Penny Dreadful 2x06

Penny Dreadful 2x06

Die Glorious Horrors aus dem Titel der neuen Penny Dreadful-Episode setzen erst ganz am Schluss ein. Bis zu ihrem absehbaren Ende schleppt sich die Geschichte ohne große Aufreger dahin. Zumindest bleibt bis dahin unklar, wie sich das Grande Finale genau ausnehmen wird.

Ferdinand Lyle (Simon Russell Beale) vergnügt sich mit Hexe Hecate (Sarah Greene). / (c) Showtime
Ferdinand Lyle (Simon Russell Beale) vergnügt sich mit Hexe Hecate (Sarah Greene). / (c) Showtime

Der zweiten Staffel von Penny Dreadful wurden von Showtime zwei zusätzliche Episoden gegönnt. Nachdem nun mehr als die Hälfte ausgestrahlt wurden, stellt sich aber die Frage, welche dramaturgische Entscheidung dahinterstand. Glorious Horrors kündigt sich als spannungsgeladene Episode an, kann dieses Versprechen aber am Ende nur ganz kurz einlösen. Es gibt hier kaum eine neue Erkenntnis, keine gravierende Charakterentwicklung.

Why am I frightened?

Die Episode ist so strukturiert, damit es im Finale zu einem großen Knall kommen kann. Dieser bleibt aber größtenteils aus. Bis auf wenige Szenen bleibt der große Coming Out-Ball für Angelique (Jonny Beauchamp) hinter den Erwartungen einer bereits ereignisarmen Episode zurück. In dieser Staffel hat sich die Serie bereits zwei solcher Atempausen gegönnt. The Nightcomers funktionierte, weil sich darin Eva Green und Patti LuPone aneinander abarbeiten konnten. Evil Spirits in Heavenly Places war hingegen die bisher schwächste Episode, weil darin kaum etwas Erwähnenswertes passierte.

Zu ihr gesellt sich nun diese Episode, die hohe Erwartungen aufbaut, diese aber nicht erfüllen kann. Glorious Horrors knüpft nahtlos an die Ereignisse der letzten Episode an. Die meisten Charaktere wachen in fremden Betten auf, mit Gesellschaft, die sie später noch bereuen könnten. Victor (Harry Treadaway) schaut zunächst etwas besorgt, bevor ihm der Duft von frisch zubereitetem Frühstück in die Nase steigt und Lily (Billie Piper) ihm sanft die Lippen küsst. Jeden Morgen so aufwachen - daran könnte er sich gewöhnen.

Nach seiner Nacht mit Angelique fasst Dorian (Reeve Carney) indes den Beschluss, ihre Beziehung öffentlich zu machen. Ob dahinter nun der Wunsch steht, sich für die gesellschaftliche Akzeptanz Transsexueller einzusetzen, oder sein narzisstisches Verlangen nach Aufmerksamkeit und Skandal, sei dahingestellt. Carneys Spiel legt nahe, dass dieser Vorstoß eher auf egoistischen Motiven beruht, zweifelsfrei lässt sich das aber nicht feststellen. Jedenfalls plant er, einen großen Ball zu veranstalten, zu dem sämtliche Größen der alternativen Londoner Feiergesellschaft eingeladen sein sollen. Es bedarf denn auch nicht viel Überzeugungsarbeit, um Angelique diese Idee schmackhaft zu machen.

Das perfekte Setting also, um mehrere miteinander verfeindete Parteien erstmals (oder erneut) aufeinandertreffen und es ordentlich knallen zu lassen. Dorian lädt Vanessa Ives (Eva Green) und ihre gesamte Entourage ein, wozu neuerdings auch Victor Frankenstein und seine angebliche Kusine gehören. Nach seiner Nacht mit Evelyn Poole (Helen McCrory) fühlt sich Malcolm (Timothy Dalton) von jugendlicher Energie durchflutet und lässt sich auch von der Nachricht vom Selbstmord seiner Ehefrau nicht betrüben.

Not all deaths are the tragedies we think they should be

Er macht sich lediglich Gedanken über den versauten Teppich im Schlafzimmer, den er jetzt wohl in die Reinigung geben müsse. Da weiß er natürlich noch nicht, dass Evelyn auch von ihm eine Voodoopuppe anfertigt und ihm somit bald das gleiche Schicksal blühen könnte wie seiner Ehefrau. Vanessa hat hingegen schon eine Vorahnung davon, dass sich ihr Mentor in schlechter Gesellschaft befindet. Seine Reaktion auf den Tod seiner Ehefrau ist viel zu ungewöhnlich, um nicht unter irgendeinem dunklen Zauber entstanden zu sein.

