Penny Dreadful 3x02

Die Penny Dreadful-Episode Predators Far and Near ist eingerahmt von drei spektakulären Ereignissen - eine Enthüllung und zwei Blütbäder. Für erstere ist eine neue Figur verantwortlich, der man eigentlich von Beginn an hätte misstrauen müssen. Dr. Alexander Sweet (Christian Camargo) macht seinem Nachnamen im Umgang mit Vanessa Ives (Eva Green) alle Ehre, hat aber einige Ticks, die uns auf den richtigen Pfad hätten führen können - Glückwunsch übrigens an unseren Nutzer „hikikomori“, der unter der Review zur Auftaktepisode ganz richtig spekulierte, wer der liebenswürdige Forscher wirklich ist.
Flesh of my flesh, blood of my blood
Wir müssen uns bis zum Ende der Episode gedulden, bis wir darüber Aufschluss erhalten. Davor darf Vanessa auf Geheiß ihrer Psychologin Dr. Seward (Patti LuPone) den mehrfachen Versuch wagen, ihre neue Bekanntschaft für sich zu gewinnen. Die Arme flieht bei ihrem Ansinnen, der eigenen Vergangenheit zu entkommen, direkt in die Arme des Herrn der Finsternis. Ganz unschuldig ist sie dabei aber nicht, verfällt sie doch allzu schnell - wie sie gegenüber Malcolm in einem Telegramm zugibt - in Langeweile.
Überdies ist sie ganz offensichtlich auf der Suche nach einem neuen Gott, ohne den sie nicht wisse, wer sie selbst sei. Ob es allerdings ausgerechnet Dracula sein muss, auf den sie sich spirituell einlässt, darf zumindest bezweifelt werden. Vielleicht wäre Vanessa ja stutzig geworden, hätte Sweet noch ein weiteres Mal ihren Namen vergessen. Nur kurz schreckt sie auf, als sie richtigerweise glaubt, verfolgt zu werden. Dieses ungute Gefühl reicht jedoch nicht aus, um sie in erhöhte Alarmbereitschaft zu versetzen - bald wird Dracula den Versuch machen, sie in sein Reich zu holen.
Ob er dabei selbst antritt, einen seiner ungesund aussehenden Läuferjungs vorlässt oder den am Ende verwandelten Seward-Assistenten Renfield (Samuel Barnett) einer ersten Bewährungsprobe unterzieht, bleibt abzuwarten. Der Kampf um Vanessas Seele ist jedenfalls wieder voll entfacht - vielleicht wäre sie ja doch lieber im Bett liegengeblieben. Ihre eigene Abenteuerlust - von der Sweet behauptet, er habe sie nicht - könnte ihr nun zum Verhängnis werden. Überhaupt setzen sich in dieser Episode die meisten Charaktere mit ihrem eigenen zweiten Selbst auseinander.

Lily (Billie Piper) und Dorian (Reeve Carney) eröffnen den Reigen mit einem ansehnlichen Überfall auf einen sinistren Folterclub für Gentlemen. Sie befreien das zur öffentlichen Abschlachtung vorgeführte Opfer, lassen es ruhen, und versprechen ihr dann, gemeinsam auf monumentale Rachetour zu gehen. Was genau dahintersteckt, bleibt das Geheimnis des unheimlichen Horrorpärchens, wird uns wohl aber in den kommenden Episoden nähergebracht. Eines scheint indes sicher - mit Victor Frankenstein (Harry Treadaway) hat es nichts zu tun.
Man is no great thing
Der Todesbesieger verbringt die Episode im vom Setdesign wunderbar ausgestatteten Labor seines Partners im Geiste, Dr. Henry Jekyll (Shazad Latif). Der ist im Keller der berühmt-berüchtigten Londoner Zuchtanstalt Bedlam untergekommen, wo er an der frühen und rudimentären Form eines Psychopharmakums forscht, das er - wie wir alle wissen - bald an sich selbst testen wird. Hier bekommt Frankenstein eine erfolgreiche Vorführung, die einen offensichtlich Wahnsinnigen in einen Wohlerzogenen verwandelt.
Natürlich denkt sich Victor, dass dies das perfekte Mittel ist, um Lily wieder umzukehren und sie gefügig zu machen. Hierbei schwingen dunkle Töne mit Parallelen zu realen Verhaltensweisen von Männern gegenüber ihren Frauen mit, weshalb äußerst begrüßenswert ist, wie Lily das Flehen ihres Schöpfers beantwortet: „I need no man to save me ... I created you more than you created me ... It's first love, Victor. You will recover ... You will not like what I am becoming.“ So sehr Victor auch glaubt, dass er ein Anrecht auf die Liebe seines Geschöpfs hat, so deutlich weist Lily das zurück.
Natürlich wird es Frankenstein in der Folge nicht beim Stalking und seinen tränenerstickten Liebesbekundungen lassen. Er wird eine fürchterliche Allianz mit dem ebenso frustrierten Jekyll schließen, um einen weiteren Versuch der Rückeroberung zu starten. Dessen Frustursachen sind nicht in unerwiderter Liebe zu suchen, sondern in einem schlechten Verhältnis zum eigenen Vater, dem er den Tod an den Hals wünscht, und dem Ärger über den offen zur Schau getragenen Rassismus in Londons Straßen. Selbst seine Helfer weigern sich, ihn mit seinem Titel anzusprechen.

