Person of Interest 2x01

Person of Interest 2x01

Nachdem Harold am Ende der ersten Staffel von Root gekidnappt worden ist, hofft Reese darauf, dass ihn die Maschine auf die Spur der beiden bringt. Stattdessen hat sie jedoch einen neuen Fall für ihn in petto, was ihm allerdings gar nicht recht ist.

Reese (Jim Caviezel, r.) zeigt deutlich seine Begeisterung darüber, sich um Leon (Ken Leung, l.) kümmern zu müssen. / (c) CBS
Reese (Jim Caviezel, r.) zeigt deutlich seine Begeisterung darüber, sich um Leon (Ken Leung, l.) kümmern zu müssen. / (c) CBS

Finch (Michael Emerson) ist in der Gewalt von Root (Amy Acker), die damit droht, Unschuldigen etwas anzutun, falls er sich ihr widersetzen sollte. Angesichts der Tatsache, wie kaltblütig sie Alicia ermordet hat, eine durchaus glaubwürdige Drohung. Reese (Jim Caviezel) ist derweil auf der Suche nach seinem Partner. Nachdem er in Firewall über die Überwachungskamera zur Maschine gesprochen hatte, hatte diese ihm über das Telefon mit einer Reihe von scheinbar zusammenhanglosen Wörtern geantwortet.

Reese erkennt nach einer Weile, dass es sich dabei um einen Code handelt, der die Sozialversicherungsnummern enthält, die Finch normalerweise von der Maschine bekommt. Die Nummer, welche die Maschine Reese nun gegeben hat, führt ihn zu Leon Tao (Ken Leung, Lost). Dieser hat jedoch keine Ahnung, wo Finch sich aufhält. Er kennt ihn nämlich gar nicht. Seine eigenen Probleme sind außerdem schon groß genug: Leon hat Drogengelder einer arischen Bruderschaft veruntreut - und nun einen Haufen wütender Neo-Nazis auf seiner Fährte...

Keine vorschnelle Auflösung

Cliffhanger in US-Serien leiden nicht selten darunter, dass die bedrohliche Situation für die Hauptfigur in der anschließenden Folge in Nullkommanichts aufgelöst wird - und man sich als Zuschauer betrogen vorkommt. All die Spannung und Erwartungshaltung wurden also für Nichts aufgebaut. Diesen Fehler macht Person of Interest nicht. Die Entführung von Finch wird noch nicht einmal am Ende von The Contingency aufgelöst, sondern bis mindestens in die nächste Folge getragen und mit dem Handlungsstrang rund um jene Regierungsbeamte verknüpft, welche die Existenz der Maschine um jeden Preis geheim halten - und die Kontrolle über sie erlangen wollen.

Einen davon (Jay O. Sanders) hatten wir bereits in No Good Deed als den Auftraggeber für die Mordanschläge auf den zu neugierig gewordenen NSA-Analysten kennen gelernt. In The Contingency veranlasst er, Carters (Taraji P. Henson) Ermittlungen zu Alicias Mord zu sabotieren. Einer seiner Mitverschwörer wiederum gerät jedoch durch eine außereheliche Liebschaft in die Fänge von Root. Jeder hat eben eine Schwachstelle.

Mehr als ein Procedural

Das ist das Wunderbare an Person of Interest. Die Serie ist ein Procedural, daran lässt auch The Contingency mit dem Plot rund um den von Neo-Nazis verfolgten Finanzjongleur keinen Zweifel. Und doch gelingt es der Serie, so viel mehr nebenher mitzuerzählen: Die fortlaufenden Handlungsstränge, die auf überraschende Weise miteinander verquickt werden - und der Serie damit genau die Art von Komplexität geben, welche dem 08/15-Krimi fehlt. Die Background-Geschichte über die Geburt der Maschine. Und oben drauf die philosophische Frage, ob und inwieweit sie am Leben ist - und was eine derart geformte künstliche Intelligenz für den Menschen und seine Stellung unter den Lebewesen bedeutet.

Für Root sind wir Menschen nichts weiter als bad code. Sie glaubt nicht an eine Schöpfung, sondern sieht uns als ein fehlerbehaftetes Zufallsprodukt. In der Maschine erkennt sie dagegen eine Vollkommenheit - und ist entschlossen, sie „zu befreien“. Was das auch immer konkret bedeuten soll. Dadurch, dass der Root-Plot in The Contingency eher ein wenig im Hintergrund steht, bleiben ihre genauen Pläne - und was sie eigentlich mit Harold vorhat - noch etwas nebulös.

