Penny Dreadful 2x04

Penny Dreadful 2x04

Zum ersten Mal kommt es in der bislang überaus zufriedenstellenden zweiten Staffel von Penny Dreadful zum kurzen dramaturgischen Stillstand. Evil Spirits in Heavenly Places zeigt exemplarisch, dass nicht alle Handlungsbögen mit dem von Vanessa Ives mithalten können.

Die arme Vanessa Ives (Eva Green) muss immer über die Schulter schauen. / (c) Showtime
Die arme Vanessa Ives (Eva Green) muss immer über die Schulter schauen. / (c) Showtime

Das Ende der neuen Penny Dreadful-Episode Evil Spirits in Heavenly Places ließ mich zwiespältig zurück. Einerseits sah ich eine spannend inszenierte Actionsequenz mit einigen gelungenen Effekten, andererseits erinnerte die Szene an das Ende der Auftaktepisode der zweiten Staffel, in der nahezu dasselbe passierte - nur mit weniger Teilnehmern.

Born fresh to suffer

Überhaupt konnte man bei dieser Szene schnell den Eindruck bekommen, dass sie nur in die Episode eingebaut wurde, um wenigstens am Ende ein bisschen Schwung reinzubringen. Das Tempo der Folge ist mit „langsam“ nämlich fast noch wohlwollend bezeichnet. Nach der Rückblende in The Nightcomers schreitet der Plot nun wieder voran - das aber sehr gemächlich.

Vanessa Ives (Eva Green) erzählt ihren Mitstreitern zu Beginn das Ende ihrer Vorgeschichte mit der Hexe Joan Clayton (Patti LuPone), woraufhin die ihre Bemühungen um ihre Sicherheit verstärken. Ferdinand Lyle (Simon Russell Beale) und Sir Malcolm (Timothy Dalton) stürzen sich daraufhin sofort wieder in ihre Recherchen zur origin story des Teufels himself.

Sie finden dabei heraus, dass es sich bei all den Artefakten, die sie aus dem British Museum zusammengetragen haben, um eine Art verstreutes Memoirenrelief des Teufels handelt. Ihnen bei ihrer zeitraubenden und aufwändigen Arbeit zuzuschauen, ist aber ungefähr so spannend, wie einem Studenten dabei zuzusehen, wie er sich in der Universitätsbibliothek durch alte Wälzer quält. Sicher, der Student bekommt keinen Dialog von John Logan in den Mund gelegt. Aber auch das kann nicht verhindern, dass diesem Teil des größeren Handlungsbogens der Elan fehlt.

Am Ende steht die Erkenntnis, dass Vanessa wohl das Ziel einer immerwährenden satanischen Suche ist - eine Erkenntnis, die die vermeintliche Zielperson verständlicherweise nicht akzeptieren will. Ihre Beschützer gelangen auf unterschiedlichem Wege dorthin. Werwolf Ethan (Josh Hartnett) wird selbst zur Zielscheibe des Hexenzirkels um Evelyn Poole (Helen McCrory). Die Intrige wird von ihrer Tochter Hecate (Sarah Greene) aber so stümperhaft eingefädelt, dass es ihm nicht schwerfällt, ihre Tarnung (wenn zunächst auch nicht ganz richtig) aufzudecken.

Whatever we can imagine, far worse is true

Er glaubt zunächst, dass sein Vater dahintersteckt, wird von Vanessa aber eines Besseren belehrt. Sie weiß genauso wie ihr loyalster Diener Sembene (Danny Sapani), dass diese dunkle Macht nicht ruhen wird, bevor sie Vanessa vereinnahmt haben wird. Vor dem Angriff am Ende der Episode darf die Gesuchte aber endlich einmal durchatmen. Mit Victor Frankenstein (Harry Treadaway) geht es nämlich auf Shoppingtour, will der doch ein passendes Outfit für seine neue Kreation, seine angebliche Cousine Lily (Billie Piper), finden.

