Person of Interest 2x19

„Please, we breached firewalls together. Call me Monica.“
(So etwas verbindet)
Das passiert in der Person of Interest-Folge Trojan Horse:
Reese (Jim Caviezel) spürt Samantha Shaw (Sarah Shahi) auf. Diese hält ein Auge auf die Eltern ihres ermordeten Partners Cole, über dessen Tod Control Lügen in den Zeitungen verbreiten lässt. John erneuert das Angebot, ihr zu helfen. Und seine Hartnäckigkeit scheint schließlich sogar Früchte zu tragen.
Harold (Michael Emerson) beschäftigt sich unterdessen schon mit der nächsten Nummer: Monica (Tracie Thoms, Cold Case) ist eine leitende Angestellte bei Rylatec, einem bedeutenden Hersteller für Netzwerk-Hardware, also etwa Router und Switches, welche wichtige Komponenten in der Internet-Infrastruktur sind. Harold schleicht sich selbst als IT-Mitarbeiter in die Firma ein und versucht zu klären, woher die Bedrohung für Monica kommt. Nachdem Harold sie dabei beobachtet, wie sie Daten vom Laptop eines kürzlich verstorbenen Kollegen herunterlädt, entdecken er und John, dass die Frau offenbar einem Fall von Industriespionage auf die Spur gekommen ist. Was sie sich zunächst nicht vorstellen können, ist jedoch die Dimension, die dieser Fall hat.
Carter (Taraji P. Henson) zeigt derweil Beecher (Sterling K. Brown) mehr denn je die kalte Schulter. Sie hat den Verdacht, dass er mit dem Mord an Szymanski und der Staatsanwältin zu tun hat, nachdem es ihm nicht gelungen war, den Kollegen mit dem falschen Korruptionsverdacht zu Fall zu bringen. Doch Beecher ist selbst verwirrt. Quinn (Clarke Peters), der sein Patenonkel ist und ihm den ursprünglichen Tipp gegeben hatte, versichert ihm, dass die Information von einem von Elias' Männern gekommen ist. Um sich zu vergewissern geht Beecher zu Elias (Enrico Colantoni) selbst...
Entzug
CBS hat uns lange warten lassen: Drei Wochen sind seit der letzten Folge von Person of Interest vergangen. Und - Schreck lass nach - bis zur nächsten Folge werden wieder drei Wochen vergehen. Für einen echten Serien- und Person of Interest-Junkie kommt das ja schon fast einer Art Entzug gleich (jetzt nur nicht an die Sommerpause denken...!). Aber das Warten hat sich auf jeden Fal gelohnt.
Decima Technologies
Trojan Horse liefert genau das, was der Titel verspricht. Und noch so viel mehr. Wir erfahren etwas mehr über die Organisation, die hinter dem Virus steht (von dem nun auch Harold meint, dass es direkt gegen die Maschine gerichtet ist) - und die sich in großem Stil mit Industriespionage beschäftigt. Die Organisation, die unter dem Namen Decima Technologies firmiert, ist in China beheimatet, aber offenkundig nicht mit Regierung und/oder Geheimdienst der Volksrepublik identisch.
Das ist ein überaus geschickter Zug der Macher: Stünden „die Chinesen“ hinter allem, wäre das viel zu platt. Geheimbünde sind in Literatur, Film und Fernsehen zwar auch nicht gerade neu. Aber sie sind doch immer wieder für eine unheimliche Atmosphäre und die damit einhergehende Spannung gut: Gerade weil sich - anders als bei einem Geheimdienst - zunächst nicht absehen lässt, mit was für einer Art von Gegner man es überhaupt zu tun hat. Die Gefahr lauert im Verborgenen. Und der größte Feind - er kann einem (welch famose Inszenierung!) unbemerkt auf der Straße über den Weg laufen!
Das Wichtigste für eine spannende Geschichte ist ein starker Gegner, der die Fähigkeiten der Helden bis zum Äußersten herausfordert. Trojan Horse leistet auf jeden Fall schon mal sehr gute Arbeit darin, Decima als einen überaus machtvollen Gegner aufzubauen, der nicht nur einen für die nationale Sicherheit wichtigen technischen Großbetrieb von der Spitze aus unterwandert hat, sondern auf dessen bloßes Geheiß sich Menschen sogar das Leben nehmen. Das ist schon eine beeindruckende Demonstration der Stärke. Nicht unbedingt neu, aber trotzdem sehr effektiv.
Da wird einem schwindelig
Das alles würde schon für sich genommen eine prima Folge ausmachen. Doch Trojan Horse bleibt dabei nicht stehen: Sie treibt geradezu auf die Spitze, was an komplexem Erzählen in einer Networkserie möglich ist, indem neben dem Spionage-Hauptplot nahezu jeder andere fortlaufende Handlungsfaden der Serie wieder aufgegriffen wird: Elias, HR, Shaw, Root (wenn auch nur qua Foto), Beecher... Vor einer Folge wie dieser könnte CBS gut und gerne einen Warnhinweis anbringen: Kann akutes Schwindelgefühl hervorrufen!
