Person of Interest 2x15

Das passiert in der Person of Interest-Folge Booked Solid:
Wer könnte Interesse daran haben, ein einfaches Zimmermädchen zu töten? Diese Frage stellen sich John (Jim Caviezel) und Harold (Michael Emerson). Denn laut Maschine ist Mira Dobrica (Mia Maestro, Alias) die neue Person of Interest. Um zu ermitteln, wo die Gefahr für sie liegen könnte, begeben sich sowohl John als auch Harold undercover ins Hotel. John als Kofferträger, Harold als Concierge.
Carter (Taraji P. Henson) erhält unterdessen Besuch von FBI-Agent Moss (Brian Hutchison). In den Unterlagen seines verstorbenen Kollegen Donnelly hat er eine Empfehlung gefunden, Carter in den FBI-Dienst zu berufen. Sie ist auch immer noch interessiert an dem beruflichen Wechsel und Aufstieg. Als erste Hürde muss sie dazu jedoch eine Lügendektor-Befragung über sich ergehen lassen. Und das macht ihr naturgemäß Sorgen, schließlich gibt es da eine kleine Sache, die sie tatsächlich zu verbergen hat...
Kitchen Nightmares
Fangen wir mal mit dem Negativen an. In Person of Interest gibt es davon in der Regel so wenig, dass es direkt Spaß macht, mal etwas gefunden zu haben: An der Sequenz mit John und Hersh (Boris McGiver) gibt es mindestens zwei Dinge auszusetzen: Erstens, warum schleppt Hersh John in die Küche? Hätte es im Hotel nicht zahlreiche Orte gegeben, die besser für eine Befragung geeignet gewesen wären - und die vor allem mit viel weniger Aufsehen hätten in Beschlag genommen werden können? Einer der Köche hätte ja schließlich auch die Polizei rufen können, wie man das so macht, wenn man gerade von einem bewaffneten Mann bedroht worden ist. Das wirkt ziemlich unklug von Hersh - und scheint vor allem der Tatsache geschuldet zu sein, dass die Autoren wohl dachten, dass die Küche einen ziemlich coolen Ort für eine Nahkampf-Szene bieten würde. Damit hatten sie auch Recht. Auch wenn sie sich dafür ein bisschen an der Plausibilität versündigen mussten.
Zweitens, John besiegt Hersh. Er rammt ihm ein Messer in den Bauch, aber nicht so tief, dass Hersh sterben müsste, sondern nur gerade so weit, dass er ihm nicht folgen kann. Und dann schwadroniert John noch darüber, dass Hershs Auftraggeber ihm diese Gnade wohl nicht erwiesen hätten, bevor er davonmarschiert. Das ist schon wieder sehr cool von ihm. Es lässt den Zuschauer jedoch gleichzeitig etwas staunend zurück, wieso John nicht die Gelegenheit nutzt, nun seinerseits Hersh ein paar Fragen zu stellen, etwa nach dessen Auftraggeber. Oder danach, wieso dieser daran interessiert war, die polizeiliche Untersuchung zum Mord an Alicia Corwin zu torpedieren. Ach, Gesprächsstoff zwischen den beiden hätte es eigentlich genug gegeben. Und so ein Messer im Bauch ist auch ein guter Ice Breaker. Aber, nö, John zieht einfach von dannen.
Aber gut, der Gesprächigste war er ja noch nie. Den weiblichen Hotelgast, der ihn da so schamlos angräbt, würdigt er zum Beispiel keines einzigen Wortes, sondern setzt nur das schiefeste Lächeln auf, welches die Anatomie von Jim Caviezels Gesicht physiologisch gestattet.
Formidable Gegner
Die Unzulänglichkeiten an Johns Aufeinandertreffen mit Hersh sind aber auch der einzige nennenswerte Kritikpunkt an Booked Solid. Ansonsten ist die Folge nämlich spannend und clever wie eh und je - und das sowohl im Fall der Woche als auch in der folgenübergreifenden Handlung. Die Spannung resultiert dabei nicht zuletzt aus der kurzen und doch prägnanten Zeichnung der gegnerischen Figuren: Die meisten Actionserien begnügen sich ja damit, uns einfach irgendwelche tumben Schläger und Revolvermänner vorzusetzen. Nicht jedoch Person of Interest. Die Unverfrorenheit, mit der Hersh vor einer Polizeiwache - geradezu lässig - einen Streifenwagen klaut, zeigt wie abgebrüht er ist (und ist nebenbei auch ziemlich witzig). Die Rotation der Beobachtungsposten demonstriert unterdessen die Professionalität (und damit die Gefährlichkeit) des Killer-Kommandos. Es sind genau solche vermeintlichen Kleinigkeiten, durch die sich Person of Interest vom Serien-Einheitsbrei unterscheidet.
