Person of Interest 1x21

John (Jim Caviezel) hat Geburtstag - und Harold (Michael Emerson) hat fĂŒr ihn gleich zwei Geburtstagsgeschenke: einen WohnungsschlĂŒssel. Und einen freien Tag, da die Maschine angeblich keine neue Nummer ausgespuckt habe. Das entspricht jedoch nicht der Wahrheit. Die Maschine macht Harold auf die junge Karen (Dagmara Dominczyk) aufmerksam, die offenbar auf der Flucht vor jemandem ist. Ihrem Ehemann (Jeremy Davidson, Pan Am), wie sich herausstellt.
Dass Harold John in dieser Angelegenheit nicht dabei haben will, hat einen guten Grund, dem Carter (Taraji P. Henson) dabei ist, auf die Spur zu kommen. FBI-Agent Donnelly (Brennan Brown) hat sie nÀmlich dazu eingeladen, gemeinsam mit ihm neuen Hinweisen nachzugehen. Johns DNA wurde an einem Tatort in New Rochelle identifiziert, wo 2011, wie es scheint, ein gewisser Peter Arndt (Jonno Roberts) ermordet worden ist. Dieser war mit einer Frau namens Jessica (Susan Misner) verheiratet, die zwei Monate zuvor bei einem Autounfall ums Leben gekommen war...
Fehler der Vergangenheit
Many Happy Returns macht konsequent dort weiter, wo Matsya Nyaya in der Woche zuvor aufgehört hat: mit dem ErzĂ€hlen von Johns Background Story. Nachdem sein Arbeitgeber, die CIA, ihn fast umgebracht hat, kehrt er in die USA zurĂŒck. Nur um festzustellen, dass die Frau, die er geliebt hat, mittlerweile tot ist. John zĂ€hlt zwei und zwei zusammen - und kommt zu dem gleichen Ergebnis wie ein Jahr spĂ€ter Carter: Offenbar ist Jessica von ihrem gewalttĂ€tigen Ehemann umgebracht worden, der das Ganze dann als Unfall getarnt hat.
Der derangierte Zustand, in dem wir John in der Pilotfolge vorgefunden haben (und von dem wir in Many Happy Returns die haarigen AnfÀnge beobachten können), er ist auf diesem Hintergrund sehr gut nachvollziehbar.
Das wirklich Interessante daran ist: Es sind nicht einfach nur SchicksalsschlĂ€ge, die John getroffen haben. Gerade im Hinblick auf Jessica hat er daran mit dem, was er gesagt und getan beziehungsweise nicht getan hat, selbst einen Anteil. Er hĂ€tte sie davon abhalten können, Peter zu heiraten (Mission Creep). Er hat es nicht getan. Er hat geglaubt, dass Peter der Richtige fĂŒr sie wĂ€re - und dass sie mit diesem viel besser dran wĂ€re als mit ihm. Das war jedoch ein tödlicher Irrtum. Am Ende ist seine Prophezeiung wahr geworden: „In the end, we are all alone. No one's coming to save you.“ Jessica war allein. Sie hat ihn um Hilfe gerufen, aber er ist - wegen seines Berufs - nicht gekommen.
Kein Wunder, dass das schwer auf ihm lastet. Entsprechend gut nachvollziehbar sind auch seine Wut und seine Entschlossenheit, nicht zuzulasssen, dass Karen/Sarah das gleiche Schicksal wie seine Jessica erleidet.
Hör ich die Lieder von Mexiko
Was Many Happy Returns so spannend macht, ist gar nicht einmal so sehr der Fall als solcher, sondern die Unberechenbarkeit, mit der John in Folge seines persönlichen, emotionalen Involvements agiert - ebenso wie der Spalt, der sich dadurch zwischen ihm und Harold auftut. Genau das hat Letzterer wohl auch gefĂŒrchtet und John deshalb zunĂ€chst nichts von diesem Fall erzĂ€hlen wollen. Weil er geahnt hat, dass er die Kontrolle ĂŒber John verlieren wĂŒrde. So wie es am Ende auch geschieht.
Durchaus bezeichnend ist, dass sowohl Harold als auch Carter als auch wir Zuschauer quasi wie selbstverstĂ€ndlich davon ausgehen, dass John Sarahs Mann umbringen wird, um der Bedrohung fĂŒr die Frau endgĂŒltig ein Ende zu setzen. Doch John ist viel gewitzter, als dass er einfach jemanden ermordet. Er verfrachtet den Kerl kurzerhand in ein mexikanisches GefĂ€ngnis.
Das ist gleich in mancherlei Hinsicht beruhigend: Es bedeutet einerseits, dass John bei seiner Selbstjustiz Grenzen kennt. Es heiĂt aber vor allem andererseits, dass Harold, so sehr er auch andere Menschen ĂŒberwacht und deshalb zu kennen glaubt, nicht wirklich weiĂ, was in ihnen vorgeht - oder wie sie reagieren werden. Im Hinblick auf die menschliche Freiheit, die in Person of Intest naturgemÀà immer wieder (implizit) zum Thema wird, ist das eine durchaus angenehme Vorstellung.
Einziger nennenswerter Kritikpunkt an der Episode: Warum lĂ€sst Harold Carter im Dunkeln tappen - und klĂ€rt sie nicht einfach hinsichtlich Johns Vergangenheit auf? Ja, sicher, fĂŒr den Zuschauer ist es interessanter zu sehen, wie sie selbst das Puzzle zusammensetzt. Aus der Geschichte selbst heraus macht es jedoch nur sehr begrenzt Sinn.
Fazit
Eine wieder einmal sehr spannende Episode, welche die Beziehung von Harold und John einer Belastungsprobe unterzieht - und gleichzeitig Johns Charakter nĂ€her beleuchtet. In der besten, weil unterhaltsamsten Szene der Folge - Johns Spaziergang durch die US-Marshal-Dienststelle - wird auĂerdem auf köstliche Weise die „Terminator“-Analogie seiner Figur weiter ausgebaut. Fast erwartet man, dass sich John mit „I'll be back...“ verabschiedet...
Promo zu Episode 1x22 âNo Good Deedâ
Verfasser: Christian Junklewitz am Samstag, 5. Mai 2012(Person of Interest 1x21)
Schauspieler in der Episode Person of Interest 1x21
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei EpisodenfĂŒhrern?