Person of Interest 2x07

Person of Interest 2x07

Ein alter Bekannter. Und ein brandneuer Bösewicht, Brite noch dazu. Das sind die Ingredienzien einer sehr unterhaltsamen neuen Folge von Person of Interest. Da schaut man dann auch über den ein oder anderen kleinen Schwachpunkt hinweg.

Gepflegte Konversation unter Gegnern. / (c) CBS
Gepflegte Konversation unter Gegnern. / (c) CBS

Erstmals passiert es Reese (Jim Caviezel) und Finch (Michael Emerson), dass ihnen die Maschine eine Nummer zum zweiten Mal ausspuckt. John fragt noch, wer denn so blöd sein kann, sich ein weiteres Mal in tödliche Gefahr zu begeben, als ihm auch schon Leon (Ken Leung, The Contingency) vor die Füße fällt, welcher diesmal versucht hat, die Russen-Mafia aufs Kreuz zu legen, weshalb diese gar nicht gut auf ihn zu sprechen ist. John versteckt Leon - gut bewacht von Bear - in Harolds Bibliothek, als auch schon die nächste Nummer eintrudelt.

Diese führt sie in ein Krankenhaus zu der Herzchirurgin Dr. Madeleine Enright (Sharon Leal, Hellcats). John und Harold können sich zunächst nicht erklären, in welchen Schwierigkeiten die Ärztin stecken könnte, bis sie auf einmal mitbekommen, dass Madeleine erpresst wird: Sie soll einen Patienten, den Geschäftsführer eines Energiekonzerns, über die Klinge springen lassen. Wenn sie es nicht tut, dann droht der Erpresser (Julian Sands) damit, Madeleines Frau Amy (Erica Leehrsen) zu ermorden...

Sands. Julian Sands.

Es war ja sehr schön, in den vergangenen Wochen die Rückkehr vieler vertrauter Gesichter - unter anderem Elias, Snow und Zoe - zu beobachten. Doch Person of Interest bleibt dabei nicht stehen, sondern führt in Critical einen neuen Gegenspieler ein, mit dem wir in Zukunft wohl noch häufiger das Vergnügen haben werden. Und zumindest von seinem ersten Auftritt her zu schließen, bringt Wesley (Sands), wenn wir ihn denn mal so nennen, durchaus Potenzial mit.

Er ist ein ehemaliger MI6-Agent, der als kultivierter und vorausschauender Stratege operiert. Nachdem John den ersten Scharfschützen ausgeschaltet hat (und damit Amy in Sicherheit glaubt), sich dann aber herausstellt, dass Wesley gleich mehrere Killer auf sie angesetzt hat, wird uns genau so wie John klar, dass wir es hier mit einem alle Eventualitäten berücksichtigenden und damit ungemein gefährlichen Gegner zu tun haben. Selbst im Augenblick seiner Niederlage zeigt er a) Größe, indem er als guter Sportsmann John Respekt erweist, macht aber b) gleichzeitig klar, dass er weiterhin eine Kraft ist, mit der man rechnen muss. So verblüfft er John damit, dass er sich an ihn aus einem Einsatz im Irak erinnern kann, John kann das umgekehrt dagegen nicht.

In Wesley haben John und Harold einen weiteren Gegenspieler, der mit ihnen auf Augenhöhe agiert. Genau das, was Person of Interest braucht, um spannend zu sein und zu bleiben.

Was für ein Zufall!

Etwas konstruiert wirkt sicherlich, dass Leon ausgerechnet in dem Moment zur Stelle ist, als unsere Protagonisten jemanden am Computer brauchen. Da John bereits Amy beschützen, aber auch jemand bei Madeleine im Krankenhaus sein muss, fehlt jetzt einer, der am Computer recherchiert und die Hintergründe ermittelt. Also das, was Harold normalerweise tut. Da ist es natürlich ein sehr dankbarer Zufall, dass sie ausgerechnet in diesem Augenblick Leon in der Bibliothekt sitzen haben, der ja schon bei seinem ersten Auftritt in der Serie bewiesen hat, dass er gut mit Rechnern kann.

