Penny Dreadful 2x05

Penny Dreadful 2x05

Sexytime im London des späten 19. Jahrhunderts: Zur Halbzeit der zweiten Staffel kommt es in Penny Dreadful zu mehreren unheiligen Allianzen - zumindest aus damaliger Sicht. Above the Vaulted Sky kommt ohne Aufreger aus und ist trotzdem überaus mitreißend.

Vanessa Ives (Eva Green) beäugt ihre Umgebung misstrauisch. / (c) Showtime
Vanessa Ives (Eva Green) beäugt ihre Umgebung misstrauisch. / (c) Showtime

Die neue Episode von Penny Dreadful dient als Übergang zum wahrscheinlich actionreicheren zweiten Teil der zweiten Staffel. Die Schutztruppe von Vanessa Ives (Eva Green) liest die jüngsten Angriffe von Evelyn Poole (Helen McCrory) und ihren Hexen richtig und beschließt, die Villa von Sir Malcolm (Timothy Dalton) zur Hochsicherheitszone umzufunktionieren. Wenn die Devise hernach lautet, alles, was man nun tun könne, sei abzuwarten, dann ist dramaturgisch nicht allzu viel herauszuholen - außer, man verlagert sich auf interpersonelle Annäherungen.

All the stratagems of the battle are unknown to me

Genau das macht John Logan in Above the Vaulted Sky. Beinahe sämtliche Hauptfiguren dürfen sich ihrer fleischlichen Bedürfnisse hingeben, nur der sowieso schon gebeutelte John Clare (Rory Kinnear) bleibt außen vor. Er versucht zwar sein Bestes, die ihm eigentlich versprochene Lily (Billie Piper) mittels einer erfundenen Geschichte von seiner Liebenswürdigkeit zu überzeugen, hat damit aber keinen Erfolg. Sie offenbart ab dem ersten Augenblick des arrangierten Dates, dass es ihr unmöglich ist, sein unansehnliches Äußeres zu ignorieren. Außerdem hat sie sich längst in einen Anderen verliebt - ihren Schöpfer und angeblichen Cousin Victor (Harry Treadaway).

Trost findet John bei der mildtätigen Vanessa im Cholera-Verlies. Die beiden entdecken ihre gemeinsame Liebe für die Gedichte von Johns Namensvetter (der Titel dieser Episode ist einer Verszeile aus dessen Gedicht I Am entnommen). Es ist nicht die ersehnte körperliche Zuneigung, die Vanessa ihm geben kann, doch es ist Respekt und Freundschaft, was ihm zwar auch von Lily angeboten wurde, für ihn aber in keiner Sekunde wirklich zu spüren war. Anschließend tanzen die beiden ausgerechnet an einem Ort, wo Freude und Vergnügen eine Rarität sind. Es ist die schönste Szene der Episode.

Mit seinem Schöpfer Dr. Frankenstein wird es wohl aber bald zu mehr kommen als nur einer verbalen Auseinandersetzung. Victor verliebt sich nämlich selbst in seine zweite Kreatur, was auch Vanessa beim gemeinsamen Kaffeedate nicht entgeht. Überrascht war ich nur ein wenig davon, dass Vanessa die falsche Cousine nicht erkannt hat, schließlich haben sie und Brona Croft sich bereits im Finale der ersten Staffel, Grand Guignol, kennengelernt. Angesichts der turbulenten Ereignisse, die sie seitdem durchlebt hat, ist ein solcher Verdrängungsprozess aber nicht unwahrscheinlich.

Einer, der Brona aka Lily aber sofort wiedererkennen wird, ist Ethan Chandler (Josh Hartnett). Es dürfte eigentlich nur noch eine Frage der Zeit sein, bis Victor seine Geliebte (davon können wir nach der Gewitternacht wohl ausgehen) in das Murray'sche Anwesen mitbringt. Bis dahin muss sich Ethan aber mehreren Verfolgern erwehren. Nicht nur Inspektor Rusk (Douglas Hodge) ist ihm auf der Spur, sondern auch der einzige Überlebende des von ihm als Werwolf angerichteten Massakers. Dessen blutunterlaufene Augen könnten bedeuten, dass auch er bald zum Werwolf mutieren könnte.

I can't tell anymore

Wir sehen zwar nicht, ob es zu einer körperlichen Zusammenkunft zwischen Ethan und Vanessa kommt, aber die Gesten zwischen beiden werden eindeutiger. Wo einst vornehme Zurückhaltung regierte, gibt es nun mit schöner Regelmäßigkeit kleine Berührungen, auch hier dürfte es nur eine Frage der Zeit sein. Dazwischenfunken könnte natürlich zu jedem Nachtzeitpunkt ein erneuter Angriff der Hexen, die Vanessa nun sogar als Halluzinationen erscheinen. Die unheimlichen, wahrlich gruseligen Vorstellungen treiben sie in Ethans Arme - wohin auch sonst?

