Person of Interest 2x13

Das passiert in der Person of Interest-Folge Dead Reckoning:
Kara (Annie Parisse) hat nicht nur Snow (Michael Kelly), sondern nun auch Reese (Jim Caviezel) eine Sprengstoff-Weste umgeschnallt. Sie zwingt die beiden dazu, gemeinsam für sie Botengänge zu erledigen. Bei einem russischen Hacker holen sie die nach Karas Anforderungen speziell formatierte Festplatte ab, welche Snow in Critical) für Kara gestohlen hatte. Als Nächstes erhalten er und Reese von ihr den Auftrag, als Bundesagenten getarnt in ein Hochhaus einzudringen, in dem das Verteidigungsministerium eine streng geheime Abteilung unterhält.
Carter (Taraji P. Henson), die anders als Donnelly (Brennan Brown) Karas Attacke überlebt hat, informiert Finch (Michael Emerson) darüber, was passiert ist. Gemeinsam mit Fusco (Kevin Chapman) versuchen sie, die Spur von Kara und Reese aufzunehmen.
Plots, die vergehen
Mit der Ausnahmefolge Prisoner's Dilemma kann man Dead Reckoning natürlich nicht vergleichen. Trotzdem gelingt Person of Interest auch mit der Auflösung des Cliffhangers eine überaus spannende und wendungsreiche Folge, die bestens zu unterhalten versteht.
Einerseits finden mehrere Plots beziehungsweise Subplots in Dead Reckoning ihr Ende: Reese kehrt drei Folgen nach seiner Festnahme in Shadow Box wieder nach Hause zurück, worüber sich nicht nur Bear so sehr freut, dass er sich kugeln könnte. Snow - in dem Bewusstsein, dass ihm nun auch die CIA nicht mehr helfen kann - bedankt sich bei Kara auf seine Weise für die Demütigung der wochenlangen Gefangennahme: Er reißt sie mit in den Tod. Und diesmal gibt es - siehe die Bilder der Überwachungskamera am Schluss - wohl keinen Zweifel, dass beide Figuren wirklich tot sind.
Das FBI ist daraufhin der Überzeugung, dass Snow der „Mann im Anzug“ gewesen sein muss, den der selige Donnelly gejagt hat. Damit wäre das also auch erledigt: Carter kann zumindst vorerst durchatmen; sie muss nun nicht mehr unmittelbar fürchten, dass das FBI ihrer Zusammenarbeit mit Reese auf die Schliche kommt.
Plots, die entstehen
Andererseits wird in der Folge ein neuer großer Handlungsfaden aufgemacht: Es scheint nämlich nicht so, als hätten die Chinesen, also die chinesischen Behörden, Kara nach der Aktion in Ordos gefangen genommen. Stattdessen bekommen wir es mit einem neuen mächtigen Player zu tun, der sich selbst reichlich mysteriös als Abkömmling der Titanen beschreibt. Nennen wir ihn also der Einfachheit halber provisorisch „Zeus“ (John Nolan, der Onkel von Serienschöpfer Jonathan Nolan). Dieser hat sich, wie die Rückblenden verraten, Karas Kooperation mit dem Versprechen erkauft, ihr den Namen des tatsächlichen Verräters zu nennen, der seinerzeit den Chinesen den Laptop verkauft hatte.
Als Zeus ihr sagt, dass er nur den Namen hat, aber unmöglich etwas über den Mann dahinter herausfinden konnte, da beschleicht einen als Zuschauer ja schon so eine Ahnung. Die in der letzten Einstellung mit dem Stück Papier, das inmitten des Flammenmeers herumfliegt, bestätigt wird. Harold Finch!? Mutmaßungen darüber, wie das sein kann, bitte in die Kommentare. Dem Rezensenten selbst fällt dazu spontan nur eine Lösung ein: Könnte Ingram - der Einzige, der Harold kannte - vielleicht dessen Identität benutzt haben, um den Laptop zu verkaufen? Steckt das vielleicht auch als Grund hinter Ingrams Ermordung? Nur so ein Gedanke.
