Penny Dreadful 2x07

Es sind nur noch drei Episoden, bis die zweite Staffel von Penny Dreadful zu Ende ist. Angesichts der Ereignislosigkeit der beiden jüngsten Episoden war es wohl aber doch keine gute Entscheidung, der Serie zwei zusätzliche Folgen zu gönnen. Mit der hinzugewonnenen Erzählzeit scheint Autor John Logan nicht wirklich viel anfangen zu können. Die Charakterentwicklung erfährt in Little Scorpion zwar eingehende Bearbeitung, die Geschichte bewegt sich aber kaum vorwärts.
The monsters inside us
Hier wird uns nun schon die zweite bottle episode (wenn es zugegebenermaßen auch keine absolut reine ist) der Staffel präsentiert. Die erste, The Nightcomers, hatte noch funktioniert, weil darin zwei großartige Schauspielerinnen die Vergangenheit der zentralen Figur erhellten. Diese neue Episode ist damit weniger erfolgreich, weil nichts wirklich Neues erzählt wird, weil der Ausflug in die Vergangenheit von Ethan Chandler (Josh Hartnett) und Vanessa Ives (Eva Green) keine bemerkenswerten Erkenntnisse liefert, und weil darin eine Figur beseitigt wird, die uns Zuschauern herzlich egal sein kann.
Es gibt zudem eine Montage, die hart auf der Grenze zum Kitsch balanciert. Vanessa und Ethan sehen darin aus, als seien sie für ein Fotoshooting des Hochglanzmagazins Landlust porträtiert worden: Er hackt Holz, sie sammelt die Früchte des Bodens. Sie kochen ein leckeres Süppchen, tauschen Geschichten aus und tanzen miteinander, wobei sie sich natürlich ganz tief in die Augen schauen. Im heimischen London rätseln derweil ihre Mitstreiter Ferdinand Lyle (Simon Russell Beale) und Victor Frankenstein (Harry Treadaway) darüber, was es mit all den Symbolen auf sich haben könnte, die ihnen immer wieder begegnen.
Wären Ethan und Vanessa einfach in London geblieben, hätten diese Rätsel innerhalb weniger Minuten gelöst werden können. So hat es den Anschein, als müsste sich das Drehbuch immer neue erzählerische Volten ausdenken, um die Handlung in die Länge zu ziehen. Das ist nie ein gutes Zeichen, in Penny Dreadful taucht es nun aber schon zum zweiten Mal hintereinander auf. Der Episode hilft dabei natürlich auch nicht, dass die wenigen übrigen Handlungsbögen ebenso langatmig geraten sind.
Der Dialog zwischen Sembene (Danny Sapani) und Ethan zu Beginn zeigt dabei exemplarisch, dass es der Serie momentan an narrativem Schwung fehlt. Die beiden konferieren über das zuvor Erlebte, machen das aber so langatmig und ermüdend, dass jegliches Interesse an der Szene sofort verpufft. Wenn Sembene nach seiner unendlich langsam vorgetragenen Auflistung eine weitere angehängt hätte („The elephant eats the crocodile and becomes elephant and crocodile and leopard and monkey.“), wäre der Übertritt zur Selbstparodie vollends gewesen.
Things become other things
Ich verstehe ja, dass hier alles immer dunkel und düster sein muss. Aber muss es denn auch so unendlich langsam sein? Müssen wir Geoffrey Hawkes (Ronan Vibert) noch einmal treffen? Brauchen wir noch einmal einen Ausflug ins Hexenhaus? Hätte die dort vorgenommene Charakterentwicklung nicht in London stattfinden können - in einer Atempause zwischen zwei Hexenangriffen vielleicht? Immerhin erfahren wir, dass Ethan von seinem Vater als Kind gezwungen wurde, ein Pferd namens Diablo zu reiten, und sich dabei furchtbar blamierte. Vanessa plagt hingegen große Furcht vor Puppen - beides Dinge, die in der aktuellen Handlung treffend widergespiegelt werden.