Sir Malcolm ist schließlich gänzlich damit beschäftigt, von Madame Poole verführt zu werden. Es hat nicht lange gedauert, um seinen Widerstand zu brechen. Zugegebenermaßen nutzt Evelyn dazu mehrmals ein besonderes Mittelchen, das sie Malcolm mittels ihres scharfspitzigen Rings verabreicht. Was folgt, ist eine Nacht voller leidenschaftlichem Sex, deren explizite Darstellung nur von einer anderen Szene übertroffen wird, zu der ich gleich kommen werde.

Die mehrgleisige Strategie nimmt also Gestalt an, weshalb wir uns in der zweiten Staffelhälfte wohl auf einige actionreichere Episoden freuen können. Zu dieser Strategie gehört auch die besonders brutale Zerstörung von Malcolms Ehefrau Gladys (Noni Stapleton). Von ihr gibt es in Evelyns Gruselkabinett eine Voodoopuppe, deren Schädel die Teufelsapologetin genüsslich aufbricht, um dann mit heißen Nadeln ein künstliches (oder gar echtes? Und wenn ja, von wem?) Gehirn zu malträtieren. Gladys wacht daraufhin mit grausamen Kopfschmerzen auf, die sie fortan ohne Unterlass quälen. Als ihre zwei toten Kinder vor ihr aus ihren Gräbern steigen und auf sie zuwanken, gibt es für sie nur noch einen Ausweg: Selbstmord. Erst, als sie vom kalten Hauch des Todes umgeben ist, sieht sie, dass sie sich alles nur eingebildet hat. Da ist es aber längst zu spät.

Ob Evelyn die Angetraute ihres Liebhabers nur aus reinem Vergnügen in den Freitod quält oder ein Motiv dahintersteckt, ist derzeit noch nicht zweifelsfrei auszumachen. Hofft sie, Malcolm dadurch selbst ehelichen zu können - nun, da er wieder verfügbar ist? Will sie sich so Zugang zu seinem Anwesen und damit zu Vanessa Ives verschaffen? Aber hat sie nicht jetzt schon diesen Zugang? Schließlich werden sie und Malcolm nicht nur bei ihr zu Hause durch die Laken wühlen wollen. Die nächsten Episoden werden darüber sicher Aufklärung bringen.

We're all awkward in love

Eine interessante Entwicklung ist auch beim Handlungsbogen des meist sehr drögen Dorian Gray (Reeve Carney) zu verzeichnen. Zwar existiert dieser Erzählstrang größtenteils weiter in einer Blase, die zu den übrigen Handlungsbögen keinerlei Verbindung aufweist. Das noch heute schwierige Thema der Transsexualität wird hier jedoch sehenswert aufgearbeitet - inklusive einer sehr expliziten Sexszene, mit der Logan und Showtime einmal mehr beweisen, wie fortschrittlich sie mit gleichgeschlechtlicher Liebe umgehen.

Es bleibt abzuwarten, ob diese Geschichte irgendwohin führt oder sich nur des Schicksals von Angelique (Jonny Beauchamp) annimmt. Fürs Erste ist es hier aber gelungen, beiden Figuren ausreichend emotionale Tiefe zu verleihen, um ihrer Geschichte Bedeutung zu geben - und das ist für den ansonsten blassen Charakter Dorian Gray schon ein großer Fortschritt.

Penny Dreadful erholt sich mit Above the Vaulted Sky wieder von der dramaturgischen Stagnation der letzten Episode. Zwar passiert auch hier nicht besonders viel, jedoch wird ein Fundament für vielversprechende Auseinandersetzungen in den ausstehenden Episoden gelegt. Außerdem ist es immer ein gutes Zeichen, wenn eine Serie es auch in ruhigen Episoden schafft, seinem Publikum Angst einzujagen. Das gelingt hier, und das stimmt positiv für die Zukunft.

Verfasser: Axel Schmitt am Montag, 1. Juni 2015
Episode
Staffel 2, Episode 5
(Penny Dreadful 2x05)
Deutscher Titel der Episode
Der Himmel deckt mich zu
Titel der Episode im Original
Above The Vaulted Sky
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 31. Mai 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 5. Juni 2015
Regisseur
Damon Thomas

Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 2x05

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