Mein einziger Freund

Aber das macht gar nichts. Denn ohnehin geht es in der Folge primär darum, wie Reese ohne Finch an seiner Seite beziehungsweise in seinem Ohr zurecht kommt. Insbesondere, als ihm klar wird, dass er selbst der Plan B ist, den Finch sich überlegt hat, sollte ihm etwas zustoßen. Die Maschine berichtet die Sozialversicherungsnummern der Persons of Interest nun an Reese, welcher jedoch ganz und gar nicht davon begeistert ist, dass die Maschine zum business as usual übergeht. Er kann es kaum glauben, dass die Zahl, welche sie ihm nennt, ihn nicht auf die Spur von Finch führt. Er ahnt schließlich nicht, dass dieser die Maschine ausdrücklich angewiesen hat, Gefahren für ihn selbst zu ignorieren (nobel, aber nicht ungefährlich).

The Contingency führt deutlich vor Augen, welche Entwicklung Reese und seine Beziehung zu Finch im vergangenen Jahr genommen haben: Standen die beiden sich anfangs eher distanziert gegenüber, begreift Reese seinen Partner mittlerweile expressis verbis als einen Freund, um dessen Wohl er so sehr besorgt ist, dass selbst ein Haufen Neo-Nazis - für Reese ansonsten willkommene Sparingspartner - für ihn in diesem Augenblick einfach nur lästige Ablenkung sind. Für Harold ist er sogar bereit, sich mit der Maschine höchstpersönlich anzulegen.

Was für eine großartige Szene: Sie ist in doppelter Hinsicht spannend (Reese und Leon sind gerade auf der Flucht vor der Nazi-Gang, als Reese der Geduldsfaden reißt - und er eine Verhandlung mit der Maschine startet) und doch komisch zugleich. Da redet ein Mann mit einer Überwachungskamera! Kein Wunder, dass Leon glauben muss, dass der Typ, der ihm da immer wieder das Leben rettet, irgendwie nicht ganz richtig im Kopf ist. Ken Leung ist für diesen Part natürlich die ideale Besetzung: Denn schon in Lost hatte er schließlich einiges Training im Fach ungläubiges Staunen erworben.

Und auch sonst gelingt es The Contingency inmitten der Spannung und Action immer wieder leichte und heitere Momente zu finden: Fuscos (Kevin Chapman) Mine, als er - mit einem Beiß-Ball im Mund - Reese zu widersprechen versucht, dass dieser nur einen Freund habe. Der Kampfhund, der aufs Wort gehorcht, wenn man nur in der richtigen Sprache mit ihm spricht. Und natürlich Fusco und Carter, die sich ebenfalls ein bisschen wie zwei Hündchen aufführen, die um die Gunst ihres Herrchens (Reese) eifersüchteln.

Fazit

Ein sehr unterhaltsamer Einstieg in die neue Staffel: die Entführung von Finch wird weitergeführt und mit einem der fortlaufenden Handlungsstränge verknüpft. In der Zwischenzeit gibt es für Reese einen Fall-der-Woche, der diesmal nicht sonderlich kompliziert gestrickt ist, dafür aber reichlich Spaß und Action bietet (dazu die seltene Gelegenheit, einmal zu sehen, wie Reese Dresche bezieht - und von Carter gerettet werden muss). Ein Kritikpunkt, der nicht unter den Tisch fallen soll: Die Casino-Rückblende. Es erscheint doch mehr als unglaubwürdig, dass man einen Spieler gewähren lassen würde, der vor jeder Entscheidung auf sein Handy schielt...

Trailer zu Folge 2x02 „Bad Code“

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 29. September 2012
Episode
Staffel 2, Episode 1
(Person of Interest 2x01)
Deutscher Titel der Episode
Ausnahmezustand
Titel der Episode im Original
The Contingency
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 27. September 2012 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 25. Juni 2013
Autoren
Denise Thé, Jonathan Nolan
Regisseur
Richard J. Lewis

Schauspieler in der Episode Person of Interest 2x01

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