Fusco telefoniert, gibt es jedoch (noch) kaum wirklich konkrete Verdachtsmomente gegen ihn. Und so kann der neue Partner natürlich auch genau so gut ein Ablenkungsmanöver der Autoren sein, um uns über die wahre Gefahr für Carter zu täuschen.
Bear, Du Taugenichts!
Es gibt nicht viel an Nothing to Hide auszusetzen. Abgesehen von der Safehouse-Sequenz. Das fängt damit an, dass Reese vor den Augen von Kruger die Waffen in der Schublade verstaut, was schon im selben Moment einen ungemein konstruierten Eindruck macht. Aha, das ist die Waffe, die sich Kruger nachher holen wird! Danke für den Wink mit dem Holzhammer! Und dass Bear Kruger nicht zerfetzt, nachdem er sein Herrchen niedergeschlagen hat, ist jetzt nicht gerade ein Ruhmensblatt für den sonst so aufmerksamen Hund. Daran ändert auch der mühsame Versuch einer Ehrrettung (Na, er hat ja zumindest etwas von Krugers Kleidung erwischt...) nichts. Nein, Bear, heute gibt's keine Leckerlis mehr!
Fazit
Person of Interest ist zurück aus der Sommerpause! Jetzt aber wirklich! Mit genau der Art von Episode, die nach der Debatte rund um die NSA-Enthüllungen einfach kommen musste, und - nach dem neuen Gegner zu schließen - nicht die letzte gewesen sein wird.
Verfasser: Christian Junklewitz am Donnerstag, 3. Oktober 2013(Person of Interest 3x02)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 3x02
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?