Penny Dreadful 2x08

Penny Dreadful 2x08

Die Horrorserie Penny Dreadful lässt ihren Schauspielern in der Episode Memento Mori viel Raum zur Entfaltung. Deren Leistungen und der einfachen Tatsache, dass endlich wieder mehr passiert, ist denn auch der wiedergefundene Schwung zu verdanken.

Frankenstein (Harry Treadaway, l.) und Malcolm (Timothy Dalton) besprechen das weitere Vorgehen. / (c) Showtime
Frankenstein (Harry Treadaway, l.) und Malcolm (Timothy Dalton) besprechen das weitere Vorgehen. / (c) Showtime

Die Penny Dreadful-Episode Memento Mori dient mehreren dramaturgischen Zwecken. Einerseits erhellt sie die Hintergründe der Hexenjagd nach Vanessa Ives (Eva Green), andererseits bereitet sie ein erwartbar explosives Finale vor, das kaum höhere Einsätze haben könnte. Wie wir nun wissen, geht es um nichts weniger als die Verhinderung der Apokalypse. Oder eben deren Ermöglichung - das hängt natürlich davon ab, auf wessen Seite man steht.

Meet your master

Vanessa und Ethan (Josh Hartnett) bekommen hier keinen einzigen Auftritt. Umso erstaunlicher ist es, wie gut die Episode trotzdem gelungen ist. Die beiden harren weiterhin im Moor aus und warten auf ein Zeichen, nach Hause kommen zu können. Wir wissen nun, dass sie dieses Zeichen nicht bekommen werden, dafür aber ein anderes, weit weniger erfreuliches. Die Voodoo-Magie mag bei Sir Malcolm (Timothy Dalton) nicht angeschlagen haben, was aber noch lange nicht bedeutet, dass Evelyn Poole (Helen McCrory) nicht noch andere Wege kennt, ihn für ihre Zwecke einzuspannen.

Dank des hellsichtigen Einsatzes von Sembene (Danny Sapani) schlägt Plan A der Teufelsapologetin fehl. Es ist das erste Mal, dass wir einen Eindruck davon bekommen, welche Kräfte wirklich in Malcolms loyalem Diener schlummern. Sofort nachdem er erkannt hat, welche Transformation sein Dienstherr durchläuft, stürzt er sich auf ihn und schleppt ihn in den verlassenen Ballsaal des Hauses, der wohl zum letzten Mal genutzt wurde, als Mrs. Murray noch dort hauste. Dank der dadurch erweckten Erinnerungen wird Malcolm aus der Entrückung gerissen.

Es wird nicht das letzte Mal sein, dass er mit seinen toten Familienmitgliedern konfrontiert wird. Evelyn lässt ihn mit ihren zombifizierten Leichen zurück, damit er seine Entscheidung, Vanessa nicht an sie auszuliefern, noch einmal überdenken kann. Für den sehr wahrscheinlichen Fall, dass er dies nicht tun wird, hat sie ebenfalls vorgesorgt. Seine Gefangenschaft alleine wird für Vanessa Grund genug sein, nach London zurückzukehren. Die Vorbereitungen für ein furioses Finale laufen auf Hochtouren.

Indes erwächst Evelyn Widerstand von unerwarteter Front. Ihre eigene Tochter Hecate (Sarah Greene) tritt in die offene Rebellion. Diese plötzliche Wendung hätte jedoch besser vorbereitet werden müssen. Bisher haben wir - wenn überhaupt - nur sehr zarte Andeutungen eines möglichen innerfamiliären Zwists bekommen. Dass Hecate nun aber so offen gegen ihre Mutter opponiert, ist eine etwas zu abrupte Kehrtwende.

Never forget who commands

Sie wendet sich an Ferdinand Lyle (Simon Russell Beale), der weiterhin zwei verfeindete Parteien zu bespaßen hat. Hecate erfährt von ihm nichts, wir hingegen bekommen Aufklärung über die Motive der Hexen und ihres Overlords. Die Artefakte erzählen nun endlich die Geschichte von Luzifer und seinem Bruder, dem Obervampir. Die beiden wurden aus dem Himmel verbannt, einer auf die Erde, der andere in die Hölle. Um Wiedereintritt in den Himmel zu bekommen, brauchen sie eine geeignete menschliche Hülle, eben die von Vanessa Ives.

Sobald sie die Herrschaft über den Himmel zurückerobert haben, lassen sie immerwährende Dunkelheit auf die Erde regnen. Oder einfacher ausgedrückt: die Apokalypse. Die beiden letzten Episoden versprechen also nichts weniger als den Kampf um das Schicksal der Menschheit. Höhere Einsätze dürften schwer zu finden sein. Obwohl Penny Dreadful auch mit niedrigeren noch sehenswert wäre, ist es doch erfreulich, den drive der Serie zurückheißen zu können. Das gilt indes nicht nur für den Handlungsbogen rund um Vanessa Ives. Auch die übrigen schreiten plötzlich wieder eilig vorwärts.

Wenig überraschend ist dabei wieder einmal der von Dorian Gray (Reeve Carney) der am wenigsten sehenswerte. Zwar bekommen wir endlich das Bildnis des echten Dorian zu Gesicht, wie Angelique (Jonny Beauchamp) aber aus der Serie geschrieben wird, ist durchaus bedauernswert. Nach ihrer Vergiftung ist klar, dass sie keinem dramaturgischen Zweck diente außer dem, erneut zu zeigen, welch eitles Ungeheuer Dorian ist.

Bleibt die Frage, wo es in den ausstehenden Episoden mit ihm hingehen soll. Es gibt noch die dünne Verbindung zu Lily Frankenstein (Billie Piper), aber deren Handlungsbogen macht die wohl sehenswerteste Volte in dieser Episode. Mit einer schauspielerischen Meisterleistung lässt Piper das wahre Antlitz ihrer Figur diabolisch aufscheinen. Zunächst demütigt sie ihren Leidensgenossen John Clare (Rory Kinnear), um ihm dann auf eigentümliche Weise ihre Liebe zu gestehen: „My monster, my beautiful corpse.

Why do we exist?

Clare findet während ihrer Suada gegen die Unterdrückung der Frauen durch das Patriarchat, menschliche Abgründe und ihren Schöpfer keine Worte, so sehr zieht sie ihn mit ihren in den Bann: „Never again will I kneel to any man. Now they shall kneel to me.“ Piper bekommt hier die Chance, groß aufzuspielen, was sie glänzend nutzt. Aber auch John Logan offenbart sein großartiges Ausnahmekönnen. In vielen anderen Formaten würden solch epische Monologe schnell aufgesetzt wirken, hier nimmt man der Figur ihre Verwandlung voll ab.

Für Victor Frankenstein (Harry Treadaway) könnte es jedenfalls sehr bald sehr eng werden. Er hat ein wahres Monster geschaffen, das keine unähnlichen Ziele wie der Teufel höchstpersönlich hat: „We are the next thousand years. We are the dead.

In diesem Tempo darf es gerne weitergehen. Penny Dreadful hat nach einigen bisweilen ziellos anmutenden Episoden wieder in die Spur gefunden. Memento Mori zeigt wunderbar die Stärken der Serie auf. Und das Beste daran: In den nächsten Episoden werden Vanessa und Ethan wieder mit von der Partie sein. Wir können uns auf ein furioses Finale freuen.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 22. Juni 2015
Episode
Staffel 2, Episode 8
(Penny Dreadful 2x08)
Titel der Episode im Original
Memento Mori
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 21. Juni 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 26. Juni 2015
Regisseur
Kari Skogland

Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 2x08

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