Person of Interest 2x17

Das passiert in der Person of Interest-Folge Proteus:
Ein gewaltiger Sturm zieht auf. Im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Harold (Michael Emerson) ist beunruhigt, dass die Maschine schon drei Tage hintereinander keine neue Nummer ermittelt hat. Er fürchtet, dass es etwas mit dem Virus zu tun haben könnte, den die inzwischen verblichene Kara (Annie Parisse) in unbekanntem Auftrag über die Server des Verteidigungsministeriums ins Internet eingespielt hat.
Plötzlich bekommen Harold und John (Jim Caviezel) jedoch gleich sechs Nummern auf einmal auf den Tisch: sie gehören zu sechs Männern, die verstreut über das ganze Land hinweg leben. Es gibt zunächst keine sichtbare Verbindung zwischen ihnen. Drei von ihnen sind allerdings als vermisst gemeldet worden. John geht der Spur des in New York beheimateten Jack Rollins nach, der, wie es scheint, erst kürzlich nach Owen Island gefahren ist. John folgt ihm, obwohl das Wetter immer schlechter wird und die Insel schon bald von der Außenwelt abgeschlossen ist...
Der Sturm
Nach dem außergewöhnlichen Relevance kehrt Person of Interest mit Proteus wieder in etwas vertrauteres Fahrwasser zurück. Im Mittelpunkt der Folge steht der Fall-der-Woche. Zugleich beweist die Serie aber wieder mal ihre Fähigkeit, diesen auf eine Weise zu erzählen, wie wir es noch nicht zuvor gesehen haben. Vor allem in der zweiten Hälfte mutiert die Folge zu einer Art Horrorthriller: Reese und Finch - gefangen mit einer kleinen Gruppe von Menschen auf einer Insel. Und ein Serienkiller ist mitten unter ihnen. Von Außen ist keine Hilfe zu erwarten, weil ein Jahrhundertsturm tobt.
Das könnte sehr konstruiert wirken. Und tatsächlich enthält die Folge von der Inszenierung her so manches Horrorfilm-Klischee (etwa das Aufleuchten des Blitzes, das uns verrät, dass der Killer direkt hinter Finch steht). Der Sturm als solches funktioniert dagegen dramaturgisch sehr gut, was vor allem daran liegt, dass die Erinnerung an Hurrikan Sandy noch sehr frisch ist. Das Wissen des Zuschauers darum, dass New York und Long Island tatsächlich erst kürzlich von einem solchen Mördersturm getroffen worden sind, lässt das ganze Szenario natürlich gleich um ein Vielfaches glaubwürdiger erscheinen. Dazu muss man sagen, dass das Unwetter auch von Seiten der Spezialeffekte her sehr gut umgesetzt worden ist, so dass der Zuschauer relativ leicht in die Illusion hineinfindet, was wiederum für die Spannung gut ist.
Stimmungsvolle Kulisse
Dafür nimmt man dann auch in Kauf, dass der Serienkiller-Plot per se nicht mehr ganz so taufrisch ist - und zumindest der Rezensent sehr schnell einen (am Ende zutreffenden) Verdacht hatte, wer der wirkliche Täter ist. Und dabei habe ich ihn - als jemand, der mit Brothers & Sisters gleich nach dem Piloten wieder aufgehört hat - noch nicht einmal als einen sonderlich bekannen Gaststar erkannt.
Der Sturm funktioniert in der Folge auch noch auf andere Weise recht gut: nämlich als Metapher für die heraufziehende Bedrohung. John und Harold haben gemerkt, dass etwas mit der Maschine nicht stimmt - und haben diesbezüglich die gleiche Vermutung wie auch die Zuschauer: der Virus muss daran Schuld sein. Erneut sehen wir wieder zahlreiche blaue Inserts, die sich als kurze Unterbrechungen in die Verarbeitung der Videobilder einschleichen. Zugleich bleiben viele Bildschirme - wohl auf Grund des Sturms - gleich von vornherein leer. Die Maschine - sie sieht nicht mehr alles und ist nicht mehr ganz verlässlich. Für diese Erkenntnis bietet das grimmige Unwetter schon rein stimmungsmäßig natürlich die beste Kulisse.
Retter in der Not
Fusco (Kevin Chapman) ist in der Folge komplett abwesend. Dafür wird der private Nebenplot von Carter (Taraji P. Henson) weitergestrickt: Sie verhält sich immer noch abweisend gegenüber Cal (Sterling K. Brown) - und das, obwohl die gegen ihn vorgebrachten Vorwürfe an Vagheit kaum zu überbieten sind. Gut, der Kontakt zu ihm hat sie die Beförderung zum FBI gekostet. Von daher ist ihr Verhalten vielleicht begreiflich. Eigentlich noch besser kann man sich jedoch in Cal einfühlen, der überhaupt nicht versteht, was auf einmal los ist, sich am Ende aber - vielleicht nicht sonderlich überraschend, aber doch zur eigenen Genugtuung und zur Freude des Publikums - als Retter in der Not erweisen darf.
Fazit
Kein Glanzlicht, aber doch eine sehr solide Fall-der-Woche-Folge, die ihre Spannung nicht zuletzt aus der bedrohlichen Atmosphäre des heraufziehenden Unwetters bezieht.
Trailer zu Folge 2x18 „All In“
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Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 9. März 2013(Person of Interest 2x17)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x17
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?