Person of Interest 2x08

Das passiert in der Person of Interest-Folge Til Death:
John (Jim Caviezel) und Harold (Michael Emerson) erhalten von der Maschine gleich zwei Nummern auf einmal: die von Daniel Drake (Mark Pellegrino, Lost) und die von seiner Ehefrau Sabrina (Francie Swift). Die beiden betreiben ein großes Verlagshaus, welches gerade ein Buch über eine gefährliche rechtsgerichtete Miliz herausgebracht hat. John und Harold glauben zunächst, dass dem Ehepaar genau von dieser Seite aus Gefahr droht. Tatsächlich liegt die Bedrohung für das Verleger-Paar sehr viel näher - und ist sehr viel komplizierter als gedacht.
Unterdessen beginnen John und Carter (Taraji P. Henson) ein Misstrauen gegen Fusco (Kevin Chapman) zu entwickeln. Ständig verdrückt er sich, wenn er telefonieren muss. Wenn John oder Harold ihn erreichen wollen, geht er nicht ans Handy. Irgendwas, dessen ist John sich sicher, geht da vor. Damit hat er auch Recht. Es ist nur etwas ganz anderes, als er erwartet hätte...
Mal was anderes
Mit Til Death traut sich Person of Interest etwas. Äußerlich bleibt die Serie zwar ihrem Format durchaus treu. Und doch probiert die Serie hier etwas gänzlich Neues. Zwar hatte man sich schon in High Road an das Thema romantischer Beziehungen herangetastet, ist damit aber noch nicht mal ansatzweise so weit gegangen wie in Til Death. Alles, auch der Fall-der-Woche, ist hier dem Thema Beständigkeit von Liebe und partnerschaftliche Kommunikation untergeordnet.
Vor allem im emotionalen Erleben des Zuschauers macht sich das bemerkbar: Die Krimi- beziehungsweise Action-Spannung spielt in Til Death eine unbedeutende Nebenrolle. Stattdessen ist es eine Folge, die ungemein zu Herzen geht. Man könnte fast meinen, die Macher hätten sich im Datum vertan und aus Versehen schon jetzt eine Valentinstags-Episode gedreht. Wir werden Zeugen, wie drei Beziehungen entstehen, und wie eine (fast) vergeht und nur durch John und Harolds Intervention gerettet wird.
Was für ein süßes Paar!
In Rückblenden sehen wir, wie Harold und Grace (Carrie Preston, True Blood) einander näherkommen. Bislang hat die Serie die große Liebe zwischen den beiden nur behauptet. In Til Death wird sie jedoch zum ersten Mal wirklich greifbar. Die Schnitzeljagd, die Harold zu ihrem Geburtstag veranstaltet, ist einfach nur süß. Harold zeigt darin, wie gut er ihr zuhört und auf sie eingeht - angefangen bei ihrem Lieblingseis bis hin zu jenem für sie so bedeutsamen Gemälde, welches ein „anonymer Gönner“ - ja, ja - dem Guggenheim-Museum gestiftet hat. Grace nimmt ihm im Gegenzug den Druck, sich unbedingt und auf der Stelle ihr gegenüber mit seinen Geheimnissen offenbaren zu müssen. Sie akzeptiert ihn, so wie er ist und so wie er sich gibt. Man müsste schon ein Herz aus Stein haben, um nicht in dem Augenblick, als sie sich schließlich küssen, einen Seufzer der Rührung und leisen Wehmut von sich zu geben.
Michael Emerson und Carrie Preston machen das richtig gut. Man könnte meinen, dass sie sich wirklich lieben. Ähem.
Ein Date im Polizeiauto
Noch nicht ganz so prickelnd ist die sich anbahnende Romanze zwischen Carter und ihrem Kollegen aus der Drogenfahndung (Sterling K. Brown). Dazu läuft das Ganze zu erwartungsgemäß ab. Auch wenn es natürlich wiederum sehr süß ist, wie Carter zu verbergen sucht, wie sehr ihr die Einladung ihres Kollegen schmeichelt.
