Penny Dreadful 3x05

Nach dem emotionalen Feuerwerk der letzten Woche kehrt Penny Dreadful mit der Episode This World Is Our Hell wieder in ruhigere Gefilde zurück, die nur manchmal aufregend sein können. Wie beinahe zu erwarten war, taucht Vanessa Ives (Eva Green) nach ihrer Tour de Force in A Blade of Grass hier nicht auf. Stattdessen konzentriert sich die Serie auf die Ereignisse im Wilden Westen - und im Keller der berüchtigten Londoner Irrenanstalt Bedlam.
Such music my master makes
Victor Frankenstein (Harry Treadaway) und Henry Jekyll (Shazad Latif) gehen weiter ihren Experimenten am menschlichen Objekt nach, wobei es immer noch der bemitleidenswerte Balfour (Jamie Ballard) ist, der im Zentrum ihres Interesses steht. Abgelenkt werden sie dabei von persönlichen Indifferenzen. Victor glaubt, dass die beiden Wissenschaftler im selben Ausmaß von ihren Ausbildern und Vorgesetzten geschnitten und letztlich auch aus den Kreisen der vermeintlich respektierten Forscher ausgestoßen wurden.
Sein Gegenüber hat dazu eine gänzlich andere Meinung, weshalb sich der bisher nur angedeutete Graben zwischen ihnen nun immer deutlicher zeigt. In einem schönen Metakommentar mahnt Frankenstein seinen Kollegen, sich doch nicht so einfach reizen zu lassen. Anders als seine Romanvorlage verfolgt Jekyll aber das Ziel, seine wütende Seite auszuradieren, wohingegen Victor glaubt, er könne die dunkle Seite des Menschen unter Kontrolle bringen. Der Erfolg seines aktuellen Experiments - dessen grausame Exekution uns dankenswerterweise erspart bleibt - scheint ihm Recht zu geben.
Das hat er jedoch schon einmal geglaubt - und was daraus geworden ist, wissen wir ja, wenngleich wir von seinem Monster Lily seit nunmehr zwei Episoden nichts mehr gesehen haben. Während die Geschichte in London also zügig voranschreitet, wartet in der Wüste New Mexicos ein ganzer Expositionsberg darauf, von den dort anwesenden Charakteren abgetragen zu werden. Zugegebenermaßen war es nötig, die Vorgeschichte von Ethan (Josh Hartnett) und seinem Apache-Vater Kaetenay (Wes Studi) auszuleuchten. Gerne hätte dies aber ein wenig eleganter vonstatten gehen dürfen.

Ethan kämpft sich weiter gemeinsam mit Hecate (Sarah Greene) zum Areal vor, das von seinem Vater kontrolliert wird. Dicht gefolgt werden sie von zwei opponierenden Suchmannschaften. Einerseits sind Sir Malcolm (Timothy Dalton) und Kaetenay hinter ihnen her, andererseits ein britisch-amerikanisches Strafverfolgungsteam, bestehend aus Inspektor Rusk (Douglas Hodge) und US Marshal Ostow (Sean Gilder). Im Laufe der Episode gelingt es Hecate, Ethan vom widerborstigen Begleiter zum willigen Mitstreiter zu machen.
We were hunted things
Sie erzählen sich gegenseitig, wie sie zu den verbitterten Wesen werden konnten, die sie heute sind. Bei beiden war - oh Wunder! - ein Elternteil dafür verantwortlich. Hecate wurde von ihrer Mutter an den Teufel ausgeliefert, weshalb sie nun dessen Dienste vollführt und versucht, Ethan zu Luzifers Höllenhund zu machen. Ethan verachtet hingegen den eigenen Vater, weil der ihn einst zum Eintritt in die Armee gezwungen und ihn so zum Mörder unschuldiger Apachen gemacht hatte. Ebenjene Morde seien es auch gewesen, die ihn, gequält von Selbsthass, in die Arme von Kaetenay getrieben hätten.
Diesen Teil der Geschichte übernimmt hernach der Apache selbst. Ihm sei der verzagte Ethan zugelaufen. Er habe das Oberhaupt der ermordeten Apachenfamilie gebeten, ihn bei lebendigem Leib zu skalpieren. Anstatt diesem Wunsch stattzugeben, rekrutierte Kaetenay ihn für seine eigene Truppe. Bei einem Angriff auf die Talbot'sche Ranch stellte der amerikanische Ureinwohner dann mit Ethans Familie an, was ihm angetan worden war - nur noch brutaler. Davon erfahren wir aber erst am Ende der Episode, als sich Ethan von seinem Vater Jared (Brian Cox) in aller grausamen Detailgenauigkeit anhören muss, was mit seiner Schwester, seinem Bruder und seiner Mutter passiert ist.
Dazwischen müssen wir Zuschauer viele redundant erscheinende Handlungsabschnitte über uns ergehen lassen. So wunderbar die Aufnahmen der Wüste auch sind - nach dem dritten „Overhead-Shot“ einer Suchpartie zu Pferd sollte etabliert sein, wo sich die Gegenspieler gerade befinden. Neben der beinahe ausschließlich durch direkte Rede vorgetragenen Exposition sind die einzigen Erkenntnisse, die wir aus dieser Episode gewonnen haben, diejenigen über die eskalierende Radikalisierung von Ethan und Inspektor Rusk.

