Penny Dreadful 3x08

Es ist die Ouvertüre vor der ganz großen Show, vor dem Staffelfinale, das auch ein Serienfinale sein könnte, haben sich doch bisher weder Showtime noch Serienschöpfer John Logan in die Karten schauen lassen, ob es in Zukunft weitere Penny Dreadful-Geschichten geben wird. Würde man sich die Episode Perpetual Night ansehen, ohne zu wissen, dass gleich danach eine weitere ansteht, fände man es wohl äußerst schade, ginge diese Serie bald zu Ende. Obwohl sie hauptsächlich der Vorbereitung dient, unterhält sie in beinahe jeder Szene.
The whole world was white
Ein Wermutstropfen ist allerdings, wie mit dem Handlungsbogen um Lily (Billie Piper) und ihre Armee gefallener Frauen umgegangen wird. Ihr Schicksal und das ihrer Elevin Justine (Jessica Barden) liegt einmal mehr in den Händen der Männer, denen sie es verdanken, überhaupt eine Position erlangt zu haben, von der sie ihren nun gescheiterten Aufstand hätten starten können. Wir kehren hier zurück zum Status Quo, was nicht nur dem ehernen Seriengesetz der Vorwärtsentwicklung widerspricht, sondern uns auch einen triumphalen Moment verwehrt.
Eine Episode steht allerdings noch aus, wobei ich bezweifle, dass sich John Logan von seiner Liebe für die Figuren Dorian Gray (Reeve Carney) und Victor Frankenstein (Harry Treadaway) lossagen kann. Überdies bleibt die Problematik bestehen, dass Dorian unsterblich ist, wie er in dieser Episode eindrucksvoll beweist. Dieser Erzählstrang mag derzeit unbefriedigend ausgearbeitet sein, allerdings liefert er uns die beste Szene der Episode. Lily hält darin ein erfolgreiches Plädoyer für ihre Freilassung, das von der Nacht erzählt, in der ihre Tochter Sarah starb.
Billie Piper spielt den dramatischen Monolog herausragend, was angesichts ihrer bisherigen Leistungen in dieser Staffel nicht verwundert, aber doch sehr erfreut. Eine vergleichbar emotional mitreißende Szene suchen wir in dieser Episode vergeblich, weil sich die meisten anderen Handlungsbögen damit begnügen, das große Finale vorzubereiten. Unklar bleibt indes, ob wir noch einmal in die Geschichte von John Clare (Rory Kinnear) eintauchen werden, der zwar glücklich über die Wiedervereinigung seiner Familie ist, aber mit Schrecken feststellen muss, dass sein Sohn Jack (Casper Allpress) im Sterben liegt.

Den Grund dafür sucht Mrs. Clare in der allgegenwärtigen Luftverpestung, die aber nicht nur die ungefiltert ausgestoßenen Fabrikabgase als Ursache hat. Mehrere Figuren von der dunklen Seite erklären uns und den handelnden Figuren, dass sich hier ein Aufstand der Nachtgeschöpfe formiert, der mit der Vergiftung der Luft einhergeht. Dessen Strippenzieher ist bekanntlich Dracula (Christian Camargo), der in dieser Episode nur einmal auftritt, was immerhin einmal mehr ist als die eventuell zu ihm übergelaufene Vanessa Ives (Eva Green), die lediglich aus dem Off zu hören ist.
The end of days
Nach ihr suchen denn auch alle, die noch auf ihrer - ehemaligen? - Seite verblieben sind. Sir Malcolm (Timothy Dalton), Kaetenay (Wes Studi) und Ethan (Josh Hartnett) kehren rechtzeitig aus Übersee zurück, um Rattenplage, vergiftete Luft und einen ersten Vampirangriff mitzuerleben, bei dem sie tatkräftige Hilfe der supercoolen neuen Heldin Catriona Hartdegen (Perdita Weeks) bekommen. Falls es übrigens keine weitere Staffel geben sollte, wäre ich für ein Spin-off namens „Cat & Kaet“ zu haben, in dem sich die beiden Titelfiguren auf die Jagd nach Unterweltgeschöpfen machen.
Über den männlichen Teil dieses potenziellen Duos erfahren wir während der äußerst testosterongeschwängerten Auseinandersetzung zwischen Werwolf und Fürst der Finsternis, dass auch er der Lykanthropie nicht abgeneigt ist. Das passiert in einem günstigen Augenblick, wären die beiden Artverwandten ihren zahlreichen Angreifern doch hoffnungslos unterlegen gewesen, stünde am Himmel nicht ein praller Vollmond. Einen Hinweis zum Aufenthaltsort von Vanessa erhalten sie aber erst vom mittlerweile eingesperrten Renfield (Samuel Barnett), der sich zuvor darin gefallen hatte, eine der zahlreichen Unterweltkröten bei lebendigem Leibe zu verspeisen.
Die Episode Perpetual Night überzeugt vor allem auf visueller Ebene. London wird von vielfachen Plagen heimgesucht, den Ratten, den Kröten, den Vampiren und dem dichten Nebel, was von Regisseur Damon Thomas wunderbar inszeniert wird. Dem hinkt Logans Drehbuch leicht hinterher. Mit Ausnahme des Lily-Monologs fehlt den meisten Handlungsbögen ein dramatischer Höhepunkt, den wir in dieser Form noch nicht gesehen haben. Der Kampf gegen die Vampire, die Auseinandersetzung mit Dracula, die Verwandlung der Werwölfe - all das kennen wir schon.
Diese Vorgehensweise dient dem Ziel, im Finale das ganz große Feuerwerk abzufackeln. Danach werden wir wohl wissen, ob es mit der Serie weitergeht.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 20. Juni 2016Penny Dreadful 3x08 Trailer
(Penny Dreadful 3x08)
Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 3x08
Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?