Ethan Chandler (Josh Hartnett) stimmt indes zu, Vanessa zum Ball zu begleiten, sagt dann aber kurzfristig ab, weil er ebenfalls Böses ahnt. Zunächst darf ihm Inspector Rusk (Douglas Hodge) einmal mehr versichern, dass er über seine Verwicklung in das Massaker im Mariner's Inn Bescheid wisse. Dann bekommt er Besuch vom einzigen Überlebenden ebenjenes Massakers, der diese besondere Situation zum eigenen Vorteil ausnutzen will. Dieser Handlungsbogen schafft es derzeit nicht, Schwung zu generieren. Chandler und Rusk drehen sich nun seit mehreren Episoden im Kreis um sich selbst, von Roper (Stephen Lord) geht bisher ebenfalls keine ernstzunehmende Gefahr aus.

Zumindest erkennt Ethan, welche Gefahr bei Vollmond von ihm ausgehen kann. Er bittet deswegen Sembene (Danny Sapani), ihn im Keller anzuketten und zu beobachten. Schließlich verwandelt sich Ethan wirklich - vielleicht ist das der erste Schritt zur Kontrolle über seine besondere Fähigkeit. Es wäre auch ein erster Schritt hin zu einem interessanteren Handlungsbogen für den Revolverheld aus Übersee.

Die Geschichte um John Clare (Rory Kinnear) schafft es indes jetzt schon, mein Interesse aufrechtzuhalten. Sie bewegt sich zwar auch sehr langsam, setzt aber an neuralgischen Punkten kleine Nadelstiche, die neue Nuancen kreieren. Neben Vanessa gab es nur eine Person, die John eventuell als Freundin hätte bezeichnen können. Die blinde Tochter seines Arbeitgebers, Lavinia (Tamsin Topolski), konnte ihn nicht nach seinem Äußeren beurteilen und war ihm gegenüber deshalb genauso aufgeschlossen wie gegenüber allen anderen fremden Menschen.

It's like he's not really alive

Nun, da sie ihn angefasst hat, weiß jedoch auch sie, dass etwas nicht mit ihm stimmt. Sie berichtet sogleich ihren Eltern von der Entdeckung, was ihrem Vater Oscar (David Haig) wohl in die Karten spielen dürfte, plant er doch sowieso schon, John zum Teil seiner Freakshow zu machen. Die Zukunft von Frankensteins Monster sieht also alles andere als rosig aus - eine Aussage, die auf fast alle Figuren zutrifft.

Es kommt zum großen Finale dieser Episode, dem Ball im Bildersaal von Dorian Gray. Hier verschenken John Logan und Konsorten jedoch einiges an Konfliktpotential. Die Präsentation von Dorian und Angelique als Paar sorgt für wohlwollendes Klatschen und sonst für nichts. Die beiden tanzen kurz miteinander, dann ist das allgemeine Aufsehen auch schon wieder verflogen. Dann glaubt Dorian, Lily zu erkennen, kann sie aber doch nicht wirklich einordnen. Der Einzige, der sie mit Sicherheit erkennen würde, weilt indes in einem Keller und wartet auf seine Mutation.

Wieder einmal muss also Vanessa Ives herhalten, um der Geschichte Rasanz zu verleihen. Nachdem sie ein paar deutliche Worte mit Evelyn gewechselt hat, wird sie von Ferdinand Lyle (Simon Russell Beale) vor einer akuten Gefahr gewarnt. Da ist es aber schon zu spät: Die Hexen kreisen sie unter Führung von Hecate (Sarah Greene) ein. Diese Szene ist der visuelle Höhepunkt der Episode und erinnert mit der nachfolgenden an eine Inszenierung von Meisterregisseur Stanley Kubrick.

Bevor die Hexen zu ihr gelangen können, bekommt Vanessa Halluzinationen: Plötzlich regnet es Blut von der Decke. Die übrigen Feiergäste tanzen aber unbeschwert weiter, während ihre Kleider mit Blut vollgesogen werden und sich auf dem Fußboden ein regelrechter Blutsee bildet. Dann bricht Vanessa erschöpft zusammen. Glorious Horrors endet mit einem schauerlichen Tableau, kann diesem Titel aber trotzdem nicht gerecht werden. Etwas mehr Dringlichkeit wäre für die ausstehenden vier Episoden angebracht.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 8. Juni 2015
Episode
Staffel 2, Episode 6
(Penny Dreadful 2x06)
Deutscher Titel der Episode
Wohlige Schauer
Titel der Episode im Original
Glorious Horrors
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 7. Juni 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 12. Juni 2015
Regisseur
James Hawes

Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 2x06

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