Es ist durchaus wichtig, diese Informationen erhalten zu haben, jedoch wäre wünschenswert gewesen, hätte nicht jede Figur ständig genau das ausgesprochen, was sie denkt: „To save my son, I would slaughter an entire army.“ Man merkt deutlich, dass Serienschöpfer John Logan die Federführung für diese Episode abgegeben hat. Überdies bleibt Ethan ein schwer zu definierender Charakter, der von Hecate allzu leicht auf die dunkle Seite gezogen wird. Als wir ihn zum letzten Mal sahen, nahm er sie noch sehr widerwillig in sein Team auf.
What the fuck are you doing here?
Nun lässt er sich innerhalb weniger Szenen davon überzeugen, seine Sünden offenherzig zu umarmen. Es könnte allerdings sein, dass ich diese Kritik in den kommenden Episoden abmildern muss. So, wie es derzeit aussieht, wird ja ein Showdown zwischen den Luzifer-Jüngern Hecate und Ethan einerseits und der Dracula-Adjutantin Vanessa andererseits vorbereitet. Die aus dem Himmel verbannten Brüder befinden sich schließlich im verbissenen Kampf gegeneinander und rekrutieren gerade loyale Mitstreiter.
Wenn Luzifer also das reine Böse verkörpert und Dracula seinen Widersacher, ist Dr. Sweet dann vielleicht gar nicht so böse, wie er zurzeit dargestellt wird? Die kommenden Episoden - leider sind es nur noch vier - werden das hoffentlich bald auflösen. Spannend wäre natürlich auch, würden Frankenstein und Jekyll Platz in dieser Gleichung finden - und die Monster, die erstgenannter erschaffen hat. So uninteressant die Geschichte um Lily und Dorian Gray in der letzten Staffel auch war, schlug Logan damit doch unlängst eine vielversprechende Richtung ein. Sicherlich wird die nächste Episode ein Update dazu beinhalten.
Neben der visuellen Umsetzung - zu der auch der sehenswerte, von Hecate heraufbeschworene Schlangenangriff gehört - weiß This World Is Our Hell mit zwei Momenten seltenen comic relief zu überzeugen. Das ungläubige Staunen Ethans angesichts der Präsenz von Sir Malcolm ist ebenso witzig wie die Szene, in der Hecate im Kinderzimmer von Ethans kleiner Schwester aufwacht, das an die furchteinflößende Voodoopuppenhöhle ihrer Mutter erinnert. Überdies ist mit der Besetzung von Brian Cox ein echter Castingcoup gelungen. Zumindest teilweise ist das hier also eine gelungene Episode.
Trailer zur nächsten Episode, „No Beast So Fierce“ (3x06), der US-Serie „Penny Dreadful“:
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 30. Mai 2016(Penny Dreadful 3x05)
Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 3x05
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