Wirklich gelungen ist dagegen der Romantik-Plot mit Fusco, gerade weil er unsere Erwartungen durchweg auf den Kopf stellt. Das beginnt schon damit, dass wir als Zuschauer ja sogar noch mehr als Reese oder Carter annehmen müssen, dass sich - im Lichte von Bury the Lede - hinter Fuscos ausweichendem Verhalten etwas Finsteres verbirgt. Umso mehr sind wir natürlich erleichtert, dass es in Wahrheit „nur“ um ein Date geht. Welches ebenfalls einen völlig anderen Verlauf nimmt, als man zunächst meinen sollte. Sieht nämlich zuerst alles danach aus, dass Rhonda (Tricia Paoluccio) außerhalb von Fuscos Liga ist und er mit seiner Unbeholfenheit dem Date den Rest gibt, zeigt sich jedoch schnell, dass sie überraschend verständnisvoll und wirklich an ihm interessiert ist. Sie mag Falafel lieber als schicke Restaurants, weiß um die zeitliche Beanspruchung eines Polizisten - und ist regelrecht begeistert, als er sie zu seinem Einsatz mitnimmt.
Ein bisschen ist es hier wie mit Grace und Harold: Sie vermittelt ihm ein Gefühl der Sicherheit, dass er sich so geben darf, wie er ist. Prompt haben die beiden den größten Spaß miteinander. Und als sie ihn mit einem Küsschen und der Aussicht auf ein „nächstes Mal“ verabschiedet, kann man kaum anders, als sich mit Fusco zu freuen. Endlich widerfährt ihm, dem so oft Herumgestoßenen, auch mal etwas Gutes!
Sie schlugen sich, sie küssten sich
Auch der Fall-der-Woche dreht sich um eine Beziehung: ein Ehepaar, welches gegenseitig Profikiller auf den jeweils anderen ansetzt. Das ist ein herrlich skuriler Twist, der nach einer nicht minder skurilen Auflösung ruft. Statt mit ihren üblichen Mitteln müssen John und Harold hier quasi als Zwangs-Eheberater auftreten - und die Situation mittels eines romantischen Dinners zwischen den Eheleuten bereinigen. Das ist nicht nur witzig, sondern im Rahmen der Serie auch höchst ungewöhnlich.
Leider funktioniert die Auflösung des Plots hinten und vorne nicht. So schön die Idee auch vom Ansatz her ist: Die Versöhnung zwischen den beiden kommt viel zu schnell. In einer 45-minütigen TV-Folge, in der dies nur ein Plot unter mehreren ist, geht das natürlich auch gar nicht anders. Und da liegt das Problem. Realistisch und plausibel lässt sich diese Wendung in so kurzer Zeit einfach nicht erzählen. Vor fünf Minuten screen time wollten sie sich noch umbringen - und jetzt denken sie darüber nach, noch ein Baby zu bekommen??? Das geht vielleicht in einer Sitcom, aber nicht in einer Dramaserie.
„Schatz, tut mir leid, dass ich Dich umbringen wollte!“ Mark Pellegrino ist ein großartiger Schauspieler. Aber selbst er schafft es unter solchen Bedingungen nicht, diesen Satz so zu transportieren, dass er nicht unfreiwillig lächerlich klingt.
Red Socks
John hält sich aus dem ganzen Beziehungsgeschehen heraus. Allerdings gibt es eine schöne Szene, welche eine für ihn wichtige Beziehung noch mal herausstellt - nämlich die zu Harold. Die Rede ist natürlich von dem kurzen Gespräch, das die beiden über Baseball führen, und in dem John - vermeintlich unschuldig - Harold zu entlocken versucht, welcher denn sein Lieblingsverein gewesen ist. Großartig, wie Harold plötzlich lachen muss, weil ihm klar wird, dass John natürlich herauszufinden versucht, in welcher Region der USA er aufgewachsen ist! Für die Beziehung der beiden ist das sehr bezeichnend: So eng sie auch als Freunde schon zusammengewachsen sind, haben sie trotzdem nach wie vor ihre Geheimnisse voreinander.
Fazit
Als Abwechslung sehr interessant und lustig. Und natürlich auch für die private Dimension der Figuren sehr aufschlussreich. Trotzdem sollten Beziehungsfolgen in Person of Interest besser nicht zur Gewohnheit werden. Vor allem, wenn die Auflösung einer Folge dann so sehr darunter leidet, wie dies hier der Fall ist.
Trailer zu Folge 2x09 „C.O.D.“
[videosj=person-of-interest-2x09-trailer]
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 1. Dezember 2012(Person of Interest 2x08)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?