Person of Interest 1x23

Person of Interest 1x23

Wie schnell die Zeit vergeht: Noch vor wenigen Monaten war Person of Interest eine neue Serie unter vielen, skeptisch beäugt. Inzwischen ist es nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch spannendsten Neustarts der Season, was das Staffelfinale Firewall eindrucksvoll unterstreicht.

Amy Acker und Jim Caviezel in der US-Serie „Person of Interest“ / (c) CBS
Amy Acker und Jim Caviezel in der US-Serie „Person of Interest“ / (c) CBS

Ein neuer Tag, eine neue Nummer: Die Maschine weist Reese (Jim Caviezel) und Finch (Michael Emerson) auf die Psychologin Dr. Caroline Turing (Amy Acker) hin, welche zahlreiche gut betuchte und auf besondere Diskretion bedachte Patienten hat. Reese und Finch glauben, dass möglicherweise einer darunter ist, der es möglicherweise bedauert, gegenüber Caroline so offen gewesen zu sein. Dieser Verdacht scheint sich zu bestätigen, als Fusco (Kevin Chapman) herausfindet, dass HR damit beauftragt worden ist, Caroline umzubringen.

Reese versucht, die Frau zu beschützen. Dazu schleicht er sich bei ihr als Patient ein, muss dabei jedoch aufpassen, dass sie ihn nicht all zu sehr durchschaut. Finch versucht, dem Auftraggeber des Mordanschlags auf die Schliche zu kommen. Nicht ahnend, dass Alicia (Elizabeth Marvel) wiederum ihm selbst auf den Fersen ist. Reese gelingt es, einen Anschlag auf Caroline zu verhindern. Das bringt allerdings das FBI unter Führung von Agent Donnelly (Brennan Brown) auf seine Spur...

Mehr als nur ein Procedural

Person of Interest ist eine Serie, bei der man unglaublich viel hätte falsch machen können. Es hätte ein reines Case-of-the-Week-Procedural werden können mit einem einzelnen fortlaufenden Handlungsstrang, der jeweils pünktlich zu den Sweeps und im Staffelfinale einmal aufgegriffen - und über Jahre hinweg ausgewalzt wird. Doch weit gefehlt! Die Serie hat einen ganz eigenen Weg eingeschlagen „37743“. Ja, sie setzt natürlich auf zumeist abgeschlossene Fälle-der-Woche. Darüber hinaus entfaltet sie jedoch ein ganzes Panorama an Figuren und Handlungssträngen, die im Verlauf der ersten Staffel immer mal wieder angespielt werden.

Was sich dadurch beim Zuschauer einstellt, ist ein Gefühl der Lebendigkeit und der Fülle. Nicht nur die Hintergründe der Figuren werden sorgsam ausgearbeitet - und uns nach und nach präsentiert. Auch die Welt von Person of Interest ist eine, welche höchst facettenreich ausgestaltet ist. Es gibt (bislang) nicht den einen big bad. Stattdessen haben es unsere Protagonisten mit einem breiten Spektrum an Gegenspielern zu tun, die von unterschiedlichen Motiven angetrieben werden - und deren Handlungsweise deshalb auch je unterschiedlich zu bewerten ist.

Während es die CIA darauf abgesehen hat, John zu eliminieren, ist beispielsweise das FBI (wie Donnelly in Firewall noch mal klar sagt) daran interessiert, ihn lebend zu schnappen. Donnelly will John ja gerade dazu benutzen, die Machenschaften der CIA aufzudecken. Das ist ja per se erst mal keine schlechte, sondern im Gegenteil sogar eine sehr löbliche Zielsetzung, die allerdings auf einer völlig falschen Schlussfolgerung darüber beruht, was John eigentlich gerade treibt. Die Gegnerschaft hier resultiert eher aus einem Missverständnis heraus, was die Sache für John natürlich nicht besser macht, als er im Hotel (welch grandiose Szene!) auf einmal zwischen den Fronten - HR und FBI - steht.

Eine alte Bekannte

Wie im wirklichen Leben verschiebt sich in Person of Interest der Fokus der Aufmerksamkeit - und wird unsere Konzentration häufig von mehr als einer Sache gleichzeitig in Anspruch genommen. Kaum eine Folge respräsentiert diese Qualitäten der Serie so sehr wie das Staffelfinale Firewall.