Um den Hass auf alles Andersartige geht es auch im Handlungsbogen von Ethan Chandler (Josh Hartnett), der in der Auftaktepisode von einer Gefangenschaft in die nächste geraten war. Derzeit befindet er sich in den Händen von Kopfgeldjägern, die ihn an seinen Vater ausliefern wollen. Der residiert in einem weitläufigen Areal inmitten des Wilden Westens, das auf den Karten der Marshals wohl nicht ganz unabsichtlich rot eingefärbt wurde. Die amerikanische Wüste bietet einen schönen Gegensatz zum immergrauen London und ruft die Ästhetik berühmter Spaghettiwestern von Sergio Leone ins Gedächtnis.
The wolf is returning to his den
Bevor er seinen zweitidentitätsbedingten Ausbruch planen kann, bekommt Ethan nächtlichen Besuch. Der in Gesellschaft von Malcolm Murray (Timothy Dalton) auf dem Weg nach Amerika befindliche Apache Kaetenay (Wes Studi) offenbart seinem Reisebegleiter, er hasse Ethan so sehr, dass er ihn nicht töten wolle, sondern nur möglichst lange leiden sehen. Malcolm äußert Verständnis für dieses Gefühl und wohnt dann einer Zeremonie bei, die Kaetenay direkt in die Träume seiner Zielperson katapultiert.
Bei der anschließenden Auseinandersetzung erfahren wir, dass Ethan von den Apachen abstammt. Diese Erkenntnis wird durch die Äußerung einer Putzhilfe bestätigt, die ihn als Teil ihres Stamms erkennt. Ihr gegenüber lässt Ethan sämtliche Vorsicht fahren, er antwortet in ihrer Sprache und nennt sie „Mutter“. Abschließend ermahnt er sie, sich schleunigst zu verziehen. Sie gehorcht sofort und nickt, als wüsste sie etwas von seinen Verwandlungskünsten. Eine Person, die auf jeden Fall davon weiß, ist Hecate (Sarah Greene), die ihm beim Ausbruch schlagkräftig zur Seite steht.
Das darauffolgende Massaker steht dem im Mariner's Inn aus der ersten Staffel kaum nach. Ohne Hecate hätte es für Ethan jedoch ein kurzes Gastspiel auf heimatlichem Boden werden können, hat einer seiner Kidnapper doch bereits den Revolver auf ihn gerichtet. So darf die Hexe ihm nach getaner Arbeit aber verschwörerisch zuraunen: „How I've missed you.“ Wo es nun für die beiden hingeht, ist kaum auszumachen, wenngleich sicher ist, dass gleich mehrere Parteien - darunter auch der unermüdliche Inspektor Rusk (Douglas Hodge) - hinter ihnen her sein werden. Das Gefühl, über das sich Vanessa am Ende der Episode in ihrem Telegramm an Malcolm beklagt, dürfte uns Zuschauer also alsbald nicht befallen.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 9. Mai 2016(Penny Dreadful 3x02)
Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 3x02
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