Person of Interest 1x22

Person of Interest 1x22

Es kann sehr gefährlich sein, die richtigen Fragen zu stellen. Diese Erfahrung macht die Person of Interest, welche sich hinter der nächsten Nummer verbirgt, die die Maschine ausspuckt. Gleichzeitig werden die Gründe deutlich, warum Finch eine so isolierte Existenz führt.

Reese (Jim Caviezel, l.) und Finch (Michael Emerson, r.) in „Person of Interest“ / (c) CBS
Reese (Jim Caviezel, l.) und Finch (Michael Emerson, r.) in „Person of Interest“ / (c) CBS

Nachdem Fusco (Kevin Chapman) keinen Erfolg damit hatte, mehr über die Hintergründe von Finch (Michael Emerson) herauszufinden, macht sich nun erneut Reese (Jim Caviezel) selbst an die Überwachung seines Partners - und findet dabei einige interessante Indizien. Bevor er diese jedoch weiterverfolgen kann, trifft auch schon die nächste Nummer ein. Die Maschine weist sie auf einen Börsenanalysten namens Henry Peck (Jacob Pitts, Justified) hin, der jedoch keineswegs das ist, was er zu sein scheint.

Schon bald entdeckten Reese und Finch, dass Peck in Wahrheit als Analyst für die NSA arbeitet. Doch irgendjemand ist gerade dabei, seine Karriere zu zerstören, und trachtet ihm offenbar sogar nach dem Leben. Der Grund dafür scheint in Fragen zu liegen, die Peck bezüglich gewisser Informationen stellt, die in seinen Berichten aufgetaucht sind, obwohl er diese gar nicht dort hineingeschrieben hat. Finch weiß, woher die Daten stammen - als einer von sieben (noch lebenden) Menschen, die davon überhaupt wissen...

Keine gute Tat bleibt ungestraft

No Good Deed...goes unpunished. Dieses geflügelte Wort, auf das der Titel der Episode anspielt, trifft den thematischen Kern der Folge ziemlich genau. Normalerweise hoffen wir ja, dass sich gute Taten für uns irgendwie bezahlt machen. Dass es eine Reziprozität zwischen unserem Verhalten und der Art und Weise gibt, wie uns die Welt begegnet. Ich bin nett zu jemandem und dieser jemand ist daraufhin nett zu mir. Ich leiste gute Arbeit und bekomme dafür eine Gehaltserhöhung. Sehr oft ist es jedoch genau umgekehrt. Wir tun etwas Gutes, doch die Konsequenzen daraus sind für uns alles andere als gut.

Diese Erfahrung müssen in No Good Deed, Person of Interest sowohl Finch als auch sein junger Widergänger Peck machen. Finch hat eine Maschine gebaut, welche im Vorfeld Verbrechen erkennen kann, bevor diese geschehen. Er hat damit etwas Gutes getan. Die Folgen für ihn selbst waren jedoch alles andere als gut. Weil die Maschine zum Missbrauch geradezu einlädt - und weil die Menschen, denen Finch und sein Kollege Ingram (Brett Cullen) die Maschine anvertraut haben, von ziemlich rücksichtsloser Natur sind, hat Finch sich in den Untergrund zurückziehen müssen - und sogar seine Verlobte (Carrie Preston, Michael Emersons Ehefrau und selbst eine profilierte Schauspielerin, unter anderem in True Blood und The Good Wife) aufgegeben. Und das, obwohl (beziehungsweise: weil) Harold und Grace einander sehr viel bedeuten, wie Reese schließlich herausfindet.

Henry Peck wiederum ist im Grunde wie der Held einer klassischen Agentengeschichte. Der Mann, der zu viel wusste, wenn man so will. Oder vielmehr: Der Mann, der zu viele Fragen stellte. Henry ist ein durch und durch korrekter und fähiger Geheimdienstanalyst, der sich absolut korrekt verhält: Als er mehr oder minder durch Zufall (nämlich dadurch, dass er für etwas belobigt wird, von der ihm überhaupt nichts bekannt ist) auf Ungereimtheiten stößt, versucht er der Sache nachzugehen. Und obwohl es ihn seine Existenz und schließlich beinahe sogar sein Leben kostet, lässt er nicht locker, sondern versucht, dem Geheimnis auf die Spur zu kommen.