Sehr schön ist auch der Showdown im Polizeirevier: Ausgerechnet an einem Ort, an dem man sich eigentlich vollkommen sicher glaubt, droht Mira ein neuer Anschlag auf ihr Leben. Das ist es, was diese Szene so spannend macht. Und sie kommt ohne John und Harold als Retter in der Not aus, sondern zeigt, ähnlich wie zuvor schon Fuscos (Kevin Chapman) Alleingang gegen zwei Killer, dass sich ihre beiden Cop-Freunde auch sehr gut ohne sie schlagen, was ja auch immer mal wieder ganz gut ist, sich ins Gedächtnis zu rufen.
Gefährliche Liebschaften
Eine kuriose Wendung erfährt derweil Carters FBI-Plot. Nicht die Verbindung zu John und Harold erweist sich am Ende für sie als Stolperfalle, sondern ihre aufkeimende private Beziehung zu dem scheinbar ganz netten, aber wohl doch nicht ganz aufrichtigen Drogenfahnder Cal Beecher (Sterling K. Brown).
Menschen im Hotel
Die Undercover-Mission im Hotel bietet unterdessen Gelegenheit für zahlreiche witzige, aber auch aufschlussreiche Momente. Harold ist offenbar der geborene Concierge. Obwohl es nur eine Tarnung ist, macht er seine Sache richtig gut - und scheint dabei (etwa als er einem Paar eine nicht ganz auftragsgemäße Restaurantempfehlung gibt) auch seinen Spaß zu haben. Menschen zu helfen, liegt ihm anscheinend im Blut. Egal, ob es darum geht, ihre Ermordung zu verhindern, oder nur ihnen den Weg zum stillen Örtchen zu weisen. Und er tut, was er kann, selbst wenn dies bedeutet, dass er mal eben das ganze Hotel kauft.
Schlicht göttlich ist natürlich die zufällige Begegnung von John und Zoe (Paige Turco) im Fahrstuhl. Sie blinzelt nicht mal, als ihr John auf einmal als Hotelangestellter begegnet. In Coolness steht sie ihm halt in nichts nach. Und auch sonst geben die beiden wieder mal ein prima Paar ab. Sehr schön ist dabei vor allem, dass deutlich wird, dass Zoe nicht nur ein Aushilfs-Teammitglied von John und Harold ist, das immer dann zu Hilfe gerufen wird, wenn sie mal wieder kurvenreiche weibliche Unterstützung brauchen, sondern sie - wenn auch nur indirekt - von John und Harolds Eingreifen selbst beruflich profitiert. Es unterstreicht ihre Selbständigkeit, die sie auch John gegenüber noch einmal betont. Aber das macht sie für ihn sicherlich nur noch attraktiver.
Cliffhanger
Booked Solid endet mit einem grandiosen Cliffhanger: Root (Amy Acker) hat es also tatsächlich geschafft, sich als Sekretärin ins Büro von Hershs Hintermann im Office of Special Counsel (Jay O. Sanders) einzuschleichen. Was auch absolut Sinn ergibt: schließlich konnte sie Hersh am Ende von Bad Code beobachten - und hat ihn ganz offensichtlich zu seinem Auftraggeber zurückverfolgt.
Sie nähert sich also der Maschine jetzt von der anderen Seite. Eine gruselige Vorstellung. Welche aber natürlich um so mehr Vorfreude auf den weiteren Fortgang der Handlung weckt.
Fazit
Nach dem kleinen Durchhänger in der Vorwoche (One Percent) zeigt sich Person of Interest mit Booked Solid wieder in Topform. Eine der besten Dramaserien im US-Fernsehen.
Trailer zu Folge 2x16 „Relevance“
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Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 16. Februar 2013(Person of Interest 2x15)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x15
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?