Cyberwar
Dass Kara und ihr Hintermann im Cyberwar-Labor der Regierung nichts stehlen, sondern im Gegenteil etwas einschmuggeln wollen, ist eine schöne Wendung, welche zudem für ein neues Rätsel sorgt: Was ist es, das da in fünf Monaten (Hey, das ist ja pünktlich zum Staffelfinale...!) live gehen soll? Plant jemand eine Attacke auf die Maschine? Vielleicht einen Virus, der sie blind macht? Oder ist es gar umgekehrt - und Zeus plant, seine eigene Maschine (nach dem Vorbild der Pläne/Codes, die er auf dem Laptop gefunden hat) für seine Zwecke in Betrieb zu nehmen?
Die Erwähnung von Stuxnet und den realen Möglichkeiten der Cyber-Kriegsführung gibt der Folge die nötige Erdung, damit die Thematik für das breite Publikum nicht zu abgehoben und zu SciFi ist. Die Veränderung der Gefährdungslage wird auch sehr schön dadurch deutlich, dass Kelly zunächst davon überzeugt ist, dass sie es mit einem Biowaffen-Labor zu tun haben müssen. Ihm kommt zunächst - wie wohl den meisten von uns - gar nicht in den Sinn, dass es inzwischen auch sehr effektive Wege der alternativen Kriegsführung auf elektronischem Gebiet gibt.
Freunde in der Not
Bei der späteren Szene auf dem Dach ist es wohl ziemlich klar, dass Reese und Finch nicht gemeinsam in die Luft fliegen werden. Trotzdem ist es eine sehr schöne Szene - allein durch die Interaktion der Figuren. Reese ist - wieder mal - fest entschlossen, allein den Opfergang anzutreten (Jim Caviezel kennt das ja schon - er hat ja Jesus gespielt). Carter kann er von sich fernhalten, nicht aber Finch, der sich selbst mit vorgehaltener Pistole nicht davon abbringen lässt, John zu helfen.
Genau hier offenbart sich das Herz und die Seele der Serie: in der bedingungslosen Freundschaft zwischen den beiden Protagonisten. Zu den wohl berührendsten Augenblicken zählt dabei, wie Reese seine Dankbarkeit artikuliert. Er ist ja nicht gerade jemand, der häufig seine Gefühle zeigt. Ein Gefühl, das ihm jedoch keine Schwierigkeiten bereitet, ist Dankbarkeit. Das haben wir schon früher gesehen (beispielsweise in Risk, als er sich bei der Obdachlosen bedankt, die sich um ihn gekümmert hat). Und das sehen wir hier wieder. Er vergisst nicht, wenn jemand gut zu ihm gewesen ist, und zollt dafür seine aufrichtige Dankbarkeit. Es gibt wohl keinen anderen Charakterzug an unserem ehemaligen CIA-Killer, der so sympathisch ist wie dieser.
November 2012?
Kleine Mängel gibt es in Dead Reckoning natürlich auch: Warum nimmt Snow nicht die Pistole, um Reese im Serverraum aufzuhalten? Warum lässt er sich auf einen Zweikampf an - so schön dieser auch choreographiert ist - , von dem er doch eigentlich wissen müsste, dass er ihn nicht erfolgreich bestehen kann? Und dann die irritierenden Zeiteinblendungen, wie ständig von 2012 als Gegenwart sprechen, so als hätten die Produzenten nicht genau kalkuliert, wann Dead Reckoning ausgestrahlt wird. Aber das sind, wie gesagt, Kleinigkeiten.
Fazit
Dead Reckoning ist ein Paradebeispiel für das, was Person of Interest so hervorragend beherrscht: Auf der einen Seite werden neue Plots aufgemacht, auf der anderen Seite aber auch alte geschlossen. Und häufig entwickelt sich das eine (Zeus) organisch aus dem anderen (Kara). Entsprechend hat man als Zuschauer durchweg das Gefühl, dass die Autoren hier wirklich wissen, was sie tun, was einen die Serie nur um so mehr genießen lässt.
Trailer zu Folge 2x14 „One Percent“
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Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 2. Februar 2013(Person of Interest 2x13)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x13
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?