Penny Dreadful 3x07

Die dritte Staffel von Penny Dreadful steht ganz im Zeichen weiblicher Emanzipation. Die kann in diesem Falle mehrere Formen annehmen. Es gibt Frauen, die sich von Männern emanzipieren; Kinder, die sich von ihren Vätern emanzipieren; Damen, die sich vom Zwang emanzipieren, stets das Richtige, Angenehme, Unanstößige tun zu wollen. Verkörpert werden all diese Figuren von erneut in blendender Verfassung auftretenden Schauspielern, weshalb die Episode Ebb Tide mit dramaturgischer Ebbe nichts zu tun hat.
Rise up
Zu Beginn holt sich Revolutionsführerin Lily (Billie Piper) in ihrer irischen Heimat Inspiration am Grab ihrer Schwester, die nach nur einem Lebensjahr starb: „We will not be hungry forever. We will rise.“ Ebenjene Inspiration lässt sie hernach in einen flammenden Appell an all die verstoßenen Frauen einfließen, die sie und Dorian (Reeve Carney) in seiner Stadtvilla als Gäste willkommen geheißen haben. Ihm macht die Feministinnenparty aber schon lange keinen Spaß mehr, wie sich unschwer an seinem zerknirschten Gesichtsausdruck ablesen lässt.
Lily lässt sich bei ihrer begeisternden Ansprache vom unsterblichen Griesgram nicht ablenken. Seinen Ärger lässt er denn auch nicht an ihr aus, sondern an ihrer strebsamsten Anhängerin Justine (Jessica Barden). Vielleicht traut er sich ja nicht mehr, ihr offen zu widersprechen, seitdem sie folgende Worte an ihre Genossinnen gerichtet hat: „We must be bloody or nothing else.“ Während einer Party anlässlich des ersten erfolgreichen Feldzugs, bei dem diverse abgehackte Hände von ehemaligen Peinigern als Kriegstrophäen erbeutet wurden, fasst Dorian einen anderen Plan.
Den Gefallen, den er sich am Ende der letzten Episode durch die Rettung von Victor Frankenstein (Harry Treadaway) erarbeitet hat, löst er umgehend ein. In Kooperation mit Henry Jekyll (Shazad Latif) beginnt das Duo die Operation Rückprogrammierung. Mit vereinten Kräften entführen sie Lily, sperren sie ins furchteinflößende Labor der beiden wahnsinnigen Wissenschaftler und ketten sie an den Experimentierstuhl. Was sie mit ihr vorhaben, verheimlichen sie nicht: „We're going to make you into a proper woman.“

Die Botschaft ist eindeutig. Sobald eine Frau ihre gesellschaftlich vorgegebene Position verlässt, sobald sie eigene Vorstellungen umsetzen, sich nicht an künstliche Regeln halten und für die eigene Unabhängigkeit kämpfen will, versucht die geschlechtliche Gegenseite, das mit allen Mitteln aufzuhalten - und sei es notfalls mit Gewalt. Zur visuellen Verdeutlichung dieses ungerechten Machtverhältnisses wählt Regisseur Paco Cabezas ein eindrückliches Bild: Lily kauert gefesselt am Boden, während ihre drei Peiniger über ihr thronen und ihr weiteres Schicksal abwägen.
Nothing but blood
Ähnlich ergeht es Vanessa Ives (Eva Green), um deren Seele gleich mehrere männliche Konfliktparteien ringen. Nach dem Stelldichein mit Dr. Sweet (Christian Camargo) in No Beast So Fierce wacht sie aus einem Schlaf auf, der so gut war wie lange nicht mehr. Kurz davor bekommt sie jedoch unheimlichen Besuch, von dem sie glücklicherweise nichts mitbekommt. Neu-Vampir Renfield (Samuel Barnett) kann gerade noch von seinem Meister daran gehindert werden, Vanessa herzhaft in die Halsschlagader zu beißen.
Später legt er einen spektakulär merkwürdigen Auftritt gegenüber seiner eigentlichen Arbeitgeberin Dr. Seward hin, wobei mir nicht ganz klar wurde, welchem narrativen Zweck diese Szene dienen sollte. Vielleicht, um uns zu erinnern, dass Patti LuPone nach bemerkenswerter Abwesenheit immer noch Teil dieser Serie ist? Das einzige, was damit bei mir erreicht wurde, ist jedoch die traurige Erinnerung daran, dass LuPone nicht annähernd genug eingesetzt wird. Trösten können wir uns mit dem abermals fantastischen Spiel von Eva Green.
Deren Figur Vanessa bekommt in zwei Schritten Klarheit über ihre momentane Bedrohungslage. Zunächst erscheint ihr Kaetenay (Wes Studi), der sie vor nahendem Unheil warnen will, dabei aber nur feststellt, dass sie bereits mit einem Bein auf der dunklen Seite steht. Problematisch daran ist, dass sich der Rettungstrupp gerade auf der mehrwöchigen Überfahrt von Amerika nach England befindet, die wohl nur schwerlich von den Überredungskünsten von Sir Malcolm (Timothy Dalton) beschleunigt werden kann.