Es tut einfach mal gut, Eva Green ob ihres üblichen schauspielerischen Parforceritts lächeln zu sehen. Sie erfreut sich über Frankensteins Unsicherheit und hat Spaß daran, seine Verschämtheit mit kleinen Sticheleien zu erhöhen. Angesichts ihrer jüngsten Erlebnisse hat sie sich eine solche kurze Verschnaufpause redlich verdient - genau wie die Serie, die sich doch sehr in menschlichem Leid und todernster Tragik suhlt. Und um uns ja nicht an einen diesen leichteren Ton zu gewöhnen, kehrt sie postwendend dazu zurück.

Zwischendurch geht die Interessantwerdung von Billie Pipers neuer Figur weiter. Sie wird von ihrem Schöpfer, vermeintlichen Cousin und heimlichen Verehrer eingekleidet, findet an der einschnürenden Kostümierung aber keinerlei Gefallen: „All we do is for men, isn't it?“ („Alles, was wir tun, ist für die Männer, oder?“) Ganz leicht klingt da feministisches Gedankengut an, was mein Interesse an diesem Charakter stark ansteigen lassen würde, entschiede sich Logan, diese Idee weiter auszuführen.

Auf nahezu null Interesse stößt bei mir indes der Handlungsbogen um Dorian Gray (Reeve Carney), der sich weiter mit seiner Gespielin Angelique (Jonny Beauchamp) vergnügt und dafür einen Tischtennissalon aufsucht. Wirklich, Tischtennis? Meinetwegen kann dieses Spiel zu dieser Zeit der heißeste neue Trend gewesen sein - trotzdem muss ich diesen zwei Jünglingen nicht dabei zusehen. Ist ja beinahe so spannend, wie zwei alten Männern beim Fachsimpeln über Fossile zuzuschauen.

Bring me what I need

Wie schon in der ersten Staffel mäandert der Erzählstrang um Dorian Gray ziellos umher. Es ist schwer vorstellbar, wie sich das Ganze mit dem Haupthandlungsstrang verbinden lässt, sollte Logan so etwas überhaupt planen. Ich könnte mir lediglich vorstellen, dass Angelique ein Geheimnis wahrt, das sie irgendwie mit den Hexen in Verbindung bringt. Solange diese Szenen wie hier auf ein Minimum beschränkt sind, lassen sie sich aber problemlos verschmerzen.

Dialogarbeit und inszenatorische Umsetzung bleiben auch in Evil Spirits in Heavenly Places auf hohem Niveau. Der Plotfortschritt hält sich jedoch in Grenzen. Es gibt kaum neue Erkenntnisse. Vanessa Ives wehrt den Hexenangriff genauso ab wie am Ende von Fresh Hell. Inspektor Rusk (Douglas Hodge) kommt mit seinen Ermittlungen nicht weiter, sondern deduziert nur, dass es sich beim Überfall in der U-Bahn und dem Massaker im Mariner's Inn um unterschiedliche Täter handeln muss.

Immerhin dürfte es für John Claire (Rory Kinnear) bei seinem neuen Job bald ungemütlicher werden. Sein Arbeitgeber plant, ihn und andere Freaks als lebende Ausstellungsstücke zu missbrauchen. Vielleicht findet er ja in dessen Tochter, der blinden Lavinia (Tamsin Topolski), eine Verbündete. Die Trope von der Blinden, die nur auf innere Schönheit achtet und deswegen das Monster lieben kann, ist zwar ebendas, funktioniert für den Moment aber gut. Für Penny Dreadful gilt schließlich seit Beginn, dass durch die exzellenten Schauspieler aufgefangen wird, was das Drehbuch nicht zu leisten vermag. Bleibt zu hoffen, dass sich beide bald wieder auf dem gleichen Niveau bewegen.

Verfasser: Axel Schmitt am Donnerstag, 28. Mai 2015
Episode
Staffel 2, Episode 4
(Penny Dreadful 2x04)
Deutscher Titel der Episode
Böse Geister in der Himmelswelt
Titel der Episode im Original
Evil Spirits in Heavenly Places
Erstausstrahlung der Episode in den USA
Sonntag, 24. Mai 2015 (Showtime)
Erstausstrahlung der Episode in Deutschland
Freitag, 29. Mai 2015
Regisseur
Damon Thomas

Schauspieler in der Episode Penny Dreadful 2x04

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