Der Rezensent hat versucht, nebenher etwas zu essen. Doch das Essen ist kalt geworden, weil Person of Interest mit Trojan Horse wirklich die ungeteilte Aufmerksamkeit des Zuschauers einfordert. Aber genau das macht an der Serie ja gerade solchen Spaß. Dass sie die Wachsamkeit des Publikums verlangt - und belohnt. Und uns dadurch ganz in ihren Bann zieht.
Elias
Gehen wir die Stränge mal in aller Kürze einzeln durch: Elias (Colantoni großartig wie immer!) frönt also immer noch den Schachpartien mit Harold. Ansonsten hat sich seine Situation jedoch offenbar verändert: Durch die Allianz, welche HR mit den Russen eingegangen ist, scheint seine Macht bedroht. Mehrere seiner Leute wurden in andere Gefängnisse verlegt. Offenbar hat er nicht mehr das unumschränkte Sagen. Deswegen ist er auch sehr freigebig mit Informationen, die HR in Schwierigkeiten bringen könnten.
Beecher/HR
Beecher gehört, wie wir uns bereits denken konnten, nicht zu HR, sondern hat lediglich das große Unglück, dass Quinn, der Mann hinter HR (oder „der Geist“, wie Elias ihn nennt), sein Patenonkel ist. Und was für einer! Quinn hat seinen Patensohn nicht nur dazu benutzt, Szymanski anzuschwärzen; nein, als er ihm mit seinen Nachfragen lästig wird, lässt er ihn gnadenlos über die Klinge springen („Ich habe ihm immer gesagt, Polizist ist ein gefährlicher Beruf“ - mit so viel Zynismus ist selten zuvor ein Mordauftrag erteilt worden). Das schmeckt, das merkt man deutlich, selbst Klotzgesicht Simmons (Robert John Burke) nicht so richtig.
Das Ende von Beecher ist brutal: er nimmt vorher zwar noch ein Telefonat von Carter entgegen, was ihm immerhin ein Ende der Eiszeit signalisiert. Zu einer richtigen Versöhnung zwischen den beiden kommt es aber nicht mehr. Wer immer darauf gehofft hat, dass diese Beziehung noch ein glückliches Ende nehmen würde, wurde von Trojan Horse enttäuscht. Liebe und Partnerschaft haben in Person of Interest einen schweren Stand.
Shaw
Shaw macht - nach einer „wundersamen“ Korrektur der öffentlich über ihren Partner verbreiteten Geschichte - einen Schritt auf John und Harold zu und stattet der Bibliothek einen Besuch ab, wo sie auf einer von Harolds Pinnwänden die Fotos von Root (Amy Acker) ausmacht, an die sie sich aus der kleinen Folter-Session in Relevance natürlich noch bestens erinnert - und die Jagd nach ihr fortan zu ihrem neuen „Hobby“ erklärt.
Bemerkenswert ist die Szene in der Bibliothek aus zweierlei Gründen: Erstens, sie steht geradezu exemplarisch dafür, wie kunstvoll in Person of Interest mit Sprache gearbeitet wird: sehr auf den Punkt, aber doch voller kleiner ironischer Wendungen („Hanging around with you, your poorly socialized guard dog, and Bear here?“). Zweitens, sie enthält einen der wenigen Kritikpunkte an der Folge: Als Shaw Root wiedererkennt, sollte Harold da nicht mit etwas mehr Überraschung reagieren - und vor allem gerade wegen seiner „komplizierten“ Beziehung zu Root etwas näher erfragen, was sie von Shaw wollte? Klar, die Autoren wollten möglichst schnell weiterkommen und nicht Zeit mit Erklärungen verbringen, welche die aktuelle Folge nicht voranbringen. Das ist verständlich. Aber im Hinblick auf die Figur Harolds etwas seltsam.
Na, wo laufen Sie denn?
Ein anderer - minimaler - Schwachpunkt ist die Szene, in der Monica und John in das Firmengebäude eindringen, nachdem die Wachleute zuvor geschlossen (!) wegen des von Bear ausgelösten Fehlalarms losgezogen sind. So sehr man sich auch darüber freuen kann, dass der Hund mal wieder etwas Richtiges (sprich: Handlungsrelevantes) zu tun bekommt, so konstruiert wirkt dieser kollektive Exodus der Wachmannschaft (und das alles wegen einer einzigen Frau).
Aber das soll die Wertschätzung für die Folge nicht schmälern. Zumal, wenn man sich bewusst macht, dass Trojan Horse von Dan Dietz und Erik Mountain geschrieben worden ist, die beide den Newcomern im Autorenteam von Person of Interest zuzurechnen sind.
Fazit
Eine absolute Spitzenfolge von Person of Interest, die dem geneigten Zuschauer eine Dreiviertelstunde hochklassiger Unterhaltung bietet - und ihn ein wenig über die lange Wartezeit bis zur nächsten Folge hinwegtröstet.
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 6. April 2013(Person of Interest 2x19)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x19
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?