Wäre das hier nicht Person of Interest, sondern würde die Geschichte aus Henrys Perspektive erzählt werden, dann wäre er unser Held darin. Doch was bringt es ihm am Ende? Er ähnelt Finch nicht nur von seinen Charakteristika her, sondern am Ende auch darin, dass er abtauchen muss. Er hat zwar eine Antwort gefunden, doch sein Leben, wie er es bisher kannte, ist vorbei.

Contingencies

No Good Deed ist damit eine - wieder einmal - äußerst spannende Episode, welche die persönlichen Kosten und Konsequenzen beleuchtet, die das Handeln der Protagonisten mit sich bringt. Zugleich wirft die Folge einen Blick zurück auf den Abend, bevor Finch und Ingram die Maschine der Regierung übergeben haben, was eine durchaus überraschende Erkenntnis birgt. Während Harold die Maschine, so wie er sie gebaut hat, bereits für perfekt hielt, war es also Ingram, der am Ende den Partnern auf der Regierungsseite so sehr misstraut hat, dass er eben jene Hintertür eingebaut hat, auf die Finch jetzt zurückgreift.

In vielerlei Hinsicht dreht sich No Good Deed damit auch um die Frage: Was tun, wenn etwas schief geht? Was ist der Plan B? The contingency? Im Falle der Maschine hielt Finch eine solche Überlegung nicht nur für unnötig, sondern sogar für gefährlich, da eine Hintertür ein unkalkulierbares Risiko darstellt, falls jemand anders sie finden würde. Für den Fall, dass ihm selbst etwas zustößt, hat er - wie er Reese sagt - einen Plan B, doch sieht er offenbar keine Veranlassung dazu, Reese auch einzuweihen, worin dieser Plan B denn nun besteht.

God is an American

Neben der interessanten thematischen Anlage der Geschichte und den Hintergründen, die sie vor allem zu Finch liefert, besticht No Good Deed natürlich zunächst einmal vor allem durch ihre originelle Grundidee: Die Maschine, welche vorab Verbrechen erkennen soll, ist selbst der Anlass dafür, weshalb einem unbescholtenen Bürger nun ein Verbrechen zuzustoßen droht. Es sind nicht nur die Plot-Wendungen, welche in Person of Interest so großen Spaß machen, sondern es sind bereits diese konzeptionellen und thematischen Oppositionen und Paradoxien, welche dafür sorgen, dass einem die Serie so aufregend und lebendig vorkommt.

Das setzt sich bis in kleinste Details fort: Die Helden in Actionserien sind üblicherweise ja eher etwas simpler gestrickt. Person of Interest akzentuiert dagegen, dass wir es hier mit gebildeten, ja kultivierten Figuren zu tun haben, die vor einer Einsatzbesprechung auch mal gerne Dostojewski lesen. Während man sich bei manchen Serien (wir müssen da keineswegs nur an Alarm für Cobra 11 - Die Autobahnpolizei denken) ernsthaft fragen muss, ob die Hauptfiguren überhaupt lesen können, sehen wir die Protagonisten in Person of Interest mit einem Buch in der Hand - und das nicht zum ersten Mal. Allein dadurch entsteht ein Moment der Differenz und Überraschung, welche den Unterhaltungswert der Serie nur noch weiter steigert.

Dies gilt natürlich auch für die (in den Kommentaren schon mehrfach angesprochene) Musikauswahl, die nicht nur vom Score her, sondern insbesondere auch von den Songs her kaum passsender sein könnte. So verleiht David Bowies „I'm Afraid of Americans“ der Actionszene, in der ein US-Regierungsagent das Taxi von Reese in Brand schießt, eine viszerale Energie und einen zusätzlichen Bedeutungsinhalt, welche eine ohnehin schon großartig gefilmte Sequenz noch packender und mitreissender machen.

Fazit

Person of Interest ist die aktuell nicht nur die spannendste, sondern auch die wahrscheinlich intelligenteste Network-Serie, was No Good Deeds mehr als überzeugend illustriert. Die Vorfreude auf das Seasonfinale in der kommenden Woche könnte kaum größer sein (an die Monate währende Sommerpause wollen wir dagegen erst mal gar nicht denken).

Promo zum Seasonfinale 1x23 „Firewall“

Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 12. Mai 2012
Episode
Staffel 1, Episode 22
(Person of Interest 1x22)
Deutscher Titel der Episode
Keine gute Tat
Titel der Episode im Original
No Good Deed
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Donnerstag, 10. Mai 2012 (CBS)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Dienstag, 1. Januar 2013
Autor
David Slack
Regisseur
Stephen Williams

Schauspieler in der Episode Person of Interest 1x22

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