Die Tatsache, dass das Trio auf einem Schiff feststeckt, ist ein schönes Symbol für die Untätigkeit der männlichen Protagonisten. Ethan (Josh Hartnett) ließ sich bisher von der mittlerweile verstorbenen Hecate antreiben, ohne echte eigene Motivation zu entwickeln. Auch Sir Malcolm hat sich im Vergleich zu den ersten beiden Staffeln in seiner Aktionsfreude merklich zurückgenommen. Dabei verloren sie die Frau aus den Augen, die ihnen beiden am meisten bedeutet. Und nun ist es zu spät - zumindest, wenn man das Ende der Episode als endgültigen Übertritt Vanessas ins Reich des Bösen interpretiert.
Nothing but silence
Bevor es so weit kommen kann, muss sie aber erst noch auf die Spur ihres Oberhäschers und laut eigener Aussage größten Bewunderers geführt werden. Hierzu schickt das Drehbuch von John Logan eine erst kürzlich vorgestellte Figur zu einem Spontanbesuch in das von Vanessa derzeit alleine bewohnte herrschaftliche Anwesen. Catriona „Cat“ Hartdegen (Perdita Weeks) klärt ihre neue Freundin darüber auf, wie Dracula, den hier alle immer nur „dragon“ nennen, zu besiegen ist - nämlich nur dann, wenn er in menschlicher Form auftritt.
Ein paar weitere Hinweise lassen Vanessa realisieren, dass sie sich einmal mehr auf den Falschen eingelassen hat. Einen Ratschlag Catrionas missachtend, stürmt sie bewaffnet ins Büro des als Naturforscher getarnten Fürst der Finsternis, bringt es aber nicht rechtzeitig fertig, den Abzug ihres Revolvers zu ziehen. Das gibt ihm ausreichend Gelegenheit, sie mit zuckersüß klebrigen Worthülsen zu umgarnen. Er setzt die gleiche Taktik ein, derer sich auch schon Hecate bediente, als sie versuchte, Ethan ins Reich der Dunkelheit zu überführen: „Why not be who you are?“
Überraschenderweise wehrt sie sich nicht gegen seine Avancen, sondern streckt ihm willig ihren Hals entgegen. Wir sollen nun annehmen, dass die Schlacht um die Seele der Vanessa Ives entschieden ist. Ein Hintertürchen hat sich Logan jedoch offengehalten, sehen wir doch nicht, wie Dracula wirklich zubeißt. Aufklärung darüber bringen sicherlich die beiden Abschlussepisoden, die gemeinsam am kommenden Wochenende ausgestrahlt werden. Darin werden wir auch erfahren, ob das Glücksgefühl für John Clare (Rory Kinnear) nach der erfolgreichen Familienzusammenführung Bestand haben wird. Allzu hohe Beträge sollten wir darauf jedoch nicht setzen. Soviel Vorsicht hat uns Penny Dreadful längst gelehrt.
Trailer zu Episode 3x08: 'Perpetual Night'
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 13. Juni 2016Penny Dreadful 3x07 Trailer
(Penny Dreadful 3x07)
Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 3x07
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