Natürlich hätte die Rolle der Informationsgeberin auch Carter (Taraji P. Henson) spielen können. Diese war in Critical jedoch durch ihren eigenen Handlungsstrang bereits genug beschäftigt. Snow legt für sie einen Hinweis aus, durch den es ihm möglich ist, mit ihr Kontakt aufzunehmen und sie auf seine Zwangslage aufmerksam zu machen. Das ist sehr clever. Noch cleverer wäre es natürlich gewesen, wenn er Karas Namen ausgesprochen hätte, anstatt Carter und Reese, für den seine Botschaft bestimmt war, raten zu lassen, wer den nun mit „sie“ gemeint ist. Wohl um die Überraschung für John nicht zu verderben, wenn er bestimmt irgendwann später dann mit eigenen Augen sehen wird, dass seine ehemalige Partnerin noch lebt, ist auch das ein Moment der ein klein bisschen konstruiert daherkommt. Nicht so, dass es einen gravierend stören würde, aber doch so, dass es auffällt.

Wobei man der Episode zu Gute halten muss, dass sie von Sean Hennen geschrieben wurde, einem der „Küken“ im Autorenteam von Person of Interest, welches - was ja durchaus interessant und erfreulich ist - sich aus einer Mischung von „alten Hasen“ (unter anderem Patrick Harbinson und David Slack) und Neulingen (unter anderem Sean Hennen und Nic van Zeebroek) zusammensetzt, für die Person of Interest zum Teil die erste Serie ist, an der sie überhaupt als Autoren arbeiten. Den Mix aus Erfahrenheit und frischem Blut merkt man der Serie auch kreativ an. Was eben auch manchmal heißt, dass sich die Autoren im jugendlichen Überschwang die Dinge dann so hinbiegen, wie sie sie brauchen.

Aber zurück zu Leon: Sein Auftritt und nicht zuletzt auch sein erneutes Zusammentreffen mit Bear sind natürlich ganz klar der comic relief in der Episode. Und es spricht in der Tat nichts dagegen, Leon von Zeit zu Zeit wieder in die Serie zurückzuholen.

Total normal

Ein besonderes Kompliment muss in dieser Woche an Person of Interest gehen, was den Umgang mit Madeleines Ehe angeht. Im Ranking der GLAAD (Gay & Lesbian Alliance Against Defamation) rangiert CBS unter den Networks normalerweise auf dem letzten Platz, wenn es um die Häufigkeit von schwul-lesbischen Figuren in Serien geht „43565“.

Mit Critical leistet Person of Interest einen viellecht weniger quantitativ als vielmehr qualitativ wichtigen Beitrag, das zu ändern. Und auch hier zeigt sich sehr wahrscheinlich der Einfluss, der durch die jüngeren Mitglieder im Autorenteam zum Tragen kommt. Dass Madeleine und Amy ein lesbisches Ehepaar sind, wird in der Folge mit keinem einzigen Wort thematisiert. Es wird einfach als eine Selbstverständlichkeit dargestellt. In einem Land, in dem das noch keineswegs selbstverständlich ist, kann man die Wichtigkeit solcher Bilder kaum überschätzen.

Fazit

Nicht ganz fehlerfrei, aber trotzdem eine sehr spannende Episode mit einem neuen Gegenspieler, auf dessen Rückkehr man sich auf jeden Fall freuen darf. Ebenso wie auf die Antwort darauf, was Kara bloß mit Mark noch alles vorhat.

Schade nur, dass wir jetzt bis nach Thanksgiving auf die nächste Folge warten müssen.

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 17. November 2012
Episode
Staffel 2, Episode 7
(Person of Interest 2x07)
Deutscher Titel der Episode
Lebensbedrohlich
Titel der Episode im Original
Critical
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 15. November 2012 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 6. August 2013
Autor
Sean Hennen
Regisseur
Fred Toye

Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x07

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