Die beiden tauschen indes Schusstraining (das Vanessa gar nicht braucht) gegen Tanzunterricht (den Ethan dringend braucht). Dabei schauen sie sich etwas zu tief in die Augen, was beim tatsächlichen Einschlag eines Blitzes das sprichwörtliche Feuer zwischen ihnen entzündet. Vanessa hält diese Annäherung jedoch für keine gute Idee, sie ahnt wohl, dass eine Zusammenkunft der beiden attraktivsten Personen im Ensemble irgendeine Gefahr birgt: „We are dangerous.“
Recht hat sie. Allerdings weiß sie nicht, welche Gefahr genau von Ethan ausgeht. Der brüllt sie lieber an, als ihr die Wahrheit zu erzählen. Warum macht er das eigentlich nicht? Für den Fortlauf der Geschichte - und mein Interesse daran - wäre es doch wundervoll, wenn die beiden über ihre Dämonen beziehungsweise Monster Bescheid wüssten. Vielleicht sollte die Gruppe rund um Sir Malcolm (Timothy Dalton) einen wöchentlichen Sitzkreis einführen, in dem jeder die Wahrheit über sich sagen darf. Aber dann hätte Logan wohl nur Stoff für sechs Episoden. Hinterhertrauern würde ich einer Episode wie dieser hier jedenfalls nicht.
Nach der unerwarteten Begegnung mit Hawkes in den Moorwäldern beschließen Vanessa und Ethan auf eigene Faust, dem Mörder von Joan Clayton (Patti LuPone) ein Ende zu bereiten. Sie bedienen sich dabei höchst unterschiedlicher Methoden. Ethan greift ganz banal zur Handfeuerwaffe, während Vanessa das Necronomicon zur Hand nimmt. Bevor Ethan abdrücken kann, ist es ihr schon gelungen, die Bluthunde des Großgrundbesitzers auf ihn selbst zu hetzen - eine schöne Parallele zum Bluthund Ethan, der sich in der Nacht zuvor als Werwolf über eine Schafherde hergemacht hat.
Welcome to the night
Diese letzten Minuten sind interessant, nicht nur, weil Hawkes ein gebührendes Ende findet, sondern auch, weil danach das Feuer des Konflikts in die Augen von Ethan und Vanessa zurückkehrt. Die Landlust ist längst vergessen, als Ethan referiert, auf welch dunklen Pfad sie sich nun begeben habe: „You'll never get your soul back, not ever.“ Das verspricht mehr drive für die ausstehenden Episoden, mehr Blut, mehr Konfrontation, weniger Dialog.
Ähnlich verheißungsvoll verläuft der Handlungsbogen um Lily Frankenstein (Billie Piper), die trotz der Eifersucht ihres angeblichen Cousins eine Einladung von Dorian Gray (Reeve Carney) annimmt. Dem ist mit Angelique (Jonny Beauchamp) wohl schon langweilig, weswegen er sich neuen Abenteuern zuwendet. Das eigentliche Abenteuer kommt aber erst, als sich Mr. Boring himself aus dem Erzählstrang verabschiedet hat. Das zweite Frankenstein'sche Monster sucht sich darin ein williges Opfer, um es beim Sex zu erwürgen.
Die Szene stimmt hoffnungsfroh, dass Lily fortan männermordend durch die Straßen Londons zieht. Vielleicht kann sie ja auch jemand bändigen und Dexter-Morgan-mäßig für gute Dienste einspannen. Die Ausgangssituation für drei spannende Finalepisoden der durchwachsenen zweiten Staffel von Penny Dreadful ist damit etabliert. Hoffen wir nur, dass wir so bald nicht mehr ins Moor zurückkehren müssen - und dass Dorian Gray zum nächsten Opfer von Frankensteins Braut wird.
Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 15. Juni 2015(Penny Dreadful 2x07)
Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 2x07
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