Person of Interest 2x18

„Ich war ein internationaler Spion, Harold. Natürlich kenn ich Baccara.“
(Was James kann, kann John schon lange...)
Das passiert in der Person of Interest-Folge All In:
Leon (Ken Leung, Lost) gerät dank seines schillernden Lebenswandels wieder mal in Lebensgefahr, kann aber von Reese (Jim Caviezel) im letzten Moment gerettet werden. Später erhält er Gelegenheit, sich mit seinen besonderen Kenntnissen und Fähigkeiten erkenntlich zu zeigen. Denn Reese und Finch (Michael Emerson) haben es diesmal mit einer Person of Interest im Glücksspiel-Milieu zu tun. Lou Mitchell (Ron McLarty, „Spenser: For Hire“) ist ein pensionierter Uhrmacher, der sein gesamtes Vermögen - und noch sehr viel mehr - am Casino-Spieltisch verzockt. Woher hat er das ganze Geld? Steht er bei Kredit-Haien in der Kreide und ist deshalb in Gefahr? Oder geht hier etwas völlig anderes vonstatten?
Carter (Taraji P. Henson) scheint geneigt zu sein, Cal (Sterling K. Brown) doch noch mal eine Chance zu geben. Da erfährt sie, dass gegen Szymanski (Michael McGlone) ermittelt wird. Ausgerechnet kurz bevor er vor Gericht gegen den russischen Mafioso Peter Yugorov (Morgan Spector) aussagen sollte. Und der Tipp kam auch noch von einem von Cals Informanten. Tatsächlich steckt HR hinter der Sache. Quinn (Clarke Peters) will Yugorov als neuen Geldgeber gewinnen...
Längst kein altes Eisen
Der Fall-der-Woche, der in All In im Mittelpunkt steht, hat seine guten Momente. Die Tatsache, dass ihre neue Person of Interest ein Senior ohne Handy und E-Mail ist, stellt Finch und Reese vor einige ungewohnte Herausforderungen. Vor allem Harold dürfte seine Lektion gelernt haben, die Observation von Rentnern nicht auf die leichte Schulter zu nehmen - am Ende fliegt man dabei auf und darf seine Autoschlüssel aus einem Aquarium fischen.
Sehr schön ist auch die emotionale Anbindung, welche die Autoren zwischen Lou und Harold herstellen: Trotz der ihm drohenden Gefahr will Lou Atlantic City nicht verlassen, weil seine Frau hier beerdigt liegt. Er kann und will sich von ihr auch über den Tod hinaus nicht lösen. Harold dagegen hat Grace (Carrie Preston), die Liebe seines Lebens, verlassen, weshalb ihn Lou am Ende einen Idioten schimpft und ihn auffordert, doch zu ihr zu gehen, solange noch Zeit dafür ist. Der Blick von Michael Emerson hier wie auch später, als er auf das Bild von sich und Grace schaut, ist wahrhaft herzzerreißend. Andererseits sehr zu Herzen gehend ist der emotionale Beistand, den Harold in diesem Moment von John erfährt, der anders als Lou natürlich die Hintergründe kennt - und weiß, dass Harold nur deshalb für Grace „gestorben“ ist, um sie zu schützen.
Als alter „Spenser“-Fan habe ich mich natürlich sehr über das Wiedersehen mit dem großartigen Ron McLarty gefreut, der neben Robert Urich und Avery Brooks in der 80er Krimiserie den Part von Sergeant Belson gespielt hat. In All In gibt er eine wunderbar reife Darbietung eines gealterten Glücksspielers, der nicht als Verlierer aus dem Leben gehen will.
Etwas zu mühelos
Die Story per se haut einen dagegen nicht so wirklich vom Hocker. Dass es um Geldwäsche geht, hat man als Zuschauer sogar schon ein ganzes Weilchen vor Finch und Reese heraus. Und die Aktion im Casino krankt ein bisschen daran, dass alles irgendwie viel zu glatt über die Bühne geht. Finch kommt problemlos an den Server heran. Lou setzt sich so einfach mir nichts dir nichts an den Spieltisch - ohne irgendeine Angst, entdeckt zu werden. Und Reese befreit sich spielend von den Fesseln und macht im Handumdrehen die Gehilfen des Casinochefs nieder. Das wirkt alles so mühelos, dass die ganz große Spannung hier nicht aufkommen mag. Na ja, gut, dass kann und muss man ja vielleicht auch nicht immer haben. Und besonders dank Leon geht es in dieser Folge auch wieder eher heiter zu („He's laundering profits in the order of eight figures“ / „Wow! I'm jealous... Angry, I'm angry...“).
HR ist zurück
Im Nebenplot stellt sich Carter immer noch die Frage, ob sie Cal trauen kann. Und beweist nebenher die Unschuld von Szymanski, womit sie ihm, wie sich am Ende zeigt, jedoch nur begrenzt einen Gefallen getan hat. Denn nachdem HR sich nicht auf diese Weise seiner entledigen konnte, greift Quinn zu anderen Methoden.
Er und Simmons (Robert John Burke), die zuletzt als Gegenspieler ein bisschen in den Hintergrund geraten waren, bringen sich mit All In wieder nachhaltig in Erinnerung. Überhaupt beweist die Folge ein sehr gutes Gedächtnis: So ist Peter Yugorov, der russische Mafioso, dem sich HR andient, für uns ja kein Unbekannter: Zuletzt haben wir ihn in der ersten Staffel in der Folge Witness gesehen, als Elias (Enrico Colantoni), der in All In ebenfalls Erwähnung findet, sich anschickte, Oyster Bay von den Russen zu übernehmen.
Das ist und bleibt eine der großen Stärken von Person of Interest: der ungemein kohärente Eindruck, den dieses Serien-Universum erweckt.
Cliffhanger
Das gilt auf Seiten der Mafia-Clans. Und das gilt auf Seiten der Cops. So gibt es in All In auch ein Wiedersehen mit dem bislang - scheinbar - so freundlichen und hilfsbereiten Detective Terney (Al Sapienza), der sich nur leider am Ende als ein Mitglied von HR erweist. Fusco (Kevin Chapman) hatte Carter ja gewarnt: die Organisation ist noch lange nicht am Ende. Und man weiß nicht, wer heute alles dazu gehört. Sie hat Cal im Verdacht, dabei droht Gefahr von ganz anderer Seite. Es ist auf jeden Fall eine gelungene Überraschung, die dieser Cliffhanger für uns in petto hat.
Fazit
Kein Highlight, aber eine nichtsdestotrotz sehr unterhaltsame Folge, die uns noch einmal durchatmen lässt, bevor es - leider erst in drei (!) Wochen - mit Trojan Horse dann wohl schon langsam in Richtung Staffelfinale geht.
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 16. März 2013(Person of Interest 2x18)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x18
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?