Die Episode beginnt, als wäre es ein gewöhnlicher Fall-der-Woche. Aber mehr und mehr ergeben sich Verflechtungen mit den fortlaufenden Handlungssträngen und wiederkehrenden Figuren (Willkommen zurück Paige Turco!) der Serie. Sogar denen, die man schon fast ein bisschen aus dem Auge verloren hat. Nicht Elias (Enrico Colantoni muss jetzt schließlich die letzten Folgen von Flashpoint drehen), nicht die CIA - und auch nicht Alicia ist hier die große Antagonistin, sondern Root, die Computer-Hackerin, die sich schon einmal (Root Cause) mit Finch angelegt - und nun einen Plan ausgetüftelt hat, wie sie ihn in die Falle locken kann, um Kontrolle über die Maschine zu erlangen.

Amy Acker ist ganz großartig in der Rolle. Ja, sicherlich verrät das Casting schon ein bisschen, dass es sich sehr wahrscheinlich nicht um einen x-beliebigen Part handelt, den sie da spielt. Dass es dann jedoch eben dieser Part ist, überrascht dann allerdings doch. Dabei ist Acker für Turing (welch raffinierter Hinweis auf ihre eigentliche Profession!) die perfekte Besetzung, weil sie es versteht, die Figur vollkommen glaubwürdig in allen drei Phasen zu verkörpern: die seriöse Psychologin, die alles stets unter Kontrolle zu halten versucht; das durch den Mordanschlag aufgeschreckte Mädchen, das den Beschützerinstinkt weckt. Und schließlich die diabolische und mordlustige Strippenzieherin hinter den Kulissen.

Der Moment der Erkenntnis

Die Szene im Hotel gibt Finch Gelegenheit, mit einem brillanten Einfall (das Ausschalten der Mobilfunk-Sender) zu glänzen, und zeitigt nebenher auch noch einen - schon lange erwarteten - Effekt: Detective Carter (Taraji P. Henson) versucht, Reese bei der Flucht zu verhelfen. Da sie jedoch glaubt, dass Fusco (Kevin Chapman) ein korrupter Cop ist, der mit HR unter einer Decke steckt, meint sie, dass er die Killer mit Informationen versorgt, und will ihn mit gezogener Waffe dazu bringen, damit aufzuhören. Mit unbändiger Überraschung muss sie jedoch hören, dass Fusco mit jemand ganz anderem zusammenarbeitet.

Was diesen Moment der Erkenntnis so vergnüglich macht, sind nicht zuletzt die unterschiedlichen Reaktionen der beiden Polizisten: Während Carter dachte, zumindest einigermaßen im Bilde zu sein, und deshalb entsprechend verblüfft, ja fassungslos ist, als sie begreift, dass Fusco die ganze Zeit ebenfalls mit Finch und Reese im Bunde gewesen ist, zeigt sich dieser weitaus weniger überrascht: Es scheint fast so, dass ihn, wenn es um Finch und Reese geht, gar nichts mehr wundert.

Gleich im Anschluss haben Carter und Fusco einen schönen hero moment, als sie Reese aus der Klemme befreien, was besonders für Fusco ja eine sehr heikle Angelegenheit ist, da er ja fürchten muss, von den HR-Leuten erkannt zu werden. Krönender Abschluss der Sequenz ist aber natürlich der Vorschlag von Reese, doch mal zusammen einen trinken zu gehen, nachdem er gerade das Auto der HR-Cops in die Luft gejagt hat. Coolness, Dein Name ist Caviezel!

Fazit

Nach Flesh and Blood lautete die große Frage: Was will Person of Interest jetzt eigentlich noch als Staffelfinale bringen? Firewall ist die mehr als überzeugende Antwort darauf. Rasant erzählt, voller Spannung und Action, und mit der wunderbaren Amy Acker als Gaststar laufen in der Folge zahlreiche Handlungsstränge zusammen - und führen zu einem höchst faszinierenden Cliffhanger: Nachdem Finch entführt worden ist, wendet sich Reese (in einer Szene, die an das Ende der Pilotfolge erinnert) hilfesuchend an die Maschine, welche tatsächlich darauf zu antworten scheint.

Könnte jetzt ganz schnell bitte wieder September sein!

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 19. Mai 2012
Episode
Staffel 1, Episode 23
(Person of Interest 1x23)
Deutscher Titel der Episode
Unerwünschte Zugriffe
Titel der Episode im Original
Firewall
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 17. Mai 2012 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 1. Januar 2013
Autoren
Greg Plageman, Jonathan Nolan
Regisseur
Richard J. Lewis

Schauspieler in der Episode Person of Interest 1x23

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